{"id":20994,"date":"2013-04-19T10:16:03","date_gmt":"2013-04-19T08:16:03","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20994"},"modified":"2013-04-19T10:16:03","modified_gmt":"2013-04-19T08:16:03","slug":"holzfallen-und-niedermetzeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20994","title":{"rendered":"Holzf\u00e4llen und Niedermetzeln"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Bislang unentdeckte, ja geradezu nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehaltene Zombietexte von Thomas Bernhard, Peter Handke, Franz Kafka, Johann Nestroy, Arthur Schnitzer &amp; Joseph Roth&#8221;, steht am Buchr\u00fccken.<br \/>\nStimmt nicht ganz, denn die Texte wurden durch Curt Cuisine und andere von der <a href=\"http:\/\/www.holzbaumverlag.at\/\">Hydra<\/a>-Gruppe tippunterst\u00fctzt, mit Anknabberhilfe souffliert, Untergangsunterst\u00fctzt, bzw. ungehobelt Reimgeholfen&#8221; etc und so spaziert Thomas Bernhard dreiundzwanzig Jahre nach seinem Ende, als Zombie mit der Metallaxt von der Grinzinger Gruft auf den Graben und in die K\u00e4rntnerstra\u00dfe, versucht der &#8220;stumpfsinnig machenden Isolation&#8221; zu entkommen und ger\u00e4t prompt in die Arme des Ehepaars Auersberger, die er dreiundzwanzig Jahre nicht gesehen haben und ihm vom Selbstmord der Jolanda erz\u00e4hlen und zu einem kannibalischen Abendessen in die Gentzgasse einzuladen, das sie einen ber\u00fchmten Burschauspieler nach der Dracula-Auff\u00fchrung geben wollen.<br \/>\nSitzt der ewige Grantler als Zombie verkleidet im Ohrensessel und denkt \u00fcber die Achtzigerjahre nach, bzw. an das was passierte, seit er in der Gruft verschwand.<br \/>\nDa gab es n\u00e4mlich ein &#8220;abscheuliches Br\u00fcderpaar, das in Klagenfurt anzutreffen ist, einen selbsternannten Freizeitj\u00e4ger und nebenberuflichen Ministerialsgatten, einen waffenschieberischen Blutsauger der verlogensten Art und selbstverst\u00e4ndlich auch noch einen geschniegelten und gestriegelten Vorzeigeschwiegersohnzombie und grinsenden Exfinanzministerleichnahm.&#8221;<br \/>\nEinen &#8220;sogenannten Landesvater der sich in seinem protzigen Dienstwagen \u00fcberschlagen hat&#8221;, gab es nat\u00fcrlich auch und  einen &#8220;grinsenden Zahntechnikerzombie von dem der Protagonist nicht einmal eine Leberk\u00e4sesemmel kaufen will&#8221;.<br \/>\nEr sitzt also mit seiner Axt auf dem Ohrensessel, denkt und schimpft und Curt Cuisine hat in seinem Nachwort geschrieben, da\u00df ihm die Berhardsche Schmutzw\u00e4sche nicht interessierte und er den Text gek\u00fcrzt und andere Personen einf\u00fchrte, sich aber nicht damit begn\u00fcgte, das Wort Mensch nur durch Zombie zu ersetzen.<br \/>\nSo kommen also nicht nur die Auersberger und die Elfriede Billroth vor, sondern auch ein paar junge Dichter, die die Namen &#8220;Glavunoc und Kohlmann oder Kohlmeier oder Kohldampf&#8221; tragen und unser Protagonist h\u00e4tte statt der Einladung zu folgen in der Gruft besser&#8221; Handke, Horvarth oder Roth oder <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/12\/2-tage-reden-uber-h-c-artmann\/\">Artmann<\/a>&#8221; gelesen.<br \/>\nAm Ende erscheint der Burgschauspieler, Herr Auersberger verwechselt die Mary Shelly mit Bram Stoker, das kannibalische Abendessen wurde nat\u00fcrlich nach Jamie Oliver zubereitet, der Schauspieler h\u00e4lt seine Ha\u00dftiraden, verwandelt sich in einen Wehrwolf, bei\u00dft die Billroth und den Auersberg tot und Papa Bernhard kehrt in seine Gruft zur\u00fcck.<br \/>\nDann geht es mit J\u00fcrgen Miedl weiter zu &#8220;Leutnant Grusel&#8221;, der sitzt im Konzert und wartet bis es zu Ende ist, weil er &#8220;keine f\u00fcnf Minuten mehr stillsitzen&#8221;, kann. Dann beginnt aber gleich einiges zu passieren, die Soubrette, eine Ungarin, ein sch\u00f6ner Zombie schl\u00e4gt dem ersten Geiger die Sch\u00e4deldecke ein und ein Zuschauer bei\u00dft den Dirigenten in den Hinterkopf, bevor es in die Pause geht. Der Leutnant seine Vorgesetzten trifft, den s\u00fc\u00dfen M\u00e4deln beim Handk\u00fc\u00dfen, den ganzen Arm abrei\u00dft und so weiter und so fort mit dem &#8220;Metzelwetzel&#8221;, wo man nur &#8220;Putzfrau m\u00f6cht ich keine sein von derer Oper!&#8221;, st\u00f6hnt  und schlie\u00dflich in &#8220;Hirne, Hirne, Ach, Hirne, mein ich!&#8221;, enden kann.<br \/>\nWesentlich moderner wirds bei der &#8220;Verwesung&#8221; von Franz Kafka mit soufflierender Anknabberhilfe durch Konrad J. Gregor, denn da wird Gregor Samsa eines Morgens in einen Zoombie verwandelt und der scheint einer der Sch\u00fcler zu sein, die die N\u00e4chte vor den Computerspielen verbringen und sich den Wecker statt um acht, um zehn stellen, weil sie zwar nicht in die Schule gehen, aber irgendwann weiterspielen wollen. An diesem Morgen schafft er es nicht den Fernseher aufzudrehen, so da\u00df die Mutter, die eine erstaunliche altmodische, wahrscheinlich die Originalsprache hat, als sie ihm mitteilt, da\u00df sie  zu einem Gesch\u00e4ftsessen aufbricht, doch die T\u00fcre zu seinem Zimmer \u00f6ffnet, weil sie sich Sorgen um ihn macht, was ihr nicht gut bekommt, weil sie vom Zombiesohn gleich \u00fcberfallen wird, das Gleiche passiert der Schwester, die etwas sp\u00e4ter kommt und ihre Facebook-Statusmeldungen niederschreibt, nur der Vater bleibt eine Respektperson, der kommt mit einem Stapel Zeitungen unterm Arm nach Haus und wartet auf das Abendessen, als er bemerkt, da\u00df es nichts damit werden wird, bestellt er im Gasthaus zuerst zwei, dann mit Blick auf den bluttriefenden Sohn, nur eine Portion Zwiebelrostbraten, Frittatensuppe und Sachertorte mit einer Flasche Wein, dreht dem Sohn lautlos den Fernseher auf und liest seine Zeitungen weiter.<br \/>\nDann kommt eine Anmerkung des Herausgebers &#8220;Der folgende Text fand sich im Nachla\u00df des 1939 verstorbenen Schriftstellers Joseph Roth. M\u00f6glicherweise handelt es sich bei diesem Romanfragment um ein fr\u00fcher, nicht ver\u00f6ffentlichtes Konzept zum ber\u00fchmten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/25\/radetzkymarsch\/\">&#8220;Radetzkymarsch&#8221;<\/a>. allegemein anerkannt unter Literaturwissenschlichen ist aber inzwischen die These, da\u00df dieser Text der einzige ist, den Joseph Roth je n\u00fcchtern verfasst hat.&#8221;<br \/>\nDann geht es zu Leutnant Trotta der von Wien und der Frau von Tau\u00dfig in seine Garnisonstadt zu seinem kaiserlichen Vampirj\u00e4gerregiment f\u00e4hrt, im Wirtshaus seine Vorgesetzten trifft, die ihn erz\u00e4hlen, da\u00df die Zombies in der Stadt ist, die Regiment mu\u00df gegen sie ausr\u00fccken, der treue Bursche Onufrij bringt den verletzten Trotta schlie\u00dflich in ein Krankenhaus um von ihm dann angefressen zu werden.<br \/>\nKonrad J. Gregor hat wieder bei Peter Handke und der &#8220;Angst des Zombies vor der Schrotthilfe&#8221;, mitgeholfen und erz\u00e4hlt die Geschichte des Zombies Josef Blochs, der nachdem er dazu geworden ist, bei\u00dfend durch die Stadt l\u00e4uft, in den Kinos, Hotels und Fu\u00dfballpl\u00e4tzen die Leichen hinterl\u00e4\u00dft und sich schlie\u00dflich nach den Beschreibungen durch die Literatur sehnt.<br \/>\nUnd bei dem &#8220;Zombielied von Johann Nepomuk Nestroy&#8221;: &#8220;Da fallen sich die Leute an und bei\u00dfen sich ganz tot&#8221;, scheint \u00fcberhaupt eine Verwechslung passiert sein, es gibt aber noch zwei andere Gedichte, die wie in der Anmerkung steht, nicht von Nestroy, sondern von zwei anderen Dichtern noch dazu un\u00f6sterreichischer Herkunft sind.<br \/>\n&#8220;Welch ein faux pas. Andererseits&#8230; haben nicht auch Deutsche Anrecht auf ein klein wenig Zombietum? Egal. blutegal sogar. Wer die Originale kennt, besucht uns auf <a href=\"http:\/\/hydrazine.at\/2013\/04\/what-did-i-do\/\">hydrzine.at<\/a>.<br \/>\nErkannt habe ich nur das Hobellied, das von Ferdinand Raimund ist und mich, die ich ja nicht gerade ein Fan der Satire bin und das Gel\u00e4chter bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/14\/literatur-und-wein\/\">Lesungen<\/a> und Kabaretts oft nur sehr schwer aushalte, trotzdem bei der Zombieweltliteratur aus \u00d6sterreich am\u00fcsiert.<br \/>\nDas was man in den literarischen Reisef\u00fchrern als das typisch \u00f6sterreichische, bei Franz Kafka bin ich mir da nicht ganz sicher, nachlesen kann, wird daq fr\u00f6hlich vom Zombietum durchsetzt. Ein bi\u00dfchen blutr\u00fcnstig zwar f\u00fcr die nicht sehr gewaltsame Eva, ja, aber die &#8220;Kinder der Toten&#8221; haben mir auch sehr gut gefallen und interessant, da\u00df die Jelinek in dieser Sammlung nicht enthalten ist.<br \/>\n\u00d6sterreichs Literatur ein bi\u00dfchen weniger sentimental und so satirisch, da\u00df ich es ausgehalten habe, k\u00f6nnte man sagen und spannend ist es sicher auch, das Ganze mit den Originalen, wenn man es gelesen hat, zu vergleichen.<br \/>\n&#8220;Holzf\u00e4llen&#8221;, habe ich gleich nach Erscheinen, an dem Wochenende, als wir nach M\u00fcnchen in ein Hotel, in dem es zuf\u00e4lligerweise auch einen Ohrensessel gab, gefahren sind und noch nicht sehr viel verstanden. Von der Rolle der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=Jeannie+Ebner+und+Monika+Bargmann\">Jeannie Ebner<\/a>, die ich ein paar Jahre vor ihren Tod  \u00f6fter in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur, aber auch in dem kleinen Park, weil sie ja in der N\u00e4he wohnte, \u00f6fter traf und dem klagenden Komponistenpaar noch nicht sehr viel gewu\u00dft. Jetzt wei\u00df ich ein wenig mehr und habe mich von Thomas Bernhard Negativismen eigentlich abgewendet.<br \/>\n&#8220;Holzf\u00e4llen&#8221;, satirisch liest sich aber eigentlich sehr fl\u00fc\u00dfig. Bei der &#8220;Verwesung&#8221; habe ich an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/12\/milena-michiko-flasar-und-festwocheneroffnung\/\">Milena Michiko Flasars Hikikomoris<\/a> denken m\u00fc\u00dfen.<br \/>\nDen &#8220;Radetzkymarsch&#8221; habe ich im Sommer gelesen, Peter Handke auch einmal im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/21\/wunschloses-ungluck-und-andere-prosatexte\/\">Schnellkurs<\/a>,  betrachte das als Fortsetzung und kann das Buch jeden, der sich \u00fcber die vielgelobte \u00f6sterreichische Literatur von Josepf Roth bis Thomas Bernhard einmal etwas lustig machen will, empfehlen, die jungen Leute von Hydra haben dabei wahrscheinlich ihren Spa\u00df gemacht und man frischt sein vorhandenes Literaturwissen dabei sicher auf oder sollte ich aufbluten schreiben?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Bislang unentdeckte, ja geradezu nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehaltene Zombietexte von Thomas Bernhard, Peter Handke, Franz Kafka, Johann Nestroy, Arthur Schnitzer &amp; Joseph Roth&#8221;, steht am Buchr\u00fccken. 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