{"id":20816,"date":"2013-04-12T13:01:31","date_gmt":"2013-04-12T11:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20816"},"modified":"2013-04-12T13:01:31","modified_gmt":"2013-04-12T11:01:31","slug":"2-tage-reden-uber-h-c-artmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20816","title":{"rendered":"2 Tage Reden \u00fcber H. C. Artmann"},"content":{"rendered":"<p>Im April 1953, also vor ziemlich genau sechzig Jahren hat H.C.Artmann seine &#8220;Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Aktes&#8221;, in die Welt gesetzt oder setzen lassen, so genau wei\u00df man das nicht, die Wien-Bibliothek bzw., das Institut f\u00fcr Neugermanistik hat es aber zum Anla\u00df genommen, eine internationale H.C.Artmann Konferenz zu diesem Thema anzusetzen, die von Alexandra Millner und Marc-Oliver Schuster organisiert wurde.<br \/>\nAuftakt war die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/11\/h-c-artmann-preis-an-franz-josef-czernin\/\">H.C. Artmann-Preisverleihung an Franz Josef Czernin am Mittwochabend<\/a> und am Donnerstag ist es um neun Uhr  mit einem Referat von Jaques Lajarrige aus Toulose \u00fcber die &#8220;Wolllust des Dichtes&#8221;, bzw. die &#8220;Alphabetische Erschreibung der Welt&#8221; losgegangen. Dann folgte Thomas Eder, der in M\u00fcrzuschlag das Kunsthaus leitet und im Pressedienst des Bundeskanzleramtes ist, der \u00fcber den poetischen Akt referierte, der ja, wie die Wiener Gruppe irgendwie herumschwirrt, so da\u00df man gar nicht anders kann, als Teile davon <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/20\/professiones\/#comments\">aufzuschnappen<\/a>, denn die Tatsache, da\u00df jeder Dichter sein kann, ohne je etwas geschrieben zu haben, ist sehr ganz interessant, wenn sich auch eine, die darunter leidet vierzig Jahre zu schreiben und zu schreiben ohne jemanden aufzufallen und immer nur zu h\u00f6ren, das ist aber schlecht, etwas anderes darunter vorstellt, wie H.C wahrscheinlich, der nicht realistisch schrieb, sondern von einer poetischen Grundhaltung ausging, die man haben kann ohne je etwas zu ver\u00f6ffentlichen.  Thomas Eder referierte dann noch die Namen der Wiener Gr\u00fcndungsmitglieder, obwohl es offenbar gar keine konstituierende Sitzung gegeben hat. Konrad Bayer mit a und Oswald Wiener waren auch noch dabei und Gerhard R\u00fchm hat alles sehr genau aufgeschrieben, w\u00e4hrend Artmann dann auch schnell verschwunden war, aber schon 1953  \u00fcber den Surrealismus in den &#8220;Neuen Wegen&#8221; schrieb. Dann kam eine Pause mit Kaffee und Kuchen, dann folgte Alexandra Millner, teilte den genauen Wortlaut der Proklamation mit ihren acht Thesen aus und referierte dann noch \u00fcber zwei andere Manifeste, da gab es eine 1955 gegen die &#8220;Wiederbewaffnungs \u00d6sterreichs&#8221;, wo ein paar b\u00e4rtige junge M\u00e4nner zum Stephansdom marschierten und von der vom Dompfarrer gerufenen Polizei haftiert wurden, was am n\u00e4chsten Tag in der Zeitung stand.<br \/>\nEine sehr politische Manifestation, w\u00e4hrend die \u00fcber das &#8220;machen von hampelm\u00e4nnern&#8221;, rein literarisch ist.<br \/>\nEs gab auch noch eine Ausstellung, die man sich in der Pause ansehen konnte, da waren Postkarten haupts\u00e4chlich an Peter Rosei und die ber\u00fchmte Humanic-Werbung zu bewundern und Heide Kunzelmann, die in London an einem Bachmann-Institut lehrt, brachte ein ironisches Referat \u00fcber das &#8220;Was ein Autor ist&#8221;.<br \/>\nIn der Mittagspause bin ich \u00fcberm Rathausplatz, wo gerade steirischen Tage standfanden, an Herrn Lugner vorbei zum Mc Donald auf einen Cheeseburger TS und eine kleine Portion Pommes frites gegangen. Als ich zur\u00fcckgekommen bin stand Herr Lugner auf der B\u00fchne und verteilte Gulasch in Brotleibchen, die man sich holen konnte.<br \/>\nAlso doppelt Mittag gegessen und in der Wien-Bibliothek ging es mit Klaus Kastberger und der Wiener Gruppe weiter. Er erz\u00e4hlte, da\u00df man man durch das Archiv von der Existenz der Wiener Gruppe wissen w\u00fcrde und das hat er bei den Pr\u00fcfungen auch seine Studenten  gefragt. Friedrich Achleitner erkl\u00e4rte dann, da\u00df es eher zuf\u00e4llig zu der Namensbildung gekommen w\u00e4re und Klaus Kastberger zitierte noch die Klavierzertr\u00fcmmerungsaktionen. Gerhard R\u00fchm hat sich da auch eine Taste als  Souvenier mitgenommen, die inzwischen im Literaturarchiv gelandet ist und spielte noch ein St\u00fcck des &#8220;Dritten Mannes&#8221;, mit H.C. Artmanns Stimme aus dem off vor, der sich dort als Burgschauspieler ausgegeben hat, aber irgendwie hinausgeschnitten wurde.<br \/>\nRosa Pock, die Artmann-Witwe steuerte auch  viele H.C Bonmots in die Diskussion bei und der Ritter Lektor Paul Pechmann erz\u00e4hlte etwas \u00fcber die &#8220;Grazer Gruppe&#8221;, bzw. \u00fcber die Texte, die auf H.C. geschrieben haben. Einen &#8220;Den Tod des H. C. Artmanns&#8221;, von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/12\/der-geist-von-san-francisco\/\">Wolfgang Bauer habe ich schon bei einer anderen Wien-Bibliothek-Veranstaltuung<\/a> geh\u00f6rt.<br \/>\nDann folgte ein Referat \u00fcber das &#8220;Artmanneske&#8221;, vom Co-Veranstalter , der Originalaufnahme von Rauris 1991 zeigen wollte, aber irgendwie funktionierte der Computer nicht richtig, dann mu\u00dfte ich gehen, weil wir  noch nach Krems zur Er\u00f6ffnung des<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/14\/literatur-und-wein\/\"> Wein und Literatur-Festivals<\/a>, dem n\u00e4chsten Programmpunkt dieser ereignisreichen literarischen Woche wollten.<br \/>\nAn Freitag gings dann weiter mit Referaten von drei jungen Leuten, die alle sehr interessant waren. Danae Pifeas referierte \u00fcber die Armannsche Kinderliteratur und begann ihr Referat, da\u00df man in den Sechzigerjahren sehr rigide und pragmatisch gewesen war, stimmt, keine Micky-Mouse im Ferienheim der Kinderfreunde und nur limitierte Krimis aus der st\u00e4dtischen B\u00fccherei an Minderj\u00e4hrige, es gab aber auch Vera Ferra-Mikura und Friedrich Feld und die haben durchaus hei\u00dfe Themen aufgegriffen, allerdings vielleicht doch nicht so hei\u00dfe, wie &#8220;der Artmann mit dem Hackebeilchen!&#8221;, der in die Kinderzimmer aufmarschierte, den Kasperl in Dracula verwandelte und von Kannibalismus schw\u00e4rmte, da denkt sich die Psychotherapeutin nat\u00fcrlich, wo kommt das her und w\u00fcnscht sich eine psychologische Aufarbeitung, noch ohne wirklich vom spanisch-deutschen Langenscheid zu wissen, der in der Uniformjacke steckte und die Kugel davon abhielt ins Herz zu dringen.<br \/>\nDas hei\u00dft solche Geschichten h\u00f6rt man ja \u00f6fter, diese scheint zu stimmen und dann ist der poetische Akt daraus entstanden und der Aktionismus, aus heutiger Sicht eigentlich sehr klar und einleuchtend.<br \/>\nClemens Dirmhirn referierte dann noch \u00fcber die Romantiker und die barocken Formen, ebenfalls ganz klar, da\u00df die jungen Traumatisierten die B\u00fcrgerlichkeit ablehnten, aber von irgendwas mu\u00df man leben, da boten sich die \u00dcbersetzungen an und ein unb\u00fcrgerlicher Dichter \u00fcbersetzt die Spanier aus den vorigen Jahrhunderten nat\u00fcrlich sehr eigenwillig, lehnt antisemitische Formen ab, wird barock und ausschweifend und h\u00e4lt sich nicht an die strengen \u00dcbersetzergesetze, was nat\u00fcrlich angekreidet wurde.<br \/>\nAus heutiger Sicht sehr interessant, denn Alexander Nizberg hat den Blugakov, glaube ich, auch sehr frei \u00fcbersetzt und daf\u00fcr viel Lob bekommen, H. C Artman bekam ihn in der Expertenrunde und dann f\u00fcllten sich die Reihen, die Stars erschienen, Friedrich Achleitner, Max Droschl, Rosa Pock, Franz Josef Czernin, um H. C. B trifft H.C.A oder Brinkamnnn und die Popliteratur zuzuh\u00f6ren, da referierte zuerst Thomas Antonic dar\u00fcber und dann wurde es vollends literarisch und anekdotenhaft, trat n\u00e4mlich Hans Christoph Buch aus Berlin auf, den ich, glaube ich, k\u00fcrzlich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/17\/leipzig-im-zimmer\/\">am blauen Sofa<\/a> h\u00f6rte und der seine Gruppe 47 Erfahrungen hat und erz\u00e4hlte, wie er Rolf Brinkmann und H. C. erlebt hat und da ist mir auch eine Anekdote eingefallen, die ich erlebte, als ich mit der GAV am Mondsee war, da gingen wir ins Gasthaus und eine Frau fragte Gerhard R\u00fchm nach seinem Namen &#8220;H.C Artmann!&#8221;, antwortete er g\u00f6nnerhaft.<br \/>\nDamals habe ich den poetischen Akt nicht verstanden, dank eineinhalb Tagen Reden \u00fcber H.C. tue ich es ein bi\u00dfchen, dann kam die Mittagpause und ich ging nach Hause, in der Wien Bibliothek ging es nat\u00fcrlich weiter mit Daniela Strigl, den Fotografien, da gibts ja auch paar Interessante, Peter Waterhouse, einer Sonderausstellung und einer Gespr\u00e4chsrunde mit Kurzlesungen von Rosa Pock, Friedrich Achleitner und Peter K. Wehrli, dann wird wieder Brot und Wein geben, aber dann werde ich schon im Stift G\u00f6ttweig sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 1953, also vor ziemlich genau sechzig Jahren hat H.C.Artmann seine &#8220;Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Aktes&#8221;, in die Welt gesetzt oder setzen lassen, so genau wei\u00df man das nicht, die Wien-Bibliothek bzw., das Institut f\u00fcr Neugermanistik hat es aber zum &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20816\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-20816","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20816"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20816\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20816"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}