{"id":21191,"date":"2013-05-04T00:26:06","date_gmt":"2013-05-03T22:26:06","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21191"},"modified":"2013-05-04T00:26:06","modified_gmt":"2013-05-03T22:26:06","slug":"kinder-der-dunkelheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21191","title":{"rendered":"Kinder der Dunkelheit"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Kinder der Dunkelheit&#8221;, der 2002, erschienene Erz\u00e4hlband, der 1936 in Fiesolo geborenen Dacia Maraini, die die Lebensgef\u00e4hrtin Alberto Moravias war, f\u00fchrt in die Niederungen Roms und einmal auch in ein Kloster an der Algerischen Grenze, wenn sie die einf\u00fchlsame Kommissarin Adele Sofia, die manchmal  an Lakritzfischchen knabbert, ihre F\u00e4lle schildern l\u00e4\u00dft. Da gibt es den siebenj\u00e4hrigen Grammofono, von seinen Eltern Gramo genannt, der Vater tr\u00e4gt Ohrringe und hat lange Haare, die Mutter ist selber noch ein Kind, sie lassen ihn sehr oft allein zu Hause, wo er am Balkon steht und zum &#8220;Taubenmann&#8221;, hinuntersieht, der ihn schlie\u00dflich in sein Auto lockt, vergewaltigt und ermordet. Die Kommissarin findet heraus, da\u00df es der Sozialarbeiter, der sich um &#8220;mongoloide&#8221; Kinder k\u00fcmmern soll, gewesen war.<br \/>\nVielleicht noch ein bi\u00dfchen eindringlicher geht es Viollca weiter, das ist ein zw\u00f6lfj\u00e4hriges albanisches M\u00e4dchen, das seinen Teddyb\u00e4r am Arm, von Xhuvan nach Italien in ein Bordell gebracht wird, denn die Familie ist arm und so soll das M\u00e4dchen, ein bi\u00dfchen was f\u00fcr ihre Hochzeit oder sonst verdienen.<br \/>\nDann geht es in ein Kloster an der algerischen Grezne, das von Moslems \u00fcberfallen wurde, Schwester Attanasia wird dabei vergewaltigt und geschw\u00e4ngert. Schwester Giuditta \u00fcberredet die Oberin, sie das Kind geb\u00e4ren und weiter im Kloster arbeiten zu lassen, allein der Bischof ist dagegen. So wird sie von ihrem kleinen M\u00e4dchen getrennt, das in ein Waisenhaus kommen soll und am n\u00e4chsten Morgen tot im H\u00fchnerstall aufgefunden.<br \/>\nJa, manchmal sind die grausamen Geschichten der Marraini h\u00f6chst poetisch. Bei &#8220;Macaca&#8221; geht es ins erwachsene Leben hinein und erz\u00e4hlt von wehrlosen Frauen, denn Macaca hat ihrem Pippo, weil er sie zum Sex mit seinen Freunden gezwungen und sie dann brutal geschlagen hat, den Pimmel &#8220;ratzekahl&#8221; abgeschnitten und fragt die Frau Kommissarin nun, ob sie &#8220;lebensl\u00e4nglich&#8221; bekommen wird.<br \/>\n&#8220;Das glaube ich wirklich nicht!&#8221;, sagt die &#8220;und schiebt sich ein Lakritzfischchen in den Mund.<br \/>\nAlicetta ist ein behindertes M\u00e4dchen, das seine Eltern bei einem Unfall verloren hat, als der Gro\u00dfvater nicht mehr f\u00fcr sie sorgen kann, bringt er sie in ein privates Pflegeheim, wo sie vom Psychiater Dr. Farra, die Diagnose &#8220;abnorme pathologiesche Schizophrenie&#8221; verpasst bekommt.<br \/>\nDie &#8220;Einfaltspinsel&#8221; genannte Pflegerin Mirta Vallone soll sich um sie k\u00fcmmern. Sie kommt auch gut mit ihr zurecht, dann h\u00f6rt Alicetta aber zu essen auf und liegt nur noch im Bett.<br \/>\n&#8220;Regression&#8221;, nennt Dr. Farra das und wird eines Tages tot aufgefunden. Der Gro\u00dfvater macht die Anzeige und die Kommissarin findet heraus, da\u00df sie mit Beruhigungsmittel vollgestopft worden war, obwohl sie nur &#8220;psychiatrisch&#8221; behandelt werden sollte und au\u00dferdem von zwei Pflegern immer nachts gebadet wurde, obwohl das eigentlich nur Frauen tun sollten.<br \/>\n&#8220;N\u00e4chtliche Mauern&#8221; ist wieder eine kleine Zwischengeschichte, die von einer Erwachsenen und ihren Leiden handelt. Da hat sich ein angesehener Universi\u00e4tsprofessor, ein Philosoph, in der Nacht seiner Frau, die alles f\u00fcr ihn tat, seine Post erledigte, die Diplomarbeiten durchsah, etc, mit einem Messer gen\u00e4hert. Sie schl\u00e4gt ihn nieder und liest dann der Kommissarin einen Zettel vor, wo draufsteht &#8220;Das schlimmste ist, da\u00df ich mich selbst nicht liebe. Ich bin ein kleiner Schwinderl vor Gott!&#8221;<br \/>\nDann wirds wieder dramatisch, da macht n\u00e4mlich ein Elfj\u00e4hriger eine Anzeige, der Vater h\u00e4tte ihn und einige Geschwister mi\u00dfbraucht.<br \/>\nIm Jahr 1995 macht er das. Der Kommissar denkt an seine eigenen Kinder, die gegen ihn rebellieren, schickt die Sozialarbeiterin hin, die Mutter sch\u00fctzt den Vater, der ist freundlich und die Sozialarbeiterin findet nichts.<br \/>\nIm n\u00e4chsten Jahr kommt er wieder, da sagt der Vater, der Sohn h\u00e4tte sich am kleinen Bruder vergangen und die \u00e4ltere Schwester versucht mit ihren kurzen R\u00f6ckchen den Kommissar zu verf\u00fchren, widerspricht sich und der Kommissar droht Tino das Gef\u00e4ngnis an, wenn er weiter so l\u00fcgt.<br \/>\nIm Jahr 1998 wird der kleine Bruder tot am Tiber aufgefunden, Vater und Sohn beschuldigen sich gegenseitig, aber auch die Schwester hat den Kleinen mit dem Vater aus dem Haus gehen sehen. Am Schlu\u00df macht dann doch die Mutter, die aus Angst und aus Liebe ihren Mann deckte, eine Aussage und alles kl\u00e4rt sich drei Jahre zu sp\u00e4t auf der Kommissar und die Kommissarin essen aber ihre Lakritzfischen zusammen, so da\u00df wenigstens hier etwas weitergeht.<br \/>\nBei &#8220;Eine Nummer auf dem Arm&#8221;, geht es in die Vergangenheit zur\u00fcck, da trifft Mara Garda im Urlaub in Buenos Aires in einem Souveniergesch\u00e4ft Hans Kurtmann, den brutalsten SS-Mann des Lagers, in dem sie als Jugendliche war wieder.<br \/>\n&#8220;Heute ist heute ist heute&#8221; und &#8220;Wer hat &#8220;Paulo Gentile ermordet&#8221;, sind eher konventionelle Kurzkrimi. Bei den letzten beiden Geschichten geht es dann wieder um P\u00e4dophilie und Kindesmi\u00dfbrauch. In der einen wird der arabische schwarzarbeitende Sch\u00e4fer gleich verd\u00e4chtigt, die beiden kahlgeschorenen aufreizend angezogenen M\u00e4dchen, die nicht einmal einen BH trugen ermordet zu haben und in &#8220;Schatten&#8221; begleitet die Gra0mama Agata die kleine Agatina w\u00f6chentlich zum Herrn Notar um sich ein Zubrot zu verdienen.<br \/>\nDas sind wohl die beeindruckensten und dichtesten Geschichten des Bandes von der ber\u00fchmten italienischen Autorin, von der ich ihre <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/31\/bagheria\/\">Jugenderinnerungen<\/a> gelesen habe und &#8220;Die stumme Herzogin&#8221;, sowie den Krimi &#8220;Stimmen&#8221; auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Kinder der Dunkelheit&#8221;, der 2002, erschienene Erz\u00e4hlband, der 1936 in Fiesolo geborenen Dacia Maraini, die die Lebensgef\u00e4hrtin Alberto Moravias war, f\u00fchrt in die Niederungen Roms und einmal auch in ein Kloster an der Algerischen Grenze, wenn sie die einf\u00fchlsame Kommissarin &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21191\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-21191","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21191"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21191\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}