{"id":19923,"date":"2013-03-08T00:12:46","date_gmt":"2013-03-07T23:12:46","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19923"},"modified":"2013-03-08T00:12:46","modified_gmt":"2013-03-07T23:12:46","slug":"lisas-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19923","title":{"rendered":"Lisas Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Ein Groschenheftchen im Fischer TB Verlag in drei B\u00e4nden im roten, blauen, gr\u00fcnen Umschlag mit einem sch\u00f6nen M\u00e4dchenkopf und einem Edelwei\u00df, Fotos gibt es zwischendurch immer wieder auch und Zeitungsausschnitte, die eigentlich nicht zum Groschenromanklischee geh\u00f6ren. Marlene Streeruwitz machts m\u00f6glich und der 1997 erschienene Dreiteiler kostet auch \u00d6S 131,&#8211; DM 17.90, ab 1.1.2002 Euro 8.90 und ist ein Fund aus dem Wortschatz, in dem ich vor einem Jahr ja einige \u00e4ltere B\u00fccher von \u00f6sterreichischen Spitzenautoren fand, die ich nach und nach auflesen werde.<br \/>\nVon Marlene Streeruwitrz war noch &#8220;Majakowskiring&#8221; dabei, das demn\u00e4chst folgen wird, &#8220;Jessica, 30&#8221;, wird noch etwas dauern und das Buch ist f\u00fcr mich auch keine wirkliche Neuentdeckung, hat ja, wenn ich mich nicht irre, einmal eine Schauspielerin im Literaturhaus eine Auff\u00fchrung daraus gebracht und, da\u00df sich die Spitzenautoren bzw. Verlage an die Groschenromane heran und sich \u00fcber sie lustig machen bzw. sie zur Literatur erheben, ist auch nichts Neues, so kann ich mich erinnern, da\u00df ich mir in den Siebzigerjahren einmal eines dieser orangen Jugend und Volk Literaturproduzentenftchen gekauft habe, wo so etwas drinnen war und damit nach Baden gefahren bin und es dort gelesen habe, Detail am Rande, Marlene Streeruwitz wurde in Baden bei Wien geboren und der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/04\/sex-mit-45\/\">Holzbaum-Verlag<\/a> hat mir vor einem Jahr auch ein solches Heftchen geschickt.<br \/>\nDer Groschenroman, das, was die Frauen ja so gerne lesen und versch\u00e4mt f\u00fcr die Tante oder die kranke Nachbarin beim Trafikanten kaufen, weil man das ja nicht \u00f6ffentlich lesen darf, aber die Sehnsucht der Herzen weckt, ich habe sie als junges M\u00e4dchen sehr viel und sehr gerne gelesen und &#8220;Lisas Liebe&#8221; hat nat\u00fcrlich trotz der betonten Bastei-Nachahmung nichts mit dem Klischee zu tun, hat es ja kein Happy-End, denn Lisa geht am Ende von  Teil drei mit zwei Nachthemden und ein paar Str\u00fcmpfen, die sie sich in New York kaufte, wahrscheinlich in die Niagara-F\u00e4lle und das ist, wie ich glaube, obwohl ich das Lehrbuch,&#8221;Wie schreibt man einen Groschenroman?&#8221;, das leselustfrust vor ein paar Jahren auf die Wanderschaft schickte, nicht gelesen habe, eine Regel, wie das Heftchen nicht sein darf.<br \/>\nAnsonsten ist es drinnen auch anders, wie das Original, denn die Texte sehr kurz und immer wieder von Bilder unterbrochen, also der Foto- und der Groschenroman in einem und die ersten zwei Teile handeln von den Ferien am Land.<br \/>\nLisa Liebich ist neundunddrei\u00dfig, Lehrerin und streckt am Beginn des Buches und der Schulferien Herrn Dr. Adrian, einem Arzt nat\u00fcrlich, ein Briefchen auf der Fischerstiege entgegen, in dem sie ihm ihre Liebe gesteht und auf Antwort in ihrem Ferienort in der Toffen Alm in Gosau wartet.<br \/>\nDann sieht man immer wieder Bildchen von dem H\u00e4uschen in den Bergen wo handschriftlich darunter steht &#8220;Der 19. Juli. Der Brieftr\u00e4ger taucht hinter den B\u00fcschen auf. Er f\u00e4hrt aber vorbei&#8221; und so weiter uns so fort. Mal bringt er Werbeschriften oder eine Karte des Kollegen oder es ist Sonntag, da kommt er nicht und am Ende sind die Ferien vorbei und Dr. Adrian hat nicht geschrieben, dazwischen erf\u00e4hrt man von Lisas Leben und das einer Art und Weise, wie es mir eigentlich gef\u00e4llt und offenbar auch mein Stil sein d\u00fcrfte. Die lineare Direktheit, die auch die Passivit\u00e4t der Lisa zeigen soll, die als Kind von ihrer Mutter einer Boutiquenbesitzerin in zeitlose Damenmode gesteckt wurde, um Werbung zu machen und sich dadurch l\u00e4cherlich machte. Der Bruder begeht Selbstmord, Lisa geht als Lehrerin nach M und wird dort die Geliebte von zwei verheirateteten M\u00e4nnern, dem Vizeb\u00fcrgermeister und dem Internisten, bei beiden mu\u00df sie es heimlich im Auto oder auf einer Reise machen, am Ende wird Lisa von der Polizei verh\u00f6rt, weil der B\u00fcrgermeister in einen Korruptionsskandal verwickelt wurde und wird nach G. strafversetzt, dort fri\u00dft sie sich ein Kummerspeckchen an und traut sich nicht aus der Pension, dann hungert sie es sich wieder hinunter, i\u00dft jeden Tag im Eiscafe einen Schinken-K\u00e4se-Toast, hat psychosomatische Beschwerden, lernt einen Kollegen n\u00e4her kennen, den der ihr dann auch die Karte schreibt und wird Schriftf\u00fchrerin in einem &#8220;Naturvereins&#8221; eines \u00e4lteren Schulinspektors, da hei\u00dft es dann &#8220;Lisa war dann immer d\u00fcnner geworden, Lisa war dann doch zum Arzt gegangen, Lisa hatte helfen wollen,  Lisa hatte dann wieder zu Schmarantzer fahren m\u00fcssen&#8221; und so weiter, so viel zu der Passivit\u00e4t, der Frau, die von den M\u00e4nnern genommen wird und kein eigenes Entscheidungsrecht hat, wie wir es auch beispielsweise bei der Jelinek sehr viel finden. Dabei lernt Lisa Spanisch und Italienisch, f\u00e4hrt nach Italien und im Sommer in Gosau auf Sommerfrische und in einen Schreibkurs, der Fernlehrkurs der Schule des Schreibens, scheint hier Vorbild gestanden zu sein, tr\u00e4gt sie sich auch ein und so gibt es auch immer Textproben ihrer Schriftst\u00fccke und dazwischen Ausschnitte von Zeitungsartikeln, die nichts mit dem Ganzen zu tun haben scheinen, die aber Lisa vielleicht genauso sammelt, wie das, wie ich gelesen habe, auch Marlene Streeruwitz tut.<br \/>\nIn Teil drei haben wir Weihnachten und Lisa f\u00e4hrt in den Ferien nach New York, dazu erkundigt sie sich beim Bankbeamten, wie sie ihr ganzes Geld dorthin transferieren kann, denn sie will sich neue Kleider kaufen, weil man ja in New York viel sparen kann, sie zerschneidet vor der Abreise ihre ganzen Sachen und spendet sie der Caritas. Dann ist sie dort, jetzt gibt es immer Bilder von den Wolkenkratzern und den Stra\u00dfenschildern zu sehen und eine Zeitungsseite einer John Irving Werbung &#8220;I think that I have  become a writer because of my grandmothers good manners and &#8211; more specifically- because of a retarded garbage collector to whom my grandmother war always polite an kind&#8221; steht da geschrieben. Ein paar Schweinchen sind dabei abgebildet und darunter steht mit Handschrift wieder &#8220;Klingt doch ganz einfach Oder?&#8221;<br \/>\nLisa kauft ein bi\u00dfchen ein, beobachtet die Penner, f\u00e4hrt mit einem Kind U-Bahn, das ihr den Stadtplan wegnimmt, geht zu einer Lesung bei Barnes und Nobles und entschwindet am Ende mit den zwei Nachthemden in Richtung Niagaraf\u00e4lle.<br \/>\n&#8220;Fortsetzung folgt&#8221; steht noch geschrieben und es gibt ein paar Ank\u00fcndigungen zu &#8220;Lisas Gl\u00fcck, Folge 1-3 immer mit Streeruwitzbildchen im Cover. Dann wird f\u00fcr &#8220;Majakowskiring&#8221;- &#8220;dem Buch f\u00fcr die Frau auf der Suche&#8221; und &#8220;Nachwelt&#8221;- &#8220;der Lekt\u00fcre f\u00fcr die moderne Frau&#8221;, Werbung gemacht und es gibt noch ein paar Kinderbildchen von der kleinen und auch gr\u00f6\u00dferen Marlene, die Kritikerin Ursula Merz von der Frankfurter Rundschau hat auch noch etwas geschrieben, wie Marlene Streeruwitz den Groschenroman aufzum\u00f6beln wu\u00dfte und es folgt der Lebenslauf, den habe ich, glaube ich, auch schon geschrieben, gab es im letzten Jahr ja <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/26\/verfuhrungen\/\">&#8220;Verf\u00fchrungen&#8221;<\/a> aus dem Schrank beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/28\/erlesenes-pfingsten\/\">Pfingstlesemarathon<\/a> und die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/01\/die-schmerzmacherin\/\">&#8220;Schmerzmacherin&#8221;<\/a> zu lesen, die ich bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/16\/literatur-ist-der-rede-wert\/\">literarischen Soiree<\/a> gewonnen habe und als in Wien einmal Wahl war, gab es im Internet  ein \u00e4hnliches Romanprojekt zu finden, das ich eifrig gelesen habe, womit sich Marlene Streeruwitz als sehr vielf\u00e4ltige Autorin, die sich auch sehr mit den politischen und gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen, was mir ja sehr sympathisch ist, besch\u00e4ftigt, beweist und zum Frauentag, ganz zuf\u00e4llig vordatiert, passt das Buch nat\u00fcrlich auch sehr gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Groschenheftchen im Fischer TB Verlag in drei B\u00e4nden im roten, blauen, gr\u00fcnen Umschlag mit einem sch\u00f6nen M\u00e4dchenkopf und einem Edelwei\u00df, Fotos gibt es zwischendurch immer wieder auch und Zeitungsausschnitte, die eigentlich nicht zum Groschenromanklischee geh\u00f6ren. 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