{"id":21295,"date":"2013-05-11T00:35:40","date_gmt":"2013-05-10T22:35:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21295"},"modified":"2013-05-11T00:35:40","modified_gmt":"2013-05-10T22:35:40","slug":"die-unsichtare-fotografin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21295","title":{"rendered":"Die unsichtbare Fotografin"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich vor einem Jahr aus der &#8220;Morawa&#8221;-Abverkaufskiste zog und um zwei Euro kaufte, n\u00e4mlich Elisabeth Reicharts vorletzter Roman &#8220;Die unsichtbare Fotografin,  2008 bei Otto M\u00fcller erschienen und es ist ein Buch f\u00fcr das man ein wenig Geduld braucht, weil sich die Zusammenh\u00e4nge erst weiter hinten verstehen lassen.<br \/>\nDas ist Alice, eine etwa vierzigj\u00e4hrige Fotografin, mit Kindheit in Gmunden und Eltern in Wien, die jetzt aber keine Wohnung mehr hat, sondern durch die Welt fliegt, in  Hotelzimmern wohnt, sich an den Flugh\u00e4fen von ihren Assistenten, Dolmetschern, Agenten abholen l\u00e4\u00dft, mal dortwo eine Vorlesung hat und hier zu einer Buchpr\u00e4sentationen kommen soll.<br \/>\nSie ist eine, die die Sch\u00f6nheit liebt und sich auf Gewalt nie einlassen w\u00fcrde, und trotzdem wird sie schon im zweiten Kapitel, jedes tr\u00e4gt einen Ortsnamen, im Titel, der erste ist Shanghai, der zweite Tokio von ihrer Assistentin mit Fotos konfrontiert, die sie in Shanghai gemacht haben soll.<br \/>\nFolterfotos mit Hunden, Gefangenen und Flaggen im Hintergrund.<br \/>\n&#8220;Bist du wahnsinnig?&#8221;, schreit die Agentin, aber Alice hat doch nur Hunde fotografiert und im n\u00e4chsten Teil, in &#8220;New York&#8221;, trifft sie ihren Dolmetscher Li wieder, in den sie sich verliebte und der sie offenbar bzw. ihre Fotos mi\u00dfbraucht hat, um in den USA Asyl zu bekommen.<br \/>\nDann gibt es noch Bob, Alices Bruder, ein egomanischer Schriftsteller, der in Chicago lebt, an Flugangst und einer Schreibkrise leidet, mit Alice aber offenbar so verbunden ist, da\u00df sie st\u00e4ndig miteinander telefonieren und er ihr auch nachreist, obwohl er business class buchen mu\u00df, weil er die Fl\u00fcge nur am Boden liegend \u00fcbersteht.<br \/>\nAlice reist weiter zu ihrer Freundin Lilly nach Ohio, das ist eine Physikerin, die beste Freundin ihrer Kindertage, aber jetzt hat sie sich schrecklich ver\u00e4ndert, au\u00dfer Coca-Cola, das sie schon vorher gerne trank, ist sie jetzt auch noch fernsehs\u00fcchtig, ihr Haus ist verm\u00fcllt, so da\u00df Alice im Hotel schlafen mu\u00df und David ihr Mann, der Alice nachts besucht, deutet an, da\u00df Lillys Verr\u00fccktheit von ihrer Kinderlosigkeit kommen kann.<br \/>\nDie Reise geht vorerst nach Wien, denn da hat der Vater einen Schlaganfall erlitten und l\u00e4\u00dft sich von seiner Tochter stundenlang seine alten Tageb\u00fccher vorlesen, in denen nichts anderes steht, als wann er Brot mit Marmelade gefr\u00fchst\u00fcckt und Schweinsbraten mit Kn\u00f6del gegessen hat, was Alice sehr verst\u00f6rt, so da\u00df sie froh \u00fcber Sebastians Anruf ist, der sie nach Mexiko holt, dort soll sie zwar auf keiner Ausstellung fotografieren, aber der Enth\u00fcllungsjournalist hat Mist gebaut, sich von einer Indigenen namens Frieda, die Alices einstens fotografierte und die nun Leiterin einer Putzabteilung ist, sich in einen Pharmakonzern einschmuggeln lassen. Jetzt wurde Frieda entf\u00fchrt und scheint dar\u00fcber den Verstand verloren zu haben, so da\u00df Bob und Sebastian sie nach Mailand in die Klinik von Sebastians Vater bringen, aber vorher hat Alice noch in der mexikanischen Klinik Visionen, sieht sie doch einen Schatten im Zimmer, der sich sp\u00e4ter als der Schamane Josef entpuppt und als sie den sp\u00e4ter fotografiert, sind auf dem Foto Schatten, \u00e4hnlich geheimnisvoll, wie die Tatsache, da\u00df die Gmundner-Kinder Bob und Alice hei\u00dfen, w\u00e4hrend die Indigenen Frieda und Josef und ein Syrier Maximillian, aber vielleicht ist das genauso geschickt gew\u00e4hlt, wie der Titel des Buches.<br \/>\nDenn die Fotografin ist ja nicht wirklich unsichtbar, sie kann sich nur nicht festlegen, ob sie jetzt politisch ist oder nicht, rettet aber Stra\u00dfenkinder, in dem sie sie fotografiert und als sie am Flughafen von Chicago mit David telefoniert, ger\u00e4t sie in Terrorverdacht und darf nun wohl auch nicht mehr in die USA einreisen, die China-Auftr\u00e4ge hat sie schon abgesagt.<br \/>\nJetzt ist aber ein Angebot nach Ruanda gekommen, wo sie starke Parlamentarierinnen fotografien soll, vorher mu\u00df sie noch ein bi\u00dfchen nach Paris, um Modefotos zu machen, ja das Chatleben einer unabh\u00e4ngigen Fotografin ist sehr teuer und die Fl\u00fcge ihres Bruders mu\u00df sie auch bezahlen, obwohl der, wie der Schlu\u00df, aus der Schreibkrise gekommen scheint und einen zweiten Roman \u00fcber seine sch\u00f6ne Schwester schreiben wird..<br \/>\nInteressant, der vorletzte Roman, der am 19. November 1953 in O\u00d6 geborenen Elisabeth Reichart, die damit genau zehn Tage j\u00fcnger als ich, ist und die ich durch verschiedene Veranstaltungen kenne. In Salzburg bei dem Symposium von Christine Haidegger sind wir sogar gemeinsam aufgetreten.<br \/>\nDas Buch &#8220;Februarschatten&#8221;, mit dem sie, glaube ich, bekannt geworden ist, habe ich gelesen.<br \/>\nAus dem &#8220;Haus der sterbenden M\u00e4nner&#8221;, habe ich sie bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; geh\u00f6rt. Beim Bachmannpreis hat sie, glaube ich, zweimal gelesen. Einmal habe ich sie im Literaturhaus bei einer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/31\/ein-abend-fur-joseph-roth\/\">&#8220;Roth&#8221;-Veranstaltung<\/a> geh\u00f6rt und im vorigen Jahr bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/06\/johanna-dohnal-platz-und-lange-nacht-fur-wsd\/\">Wendelin-Schmid-Dengler-Veranstaltung<\/a> in der Nationalbibliothek. Da habe ich ihr auch erz\u00e4hlt, da\u00df ich ein Buch von ihr gekauft habe und sie hat sich gewundert, da\u00df es nicht die &#8220;Voest-Kinder&#8221;, waren.<br \/>\nDen Wildganspreis und einige andere Auszeichnungen hat sie auch bekommen und der Roman der Historikerin, der nat\u00fcrlich auch wieder Anspielungen an die Nazi-Zeit und die Erlebnisse des Gro\u00dfvaters hat, ist sprachlich  sch\u00f6n gearbeitet, trotzdem vielleicht ein bi\u00dfchen beliebig, zumindest habe ich mir bei den ersten zweihundert Seiten gedacht, da\u00df die  Handlung fehlt und eigentlich nur Szene an Szene gereiht wird und, da\u00df man das bei mir sicher ankreiden w\u00fcrden.<br \/>\nEinige Rezensenten, wie <a href=\"http:\/\/www.wienerzeitung.at\/themen_channel\/literatur\/buecher_aktuell\/249386_Reichart-Elisabeth-Die-unsichtbare-Fotografin.html\">Werner Schandor <\/a>haben auch nicht so viel damit anfangen k\u00f6nnen.<br \/>\nThomas Bernhard blitzt manchmal ein bi\u00dfchen durch die Zeilen, wie an der Stelle auf den Seiten 248- 249, wo Bob \u00fcber die Schriftsteller schimpft und ich habe vor kurzem  auch \u00fcber eine <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_kerstinsachterl.html\">Fotografin<\/a> geschrieben, so da\u00df der, der will unsere Stile miteinander vergleichen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich vor einem Jahr aus der &#8220;Morawa&#8221;-Abverkaufskiste zog und um zwei Euro kaufte, n\u00e4mlich Elisabeth Reicharts vorletzter Roman &#8220;Die unsichtbare Fotografin, 2008 bei Otto M\u00fcller erschienen und es ist ein Buch f\u00fcr das man ein &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21295\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-21295","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21295","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21295"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21295\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21295"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21295"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21295"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}