{"id":19462,"date":"2013-02-15T00:11:34","date_gmt":"2013-02-14T23:11:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19462"},"modified":"2013-02-15T00:11:34","modified_gmt":"2013-02-14T23:11:34","slug":"gut-gegen-nordwind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19462","title":{"rendered":"Gut gegen Nordwind"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Gut gegen Nordwind&#8221; ist der 2006 bei Deuticke erschienene Bestsellerroman des 1960 in Wien geborenenen Daniel Glattauer, der beim &#8220;Standard&#8221; durch seine Kolumnen und Gerichtsreportagen Karriere machte und dann zu schreiben begann. Nein, das stimmt, glaube ich nicht ganz, denn wenn ich mich nicht irre, gibt es von ihm fr\u00fche Texte in den beim Bundesverlag erschienenen Anthologien, die es in den Siebziger-oder Achtzigerjahren gab, in denen Jugendliche ihre Texte einschicken konnten und in denen es auch welche von Daniela Strigl gibt.<br \/>\nEs erschien dann ein Kriminalroman namens &#8220;Darum&#8221;, wo einer einen erschie\u00dft und man wei\u00df nicht aus welchen Motiv. &#8220;Der Weihnachtshund&#8221; ist schon vorher erschienen.<br \/>\n&#8220;Die Ameisenz\u00e4hlung&#8221; ist eine Sammlung der Texte aus dem &#8220;Standard&#8221; und dann eben 2006, einer der ersten E-Mailromane h\u00f6chstwahrscheinlich &#8220;Gut gegen Nordwind&#8221;, den ich im November 2011 im B\u00fccherkasten fand, als ich von der Preisverleihung an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/08\/staatspreis-fur-literaturkritik-und-jury-andruchowytsch\/\">Klaus N\u00fcchtern in die Hauptb\u00fccherei zu einer Lesefestwochenveranstaltung<\/a> ging und das B\u00fcchlein quasi als mein Geburtstagsbuch betrachtete und auf die 2013 Leseliste setzte.<br \/>\nDie lange Wartezeit war okay, war ich doch noch in Vorgefl\u00fcsterzeiten, bei einer Lesung in der Buchhandlung Thalia auf der Landstra\u00dfe und habe da auch meine Schulfreundin Trude Kloiber in dem Durchgang des Hauses, wo sie wohnt getroffen und mitgenommen. Und im H\u00f6rspielstudio war es auch einmal.<br \/>\nAlso wu\u00dfte ich so ungef\u00e4hr, was mich erwartete und Denis Scheck hat es zu Ostern 2009, wahrscheinlich die TB Ausgabe von 2008 oder war das schon der Fortsetzungsband?, das Laufband hinuntergeschmissen, wor\u00fcber ich mich ein bi\u00dfchen wunderte. Jetzt wunderte ich mich nicht mehr, denn erstens ist es Chick Lit, wenn auch von einem Mann geschrieben und wahrscheinlich kommt es gerade dadurch zu dem Sarkasmus, der mir nicht gef\u00e4llt.<br \/>\nDa ist also Emmi Rothner und die hat ein Magazin namens &#8220;Like&#8221; abonniert und will es abbestellen. Leider kommt sie damit zu  Leo Leike und der Briefwechsel zwischen den beiden beginnt. Emmi w\u00fcnscht Leo in einer Massenmail &#8220;Alles Gute zu Weihnachten&#8221;, Leo mokiert sich dar\u00fcber, die beiden stimmen Mutma\u00dfungen dar\u00fcber an, wie sie sind?<br \/>\nLeo ist Sprachpsychologie und studiert die Ver\u00e4nderung der Emotionen durch den E-Mailwechsel, gibt es sowas \u00fcberhaupt? Emmi gestaltet Homepages und Leo vermutet, da\u00df sie \u00e4lter ist, als sie sich gibt, n\u00e4mlich zweiundvierzig, da\u00df sie Schuhgr\u00f6\u00dfe 37 hat, verr\u00e4t sie ihm und, da\u00df sie verheiratet ist mit einem Bernhard, der zwei Kinder hat und ihr dadurch &#8220;freundlicherweise ersparte eigene zu bekommen.&#8221;<br \/>\nDie Beiden beginnen also einander zu beleidigen, sich wieder zu vers\u00f6hnen, um Mitternacht ein Glas Wein miteinander, r\u00e4umlich nat\u00fcrlich entfernt, vor ihren PCs zu trinken. Leo betrinkt sich meistens dabei, denn er hat eigentlich Liebeskummer, hat er sich ja gerade von seiner Marlene getrennt, als Emmis Weihnachtsw\u00fcnsche kamen. Die beiden erw\u00e4gen ein Treffen und trauen sich dann nicht, bzw. behaupte ich, ist das die Konstruktion des Romans, denn ich habe auch schon Leute getroffen, die ich vorher nur durch Mails bzw. das Literaturgefl\u00fcster kannte und ich habe auch einen Mailwechsel mit einem Freund, den ich als Studentin kennenlernte und jetzt nicht mehr treffen kann, weil das seine Frau nicht will,  das w\u00fcrde ich auch als neurotisch betrachten und so schiffern auch die beiden dahin.<br \/>\nAn Courths-Mahler etwas verstaubte Liebesmoral, hat mich das Ganze zeitweise erinnert, aber die bricht sie gelegentlich selber auf. Leo und Emmi vereinbaren ein Treffen im Messecafe, um sich unerkannt kennenzulernen, sie gehen beide hin und  schauen dann, ob sie sich erkennen?<br \/>\nDas mi\u00dflingt nat\u00fcrlich, bzw. nimmt Leo seine Schwester mit und flirtet mit ihr auff\u00e4llig, so da\u00df Emmi nur ein paar ungute Typen erkennen kann, von denen sie nicht hofft, da\u00df einer ihr Leo ist. Und Leo l\u00e4\u00dft sich von seiner Schwester drei Wunsch-Emmies beschreiben. Eine von ihnen ist sie auch offensichtlich. Dann gibt es vergebliche Kontaktanbahnungen, die einmal von ihm, einmal von ihr kommen, erotische Phantasien und Vorschl\u00e4ge sich mit Masken zu treffen etc.<br \/>\nDazwischen verreist Leo \u00f6fter, trifft auch seine Ex wieder und Emmi schl\u00e4gt ihm, wie aus einem Courths-Mahler Roman vor, ihre Freundin Mia zu treffen und ist eifers\u00fcchtig, als er prompt mit ihr schl\u00e4ft.<br \/>\nAber in Wahrheit geht ihm nur seine Emmi durch den Kopf herum und dann bekommt er einen Brief vom Bernhard, Emmis Mann und ehemaligen Klavierlehrer. Der hatte einen Autounfall, wo seine Gatti starb, er verletzt, die Kinder traumatisiert wurden, so da\u00df ihn die junge Studentin, wie ein rettender Engel heiratete und dann offensichtlich, wie auch \u00f6fter bei Courths-Mahler, durch eine platonische Ehe begleitet.<br \/>\nBernhard h\u00e4lt den E-Mail-Verkehr seiner Frau aber nicht mehr aus, liest die Mails und schreibt Leo, &#8220;Bitte, bitte, triff sie endlich, damit wir wieder normal weiterleben k\u00f6nnen!&#8221;<br \/>\nDer wirft ihm einen Vertrauensbruch vor, geht dann nach Boston, bevor er das aber tut, wird noch ein Treffen vereinbart, das Emmi dann nicht einh\u00e4lt, weil Bernhard, als sie gehen wollte &#8220;Am\u00fcsier dich gut, Emmi!&#8221;, zu ihr sagte, obwohl er sie doch immer Emma nannte. Das h\u00e4lt sie davon ab, sie beichtet das Leo, es kommt aber nur mehr &#8220;Achtung, ge\u00e4nderte E-Mail Adresse. F\u00fcr R\u00fcckfragen steht der Systemmanager gerne zur Verf\u00fcgung!&#8221; zur\u00fcck.<br \/>\nDamit endet das Buch und ist ein so gro\u00dfer Erfolg geworden, da\u00df es mit &#8220;Alle sieben Wellen&#8221; eine Fortsetzung gab, wo sich die zwei, dann, wie ich gerade ergooglet habe, endlich treffen und dadurch in weitere Turbulenzen geraten.<br \/>\nWie das geht, hat ja Sophie Kinsella mit ihrer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/18\/prada-pumps-und-babypuder\/\">Shopping- Serie<\/a> vorgef\u00fchrt. Die &#8220;Schn\u00e4ppchenj\u00e4gerin&#8221; war gro\u00dfartig, die Fortsetzungen immer gewollter und Martina Gercke hatte mit ihren <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/01\/literaturpreise-und-inide-probleme\/\">&#8220;K\u00fc\u00dfchen&#8221;<\/a> ja auch so etwas vor, bevor sie der Twitterer Sven Schroder &#8220;Plagiatsk\u00fc\u00dfen&#8221; nannte.<br \/>\nDaniel Glattauer ist aber kein Plagiat und auch keine Serie, hat er jetzt ja mit &#8220;Ewig Dein&#8221; einen anderen Liebesroman geschrieben und seinen Neffen Theo auch in allen Lebensjahren vermessen und das Buch ist ja ein gro\u00dfer Erfolg geworden, so da\u00df Volker Hage, im Spiegel &#8220;einer der zauberhaftestens und kl\u00fcgsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur&#8221;, schrieb. Ich habe sie dagegen, wie schon erw\u00e4hnt, als eher aufgesetzt, k\u00fcnstlich und manchmal auch ganz sch\u00f6n arrogant, \u00fcberheblich und nicht ethisch korrekt empfunden.<br \/>\nUnd das das Buch so endet, ist ja eigentlich eine Entt\u00e4uschung der Leserin oder auch nicht, weil es ja die Fortsetzung gibt, die ich allerdings erst finden mu\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Gut gegen Nordwind&#8221; ist der 2006 bei Deuticke erschienene Bestsellerroman des 1960 in Wien geborenenen Daniel Glattauer, der beim &#8220;Standard&#8221; durch seine Kolumnen und Gerichtsreportagen Karriere machte und dann zu schreiben begann. 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