{"id":20267,"date":"2013-03-19T00:53:51","date_gmt":"2013-03-18T23:53:51","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20267"},"modified":"2013-03-19T00:53:51","modified_gmt":"2013-03-18T23:53:51","slug":"anna-migutschs-grundbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20267","title":{"rendered":"Anna Mitgutschs Grundbuch"},"content":{"rendered":"<p>Von Anna Mitgutsch habe ich ja k\u00fcrzlich, wie es Klaus Kastberger in der Alten Schmiede nannte, die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/10\/die-grenzen-der-sprache\/\">&#8220;Poetik des Horizonts&#8221;<\/a>, gelesen und nicht viel davon verstanden, bin ich ja eine psycholisch realistisch schreibende und denkende Frau und war am Montag in der Alten Schmiede, als das 48. Grundbuch &#8220;Das Haus der Kindheit&#8221; vorgestellt wurde, das auch in meinen Regalen steht.<br \/>\nGelesen habe ich das &#8220;Familienfest&#8221; und die &#8220;Grenzen der Sprache&#8221; und kenne Anna Migutsch seit meinen eigenen Schreibanf\u00e4ngen in den Siebzigerjahren, damals war die &#8220;Z\u00fcchtigung&#8221; und die &#8220;Ausgrenzung&#8221; von der 1948 in Linz geborenen Autorin, erschienen.<br \/>\n&#8220;Abschied von Jerusalem&#8221;, 1995 erschienen, behandelte dann ein anderes Thema, ich h\u00f6rte, glaube ich im Radio davon, als ich im Auto fuhr.<br \/>\n&#8220;Zwei Leben und ein Tag&#8221;, der Roman \u00fcber den Mobby Dick Erfinder Melville, war 2007, glaube ich, \u00f6sterreichischer Bestseller.<br \/>\nAn das Lesen vom &#8220;Haus der Kindheit&#8221;, 2000 erschienen, kann ich mich nicht mehr so erinnern, mich aber und das ist interessant, offenbar ziemlich zeitgleich mit einer nicht so un\u00e4hnlichen Thematik, in meinem ersten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/12\/cover-fragen\/\">Digi-Buch<\/a>, den &#8220;Wiener Verh\u00e4ltnissen&#8221; besch\u00e4ftigt und da, in Anleitung an ein Buch Ruth Asp\u00f6ck, auch eine j\u00fcdische Biografie erfunden und ihr eine Einleitung \u00fcber das erfolglose Schreiben vorangestellt.<br \/>\nDie Literaturagentin Diana Vogt wu\u00dfte damit nicht viel anzufangen, ich finde es trotzdem ein gelungenes Buch und Anna Mitgutschs Grundbuch, erz\u00e4hlt in vier B\u00fcchern, das Schicksal Max, der als Kind nach New York kommt, dort einen sozialen Abstieg bis in die Bronx erlebt. Die alleinerziehende Mutter hat aber immer das Bild von dem Haus in H., die Stadt Linz ist damit gemeint, erkl\u00e4rte die Professorin Konstanze Fliedl sp\u00e4ter in ihrer Erl\u00e4uterung, im Zimmer stehen und erz\u00e4hlt Max, da\u00df sie einmal dorthin zur\u00fcckkommen werden.<br \/>\nSie will das aber sp\u00e4ter nicht und verweigert auch die deutsche Sprache, was wieder interessant, mein Jacob Mandelbaum ebenfalls so tat, der will zwar mit seinem Enkel Henry zur\u00fcck, erlebt den Flug aber nicht mehr und Max kommt in Uniform das erste Mal nach H. und zu dem Haus, wo die f\u00fcllige junge Frau fl\u00fcchtet, als er bei ihr anklopfen will.<br \/>\nDie Familie ist in den Vernichtungslagern umgekommen, Max lernt eine viel j\u00fcngere Fotografin kennen, wird Architekt und Restaurator, kommt dann 1972 zur\u00fcck, will das Haus und bekommt es nicht. So sammelt er j\u00fcdische Kultgegenst\u00e4nde von den Flohm\u00e4rkten, nach der Pensionierung und dem Tod der Mutter bekommt er es, erlebt die Wiederer\u00f6ffnung der Synagoge und kehrt, weil die Restutionierung scheiterte, wieder in die USA zur\u00fcck.<br \/>\nAls den ersten Restutionsroman erkl\u00e4rte Klaus Kastberger, glaube ich, das Buch. Jetzt gibt es davon schon sehr viele und Konstanze Fliedl hatte ihren Text in drei Teile gegliedert und erkl\u00e4rte die Topographien so gut, da\u00df sich Anna Mitgutsch wunderte, was die Germanisten so alles in den naiv geschriebenen Autorentexten finden, dabei ist sie selber Literaturwissenschaftlerin und hat Poetik-Vorlesungen gehalten.<br \/>\nKonstanze Fliedl hat aber die Stadt erkannt und herausgefunden, da\u00df es dort keine restaurierte historische Synagoge gibt und die Stelle, wo der junge Max im Zug zwei ehemaligen BDM-M\u00e4dchen begegnet, hat sie zu dick aufgetragen gefunden, bis sie dann selber im Zug, das Gespr\u00e4ch von zwei ehemaligen Nazis h\u00f6rte, so weit zum Realismus, von dem sich Anna Mitgutsch, wie es offenbar sein mu\u00df, distanzierte. Wenn sie k\u00f6nnte, w\u00fcrde sie wie Celan schreiben und so einfach ist es nicht. Der Roman wurde offenbar schon komponiert und hat einige Fassungen, der Urtitel h\u00e4tte &#8220;Die Enteignung&#8221; lauten sollen, aber das hat der Verlag f\u00fcr unverk\u00e4uflich gehalten.<br \/>\nKlaus Kastberger stellte dann noch die Frage, ob der Max unsympathisch w\u00e4re und Anna Mitgutsch meinte, die Leserinnen w\u00fcrden ihn daf\u00fcr halten, weil der bindungsunf\u00e4hig ist, aber wenn man seine Familie in den Lagern verloren hat und einen Bruder hat, der dan Schizophrenie leidet, wird man das vielleicht ein bi\u00dfchen.<br \/>\nNun Eva Rossmann hat in &#8220;Freudsches Verbrechen&#8221;, 2001, ein \u00e4hnliches Thema in realistischer Krimiform behandelt, das ich mehrmals w\u00e4hrend eines Italienaufenthaltes gelesen habe und Klaus Kastberger forderte nach der Diskussion die Zuh\u00f6rer zum Lesen des Buches auf.<br \/>\nEine junge Frau, die hinter mir sa\u00df und auch sehr eifrig mitgeschrieben hat, kam dann mit einem ganzen B\u00fcchersto\u00df zum Signieren und erkl\u00e4rte mir auf meine Frage, da\u00df sie bis auf das letzte Buch alle gelesen h\u00e4tte und der Lehrer aus Retz, mit dem ich mich vor Beginn unterhielt, der auch seine B\u00fccher immer signieren l\u00e4\u00dft, war schon beim Lesen der &#8220;Grenzen der Sprache&#8221; und hat mir das von Peter Esterhazy siginierte <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/09\/noch-einmal-hauptbucherei\/\">&#8220;Esti&#8221;<\/a> gezeigt, obwohl er nicht bei der Veranstaltung war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Anna Mitgutsch habe ich ja k\u00fcrzlich, wie es Klaus Kastberger in der Alten Schmiede nannte, die &#8220;Poetik des Horizonts&#8221;, gelesen und nicht viel davon verstanden, bin ich ja eine psycholisch realistisch schreibende und denkende Frau und war am Montag &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20267\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-20267","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20267"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20267\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}