{"id":19724,"date":"2013-02-25T00:02:30","date_gmt":"2013-02-24T23:02:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19724"},"modified":"2013-02-25T00:02:30","modified_gmt":"2013-02-24T23:02:30","slug":"madame-stern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19724","title":{"rendered":"Madame Stern"},"content":{"rendered":"<p>Peter Roseis &#8220;Madame Stern&#8221; eben im Residenzverlag erschienen, ist der zweite Teil einer Trilogie, Tetralogie, Fortsetzung einer Serie \u00fcber die Wirtschaftskrise, die Korruptionsskadale, die politische Situation \u00d6sterreich, ab 2000 oder was immer, schlie\u00dflich ist der 1946 in Wien geborene, den ich  vor vielen vielen Jahren eigentlich als Experimentalisten einsch\u00e4tzte und ihn in eine Reihe mit Andreas Okopenko setzte, ja Jurist, er reist auch viel, hat sich bei dem Projekt <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/30\/weltspartag-ohrenschmaus-und-reisereportage\/\">&#8220;Mit Sprache unterwegs&#8221;<\/a> engagiert, war ein Freund Gerhard Amanshauser und wird jetzt sehr oft zur Wirtschaftskrise befragt, einige seiner B\u00fccher wurden auch von Amrat Mehta in Hindu \u00fcbersetzt, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/20\/geld\/\">&#8220;Geld&#8221;<\/a> habe ich gelesen, ihn vor kurzem in der Alten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/09\/die-tagebucher-des-gerhard-amanshauser\/\">Schmiede<\/a> geh\u00f6rt und im Radio am Sonntag in der Pause zwischen der Matinee, die fr\u00fcher &#8220;Im K\u00fcnstlerzimmer&#8221; gehei\u00dfen hat.<br \/>\nDa wurde er zu &#8220;Madame Stern&#8221; befragt und Peter Rosei hat, wie bei ihm \u00fcblich, den Bogen der gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4nge gezogen und bei &#8220;Madame Stern&#8221; wurde ich wieder an den Stil der F\u00fcnfzigerjahre erinnert, obwohl die Protagonisten mit ihren Handies in den Taxis fahren, Laptops ben\u00fctzen und sie auch sehr bekannte Z\u00fcge zu tragen scheinen und dann wieder in die allgemeine,  gl\u00e4nzend, glitzernde Oberfl\u00e4che entgleiten. Wo spielt das Buch und worum geht es dabei?<br \/>\nDer Buchr\u00fcckentest schreibt vom &#8220;Meisterlich inszenierten, lakonischen Stil in dem Peter Rosei den Aufstieg und Fall einer Frau vor dem Hintergrund einer korruptierten Gesellschaft&#8221; schildert. &#8220;Ein Buch das nahegeht&#8221;, das w\u00fcrde ich nicht ganz so sehen, dazu erscheint mir Rosei zu vorsichtig, distanzierend, andeutend zu sein.<br \/>\nEs beginnt im sch\u00f6nen Klagenfurt, das nicht ganz am W\u00f6rthersee liegt und da gibt es einen ehemaligen Handlungsreisenden, der es mit seinen mehr oder weiniger dubiosen Gesch\u00e4ften weit gebracht hat, so da\u00df sein Sohn, der sch\u00f6ne Kurt nach Wien ins Finanzministerium geht.<br \/>\nAha, denken wir und den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/30\/buwokl\/\">&#8220;Buwockl&#8221;<\/a> habe ich vor kurzem auch gelesen, bzw. durchgebl\u00e4ttert.<br \/>\nDann geht es schon nach H\u00fctteldorf in ein Reihenh\u00e4uschen, da lebt der Herr Stern, ein biederer Buchhalter mit seiner opernbegeisterten, aufstiegsorientierten Gattin und dem T\u00f6chterlein Gisela, der Herr Papa erh\u00e4ngt sich irgendwann am Dachboden, die Mama kommt bei der Heimfahrt von der Oper unter die R\u00e4der der Stra\u00dfenbahn, das erinnert auch an die F\u00fcnfzigerjahre, bzw an den ersten Stra\u00dfenbahnunfall der Literaturgeschichte, die kleine Gisela bleibt allein zur\u00fcck, maturiert, tritt als kleine Kraft in eine Bank ein, weil sie sich kein Studium leisten kann, f\u00e4hrt am Nachmittag mit der Stra\u00dfenbahn zur K\u00e4rntnerstra\u00dfe und flaniert  durch die teuren Gesch\u00e4fte um, sich h\u00f6chstens hin und wieder ein paar Str\u00fcmpfe einzukaufen und ich f\u00fcge hinzu, das habe ich nach meiner Matura eine Zeitlang auch so gemacht, beim Lehmann am Graben mit schlechten Gewissen ein Cola und ein Mayonaisseei konsumiert und in die Oper bin ich w\u00e4hrend meines Studium regelm\u00e4\u00dfig auch gegangn, Kontakt in die h\u00f6here Gesellschaft, wie Madame Stern, habe ich dabei nicht bekommen, aber die wurde schon als Kind von ihrer Mutter herausgeputzt und mit Parfum bespritzt, sie macht auch schnell Karriere, bzw. lernt sie in der Oper eines Tages einen bla\u00dfen Edy kennen, mit sozialdemokratischen Aufstiegseltern, die in der Habsburgergasse wohnen, sie heiraten, sie beginnt ebenfalls Jus zu studieren und pr\u00fcft den Edy, der eigentlich nur komponieren will, unerbittlich ab, hat er nicht genug gelernt, darf er nicht zu ihr ins Bett. Ein Kind hat sie von ihm aber schon bekommen und als sie schon in der Bankwelt aufgestiegen ist, lernt sie den Niki Schestak kennen, das ist ein in Konkurs gehender Verleger, denn mit sch\u00f6nen Romanen und Lyrikb\u00e4ndchen, die man um der Kunst willen verlegt, verdient man nichts, er trifft sich eine Weile mit Frau Stern, auch ein Hinweis auf die Jetztzeit ist der Name, denn Stern hat die kleine Gisi schon im Kindergarten gehei\u00dfen, bis sie ihn fallen l\u00e4\u00dft und er in die Donau geht, das morbide Wien l\u00e4\u00dft gr\u00fc\u00dfen, das war in den F\u00fcnfzigerjahren aber auch schon fr\u00fcher so und, da\u00df sich Bankdirektoren umbringen, passiert auch immer wieder.<br \/>\nDie Frau Stern, die statt im Kost\u00fcm mit einem Abendkleid zu Nikis Empf\u00e4ngen rauschte, lernt dann doch den Herrn Minister kennen, der auch ein &#8220;Buberl&#8221; hat und sie hat eine Herrenrunde, er l\u00e4chelt \u00fcber sie, sie ist ihm verfallen, ihr Mann \u00e4tzt und geht  aufs Klo kotzen und der Herr Minister l\u00e4\u00dft die Frau Doktor eines Tages rufen und bittet sie, um eine Gef\u00e4lligkeit, aber alles ganz korrekt!<br \/>\nDas f\u00fchrt ins Bet und zu einer gerichtlichen Einvernahme, Frau Doktor wird freigestellt, verbringt ihre Zeit dann bei Anw\u00e4lten, am Ende ist sie die Villa am Wilhelminenberg, die inzwischen angeschafft wurde, los. Edy l\u00e4\u00dft sich scheiden, die inzwischen achtzehnj\u00e4hrige Sophie kotzt sich an und zieht zum Vater und am Ende f\u00e4hrt die arbeitslose Gisi mit der Stra\u00dfenbahn herum, geht im Wienerwald spazieren, einkaufen, mit einer Popcornt\u00fcte ins Kino und ertr\u00e4umt sich ein Wien, wo alles wieder  verbunden und im sch\u00f6nem Einklang an.<br \/>\nWie geschrieben, Rosei deutet nur an und wenn wir glauben, ein Zipfelchen an Klarheit erwischt zu haben, macht er eine Wende und es ist alles anders und nat\u00fcrlich ist es, wie beschrieben, lesen wir ja Zeitungen und h\u00f6ren Radio und da von den neuesten Korruptionsskandalen, von der Finanzlage und den Spekulationen in Salzburg, von den Untersuchungsaussch\u00fc\u00dfen, etc, die wahrscheinlich noch nicht entdeckt waren, als Rosei an dem Buch schrieb und ich finde es sehr spannend und bin sehr neugierig, wie es mit Peter Roseis Romanen weitergehen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Roseis &#8220;Madame Stern&#8221; eben im Residenzverlag erschienen, ist der zweite Teil einer Trilogie, Tetralogie, Fortsetzung einer Serie \u00fcber die Wirtschaftskrise, die Korruptionsskadale, die politische Situation \u00d6sterreich, ab 2000 oder was immer, schlie\u00dflich ist der 1946 in Wien geborene, den &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19724\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-19724","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19724\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}