{"id":20736,"date":"2013-04-08T00:08:40","date_gmt":"2013-04-07T22:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20736"},"modified":"2013-04-08T00:08:40","modified_gmt":"2013-04-07T22:08:40","slug":"fur-reife-leser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20736","title":{"rendered":"F\u00fcr reife Leser"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein wahres Schmankerl, bzw. ein Buch nach meiner Wahl, denn ich lese ja sehr gerne B\u00fccher \u00fcbers Lesen und bin da offensichtlich auf einen wahren Bibliopholen, bzw. B\u00fcchernarren, wie der Klappentext wirbt, gesto\u00dfen, n\u00e4mlich auf Kurt Bracharz &#8220;F\u00fcr reife Leser&#8221;, ein Buch, das man, wie ich den Amazon-Rezensionen entnehme, keinen Genre zuordnen kann.<br \/>\nDer 1947 geborene Vorarlberger Kurt Bracharz, mit dem ich 2005 in Erikas Kronabitters Text und Kritik Werkstatt war und dessen Kriminalroman &#8220;Die gr\u00fcne Stunde&#8221;, ich einmal bei einem der B\u00fcchert\u00fcrme der Literatur im M\u00e4rz Veranstaltungen fand, den ich wahrscheinlich im Sommer 2004 in Harland gelesen habe, als ich dort eine Schreibwerkstatt veranstalten wollte und nicht recht wu\u00dfte, wie man das macht, ist n\u00e4mlich, wie er in seiner Einleitung schreibt, im November 2005, mit achtundf\u00fcnfzig Jahren in eine Schreibkreise geraten. Da gibt es einen Romanbeginn, den er schon lange mit sich herumschleppt, vielleicht hat er aus ihm auf der Silvretta H\u00f6he gelesen, ich kann mich jedenfalls an einen Text, in dem es um einen Schreibaufenthalt in Italien ging, erinnern und auch daran, da\u00df Kurt Bracharz das Lenthos in Graz angesiedelt hatte und ich nicht recht wu\u00dfte, ob das ein Fehler oder Absicht war?<br \/>\nJedenfalls zweifelte Kurt Bracharz ein halbes Jahr sp\u00e4ter, wie es mit seiner Schreibkarriere weitergehen soll, da fiel ihm Alberto Manguels &#8220;Tagebuch eines Lesers&#8221;, in die H\u00e4nde, in dem der offenbar beschlossen hat, in einem Jahr jedes Monat eines seiner Lieblingsb\u00fccher wieder zu lesen und Kurt Bracharz hatte einen Plan aus der Schreibkrise wieder herauszukommen.<br \/>\nDenn das l\u00e4\u00dft sich bei einem Bibliophilen, der Kurt Bracharz offenbar ist, ja ebenfalls so machen und so war die zw\u00f6lf B\u00fccherliste, die bis drei\u00dfigsten November 2006 gelesen sein sollte, bald aufgestellt.<br \/>\nKurt Bracharz entschied sich f\u00fcr William S Burroughs &#8220;The nacked Lunch&#8221;, Wilhelm Buschs &#8220;Der Schmetterling&#8221;, Elias Canettis &#8220;Die Blendung&#8221;, Salvador Dalis &#8220;Verborgene Gesichter&#8221;, Don de Lillos &#8220;Mao II&#8221;, Alfred D\u00f6blins &#8220;Berlin Alexanderplatz&#8221;, Witold Gombrowiczs &#8220;Kosmos&#8221;, George Harrimans &#8220;Krazy Kat&#8221;, James Joyces &#8220;Ein Portrait des K\u00fcnstlers als junger Mann&#8221;, Christine Lavants &#8220;Das Kind&#8221;, Henry Michaux &#8220;Ein gewisser Plume&#8221; und Vladimir Nabokovs &#8220;Plin&#8221; und hielt sich in den weiteren zweihundertachtzig Seiten nicht sehr daran. Denn das was folgt ist ein Tagebuch eines Bibliophilen, eines kritischen Menschen, der sich f\u00fcr Politik interessiert, nach Wien und Z\u00fcrich reist, in Ausstellungen geht, B\u00fccher kauft und sie liest und hin und wieder auch ein paar Zeilen, zu dem von  ihm Gew\u00e4hlten schreibt, aber wenn man etwas \u00fcber diese B\u00fccher erfahren will, sollte man sie besser selber lesen oder nach ihnen googlen, wahrscheinlich war das auch die Absicht des Buchs.<br \/>\nEine interessante Mischung urteilen die Rezensenten, von Busch zu D\u00f6blin, von Borroughs zu &#8220;Krazy Kats&#8221; ist der Bogen weit und Kurt Bracharz interessiert sich auch f\u00fcr Kochb\u00fccher, schreibt Kolumnen und Krimis, scheint aber auch \u00fcber B\u00fccherberge zu verf\u00fcge  \u00fcber die er immer wieder ganz erstaunt stolpert und erstaunt ist, was sich da so alles angesammelt hat.Stammgast bei Antiquaren ist er auch. Am Schlu\u00df gibt es auch eine B\u00fccherliste, die \u00fcber die angef\u00fchrten zw\u00f6lf weit hinausgeht und als er im November 2006 angekommen ist und zweihundertsiebenundf\u00fcnzig Seiten geschrieben hat, f\u00fcgt er an, da\u00df er davon ausgeht, da\u00df die Leser seine zw\u00f6lf B\u00fccher alle kennen.<br \/>\nDa f\u00fcrchte ich, \u00fcbersch\u00e4tzt er den Durchschnittsleser und ich, die ich das ja eigentlich nicht bin, habe die &#8220;Blendung&#8221; gleich zweimal gelesen, den &#8220;Alexanderplatz&#8221; und nicht verstanden und sonst eigentlich nicht viel. Von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/16\/falling-man\/\">De Lillo kenne ich &#8220;Falling Man&#8221;<\/a>, von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/13\/lolita\/\">Nabokov &#8220;Lolita&#8221;<\/a>, Borrough, die &#8220;Krazy Kats&#8221; und auch noch einiges andere sind mir g\u00e4nzlich unbekannt.<br \/>\nTrotzdem ist es ein Buch, das ich sehr genossen habe, der Witz und der Intellekt Kurt Bracharz, der vom Hundersten ins Tausenste kommt, hat mich sehr beeindruckt. Da geht er von Wortspielen aus. Was bedeutet &#8220;Vater sein dagegen sehr?&#8221; Da\u00df es die V\u00e4ter schwer haben im Gastarbeierpidgin? Ich habe den Inhalt dieses Filmtitels auch sehr lange nicht verstanden. Erz\u00e4hlt die Geschichte, wo der FKK Gegner Johannes R. Becher eine nackte Frau am Strand entdeckt und &#8220;Sch\u00e4men Sie sich nicht, nackte Sau!&#8221;, zu ihr sagt, dann Anna Segners in ihr erkennt, der er sp\u00e4ter den Nationalpreis \u00fcberreichen mu\u00df. Man  erf\u00e4hrt sehr viel in diesen Buch, wenn auch nicht unbedingt \u00fcber die zw\u00f6lf angef\u00fchrten B\u00fccher, aber die kann man, wenn man will, ja selber lesen.<br \/>\nIch freue mich in Kurt Bracharz einen genauso, wenn vielleicht auch etwas intellektueller agierenden Bibliophilen gefunden zu haben. Von dem Buch habe ich im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/28\/transformationsfragen\/\">J\u00e4nner 20011 in den &#8220;Tonspuren&#8221;<\/a>, geh\u00f6rt und es ein Jahr sp\u00e4ter bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/09\/aktuelle-literarische-gesellschaftsbefunde\/\">Morawa in der Abverkaufskiste <\/a>gefunden und ich lese ja sehr gerne B\u00fccher \u00fcbers Lesen und weil ich mir dar\u00fcber auch Gedanken mache, frage ich ich mich, wer dieses Buch gelesen hat und wieweit man sich in der Literatur auskennen mu\u00df, um mitzukommen und Vergn\u00fcgen daran zu haben? Denn Bracharz macht es seinen Lesern nicht so leicht, er h\u00fcpft vom Hundertsten ins Tausendste, schreibt &#8220;BA&#8221;, wenn er Berlin Alexanderplatz meint, zitiert noch viele andere B\u00fccher, so da\u00df ich, die ich das im Literaturgefl\u00fcster ja <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/15\/ungelesen\/\">auch <\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/02\/ware-buch\/\">gerne<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/07\/lesegewohnheiten\/\">mache<\/a>, eigentlich bezweifelt, da\u00df die Durchschnittsleser mitkommen, aber Bracharz spricht ja auch die &#8220;reifen&#8221; an. Die Rezensenten sprechen auch von einer ungew\u00f6hnlichen Zusammenstellung, einem ungew\u00f6hnlichen Buch man und einem B\u00fcchernarren, Haymon hat es gedruckt und mir hat es, die ich mich ja sehr mit B\u00fcchern besch\u00e4ftige, gefallen. Es ist ein Buch bei dem man sehr viel googlen mu\u00df, das macht aber nichts und wenn ich so auf die B\u00fccherlisten der anderen B\u00fccherblogger schaue, erlebe ich da auch oft \u00dcberraschungen, von mir <a href=\"http:\/\/buzzaldrins.wordpress.com\/2013\/04\/06\/je-schneller-ich-gehe-desto-kleiner-bin-ich-kjersti-a-skomsvold\/\">v\u00f6llig unbekannten B\u00fcchern<\/a>, obwohl ich ja glaube mich in Sachen Buch ganz gut auszukennen und ein weiteres Werk eines m\u00f6glichen B\u00fcchernarren habe ich auch noch auf meiner Leseliste, n\u00e4mlich Nick Hornbys &#8220;all you can read&#8221; und bin gespannt, was mich da erwartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein wahres Schmankerl, bzw. ein Buch nach meiner Wahl, denn ich lese ja sehr gerne B\u00fccher \u00fcbers Lesen und bin da offensichtlich auf einen wahren Bibliopholen, bzw. 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