{"id":19987,"date":"2013-03-10T00:16:57","date_gmt":"2013-03-09T23:16:57","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19987"},"modified":"2013-03-10T00:16:57","modified_gmt":"2013-03-09T23:16:57","slug":"land-unter-ihnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19987","title":{"rendered":"Land unter ihnen"},"content":{"rendered":"<p>Das bei Limbus, wo auch Erika Kronabitter ihre B\u00fccher verlegt, 2011 erschienene Novellenb\u00e4ndchen von Alexander Peer habe ich, glaube ich, gefunden, als ich zum vorvorigen Adventspaziergang aufgebrochen bin, da war dann beim Heimkommen, als ich noch nach Hesses &#8220;Glasperlenspiel&#8221; schauen wollte, die T\u00fcr des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/19\/fallen-losen\/#comments\">&#8220;Wortschatzes&#8221;<\/a> besch\u00e4digt, &#8220;Land unter ihnen&#8221; und Orhan Pahmuks &#8220;Schnee&#8221; hatte ich mir schon vorher mitgenommen, denn den Namen Alexander Peer kannte ich aus dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/12\/schonheit-und-verganglichkeit\/\">Kunst-Lesebuch des Essl Museums <\/a>&#8220;Sch\u00f6nheit und Verg\u00e4nglichkeit&#8221; und habe dort auch erfahren, da\u00df er 1971 in Salzburg geboren wurde, Germanistik, Philosophie und Publizistik studierte und in Wien lebt.<br \/>\nEin Schwerpunkt seiner Arbeit sind Reisereportagen, er ist PEN-Mitglied und hat f\u00fcr die vorliegende Novelle, das wei\u00df ich aus seiner <a href=\"http:\/\/www.peerfact.at\/daslandunterihnen.htm\">Homepage<\/a>, 2001 den 3. Preis des Prosapreises von Brixen\/Hall bekommen.<br \/>\nIch wundere mich ja immer etwas so Aktuelles in den Schr\u00e4nken zu finden, in der Novelle geht es aber um die Eroberung von Mexiko im Jahre des Herrn von 1519 und um Hernando Cortes.<br \/>\nDas Buch ist in sch\u00f6nen gr\u00fcn gehalten, auf dem Titelbild ein Urwald mit bunten Blumen und einem L\u00f6wen, der sich zaghaft herausverirrt zu sehen und in der Laudatio von Prof Dr. Methlagel habe ich etwas vom Kippen vom sechzehnten Jahrhundert in die Gegenwart gelesen und wenn ich mich nicht irre, irgenwo auch etwas von slapsticartigen Momenten und das stimmt, Peer erz\u00e4hlt die blutige Eroberungsgeschichte in sch\u00f6nen bunten Bildern, beginnt auf der ersten Seite von einem abgebrochenen Studium des Helden und man staunt, hat es das im sechzehnten Jahrhundert schon gegeben? Von seiner Jugend und dem Vater, der sich zuerst, der Mutter, dann der Magd und zuletzt dem Wein zugewandt hat, den kleinen Hernando immer in den Weinkeller sperrte und auf ihn verga\u00df, auf den Wein nicht, so da\u00df der Kleine \u00fcberlebte.<br \/>\nGro\u00df geworden legt ihn der K\u00f6nig den Arm auf seine Schulter und schickt ihn nach Amerika, Mexiko, Indien oder wohin auch immer, denn er braucht Gold f\u00fcr seine Feldz\u00fcge, das ist aber auch nicht so leicht, denn Cortes hat Widersacher, zum Beispiel Diego Velasques, der ihn zur\u00fcckhalten will, so mu\u00df er mit seiner Flotte ohne die n\u00f6tige Verpflegung aufbrechen. Die Eroberung Mexikos ist auch mit einigen Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen verbunden, so fragt Cortes einen Einheimischen, wie den die Insel hei\u00dft &#8220;Ya catan! &#8211; Ich verstehe nicht!&#8221;, sagt der.<br \/>\n&#8220;Aha, Yucatan!&#8221;<br \/>\nMit Vera Cruz geht es ebenso, da wird das wahre Kreuz errichtet und Cortes hat auch eine Begegnung mit einem Kind, das ehrf\u00fcrchtig den Saum des Kleides des Fremden ber\u00fchrt, was ihn an seine erste Frau erinnert.<br \/>\nMit von der Partie ist auch der Soldat Vasques, der den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/25\/kakao\/\">Kakao<\/a> nach Spanien bringen wird, denn Cortes und der K\u00f6nig wollen ja das Gold, so rei\u00dfen sie den Priester die Sch\u00e4tze aus den Tempeln und schmelzen es ein, es kommt zu Gemetzel und Blutvergie\u00dfen und noch einigen anderen Raubz\u00fcgen, bis Cortes vom K\u00f6nig zur\u00fcckgerufen in einem Art Altersheim stirbt.<br \/>\nEine sehr interessante Novelle, die ein bi\u00dfchen dar\u00fcber nachdenken l\u00e4\u00dft, wie die Eroberung der Welt geschehen ist, obwohl es wahrscheinlich ganz anders war, als es Peer in seinen Bildsequenzen schildert, grausig war es wahrscheinlich allemal und es lohnt sich dar\u00fcber nachzudenken, welch blutigen Boden wir betreten, wenn wir, wie ich es vor Jahren einmal mit Alfred und Anna machte, nach Mexiko reisen und die Aztekentempel besuchen.<br \/>\nEin Nachwort von Karl Vocelka, Professor f\u00fcr \u00f6sterreichische Geschichte gibt es auch, der den Unterschied zwischen Literatur und Geschichte erkl\u00e4rt und meint, da\u00df es der Literat einfacher als der Historiker hat, denn er kann &#8220;erfundene Figuren, die bestimmte Aspekte des Themas herausarbeiten, einf\u00fchren, was oft den Reiz der Erz\u00e4hlung ausmacht und die Freiheit der Kundst gegen die Enge der Wissenschaft manifestiert.&#8221;<br \/>\nEine interessante \u00f6sterreichische Neuentdeckung, die ich dank der B\u00fccherk\u00e4sten und dem Essl-Lesebuch da machen durfte, die sonst vielleicht an mir vorbei gegangen w\u00e4re. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das bei Limbus, wo auch Erika Kronabitter ihre B\u00fccher verlegt, 2011 erschienene Novellenb\u00e4ndchen von Alexander Peer habe ich, glaube ich, gefunden, als ich zum vorvorigen Adventspaziergang aufgebrochen bin, da war dann beim Heimkommen, als ich noch nach Hesses &#8220;Glasperlenspiel&#8221; schauen &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19987\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-19987","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19987","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19987"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19987\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}