{"id":20654,"date":"2013-04-04T09:24:06","date_gmt":"2013-04-04T07:24:06","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20654"},"modified":"2013-04-04T09:24:06","modified_gmt":"2013-04-04T07:24:06","slug":"maramba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20654","title":{"rendered":"Maramba"},"content":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chste Fund aus dem &#8220;Wortschatz&#8221;, wo sich ja manchmal literarische Sch\u00e4tze finden lassen, ist besonders interessant &#8220;Maramba&#8221;, der aus dem Nachla\u00df herausgegebenen Erz\u00e4hlband, der 2003 bei einem Bergunfall verstorbenen, 1981 in Bregenz geborenen Paula K\u00f6hlmeier.<br \/>\nHerausgegeben wurden die sehr poetischen Texte \u00fcber Liebe, Beziehungen und andere Mi\u00dfst\u00e4nde von ihren Eltern dem Schriftstellerpaar Michael K\u00f6hlmeier und Monika Helfer 2004, die im Vorwort schrieben, da\u00df ihre Tochter, die das Gymnasium in Dornbirn besuchte und nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Mexiko, in Wien an der Filmakademie studierte, bei ihrem letzten gemeinsamen Spaziergang von zwei Romanprojekten erz\u00e4hlte, an denen sie mit schlechten Gewissen, gleichzeitig schrieb. Sie plante auch einen Erz\u00e4hlband, der &#8220;Mein Talent zum Gl\u00fcck&#8221;, hei\u00dfen sollte, die Eltern haben sich f\u00fcr &#8220;Maramba&#8221;, entschieden&#8221;, weil eine der Geschichten diesen Titel tr\u00e4gt und Maramba ein Zauberwort ist und die Beziehungsgeschichten, der neunzehn bis einundzwanzigj\u00e4hrigen, die jetzt auch schon <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/19\/unter-dreisig\/\">\u00fcber Drei\u00dfig<\/a> w\u00e4re, haben wirklich einen eigenen unverwechselbaren Ton, der mich manchmal an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/13\/der-winter-tut-den-fischen-gut\/\">Anna Weidenholzer<\/a> erinnert, die in ihren realistischen Geschichten auch manchmal sehr skurrilen Einf\u00e4lle, wie eine Kaulquappe in ein Tiefk\u00fchlfach zu legen, hat. Paula K\u00f6hlmeier l\u00e4\u00dft ihre Maramba eine Zeichnung ins Eisfach legen und Protagonisten auf Sachen aufpassen, obwohl sie eigentlich besitzlos sind und beginnen tut es im &#8220;Tagebuch einer Verr\u00fcckten&#8221;, sehr allt\u00e4glich, obwohl uns allbald die Schauer des Grusel herunterrinnen wird, k\u00f6nnen wir solche Geschichten doch fast t\u00e4glich in Zeitungen wie &#8220;Heute&#8221;, lesen. Paula K\u00f6hlmeier erz\u00e4hlt es die Geschichte von der Frau, die einmal im Monat das T\u00fcrschild als Beitrag zu Ehe putzt, viel poetischer. Der Mann bringt eine Geliebte, eine Lehrerin, die die Kinder, die \u00fcber den Rand hinaus zeichnen zum Psychologen schickt nach Haus, bespricht mit dem Arzt, welche Tabletten die Frau nehmen soll, bestimmt, da\u00df sie die Wohnung behalten darf, w\u00e4hrend er zur Geliebten zieht. Dann nimmt sie das Messer, ersticht den Mann und die auf ihm liegende Geliebte und gibt das Ganze dann sehr unger\u00fchrt ins Polizeiprotokoll.<br \/>\nVom einem ganz \u00e4hnlichen Alltagswahnsinn, wo die Frauen ihre M\u00e4nner beim Lampenwechseln ermorden wollen oder die Lebensgef\u00e4hrten mit Hackbeilen umbringen, habe ich ja erst bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/03\/der-groste-fall-meines-vater\/\">Zdenka Becker<\/a> gelesen.<br \/>\nPaula K\u00f6hlmeiers Geschichten sind aber ganz kurz und gehen gleich zum n\u00e4chsten Inhalt weiter, da wird dann von einer &#8220;Gr\u00e4fin&#8221;, erz\u00e4hlt, die einmal eine ber\u00fchmte Schauspielerin war, jetzt obdachlos ist und sich in dem Kaffeehaus von den zwei Studetinnen, an deren Tisch sie Platz genommen hat, ein Bier bestellen l\u00e4\u00dft, obwohl sie lieber Wein trinkt.<br \/>\nEs werden in den Texten \u00fcberhaupt sehr viele Geschichten erz\u00e4hlt, die vielleicht die Filmcutterin erahnen lassen. Leo Lionni schl\u00e4gt das dem Mann mit dem unbekannten Namen vor. Renata Theobaldi, die vierunddrei\u00dfig ist und ihre Haare zu Z\u00f6pfen tr\u00e4gt, die sie jeden zweiten Mittwoch rostrot f\u00e4rbt, mu\u00df sie ihrer Mutter &#8220;von ihr als einer komischen Person erz\u00e4hlen.&#8221;<br \/>\nIn manchen Texten treffen wir die gleichen Protagonisten, wie zum Beispiel Rutha, immer wieder, es geht um &#8220;Pyjamawelten voller Schulverk\u00e4uferinnen&#8221;, da wird eine Frau von ihrem Geliebten verlassen und zieht sich offenbar in diese Welt zur\u00fcck, bzw. entwickelt sie, wie ihre Freundin sagt, eine Paranoia. Ich habe ja, viel \u00e4lter, einen \u00e4hnlichen Inhalt in den <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_zwillingswelten.html\">&#8220;Zwillingswelten&#8221;<\/a>, viel allt\u00e4glicher beschrieben.<br \/>\nIm &#8220;Talent zum Gl\u00fcck&#8221;, geht es um ein Dorf, das einen Bahnhof und ein Bordell besitzt. Der Fahrdienstleiter hei\u00dft Bruno und &#8220;\u00fcbersetzt die Zugansagen ins Franz\u00f6sische und Englische.&#8221; Im Bordell gibt es eine Lilli,die Bruno am Tag warmes Essen bringt und mit ihm ein neues Leben riskieren will. Er tut das aber mit einer Frau, die auf franz\u00f6sisch nach der n\u00e4chsten Stadt fragt, so bleibt Lili als neue Fahrtdienstleiterin \u00fcbrig, die fortan am Schalter sitzt, eine rote M\u00fctze und die blaue Uniform tr\u00e4gt und den Damen vom Bordell &#8220;Kaffee, Schokolade, Kaugummi und Taschent\u00fccher, Cola und Kondome verkauft.&#8221;<br \/>\nRutha begegnen wir dann auch in zwei Texten, die in Mexiko spielen,  in &#8220;Der mit den schwarzen Haaren und den vielen T\u00e4towirenen&#8221;, sitzt sie in Zipolite in einem Cafe in dem Kerzenhalter in Form von Madonnen auf den Tischen stehen und der Kaffee so viel kostet wie bei uns ein Kaugumm&#8221; und hat ein Buch sich, in dem sie schreibt, &#8220;damit sie nicht fragen. Ich darf schreiben. Ich habe eine unausgesprochene Erlaubnis daf\u00fcr ich gebe mehr Trinkgeld als n\u00f6tig. Ich mu\u00df nichts reden.&#8221; Trotzdem lernt sie Mann mit den schwarzen Haaren kennen, den sie dann in San Christobal nochmals begegnet und in &#8220;Pablo&#8221;, f\u00fchrt sie der, der Glasfiguren an die Touristen verkauft, weil sie Deutsch spricht zu seiner Familie, sie soll dort einen Vertrag \u00fcbersetzen, den sie nicht versteht. Daf\u00fcr erz\u00e4hlt sie Pablo dann eine Geschichte, die er nicht versteht. &#8220;Sch\u00f6ne Geschichte!&#8221;, sagt er trotzdem.<br \/>\nDann ist Rutha Zivildienerin im Hohenemser Krankenhaus und hat den heroinabh\u00e4ngigen Manuel Farber zu betreuen, sie setzt ihn in den Rollstuhl und geht mit ihm in den Park und als er nicht essen will, f\u00fcllt sie seinen Kn\u00f6del und die Tomatensauce in einen Plastiksack und wirft ihn beim Verlassen des Krankenhauses in den M\u00fcll, skurrile Alltagsgeschichten fein erz\u00e4hlt und als Rutha mit Jacob, Marie und Augustin zwischen dem Amacord in der Schleifm\u00fchlgasse und dem Hotel Ananas in der rechten Wienzeile hin und her pendeln wird es vollends makaber. Jacob ist Lastkraftfahrer und arbeitet in Berlin, Marie ist seine Schwester und verbringt die N\u00e4chtee gern mit Augustin im Hotel Ananas, der sie zu allerhinand Mutproben aufstachelt.<br \/>\n&#8220;Ich habe dich zum Fressen gern, wollen wir uns vergiften?&#8221;<br \/>\nDann bekommt Marie Krebs, AIDS oder eine andere heil bzw. unheilbare Krankheit und Rutha Jacobs neue Freundin schl\u00e4gt ihm beim gro\u00dfen Fr\u00fchst\u00fcck im Cafe Amacord vor, Augustin mit einem Kissen zu ersticken, nachdem sie mit ihm geschlafen hat.<br \/>\nErstaunliche l\u00e4ngere aber auch ganz kurze Geschichten, die vom &#8220;Alter&#8221;, Nieren&#8221;, &#8220;Schlechten Z\u00e4hnen&#8221;, u. u. u., einer sehr jungen Frau und Schriftstellertochter handeln, Michael K\u00f6hlmeier habe ich \u00fcbrigens vor wahrscheinlich mehr als zehn Jahren ein paar Mal in der N\u00e4he der rechten Wienzeile und der Kettenbr\u00fcckengasse getroffen, das zu einem m\u00f6glichen Autobiografiebezug und interessant ist auch, da\u00df das 2005, bei Zsolnay erschienene Buch offenbar noch immer gelesen wird. So h\u00f6rte ich beim letzten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/17\/leipzig-im-zimmer\/\">Leipzigsurfen<\/a> eine junge Frau, die bei der Leipziger-Lesenacht aufspielte &#8220;Maramaba&#8221;, sagen, als sie nach dem Buch das sie gerade liest, befragt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chste Fund aus dem &#8220;Wortschatz&#8221;, wo sich ja manchmal literarische Sch\u00e4tze finden lassen, ist besonders interessant &#8220;Maramba&#8221;, der aus dem Nachla\u00df herausgegebenen Erz\u00e4hlband, der 2003 bei einem Bergunfall verstorbenen, 1981 in Bregenz geborenen Paula K\u00f6hlmeier. 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