{"id":20112,"date":"2013-03-12T00:01:58","date_gmt":"2013-03-11T23:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=20112"},"modified":"2013-03-12T00:01:58","modified_gmt":"2013-03-11T23:01:58","slug":"julian-schuttings-herrenrunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=20112","title":{"rendered":"Julian Schuttings Herrenrunde"},"content":{"rendered":"<p>Wieder einmal Zauberberg, die monatliche Veranstaltung im Klangtheater, wo man eine H\u00f6rspiel- oder Featureproduktion  vorab h\u00f6ren und mit dem Autor und dem Regisseur diskutieren kann.<br \/>\nBei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/07\/im-klangtheater\/\">Andrea Winkler<\/a> bin ich einmal dortgewesen, diesmal gab es Julian Schuttings &#8220;Herrenrunde&#8221;, ein Sprachk\u00fcnstler, der mich ja <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/23\/vor-dem-funfundsiebzigsten-geburtstag\/\">interessiert<\/a> und traf prompt Inge Reisner im Foyer, bei der letzten<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/28\/veroffentlichtes-und-unveroffentlichte-von-julian-schutting-und-marianne-gruber\/\"> Schutting Veranstaltung in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur<\/a> sind wir nebeneinandergesessen.<br \/>\nIm Klangtheater sa\u00dfen wir in den vermutlich ausrangierten Polsterm\u00f6beln hintereinander. Die erste Reihe war f\u00fcr Autor und Regisseurin reserviert, Peter Klein, der Moderator lief auf und ab. Relativ viel Publikum, Julian Schutting begr\u00fc\u00dfte beim Hereingehen seine Freunde und meinte zu Beginn, das Publikum w\u00fcrde sein H\u00f6rspiel unsympathisch finden, gehe es ja um Ehescheidungen, zu mindestens hat Peter Klein zu Beginn die Scheidungsstatistik referiert.<br \/>\nIn Wien werden die meistens Ehen geschieden, in \u00d6O die wenigstens und in Julian Schuttings-Herrenrunde kommen nicht nur Herren, sondern auch Damen zusammen, um sich \u00fcber ihre Beziehungen zu \u00e4u\u00dfern, st\u00e4nkern, motschkern hat es Peter Klein erkl\u00e4rt.<br \/>\nAls Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Ehescheidungen h\u00e4tte ich es gar nicht empfunden und auch der Titel wunderte mich etwas, kamen ja auch, wenn auch in geringerer Zahl Frauenstimmen vor und eingeleitet waren sie sehr oft mit Namen. Ein Peter, Dieter, Albert, Bruno, eine Gerti, etc, mit Musik umrahmt, Brahms aber auch moderneres und manchmal \u00fcberschnitten sich die Stimmen, was vom Publikum sp\u00e4ter bemotschkert wurde und f\u00fcr mich war dieser Schutting auch alltagssprachlicher, als, was ich sonst so von ihm kenne. Er scheint das auch so empfunden zu haben und hat von einem Volksst\u00fcck in der Diskussion gesprochen.<br \/>\nDas Publikum widersprach vehemt und hat Dinge herausgeh\u00f6rt, die mir entgangen sind.<br \/>\nSch\u00f6ne S\u00e4tze, sch\u00f6ne Szenen waren es aber allemal, Venedigszenen und Beschreibungen von Paaren, die sich gegeneinander beschw\u00f6ren, da\u00df sie zu m\u00fcde f\u00fcr die Liebe sind, bevor sie in ihre Liebesspiele entfalten und von den alten Paaren, die sich in der Wienerwaldschenke die Brettljause miteinander teilen und dem andere jeweils das sch\u00f6ner Brotst\u00fcck, das gr\u00f6\u00dfere Gurkerl zuteilen.<br \/>\nWo bleibt da die Scheidung? Und es endete auch tr\u00f6stlich, bekundete Julian Schutting am Ende. Ein Dichter kam nat\u00fcrlich auch noch vor und ein Paar das siebzig Sonntagseier miteinander teilte, weil die bekommt man nur dann zum Fr\u00fchst\u00fcck und eines das zur Scheidung ein Geschenk mitbringt. Sie bringt es, er hat es vergessen und rei\u00dft die Widmung von ihrem Buch heraus.<br \/>\nAllerwelts\u00e4u\u00dferungen \u00fcber Beziehungen in einer etwas anachronistischen Sprache, was so die Peters, Dieters, Alberts am Stammtisch \u00fcber ihre Frauen nicht sagen w\u00fcrden und Renate Pitroff hat es mit elf Schauspielstimmen zurechtgeschnitten, in der Diskussion sprach Peter Klein dann auch Julian Schuttings <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/25\/vom-gehen-und-vom-reden\/\">Flaneurt\u00e4tigkeit<\/a> an.<br \/>\n&#8220;Hierher sind Sie aber nicht zu Fu\u00df gekommen?&#8221;<br \/>\n&#8220;Doch!&#8221; antwortete er .<br \/>\n&#8220;Von Grinzing \u00fcber D\u00f6bling ist das nicht weit und in die Oper gehe ich auch zu Fu\u00df \u00fcber den Donaukanal!&#8221;<br \/>\nWas ich, die ich ja auch einmal, in der Sommeraffenhitze auf den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/15\/grinzinger-friedhof\/\">Grinzinger Friedhof<\/a> gegangen bin, best\u00e4tigen kann, das es nicht stimmt. Es ist von Grinzig weit bis in die Argentinierstra\u00dfe und ich w\u00fcrde dazu l\u00e4nger als eine Stunde brauchen, gehe aber auch sehr viel zu Fu\u00df und finde das sehr inspirierend.<br \/>\nJulian Schutting war einmal, wie er erz\u00e4hlte, verheiratet und ist ein gro\u00dfer Liebender, vierzig B\u00fccher und mehrere H\u00f6rspiele hat er auch schon geschrieben.<br \/>\nAm Schlu\u00df gab es dann den Hinweis auf die H\u00f6rspielsendung gleich heute Dienstag.<br \/>\nAm Donnerstag gibt es dann Lyrik im Klangtheater, so da\u00df Peter Klein Julian Schutting nach seinen Lyrikvorlieben fragte.<br \/>\n&#8220;H\u00f6lderin und Mayr\u00f6cker!&#8221;, antwortete er  und beklagte dann , da\u00df soviel saudumme Lyrik geschrieben w\u00fcrde, was mich ein wenig verwunderte, kann ich mich ja an eine GAV-GV erinnern, wo es um die Aufnahme von eher als kitschig empfundenen Lyrikerinnen ging und er einer der wenigen war, die f\u00fcr die Aufnahme stimmten.<br \/>\n&#8220;Nach der Bachmann wird sehr schlechte Lyrik geschrieben!&#8221;, hat  er aber sinngem\u00e4\u00df gesagt, wie Peter Klein zitierte, die Herren und die Damenrunde hat aber ohnehin in \u00e4sthetisch sch\u00f6ner Prosa gematschkert und gest\u00e4nkert. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal Zauberberg, die monatliche Veranstaltung im Klangtheater, wo man eine H\u00f6rspiel- oder Featureproduktion vorab h\u00f6ren und mit dem Autor und dem Regisseur diskutieren kann. 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