{"id":20168,"date":"2013-03-16T00:08:26","date_gmt":"2013-03-15T23:08:26","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20168"},"modified":"2013-03-16T00:08:26","modified_gmt":"2013-03-15T23:08:26","slug":"schnee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20168","title":{"rendered":"Schnee"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Schnee&#8221;, der 2002 erschienene Roman des 1952 in Istanbul geborenen Orhan Pamuk, der 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und 2006 den Nobelpreis bekommen hat, ist ein Monster Buch von f\u00fcnfhundertdreizehn Seiten, an dem ich jetzt \u00fcber eine Woche gelesen habe und eine politische Farce, in dem man sehr viel \u00fcber die politische Situation der T\u00fcrkei, erf\u00e4hrt und Anspielungen auf die deutsche Literatur gibt es dabei nat\u00fcrlich auch, so k\u00f6nnte der Dichter Ka ja an Franz Kafka erinnern und dieser Ka, der in Frankfurt Asyl bekommen hat, zum Begr\u00e4bnis seiner Mutter aber nach Istanbul kommt und von dort weiter in das anatolische Provinzst\u00e4dtchen Kars f\u00e4hrt, bleibt dort im Schneegest\u00f6ber stecken, was auf T\u00fcrkisch Kar hei\u00dft, wobei wir bei den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/11\/aktueller-korrekturbericht\/#comments\">sprechenden Namen<\/a> w\u00e4ren, die man ja angeblich nicht verwenden soll, das Buch ist nicht ganz leicht zu lesen, hat mein T\u00fcrkeibild, das ich ja durch die \u00f6sterreichische Brille sehe, aber vollst\u00e4ndiger gemacht. Ka f\u00e4hrt also im Schneefall nach Kars, weil er f\u00fcr eine Zeitung \u00fcber die Wahlen, die dort stattfinden werden, berichten soll und au\u00dferdem haben sich dort auch noch ein paar junge M\u00e4dchen umgebracht, in Wahrheit will Ka aber die sch\u00f6ne Ipek bewegen mit ihm nach Frankfurt zu kommen und er quartiert sich in das Hotel &#8220;Schneepalast&#8221;, das ihrem Vater geh\u00f6rt, ein und die Geschichte beginnt, die eigentlich von einem Dichter namens Orhan, der einen Roman \u00fcber das &#8220;Museum der Unschuld&#8221; schreibt, vier Jahre nach Kas Tod erz\u00e4hlt wird.<br \/>\nZuerst recherchiert Ka in den Familien der M\u00e4dchen, die sich umbrachten, weil sie ungl\u00fcckliche waren, einige auch, weil sie mit Kopftuch nicht auf die p\u00e4dagische Hochschule gehen konnten, weil das in der T\u00fcrkei ja verboten ist, die Islamisten bzw. die Wohlfahrtspartei versucht aber die Wahl zu gewinnen und Ka besucht zuerst den Inhaber der Provinzzeitung, der die Nachrichten der Einfachheit alle schon im Vorraus bringt, der empfiehlt ihm sich dem Polizeichef vorzustellen, dann wird er noch zu einem Scheich gebracht, der ihm von seinem Atheismus befreeien will und zu einem alten Revolution\u00e4r, der auch gegen das Kopftuchverbot ist, aber eine junge Geliebte hat.<br \/>\nKa soll am Abend im Volkstheater ein Gedicht aufsagen und trifft sich mit Ipek in einer Konditorei, vor ihren Augen wird der Direktor der P\u00e4dagogischen Hochschule erscho\u00dfen und am Abend beginnt im Theater die Revolution, bzw. ein Putsch, der von einem Schauspieler organisert wird. Es werden dabei aber einige Leute erschossen, was die Bewohner von Kars, die st\u00e4ndig mexikanische Fernsehserien sehen, auch nur im Fernsehen mitbekommen und dann die Realit\u00e4t von der Schow nicht unterscheiden k\u00f6nnen.<br \/>\nIn den Teeh\u00e4user h\u00e4ngen Plakate von Schweizer Bergen, Ka wird von Spitzeln verfolgt und Kadife, Ipeks Schwester, die inzwischen wieder Kopftuch tr\u00e4gt und die heimliche Geliebte des alten Lapislazulli ist, soll in einem Theaterst\u00fcck ihr Haar entbl\u00f6\u00dfen, inzwischen wird Ka bedroht und von den Polizisten zusammengeschlagen, er soll auch eine Botschaft der Islamisten in die Frankfurter Rundschau bringen, dessen angeblicher Redakteur Hans Hansen hei\u00dft und blonde Haare hat, wie halt alle Deutschen, so erz\u00e4hlt es Ka Lapislazullis und den Koransch\u00fclern, in Wahrheit ist Hans Hansen aber ein Verk\u00e4ufer, der ihm den Mantel verkaufte, den Ka in Kars tr\u00e4gt.<br \/>\nInzwischen schl\u00e4ft auch Ipek mit Ka und verspricht ihm mit ihm nach Frankfurt zu gehen. Ka soll Kadife dann wieder davon abringen, ihr Haar zu entbl\u00f6\u00dfen und am Schlu\u00df erschie\u00dft sie den Schauspieler auf der B\u00fchne, obwohl in ihrer Pistole nur Platzpatronen gewesen sein sollen.<br \/>\nKa wird von den Polizisten zum Bahnhof gebracht, Ipek soll ihm mit dem Koffer folgen, kehrt aber wieder ins Hotel zur\u00fcck, Kadife verbringt ein paar Jahre im Gef\u00e4ngnis, heiratet dann einen Koransch\u00fcler und Ka wird einige Jahre sp\u00e4ter in Frankfurt am Bahnhof, wo er sich bei den Pornokinos herumtrieb, erscho\u00dfen.<br \/>\nOrhan, der all das penibel recherchierte, kommt in seine armselige Wohnung, um sie aufzul\u00f6sen und sucht auch nach den Gedichten, die Ka in der Zeit seines Aufenthalts ins Kars geschrieben hat. Schneegedichte in ein gr\u00fcnes Buch, neunzehn an der Zahl, sie sind am Schlu\u00df des Buches angef\u00fchrt, aber verschwunden und Orhan vermutet, da\u00df der M\u00f6rder Kas auf der Suche nach diesen Gedichten war.<br \/>\nEin \u00e4u\u00dferst interessanter Roman, der sich \u00fcber alles lustig und trotzdem ein scharfes T\u00fcrkeibild entwirf und das dritte Buch, das ich von Orhan Pamuk gelesen habe.<br \/>\nDen Essayband &#8220;Der Blick aus meinem Fenster&#8221;, habe ich mir 2005 gekauft, als ich  den Thalia-Gutschein bei der Festwochen-B\u00fcchereilesung gewonnen habe und das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/21\/das-stille-haus\/\">&#8220;Stille Haus&#8221;<\/a> vor zwei Jahren in der Osterwoche.<br \/>\nBeide B\u00fccher sind ganz anders und so bin ich auch auf die anderen Pamuk-Romane sehr neugierig und gespannt, ob und wann ich wieder einmal einen finde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Schnee&#8221;, der 2002 erschienene Roman des 1952 in Istanbul geborenen Orhan Pamuk, der 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und 2006 den Nobelpreis bekommen hat, ist ein Monster Buch von f\u00fcnfhundertdreizehn Seiten, an dem ich jetzt \u00fcber eine Woche gelesen &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20168\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-20168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20168\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}