{"id":19785,"date":"2013-02-26T00:03:30","date_gmt":"2013-02-25T23:03:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19785"},"modified":"2013-02-26T00:03:30","modified_gmt":"2013-02-25T23:03:30","slug":"vom-gewohnlichen-leben-zu-hofnarr-konig-unnd-volk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19785","title":{"rendered":"Vom gew\u00f6hnlichen Leben  zum Hofnarr, K\u00f6nig und Volk"},"content":{"rendered":"<p>Diesmal gab es zwischen der literarischen Erleuchtung und der Anschlu\u00dfveranstaltung eine Verbindung und dann auch eine Fortsetzung, von der ich noch nicht wei\u00df, ob ich sie wahrnehmen oder stattdessen in die Gesellschaft f\u00fcr Literatur gehen werden.<br \/>\nAm Montagabend war jedenfalls Anne Weber in der Stunde der literarischen Erleuchtung und stellte ihre \u00dcbersetzung von &#8220;Une vie ordinaire&#8221; &#8211; n\u00e4mlich &#8220;Luftschnappen war sein Beruf&#8221; vor.<br \/>\n&#8220;Aha!&#8221;, werden jetzt sicher die Frankophilen sagen.<br \/>\n&#8220;Gut \u00fcbersetzt!&#8221;<br \/>\n&#8220;Das Leben ist eine Bananenschale&#8221; h\u00e4tte es aber auch hei\u00dfen k\u00f6nnen, denn solches kommt in dem Gedichtroman des von 1023- 1978 lebenden Georges Perros vor und Kurt Neumann erz\u00e4hlte gerade etwas von dem franz\u00f6sischen Dichter, als ich die Alte Schmiede erreichte und Anne Weber ist eine alte Bekannte.<br \/>\nBeim Bachmannpreis hat sie einmal gelesen und oder einen davon gewonnen, in Frankreich lebend, als Autorin und \u00dcbersetzerin. Wenn ich mich nicht irre, gibts ein Buch von ihr auf meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> und in der Alten Schmiede habe ich sie auch schon einmal <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/die-liebe-als-labyrinth-verwickelter-identitaten\/\">geh\u00f6rt<\/a>.<br \/>\nJetzt aber eine zweisprachige Lesung und Anne Weber erkl\u00e4rte auch sogleich, warum sie nicht ins &#8220;gew\u00f6hnliche Leben&#8221; \u00fcbersetzt hat, dabei war Georges Perros gegen Hierarchien, obwohl er ber\u00fchmte Freunde hatte, hat er auch die Banalit\u00e4ten des Lebens, n\u00e4mlich das Pinkeln und das Harnablassen beschrieben und das, was passieren kann, wenn man sich von einem, der einen von Puschkin und Tolstoj anschaulich erz\u00e4hlt, nicht abgrenzen kann.<br \/>\nDa denkt der, man konzentriert sich auf die Erz\u00e4hlung und nachher gibt es einen h\u00e4\u00dflichen Fleck.<br \/>\nPerros erz\u00e4hlte aber auch von seiner Geburt und seiner Mutter, die ihm in die Obsorge der Concierge gab und wieder wegnahm, weil die nicht genug Zeit hatte, ihn zu wickeln, obwohl er gerne bei der Concierge gewesen w\u00e4re und erz\u00e4hlte auch von seiner russischen Frau, die er sp\u00e4t geheiratet hat und die bis zu ihrem neunten Lebensjahr nur Russisch sprach. Perros war Pfeifenraucher, hatte einen Lehrstuhl f\u00fcr Unwissenheit inne, was auch schon die Verbindung zum n\u00e4chsten Programmpunkt war und ist 1978 an Kehlkopfkrebs gestorben, das &#8220;Vie ordinaire&#8221; ist 1967 erschienen und Anne Weber, die schon andere seiner Werke \u00fcbersetzt, erz\u00e4hlte w\u00e4hrend ihrer Lesung immer wieder ein bi\u00dfchen, so sprach sie von einer Stelle, die sie inzwischen anders \u00fcbersetzen w\u00fcrde.<br \/>\nDann wars aus, Kurt Neumann wies noch darauf hin, da\u00df Anne Webers neues Buch am Dienstag in einer einsprachigen Lesung vorgestellt wird, obwohl es auch auf Franz\u00f6sisch erschienen ist. Dann gab es wieder eine Stunde Pause, wo ich dem Lehrer aus dem Waldviertel meine B\u00fcchersch\u00e4tze zeigte, die ich diesmal bei Frick und Morawa gefunden hatte, weshalb ich auch ein bi\u00dfchen knapp gekommen bin.<br \/>\nMarjana Gaponekos &#8220;Annuschka Blume&#8221;, die inzwischen den Chamisso-Preis bekommen hat und am Nachmittag im Kulturhjournal vorgestellt wurde, um zwei Euro und Anita C. Schaubs &#8220;Krause Haare&#8221;, um ebensoviel unter andere, die daraus ja mit mir gemeinsam im Oktober in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/30\/bedenkliche-beziehung\/\">Alten Schmiede<\/a> las, unterhielt mich ein bi\u00dfchen mit Dr. Molt und wartete auf die Vorstellung des neuen Andrea Winkler Buches &#8220;K\u00f6nig, Hoffnarr und Volk&#8221;, das ich mir nicht entgehen lassen wollte, obwohl ich ja kein besonderer Andrea Winkler Fan bin. Oder doch vielleicht ein bi\u00dfchen, war ich ja schon auf einigen ihrer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/07\/im-klangtheater\/\">Veranstaltungen<\/a> und habe Bernhard Listringer in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">&#8220;Absturzgefahr&#8221;<\/a> ja auch eines ihrer B\u00fccher im offenen B\u00fccherschrank finden lassen und Andrea Winkler wird auch, man glaubt es kaum, ein bi\u00dfchen realistischer bzw. handlungskonformer.<br \/>\nZumindestens steht schon Roman auf dem Buch, aber das wollen ja die Verlage so und Anna Weidenholzers <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/04\/der-platz-des-hundes\/\">Geschichtenband <\/a>wird auch \u00f6fter als solcher angepriesen. Es gibt aber eine Protagonistin namens Lina Lorber und die studiert &#8220;Im Institut f\u00fcr Gedankenkunde und Verstehen&#8221;, keine Satire auf den Unibetrieb, sagte zwar Cornelius Hell, der moderierte vorsorglich, damit wir ihn nicht mi\u00dfverstehen, aber das ist ja schon einges.<br \/>\nDie sch\u00f6nen Worte und die wundersch\u00f6ne Sprache war zwar nat\u00fcrlich da und auch ein Walser-Gedicht und Georg B\u00fcchner und auch die Verbindung zu M\u00e4rchen oder Parabel, wie Kurt Neumann meinte und der Titel schlie\u00dfen l\u00e4\u00dft und f\u00fcr mich ganz erstaunlich auch eine Verbindung zur <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/24\/ig-autoren\/\">sonnt\u00e4glichen Veranstaltung und zu Torsten Low<\/a>, hat der doch eine Persiflage auf alle Fantasyromane und Filme die in der letzten Zeit erschienen sind, da pr\u00e4sentiert und ein St\u00fcck vorgelesen, wo eine Eingesperrte ein Grab besucht und mit einem Grabw\u00e4chter redet und Andrea Winklers Ich-Erz\u00e4hlerin, die an dem Institut f\u00fcrs Verstehen aufgenommen wurde, ein Zimmer ohne M\u00f6bel bewohnt, ihrem Freund von Professor X und Frau Professor Stein und einer Flora, Justin etc schreibt, hat auch einen Traum, wo der Mundschenk einen K\u00f6nig in seiner Gef\u00e4ngniszelle besucht.<br \/>\nIch will ja nicht vergleichen, finde es aber als realistisch psychologische Autorin, der der Handlungsfaden und auch das lineare Erz\u00e4hlen wichtig ist, interessant und die sch\u00f6ne Sprache und die sch\u00f6nen S\u00e4tze haben mir nat\u00fcrlich auch gefallen und wenn es auch Cornelius Hell nat\u00fcrlich bestreitet und die Verlegerinnen auf eine Frage aus dem Publikum antworteten, wo Andrea Winkler sich in den Str\u00f6mungen der Gegenwartsliteratur einreichen w\u00fcrde?<br \/>\n&#8220;Auf jeden Fall ist es kein Kolportagenroman!&#8221;<br \/>\nGab es meiner Meinung nach schon ganz konkrete Handlungspunkte, die Lina studiert zwar auf einer sehr merkw\u00fcrdigen Universit\u00e4t, die sicher nicht mit der Uni Wien vergleichbar ist, eher einem Geheimlabor, wo man einen Aufnahmetest bestehen mu\u00df, um hineinzukommen. Es gibt aber K\u00f6pfe im Hof und die Lina stellt sich schon vor, wie man sp\u00e4ter ihrer B\u00fcste bewundern wird. Dann schreibt sie Briefe, f\u00fchrt Tagebuch, ger\u00e4t vielleicht auch in Opposition mit ihren Lehrern, weicht auch in die Fabel und ins M\u00e4rchen aus, also ich habe noch nie eine so handlungsreiche Andrea Winkler geh\u00f6rt, hatte das aber auch schon ein bi\u00dfchen im Zauberberg entdeckt.<br \/>\nNun ja, es macht mir eben Freude, den sch\u00f6nen Worten die Handlungsstr\u00e4nge beizugeben, wenn diese auch immer noch sehr kompliziert und mit ihren Mundschenks, K\u00f6nigen und Narren sehr m\u00e4rchenhaft ist.<br \/>\nMan k\u00f6nnte ja auch vermuten, da\u00df Andrea Winkler die Handlungslosigkeit vielleicht auch ein wenig satt hat. Nur Sch\u00f6nheit alleine ist auf die Dauer vielleicht doch zu wenig.<br \/>\nJetzt ist schon das M\u00e4rchen da und der Bildungsroman, wie es hei\u00dfen h\u00e4tte sollen, eine Freundin verh\u00f6rte sich aber, so ists ein Einbildungsroman geworden. Eine Auseinandersetzung mit Kunst und Wissenschaft vielleicht, aber keine Satire, wie Cornelius Hell, der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/08\/lese-auslese-statt-angriff-auf-die-freiheit\/\">Andrea Winkler-Kenner<\/a> betonte, er ordnete ihr aber eine Anspielung eines Buches zu, das Andrea Winkler gar nicht kannte.<br \/>\nJa, die Literaturwissenschaftler und die Rezensenten, die alles besser wissen.<br \/>\nAndrea Winkler hat aber gerne Germanistik oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert und ist auch gerne im sch\u00f6nen Lesesaal gewesen.<br \/>\nZwei Abschnitte hat sie mit ihrem lieben freundlichen L\u00e4cheln aus dem am Montag erschienenen brandneuen Buch gelesen und der Kellersaal war auch sehr voll. Neben den Verlegerinnen sa\u00df Linda Stift, weiter hinten Andrea Grill, Norbert Leser, Anne Weber waren ebenfalls da und Walter Famler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesmal gab es zwischen der literarischen Erleuchtung und der Anschlu\u00dfveranstaltung eine Verbindung und dann auch eine Fortsetzung, von der ich noch nicht wei\u00df, ob ich sie wahrnehmen oder stattdessen in die Gesellschaft f\u00fcr Literatur gehen werden. 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