{"id":20337,"date":"2013-03-24T00:11:11","date_gmt":"2013-03-23T23:11:11","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20337"},"modified":"2013-03-24T00:11:11","modified_gmt":"2013-03-23T23:11:11","slug":"mord-in-oberosterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20337","title":{"rendered":"Mord in Ober\u00f6sterreich"},"content":{"rendered":"<p>Sieben Kapitalverbrechen. Der Kehrwasserverlag hat mir im letzten Jahr <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/02\/brave-madchen-morden-nicht\/\">ja<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/26\/mammons-fall\/\">drei<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/15\/im-himmelreich-ist-der-teufel-los\/\">Krimis<\/a> geschickt, ein ober\u00f6sterreichischer Verlag, den ich bis dahin nicht kannte, der sich mit ober\u00f6sterreichischen Autoren zu besch\u00e4ftigen scheint und sich jetzt auch in Ober\u00f6stterreichVerlag umgenannt hat, bzw. mit dieser Schiene eine <a href=\"http:\/\/www.kehrwasserverlag.at\/index2.php\">ober\u00f6sterreichische Krimianthologie<\/a> herausgegeben hat.<br \/>\n&#8220;Tatort-Wien&#8221;, gibt es ja schon und da ist mir auch das Milieu bekannt, bei Ober\u00f6sterreich ist das anders, das hat Linz, die Donau an der man ein St\u00fcck entlangf\u00e4hrt, wenn man von Traismauer nach <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/07\/21\/wieder-zuruck-vom-urlaub\/\">Passau<\/a> oder vielleicht sogar nach Bamberg will und das Salzkammergut, das kenne ich schon weniger und wenn dann auch durch Krimis, hat der Haymon Verlag da ja <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/19\/kriminacht\/\">einen<\/a> oder ein paar herausgegeben, Anni B\u00fcrkl besch\u00e4ftigt sich in ihrer Serie damit und Krimi Anthologien gehen wahrscheinlich immer und wenn man dadurch gleich ein ganzes Bundesland kennenlernt, ist es wahrscheinlich auch f\u00fcr den Tourismus sehr geeigent.<br \/>\nDer Kehrwasser-Ober\u00f6sterreichverlag hat dazu aber noch das who is who der ober\u00f6sterreichischen Autorenschaft aufgeboten und man sieht, das Land hat au\u00dfer sch\u00f6ner Landschaft auch noch sehr viel Literatur zu bieten, die nicht nur Krimikenner entz\u00fccken werden, so sind doch Beate Maxian, Kurt Palm, Gabi Kresslehner, Ernst Schmid, Franzobel, Rudolf Habringer und Erich Weidinger darin vertreten und es geht auch gleich los mit Beate Maxian, die sonst eher Wien Krimis zu schreiben scheint, leuchtet einem doch gleich der Stephansdom entgegen, wenn man auf ihre <a href=\"http:\/\/www.maxian.at\/index2.php\">Website<\/a> geht, die geborene M\u00fcncherin lebt aber in O\u00d6 und da geht es gleich in den &#8220;Dirndlkrieg&#8221; und nach Bad Goisern und zu  Nora Furtner aus einer bekannten Trachtenmodendynastie, sie tr\u00e4gt das traditionelle kn\u00f6chellange gr\u00fcne Alltagsdirndl und \u00e4rgert sich \u00fcber eine M\u00fcnchnerin, die nach Bad Goisern kommt und dort das sogenante Wiesndirndl mit kurzen R\u00f6ckchen, tiefen Ausschnitt zu dem man nat\u00fcrlich High heels statt der tradionellen Trachtenschuhe tr\u00e4gt, einf\u00fchren will. Dazu kommt noch eine geh\u00f6rige Portion Sex und Crime und so haben wir am Ende eine abgebrannte Boutique, eine solche Scheune in der drei Leichen liegen und am Ende eine neue Dynastie, die das Traditionelle mit dem Modernen vereinigt.<br \/>\nKurt Palm kenne ich noch besser, habe ich doch nicht nur sein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/06\/die-besucher\/\">letztes Buch<\/a> gelesen, sondern war mit ihm auch lange in einer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/29\/ohrenschmaus-2011\/\">Jury<\/a>, er wurde 1955 in V\u00f6lklabruck geboren und dort bzw. am Attersee, spielt auch &#8220;Der Tote im Attersee&#8221;, denn dort wird der erfolgreiche Rechtsanwalt Roitner aus V\u00f6cklabruck aus dem Wasser gezogen, der in den letzten Jahren alle Fischereirechte aufgekauft hat, schon um vier Uhr fr\u00fch mit dem Boot \u00fcber den See d\u00fcst, alle aufweckt und denen, die nicht verkaufen wollen, wahrscheinlich ganz legal sehr zusetzt, so hat er auch Hechtbisse am Hals, obwohl er erw\u00fcrgt wurde und einen toten Taucher gibt es auch. Ermittelt wird von einer Frau Kommissarin, die den Fall in ein paar Stunden aufkl\u00e4rt, sich aber trotzdem unbedarft von Polizeiinspektor Gruber in die Ussancen der Fisch- und Gesch\u00e4ftswelt am Attersee einf\u00fchren l\u00e4\u00dft und wir haben viel gelernt am Schlu\u00df, wie beispielsweise, da\u00df die Reinanken in einem Restaurant am See bis zu siebzehn Euro kosten k\u00f6nnen.<br \/>\nDie 1965 geborene und in Ottensheim lebende Gabi Kreslehner, mit der ich schon einmal in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/06\/sophie-hungers-in-der-alten-schmiede\/\">Alten Schmiede<\/a> gelesen habe, macht es dagegen viel poetischer in  &#8220;Ach &#8230; Hyazintha..&#8221;, sie geht vom Krimi Klischee, k\u00f6nnte man so sagen, weit weg und erz\u00e4hlt trotzdem eindrucksvoll und vielleicht ganz leicht zu verstehen, das Leid einer jungen sch\u00f6nen K\u00f6chin in einem Donaurestaurant, vielleicht bei Ottensheim, erz\u00e4hlt von Fliegen, der K\u00fcche, vom &#8220;Klumpen Fleisch, das kein Mensch mehr ist&#8221; und  von einer Marianne und einem Georg, die Marianne hat in dem Wirthaus gekocht und ist in den Pausen baden gegangen, der Georg hat gekellnert, sie haben es zu Wohlstand gebracht, dann kam der Selbstmordversuch und die jungen Frauen. Georg schickte Marianne in die Stadtwohnung nach Linz, wenn die jungen Dinger kamen und einmal kam sie zu fr\u00fch zur\u00fcck und eine Hyazintha, bat um Hilfe und sagte, da\u00df sie nicht freiwillig gekommen ist, am Ende gibts das gute Fr\u00fchst\u00fcck, denn das kann nur die Marianne dem Georg kochen, nur sie wei\u00df, wie kross der Speck zu den Eiern sein darf und den guten Kaffee, in dem sie ihm aus einem kleinen Fl\u00e4\u00f6schchen etwas gie\u00dft. Dann kommen die Fliegen und Marianne legt sich in die Badewanne, um dort auf die &#8220;Polizisten, die Spurensicherer, die Totengr\u00e4ber&#8221; zu warten.<br \/>\nDann kommt Ernst Schmid, der einem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/15\/im-himmelreich-ist-der-teufel-los\/#comments\">meiner Leser <\/a>ja nicht gefallen hat  und beweist mit seiner &#8220;Familienangelegenheit&#8221;, wie man Krimis schreiben kann, bzw., wie ich sie mir vorstelle.<br \/>\nDa verschwinden in einem Kaff an der deutschen Grenze zwei kleine M\u00e4dchen. Die Ermittler fahren mit dem Auto die Gegend entlang und denken, die ist f\u00fcr eine Entf\u00fchrung, wie geschaffen, obwohl man ja wei\u00df, da\u00df die meisten Gewalttaten in der Familie passieren. So fahren sie zu dem Vater Marias, Sabrina, die bei ihr \u00fcbernachtet hat, ist die Nichte eines der Ermittler. Der Vater ist seltsam, die Mutter beim kranken Vater in Graz, die Zimmer unaufger\u00e4umt und es gibt eine Zeichnung mit einem riesigen schwarzen Mann, der auf das kleine M\u00e4dchen losgeht.<br \/>\nMi\u00dfbrauch, man wei\u00df, das bemerkte auch die junge sch\u00f6ne Lehrerin und hat im Gespr\u00e4ch mit der Frau Direktor beschlossen, die vorpubert\u00e4re Phase der Achtj\u00e4hjrigen, die nichts mehr a\u00df und schon ihre Idole im Zimmer h\u00e4ngen hatte, ist das nicht vielleicht doch ein bi\u00dfchen fr\u00fch?, zu beobachten. Dem Hauptermittler f\u00e4llt inzwischen ein, da\u00df er ein rotes Geschirrtuch im M\u00fcll gesehen hat, nichts wie hin, die M\u00fcllabfuhr ist gerade dabei auszur\u00e4umen und der Vater gr\u00e4bt ein Grab, darin ist aber nur ein toter Hund und die Mutter war auch nicht beim kranken Vater, der gar keinen Schlaganfall erlitten hat, sondern hat den arbeitslosen Mann verlassen, der aber dennoch, um im Dorf nicht aufzufallen, jeden Tag zur Arbeit ging.  Windtner wird verhaftet, dann aber wegen mangelnder Beweise freigelassen und als er nach Hause kommt, ist gro\u00df &#8220;Kindersch\u00e4nder&#8221;, auf dem Haus gemalt. Frau Windtner kommt zur\u00fcck und erz\u00e4hlt den Polizisten von einer H\u00fctte, dort liegen keine Leichen, sondern die zwei M\u00e4dchen, die weggelaufen sind, um dem Vater einen Denkzettel zu verpassen, weil er den Hund erschlagen hat und sich dann nicht mehr nach Hause trauten.<br \/>\nFrau Windtner beschlie\u00dft den Mann mit Maria zu verlassen und der fragt, ob er in der H\u00fctte bleiben kann?<br \/>\n&#8220;Sie sind ein freier Mann und k\u00f6nnen tun und lassen, was Sie wollen!&#8221;, sagt darauf der Ermittler und ich dachte, &#8220;Uje, das war nicht gut, lernt man das denn nicht in der Polizeischulung?&#8221;<br \/>\nIn den Spit\u00e4lern tut man es, glaube ich und lese eine halbe Seite weiter unten, da\u00df sich der Mann erh\u00e4ngte, der Ermittler f\u00e4hrt nach Haus &#8220;hatte er doch keine Lust mehr, sich durch diese Familienangelegenheiten den Tag verderben zu lassen&#8221;, und hat noch Windtners Worte im Ohr &#8220;Wenn du hier die Wahrheit sagst, kannst du dich gleich erschie\u00dfen!&#8221;<br \/>\nNein, Herr Parzer, da mu\u00df ich Ihnen widersprechen, Ernst Schmid ist ein guter Autor und schrieb diesen Krimi so, wie ich sie gerne schreiben m\u00f6chte und dann wird es trotzdem wieder literarischer, geht es doch zum Bachmannpreistr\u00e4ger von 1995, dem Sprachgewaltigen, der uns mit seinen &#8220;Biertod&#8221;, wieder zeigt, das Krimis noch einmal ganz anders gehen k\u00f6nnen.<br \/>\nWie stellt man sich n\u00e4mlich den \u00dcbergang vom Leben in den Tod vor? Gehts da zur &#8220;Himmelspforte, wo einem Petrus mit einem Blumenkranz begr\u00fc\u00dft, oder ist der \u00dcbergang eher eine leicht muffige Umkleidekabine eines Fitnesscenters?&#8221;<br \/>\nDer mittelm\u00e4\u00dfige Schriftsteller John Hart alias Michael Kerbelmeier hats erlebt, als er am ersten Mai zu einer Schullesung in ein ober\u00f6sterreichisches kleines D\u00f6rfchen kam, zuerst gar nicht zum Maifest wollte, sich dann von einem sprechenden Mistk\u00fcbel zu einem Bier und einer Bratwurst verleiten lie\u00df, mit der hiesigen Intelligenzia ins Gespr\u00e4ch kam, auf die Tombola warten mu\u00dfte, in der Nacht Blut spukte und am n\u00e4chsten Morgen mit einem riesigen Geschenkkorb ins Fr\u00fchst\u00fcckszimmer wankte, obwohl er sich an den Gewinn gar nicht mehr erinnern kann.<br \/>\nStefan Griebl, der Autor wird es wissen und hat \u00e4hnliches, bei seinen Lesungen vielleicht auch schon erlebt, kommt er ja immer mit einer Flasche oder Dose Bier auf die B\u00fchne, die er sich bei seinen Lesungen aus dem Rucksack zieht.<br \/>\nDer 1960 in Schwanenstadt geborene Rudolf Habringer, mit dem ich auch schon mal in der Alten Schmiede gelesen habe und von dem ich k\u00fcrzlich ein Buch im Schrank gefunden habe, erz\u00e4hlt in &#8220;Man mu\u00df sp\u00fcren, wie das ist&#8221;, von den Initionsriten arbeitsloser Jugendlicher, die zwischen Linz und Ottensheim hin und herpendeln und der mir bisher unbekannte Erich Weidinger, 1964 geboren, der in Seewalchen am Attersee lebt, schildert in seinen &#8220;Sauna Impressionen&#8221;, die seltsamen Passionen eines fr\u00fchjpensionierten Berufsschullehrers. Er findet Briefe auf der Stra\u00dfe, \u00f6ffnet sie \u00fcber Dampf, findet in ihnen Saunagutscheine, schaut dort dann zwei Lokalpolitikern beim Unfallen zu, vorher hat er ein Buch von Erwin Einziger an sich bringen wollen, nachher l\u00e4\u00dft er sich statt des Verstorbenen massieren  und danach ruft er noch den anderen an, um sich von von ihn auf die Seychellen einladen zu lassen.<br \/>\nSeltsam, seltsam und auch sehr interessant und ungew\u00f6hnlich, diese sieben sehr verschiedenen ober\u00f6sterreichischen Krimis, vom \u00fcblichen Regionalkrimi, bis zur gro\u00dfen Kunst und Realsatire ist alles drinnen, man hat sieben Schriftsteller und innen kennengelernt und auch eine Tour durch das sch\u00f6ne Ober\u00f6stterreich gemacht. Sowohl f\u00fcr die Radtour als auch die traditionelle Sommerfrische in Bad Ischl, falls es die noch gibt, sehr zu empfehlen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieben Kapitalverbrechen. 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