{"id":20455,"date":"2013-03-27T00:15:40","date_gmt":"2013-03-26T23:15:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20455"},"modified":"2013-03-27T00:15:40","modified_gmt":"2013-03-26T23:15:40","slug":"geburtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20455","title":{"rendered":"Geb\u00fcrtig"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein Gustost\u00fcckerl aud dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">B\u00fccherschrank<\/a> und das Schlie\u00dfen einer Bildungsl\u00fccke, ziemlich zeitgleich mit Robert Schindels neuen Roman &#8220;Der Kalte&#8221;, den ich auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> habe, den ich aber, weil kein Rezensionsexemplar, erst lesen werde, wenn er beim linearen Herunterlesen an die Reihe gekommt, im September oder Oktober vielleicht, wenn er dann schon auf der Longlist zum deutschen Buchpreis steht?<br \/>\nUnd &#8220;Geb\u00fcrtig&#8221;, 1992 erschienen, ist wahrlich ein Kanonbuch, der  neueren \u00f6sterreichischen Literatur und das, weil ich mir um diese Zeit ja keine B\u00fccher mehr kaufte, an mir vorbeigegangen ist. Obwohl ich nat\u00fcrlich ehrfurchtsvoll von diesem wichtigen Roman geh\u00f6rt habe, als ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/02\/bachmannpreisgefluster\/\">1996 in Klagenfurt<\/a> zuschauen war, kann ich mich erinnern, da\u00df ich bevor ich zu den Lesungen ging, den Fernseher im Hotelzimmer aufgedreht habe, da sa\u00df dann Robert Schindel in der 3 Sat-Sendung und wurde wahrscheinlich zu &#8220;Geb\u00fcrtig&#8221;, interviewt, dann bin ich in die Sponheimerstra\u00dfe gegangen und habe Robert Schindel in der Kantine getroffen, ein paar Jahre sp\u00e4ter war er dann Bachmann-Juror.<br \/>\nKennengelernt habe ich ihn, ich wei\u00df nicht wo, kann mich aber an ein Poetenfestival in Hainburg erinnern, wo ich mit der kleinen Anna hingefahren bin und dort habe ich ihn auch in einer Kantine getroffen und er hat mir dann die Hand gegeben. Als er den von G\u00fcnter Nenning initierten \u00d6sterreich-Koffer gerettet hat und ich zur Pr\u00e4sentation in den Volksgarten gegangen bin, habe ich ihn, glaube ich, eines meiner B\u00fccher gezeigt, das ich, seit 2002 immer in der Handtasche mit mir herumtrage.<br \/>\n&#8220;Sch\u00f6n!&#8221;, hat er wahrscheinlich gesagt oder &#8220;Ist das selbstgemacht?&#8221;<br \/>\nEr war auch einige Zeit Juror bei dem Siemens Technik Preis, wo ich immer hinschickte, aber nie etwas gewonnen habe, dann Juror beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/31\/priessnitz-preis-2012\/\">Priessnitzpreis<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/28\/vom-open-house-zu-walter-grond\/\">Professor und Initiator des Hochschulstudiums f\u00fcr Sprachkunst<\/a> und und und, eine literarische Institution Wiens, und wie ich behauptet, mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/11\/beste-beziehungen\/\">Gustav Ernst <\/a>das, was Hans Weigel und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/27\/ein-besonderer-mensch\/?preview=true\">Hermann Hakel<\/a> in den F\u00fcnfzigerjahren f\u00fcr die Nachwuchsautoren waren und er hat &#8220;Geb\u00fcrtig&#8221; geschrieben und das ist an mir, obwohl ich mich ja sehr f\u00fcr Holocaustromane interessiere, an mir vorbeigegangen, ich wei\u00df auch nicht, wie das passieren konnte, einen Gedichtband habe ich aber, glaube ich, mich zu erinnern, einmal aus einer Abverkaufskiste gezogen, ob ich ihn gelesen habe, wei\u00df ich nicht.<br \/>\nNun denn, dank der B\u00fccherschr\u00e4nke und der bibliophilen Margaretens oder von wem auch immer &#8220;Geb\u00fcrtig&#8221; gelesen, den Nachkriegsroman \u00fcber den Holocaust oder \u00fcber die erste Generation danach, die Opfer oder T\u00e4terkinder, die Achtundsechziger, das Buch spielt in den fr\u00fchen Achtzigerjahren, als man schon alles und dann offensichtlich wieder noch nicht soviel wu\u00dfte, den wahrscheinlich nur Robert Schindel schreiben konnte und der eine Farce aus diesem Thema macht, mit der Sprache spielt, sie neu erfindet und in wahrer Nestroyscher Manier &#8220;Die ganze Welt ist ein Fu\u00dfboden!,, ist ein mir unbekanntes Nestroy Zitat, das dem Buch vorangestellt ist und das schon viel \u00fcber dieses gigantische Weltgebilde, des Wiens der Neunzehnachtzigerjahre aussagt.<br \/>\nEs gibt einen Prolog, einen Epilog und sieben Kapitel, die Titel, wie &#8220;Enge&#8221;, &#8220;Weite&#8221;, &#8220;Hitze&#8221; aber auch &#8220;Geb\u00fcrtig&#8221; tagen und, wie im Beschreibungstext steht, ein &#8220;kunstvoll breites episches Personengeflecht voll stiller Dramatik und bezwingender Dialogdramaturgie ist, dem Melancholie, sarkastischer Schm\u00e4h und Gedankensch\u00e4rfe den unverkennbaren Sprachstil verleiht!&#8221;<br \/>\nDa gibt es ein Zwillingspaar, die Br\u00fcder Sascha und Danny Demant, der eine Lektor, der andere, ich wei\u00df nicht was, zeitweilig ist er der allwissende Erz\u00e4hler, der in das Hirnkasterl der anderen hinsieht, dann \u00fcbernimmt wieder Danny diese Rolle, die beiden haben Freundinnen, Sascha eine Mascha Singer, eine Soziologin, die sich irgendwie hinunterhungert, Danny die \u00c4rztin Christiane Kalteisen, die zwei kleine Kinder hat, aber Danny hat zu Beginn auch eine Freundin, namens Wilma, mit der er und seinen Freunden Weihnachten feiert, sie schmiert die Brote und will mit ihm nach Venedig fahren. Sie tun das auch, es wird aber nichts rechts daraus, spukt dem Danny doch schon die Christiane im Kopf herum, so f\u00e4hrt er zur\u00fcck und dann nach Lilienfeld an der Traisen, von dort ist die Christiane her. Er fl\u00fcchtet aber auch vor ihr, bzw. h\u00e4lt er ihre Kinder nicht aus und als Lektor betreut der den Dichter Emmanuel Katz, bzw. dessen Manuskript. Dann gibt es einen Konrad Sachs und das ist eine tragische Figur, ein Journalist und ein T\u00e4terkind, sein Vater war der Generalgouverneur von Polen und hat den Kleinen, den er in die &#8220;Kazetts&#8221; mitnahm, &#8220;Prinz&#8221; genannt und das spukt ihm nun im Kopf herum, windet sich in Schuldgef\u00fchlen, verl\u00e4\u00dft deshalb seine Frau, die Else und geht zu einer Hure ins Buff beichten, die aber entsetzt vor seiner Geschichte flieht, dann bietet er Katz zweitausend Mark an, wenn er ihm die Absolution erteilt. Der schickt ihm Danny und Christiane gibt sie ihm dann, in dem sie r\u00e4t, doch ein Buch dar\u00fcber zu schreiben. So wird er seinen Komplex los und dann gibt es Hermann Gebirtig, den Titelhelden, einen ber\u00fchmten Dichter, Thomas Bernhard nicht ganz un\u00e4hnlich, in Wien geboren, ein paar Jahre H\u00e4ftling in Ebensee, dann nach New York emigriert, wo er die deutsche Sprache ablehnte, ein ber\u00fchmter Dichter wurde und sich schwur, nie mehr nach Wien zur\u00fcckzukommen. Es gibt aber auch einen ehemaligen Nazi, der den H\u00e4ftlingen die Sch\u00e4del blutig schlug und einen ehemaligen Schutzb\u00fcndler, das scheint \u00fcberhaupt Robert Schindels Spezialit\u00e4t zu sein, konnte ich doch am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/17\/leipzig-im-zimmer\/\">blauen Sofa<\/a> h\u00f6ren, da\u00df es eine solche Konstellation auch im neuen Buch geben wird, der Schutzb\u00fcndler geht mit seiner Tochter auf die Rax, sieht dort den ehemaligen KZ-Aufseher und erleidet einen Schlaganfall. Vorher holt er noch die Polizei, damit Alois Egger aber verurteilt werden kann, braucht es einen Zeugen und der kann nur Hermann Gebirtig sein. So fliegt seine Tochter nach Amerika, um ihn zu holen. Er kommt schlie\u00dflich auch und dann passiert wieder ein Schelmenst\u00fcck, das, wie ich der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/30\/sprachkunstabschluss-und-fest-fur-robert-schindel\/\">Lesung im Literaturhaus<\/a> entnommen habe, so \u00e4hnlich auch im &#8220;Kalten&#8221; vorkommen k\u00f6nnte, vielleicht tr\u00e4gt der B\u00fcrgermeister sogar den selben Namen. Gebirtig will kein Aufsehen, der Kulturreferent redet dem B\u00fcrgermeister aber eine Ehrenfeier ein und hetzt die Journalisten auf ihn, der sich in kleinen Hotels versteckt. Dann f\u00e4hrt er mit der Stra\u00dfenbahn, verliebt sich in das moderen Wien, l\u00e4\u00dft sich ehren, sucht sein Geburtshaus auf, geht in die Traffik, wo sein Vater fr\u00fcher seine &#8220;Doanu&#8221;, kaufte und will sogar bleiben, als Alois Egger aber freigesprochen wird, \u00fcberlegt er es sich wieder und reist nach New York und in die Arme seiner Geliebten zur\u00fcck und Danny Demant f\u00e4hrt mit einem Bus und mit neununddrei\u00dfig anderen Juden, in ein slowenisches Dorf, wo Theresienstadt nachgebildet und ein Film dar\u00fcber gedreht werden soll.<br \/>\nEine Farce und ein sehr beeindruckender Holocaustroman in beeindruckenster wienerischer Manier und ich kann nur wiederholen, es ist sehr gut, da\u00df es die offenen B\u00fccherk\u00e4sten gibt, so konnte ich diese Bildungsl\u00fccke schlie\u00dfen und der &#8220;Kalte&#8221;, auf den ich mich sehr freue, ist ohnehin schon zu mir gekommen..<br \/>\nRobert Schindel wurde 1944 in Bad Hall als Kind j\u00fcdischer Kommunisten geboren, aber das steht in Wikipedia und l\u00e4\u00dft sich dort nachlesen.<br \/>\nUnd weil ich bei der Lesung im Sommer dachte, so politisch realistisch wie Schindel k\u00f6nnte ich auch schreiben, mu\u00df ich jetzt revidieren, so, wie in &#8220;Geb\u00fcrtig&#8221;, kann ich es nicht. Jetzt bin ich nur gespannt, ob der &#8220;Kalte&#8221; auch so einschl\u00e4gt und ein ebenso erfolgreicher Roman werden wird. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein Gustost\u00fcckerl aud dem B\u00fccherschrank und das Schlie\u00dfen einer Bildungsl\u00fccke, ziemlich zeitgleich mit Robert Schindels neuen Roman &#8220;Der Kalte&#8221;, den ich auf der Leseliste habe, den ich aber, weil kein Rezensionsexemplar, erst lesen werde, wenn er beim &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20455\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-20455","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20455"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20455\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}