{"id":19437,"date":"2013-02-11T00:42:36","date_gmt":"2013-02-10T23:42:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19437"},"modified":"2013-02-11T00:42:36","modified_gmt":"2013-02-10T23:42:36","slug":"figuren-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19437","title":{"rendered":"Figuren"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt gibts wieder ein bi\u00dfchen Verwirrung mit dem Namen, beziehungsweise mit dem Titelschutz, habe ich ja <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/02\/figuren\/\">&#8220;Figuren&#8221;<\/a>, aus der edition ch, die experimentellen lyrischen Texte von GAV-Mitglied Manuela Kurt, schon 2011 gelesen und dann vor Weihnachten vor einem Jahr im &#8220;Wortschatz&#8221; den gleichnamigen Erz\u00e4hlband der 1961 in Kapfenberg geborenen und in der Schweiz als \u00c4rztin lebenden Melitta Breznik, die die Lebensgef\u00e4hrtin von Norbert Gstrein ist oder war, gefunden.<br \/>\nAcht durchaus realistische Geschichten, die viel vom Lebensalltag einer \u00c4rztin und menschlichen Problemen in einer poetisch sch\u00f6nen Sprache erz\u00e4hlen.<br \/>\nSo berichtet in der ersten &#8220;Das Haus&#8221; genannten, die Ich-Erz\u00e4hlung von dem \u00fcber ihr lebenden Hausbesitzer. Sie h\u00f6rt ihn in seiner Wohnung herumgehen, poltern, kotzen, st\u00f6hnen und erinnert sich an ihre  Studententage, in dem sie in dem Haus wohnte. Jetzt ist sie zu Besuch gekommen, sieht, da\u00df es ihm schlecht geht, Lebensmittel und ihre alten Eislaufschuhe herumliegen, denkt an die Einladungen zum Essen, die er gern und oft ausgesprochen hat, dann viele G\u00e4nge kochte, die Zutaten sorgf\u00e4ltig ausw\u00e4hlte, einen guten Wein aussuchte und irritert war, wenn man schon fr\u00fcher kam und ihn bei seinen Vorbereitungen st\u00f6rte, er hat dann alles in sich hineingeschaufelt und nachher auf der Toilette alles wieder herausgebrochen und Liebeskummer mit jungen Mitbewohnern oder Taxifahrern hatte er offenbar auch.<br \/>\nIn der zweiten, der Titelgeschichte, ist die Ich-Erz\u00e4hlerin eine junge \u00c4rztin, die einem Patienten an die Infusionsl\u00f6sungen der Chemotherapie anschlie\u00dfen soll, er erz\u00e4hlt ihr von seinen Kriegserfahrungen und am Boden liegt ein geschnitzten Fig\u00fcrchen mit einem grinsenden Greisengesicht, er erz\u00e4hlt ihr, da\u00df er es f\u00fcr seinen Neffen schnitzen wollte, darauf vergessen hat und die Figuren jetzt ins Spital mitgenommen hat und das erste Fig\u00fcrchen hat er aus dem Krieg und der Krankenbaracke von seinem Bettnachbar, der vom Operationssaal nicht mehr zur\u00fcckgekommen ist. Sie traucht dann noch mit dem Patienten, obwohl sie sich auf einer Lungenabteilung befinden, auf dem Balkon eine Zigarette, als sie nach Stunden wieder in sein Zimmer kommt, ist seine Hand kalt und das F\u00fcrchen liegt vergessen auf dem Boden, sie hebt es auf und steckt es in ihre Manteltsche, bevor die Putzfrau mit dem Besen kommt.<br \/>\nIn &#8220;Dein Name&#8221; wird die Psychiaterin zu einer Frau gerufen, die sich die Pulsadern aufschneiden wollte und den gleichen Namen, wie eine Schulkollegin hat, mit der sie als Studentin in einer WG wohnte, w\u00e4hrend die Studentin bei &#8220;Hannes&#8221; mit einem Freund in den Ferien auf einer Alm arbeitet, um f\u00fcnf Uhr fr\u00fch die K\u00fche im Wald zusammensucht, ein paar Mal in der Woche ins Dorf f\u00e4hrt um die Post zu holen und S\u00fc\u00dfigkeiten einzukaufen und dabei die Briefe des offensichtlich an Aids erkrankten und zum Skelett abgemagerten Hannes liest, im ersten will er sie noch besuchen, der zweite ist schon die Todesanzeige. Sie wird nicht zum Begr\u00e4bnis gehen, aber jetzt endlich ihr Blut untersuchen lassen und in &#8220;Die Spinnen&#8221; ist die Ich-Erz\u00e4hlerin eine Frau, die ihre Trennung von einem B\u00fcchermenschen nicht verkraftet hat. Jetzt geht sie tagelang nicht aus dem Haus, das ganz allein renovierte, weil er f\u00fcr so etwas zu unpraktisch war, zieht das blaue Kleid an, das er ihr eingeredet hat und sieht \u00fcberall Spinnen, von denen sie vermutet, da\u00df sie von den Schachteln alter B\u00fccher am Dachboden kommen, so da\u00df sie sie aus dem Fenster wirft mit Benzin \u00fcbergie\u00dft und als dann die Ambulanz mit den wei\u00dfgekleideten M\u00e4nnern erscheint, ist sie beruhigt und sieht ihn hinter ihnen stehen.<br \/>\n&#8220;Die Frau&#8221; wechselt dann die Perspektive, f\u00e4hrt da doch ein \u00e4lterer Professor nach Paris, wo er als junger Mann stationiert war und ein Verh\u00e4ltnis zu einer jungen Studentin hatte, die trifft er dann wieder, auf der Psychiatrie, in der Klinik seines Nachfolgers, sie wird als unheilbar Kranke, die Jahre auf der Station verbrachte und alle Behandlungsmethoden mit oder ohne Narkose ausprobieren mu\u00dfte, den Studenten vorsgestellt und schreibt immer noch unleserliche Briefe an den Geliebten in \u00d6sterreich, die das Klinikpersonal l\u00e4ngst in den Mistk\u00fcbel wirft, der Professor hat sie n\u00e4mlich nicht wie versprochen geholt, sondern reich geheiratet und sich vom Vater seiner Frau zum Professor machen lassen, das Bild mit der Uniform tr\u00e4gt er aber immer noch bei sich.<br \/>\nIn das &#8220;Herz&#8221; geht es in die Perspektive eines Patienten am OP-Tisch, der am offenen Herzen operiert wird,  bevor es wieder in die Ich-Perspektive der \u00c4rtzin geht, die sich an &#8220;Elsa&#8221; aus der WG erinnert, eine Verk\u00e4uferin, die zu den Studenten und K\u00fcnstlern zog und sie nicht aushielt, so da\u00df es zu einigen Selbstmordversuchen kam.<br \/>\n&#8220;Melitta Breznik erz\u00e4hlt mit stilistischer Bravour acht Geschichten von Frauen und M\u00e4nnern, die sich alle auf ihre h\u00f6chst eigene Art gegen die Zumutungen der Welt zur Wehr setzen&#8221;, schreiben  die Neue Z\u00fcrcher Zeitung und die Welt am Buchr\u00fccken.<br \/>\nIch w\u00fcrde sagen, da\u00df mir diese eindrucksvollen Geschichten, die sehr poetisch von etwas erz\u00e4hlen, was man sonst vielleicht nicht so leicht zu h\u00f6ren und sehen bekommt, sehr gefallen haben und als ich den ersten Luitpold Stern Preis gewonnen habe, habe ich mir von dem Buchgutschein, den ich bekommen habe, Norbert Gstreins &#8220;Selbstportrait mit einer Toten&#8221; ausgesucht, wo ein wehleidiger Schriftsteller seiner Frau einer \u00c4rztin, sein ganzen Leid an diesem Literaturbetrieb, ich glaube eine Jelinek \u00e4hnliche Figur kommt auch daran vor, klagt, w\u00e4hrend die an ihre verstorbene Patienten denkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt gibts wieder ein bi\u00dfchen Verwirrung mit dem Namen, beziehungsweise mit dem Titelschutz, habe ich ja &#8220;Figuren&#8221;, aus der edition ch, die experimentellen lyrischen Texte von GAV-Mitglied Manuela Kurt, schon 2011 gelesen und dann vor Weihnachten vor einem Jahr im &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19437\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-19437","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19437","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19437"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19437\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}