{"id":21307,"date":"2013-05-06T21:59:59","date_gmt":"2013-05-06T19:59:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21307"},"modified":"2013-05-06T21:59:59","modified_gmt":"2013-05-06T19:59:59","slug":"drei-literarische-zeitreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21307","title":{"rendered":"Drei literarische Zeitreisen"},"content":{"rendered":"<p>Am Nachmittag gabs wieder eine Muttertagsfeier zu der ich von der Bezirksvorstehung Mariahilf nun schon zum f\u00fcnften Mal eingeladen wurde. Zweimal bin ich da im Haus des Meeres herumgeklettert und habe mir je eine Szene davon mitgenommen. Einmal einen &#8220;Haus des Meeres Besuchs&#8221; der Natalie und ihrer Mutter in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_radiosonate.html\">&#8220;Radiosonate&#8221;<\/a>, das zweite Mal die &#8220;Taubenf\u00fctterungszene&#8221; in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">&#8220;Absturzgefahr&#8221;<\/a>.<br \/>\nann gabs Einladungen zu einer Jause ins Pensionistenhaus am Loquaiplatz. Vor <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/03\/muttertagsjause-und-lesungsreduktion\/\">zwei Jahren hat dort Heinz Zuber gesungen<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/09\/muttertagsfeier-8-mai-kundgebung-bezirksschreiberleser\/\">voriges Jahr<\/a> war ich mit meiner Cousine Irmi da, als Erni Mangold ihre Memoiren vorstellte und diesmal trat ein Dr. Sepp Tatzel auf, das ist ein 1925, geborener Mariahilfer, der die Turniere auf der Schallaburg gerstaltet, Kabarettprogramme und auch einige B\u00fccher geschrieben hat und er gestaltete diese Muttertagsfeier, es gab wieder Kaffee und einen Schokow\u00fcrfel mit einem Herzchen, in Gedenken an seine Mutter, hat ein paar Liedtexte vorgelesen und erz\u00e4hlt, da\u00df er aus einer Offiziersfamilie stammt, mit zehn Jahre zum Familieneinkommen beitrug, weil er im Raimundtheater aufgetreten ist und eineinhalb Jahre vor Kriegsende wurde er noch eingezogen.<br \/>\nDas war sehr ber\u00fchrend und auch beklemmend, weil ich mich ja sehr f\u00fcr die Zeitreisen ins Jahr Vierunddrei\u00dfig oder so interessiere und da stand an diesem Montag  auch noch einiges anderes am Programm.<br \/>\nUm achtzehn Uhr wurde n\u00e4mlich die Widmungstafel vor dem Haus in der Ferdinandstra\u00dfe Nummer 29 enth\u00fcllt und dazu hat mich nicht nur Konstantin Kaiser eingeladen, Petra Ganglbauer war auch am Morgen im Leporello und hat ein bi\u00dfchen was zu dem &#8220;Veza lebt&#8221;-Projekt erz\u00e4hlt, wo ich ich ja schon vorige Woche in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/30\/veza-canetti-erinnernd\/\">Alten Schmiede<\/a> war. Weil es um sieben in der Grundbuchveranstaltung Hilde Spiel vorgestellt wurde, hatte ich zwar  vor dort hinzugehen, aber vorher ein bi\u00dfchen in der Ferdinandstra\u00dfe vorbeigeschaut, die schon sehr bev\u00f6lkert war.<br \/>\nBatya Horn habe ich auf den Weg dorthin getroffen, Christel Fallenstein war da und viele andere und Konstantin Kaiser erz\u00e4hlte mir, da\u00df der Theodor Kramer-Preis heuer erst am 4. Oktober in Niederhollabrunn, Theodor Kramers Geburtsort vergeben wird.<br \/>\nEin Politiker hat dann die Veranstaltung er\u00f6ffnet, erz\u00e4hlt, da\u00df Erinnerungsarbeit wichtig ist, Konstantin Kaiser w\u00fcrdigte die Dichterin und die Projektleiterin Gertrude Moser-Wagner z\u00e4hlte alle Sponsoren auf.<br \/>\nDann gabs im gegen\u00fcberliegenden Lokal eine Muiskperformance und auch einen Rundgang durch s\u00e4mtliche Stationen, wo es im Rahmen des Projektes Installationen gibt, so wird zum Beispiel der Name &#8220;Veza&#8221; auf eine Hausmauer projeziert.<br \/>\nIch bin aber nach der Enth\u00fcllung der Tafel, wie geplant in die Alte Schmiede gegangen, denn Hilde Spiel interessiert mich sehr und ist auch zeitlich passend, da sie ja, wie Veza Canetti nach London emigrierte, allerdings nach Wien zur\u00fcckkehrte, wo sie 1990 starb und ich habe im vorigen Jahr einiges von ihr und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/24\/uber-hilde-spiel\/\">\u00fcber<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/13\/hilde-spiel-und-der-literarische-salon\/\">sie<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/03\/die-fruchte-des-wohlstands\/\">gelesen<\/a>.<br \/>\nDas vorgestellte Grundbuch &#8220;Das Haus des Dichters &#8211; literarische Essays, Interpretationen, Rezensionen&#8221;, 1992 posthum herausgegeben war mir aber v\u00f6llig unbekannt, was f\u00fcr ein Grundbuch sehr interessant ist, es d\u00fcrfte auch vergriffen sein, jedenfalls habe ich es nicht am B\u00fcchertisch liegen sehen und Kurt Neumann erw\u00e4hnte in seiner Einleitung, da\u00df Anneliese Rohrer, die bekannte Journalistin heute nicht den Titeltext lesen w\u00fcrde.<br \/>\nDer w\u00fcrde erst morgen in Linz vorgestellt, man k\u00f6nne ja hinfahren, wenn man ihn h\u00f6ren wolle, heute w\u00fcrde es eine Rezension \u00fcber ein Buch von Helmut Qualtinger geben und Anneliese Rohrer meinte, da\u00df sie den Text deshalb ausgew\u00e4hlt hat, weil Qualtinger nebenan im Heiligenkreuzerhof gewohnt hat und man auch die Verachtung des \u00d6sterreichischen dabei gut sehe. Es wurde diskutiert, da\u00df Hilde Spiel in dem Text fein umschrieben hat, da\u00df Qualtinger nicht in dem Dichterolymp aufgestiegen ist, sondern sein Talent irgendwie vergeudete und nicht sehr achtsam mit sich umgegangen w\u00e4re.<br \/>\nPaul Jandl erz\u00e4hlte dann insgesamt etwas \u00fcber den Band, meinte da\u00df Hilde Spiel eher einen konventionellen Literaturbegriff gehabt hat und gerne selber die gro\u00dfe Form des Romans geschrieben h\u00e4tte.<br \/>\nDas hat sie an Heimito von Doderer sehr bewundert, von dessen &#8220;Strudlhofstiege&#8221; sie so begeistert war, da\u00df sie ihm sogar seine kurzzeitige Sympathie f\u00fcr den Nationalsozialismus verziehen h\u00e4t, sonst h\u00e4tte sie von Jandl, Mayr\u00f6cker, Handke, Turrini und Wolfgang Bauer nicht viel gehalten und von der Wiener Gruppe gerade Konrad Bayer gelten lassen.<br \/>\nSehr interessant \u00fcber dieses mir unbekannte Grundbuch wieder viel \u00fcber die Dichterin zu erfahren bzw. mein bisheriges Wissen auffrischen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Band von Marcel Reich Ranicki , den ich im Vorjahr gelesen habe, wurde erw\u00e4hnt und auch, was mir, glaube ich, ebenfalls aufgefallen ist, wie ambivalent sich der Literaturpapst darin ge\u00e4u\u00dfert hat.<br \/>\nKurt Neumann meinte in seiner Einleitung noch, da\u00df man Hilde Spiel in den Neunzigerjahren zu einer Grand Dame der Literatur gemacht hat, wohl auch, um andere gro\u00dfe Damen damit zu verhindern.<br \/>\nWer damit gemeint ist, hat er nicht verraten, aber von Netzwerken und der genauen Literaturkritik gesprochen, die heute nicht mehr m\u00f6glich ist und er hat auch die Erinnerungsb\u00e4nde erw\u00e4hnt, mit denen Hilde Spiel ber\u00fchmt wurde und von dem ich auch einen gelesen habe.<br \/>\n&#8220;Kati auf der Br\u00fccke&#8221;, das inzwischen neu aufgelegt wurde und das ich gerne lesen w\u00fcrde, lag am B\u00fcchertisch auf und im Publikum war Daniela Strigl, die sich auch zu Wort meldete.<br \/>\nSehr interessant an einem einzigen Tag soviel \u00fcber das vergangene Wien von seinen unterschiedlichen Zeiten zu erfahren, obwohl sich das Grundbuch \u00fcber Hilde Spiel haupts\u00e4chlich auf die Siebzigerjahre bezog und die habe ich ja auch sehr intensiv erlebt, obwohl ich von dem damaligen Literaturbetrieb wahrscheinlich nicht sehr viel gewu\u00dft habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Nachmittag gabs wieder eine Muttertagsfeier zu der ich von der Bezirksvorstehung Mariahilf nun schon zum f\u00fcnften Mal eingeladen wurde. 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