{"id":19370,"date":"2013-02-08T00:31:12","date_gmt":"2013-02-07T23:31:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19370"},"modified":"2013-02-08T00:31:12","modified_gmt":"2013-02-07T23:31:12","slug":"uber-allem-die-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19370","title":{"rendered":"\u00dcber allem die Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt h\u00e4tte hier das &#8220;Geteilte Haus&#8221; stehen sollen, denn das hatte ich als n\u00e4chstes auf meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a>, am vorigen Freitagabend aber, als ich nach Harland kam, das erstbeste Buck-Buch genommen, das \u00fcber dem Bett lag und so die Neunzehnf\u00fcnfundsiebziger-Lizenzausgabe der B\u00fcchergilde-Gutenberg erwischt, denn es gab ja einige Buck-Romane im B\u00fccherkasten meiner Eltern und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/13\/bucher-lesen\/\">im Sommer<\/a> habe ich ein paar herausgesucht und auf die n\u00e4chsten Leselisten gesetzt.<br \/>\nPearl S Buck, die Nobelpreistr\u00e4gerin von 1938, wegen der sich die Mitglieder der schwedischen Akademie vielleicht genauso zerstritten haben, wie Jahre sp\u00e4ter \u00fcber Elfriede Jelinek, jetzt gibt es jedenfalls einen Lex-Buck, entnehme ich Wikipedia, damit es nicht wieder vorkommen kann, das jemand, der solchen &#8220;Kitsch&#8221; schreibt, mit dieser Auszeichnung geehrt wird.<br \/>\nDie Leute st\u00f6rt es aber nicht, sie lasen und lesen immer noch die bitters\u00fc\u00dfen Geschichten \u00fcber die Liebe im alten China, denn Pearl S. Buck, die Amerikanerin wurde von ihren Eltern, die Missionare war, als Baby nach China mitgenommen und hat dort Jahrzehnte gelebt. &#8220;Ostwind-Westwind&#8221; geschrieben, das meine Geschichtslehrerin in der Stra\u00dfergasse auf ihre Leseliste setzte und &#8220;Geliebtes ungl\u00fcckliches Kind&#8221;, ein Buch, das ich als Kind in der Wattgasse hatte, aber irgenewie verschwunden ist, denn Pearl S. Bucks Tochter war behindert und litt an einer damals noch nicht behandelbaren Krankheit und einmal vor Jahren, als ich noch nicht bloggte, habe ich auch ein Buck-Buch aus den Regalen genommen, eine bitters\u00fc\u00dfe Geschichte von einer Frau aus guten Haus, gelesen, deren F\u00fc\u00dfe noch verkr\u00fcppelt wurden, die dann alles f\u00fcr ihren Ehemann tut um eine gute Frau zu sein und sich umbringt, als er sie verl\u00e4\u00dft bzw., sich eine modernere Zweitfrau nimmt. Ich war, glaube ich, entt\u00e4uscht, als die Geschichte im ersten Drittel des Buches zu Ende war und h\u00e4tte mir eine emanzipatorischere Fortsetzung, wie sie den Mann austrckst, gew\u00fcnscht und lange nicht Buck gelesen und auch die meisten ihrer B\u00fccher in den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">Schr\u00e4nken<\/a> stehenlassen, jetzt aber doch ein paar gefundene herausgesucht und nach meinen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/23\/schwere-flugel\/\">China<\/a>&#8211;<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/26\/das-gesprengte-grab\/?preview=true\">Schwerpunkt<\/a> auf die Leseliste gesetzt. Im n\u00e4chsten Jahr kommt dann noch das &#8220;Geteilte Haus&#8221; dazu. &#8220;Die Frau des Missionars&#8221; und &#8220;S\u00f6hne&#8221; gibt es auch noch und die &#8220;Gute Erde&#8221; sollte ich auch noch Harland haben. Mal sehen, was sich in Harland noch alles finden l\u00e4\u00dft.<br \/>\nWie ist das Buch? Ein Chick-lit der F\u00fcnfzigerjahre, nat\u00fcrlich, selbstverst\u00e4ndlich, in dem eigenen Ton, der in den Biografien als &#8220;unaufgeregt&#8221; bezeichnet wird, manches f\u00fcr mich wieder unverst\u00e4ndlich und im Stil glaube ich, da\u00df es mich an die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/20\/grundbuch-wand\/\">&#8220;Wand&#8221;<\/a> erinnern wird, denn das habe ich ja noch nicht gelesen, nur einmal eine Diskussion dar\u00fcber geh\u00f6rt.<br \/>\nUnd von China handelt es auch nicht oder nicht wirklich, denn es ist der &#8220;25. September 1950&#8243;, als sich Elisabeth in ihrer Farm im Tal der Bergen von Vermont&#8221;, USA, hinsetzt und, wie jene Frau hinter der Wand, alles aufschreibt, damit sie es nicht vergessen wird oder sie nicht den Verstand verliert.<br \/>\nBei Elisabeth ist es das Tal hinter den Bergen und sie ist mit ihren Sohn Rennie vor einigen Jahren aus Peking in das Haus ihrer Eltern zur\u00fcckgekehrt und hat jetzt  einen Brief von ihrem Mann Gerald, des Mutter Chinesins war, bekommen, der ihr &#8220;Meine Liebe Frau, Vor allem &#8211; ehe ich es sage, was gesagt werden mu\u00df &#8211; sollst du wissen, da\u00df ich dich liebe!&#8221; schreibt.<br \/>\nDas, was dann gesagt wird, kommt in dem Buch erst ein paar hundert Seiten sp\u00e4ter vor, Wikipedia oder vielleicht auch der Klappentext hat es aber schon verraten, die b\u00f6se kommunistische Regierung hat ihn gezwungen eine chinesische Frau zu nehmen und die schreibt dann weiter, da\u00df sie schwanger ist, einen Sohn geb\u00e4hrt und auch, da\u00df Gerald erschossen wurde, als er angeblich kurz vor der Geburt seines chinesischen Sohnes, zu ihr fl\u00fcchten wollte.<br \/>\nF\u00fcr mich genauso unverst\u00e4ndlich, wie f\u00fcr Rennie oder seinem Freund Sam, die sagen, er h\u00e4tte ja mit ihr nach Amerika zur\u00fcckgehen k\u00f6nnen, wenn er sie so liebt, aber ein Mann liebt ja zuvorderst seine Arbeit und Peking liebt er nat\u00fcrlich auch, denn dort wurde er geboren und ist aufgewachsen, obwohl er einen amerikanischen Vater hat.<br \/>\nDeshalb ging er als junger Mann nach Harvard, um zu studieren und lernte dort Elisabeth kennen, die das ebenfalls tat. Die hatte einen fortschrittlichen, verstorbenen Vater und eine engstirnige Mutter, der fast das H\u00e4ferl aus der Hand fiel, als Elisabeth ihr sagte, da\u00df sie einen halben Chinesen heiraten will. Sie tat es trotzdem, denn er kehrte beim Vorstellungsgesrp\u00e4ch seine amerikanische bzw. schottische Seite hervor und Elisabeth ging mit ihm nach Peking. Bis der Krieg kam und der Mann, der ziemlich autorit\u00e4r geschildert wird, seine Frau &#8220;Eva&#8221; und dem Sohn verbietet sie &#8220;Mum&#8221; zu nennen, sie und das Kind zur\u00fcckschickt.<br \/>\nEr ist Rektor an der Universit\u00e4t, Elisabeth geht an die Farm zur\u00fcck, die Mutter ist inzwischen schon verstorben und macht mit einem Nachbarn die Arbeit. Den Brief hat sie versiegelt in ein Sandelholzk\u00e4stchen gelegt, macht ihn aber immer wieder auf, spricht nicht dar\u00fcber und erteilt ihr Einverst\u00e4ndnis in die Zweitehe auch vorerst nicht. Erst als die &#8220;j\u00fcngere Schwester&#8221; Meil-lan ihr schreibt, tut sie es.<br \/>\nSie geht inzwischen auf die Suche nach Geralds Vater, einem Gelehrten, der am Hofe des chinesischen Kaisers gearbeitet hat, seine amerikanische Verlobte ist aber nicht mit nach China gegangen, so hat er die fast verwitwete Schwester eines Freundes ohne Liebe geheiratet und die wurde, weil sie das sp\u00fcrte, angeblich nach der Geburt Geralds zur Revolution\u00e4rin, verlie\u00df Mann und Kind und wurde am 15. Mai 1930, Elisabeths Hochzeitstag erscho\u00dfen.<br \/>\nEinundzwanzig Jahre sp\u00e4ter kommt zwar kein Brief von Gerald, aber die Zeitung, wo ihr Bild und die Nachricht ihres Todes zu sehen ist und Elisabeth deutet sich die Zusammenh\u00e4nge, f\u01d8r mich auch manchmal sehr unverst\u00e4ndlich, zusammen.<br \/>\nDer Vater ist auch nach Amerika zur\u00fcckgegangen, wurde dort in einem Zug krank, in den Bahnhof gesetzt, von einem jungen Farmer aufgenommen, der f\u00fcr ihn sorgt, so finden ihn Elisabeth und Rennie in einer H\u00fctte mit langen wei\u00dfen Bart, chinesischen Gewand, in einem chinesischen Buch lesend und nehmen ihn zu sich. Er bekommt bald noch einen Schlaganfall und verf\u00e4llt in die Demenz und in das Pflegestadium und interessant, da\u00df Pearl S. Buch vor sechzig Jahren, vielleicht etwas versch\u00f6nt, das schildert, was ich im letzten halben Jahr <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/27\/weihnachtsferien\/\">an Alfreds Vater<\/a> erlebt habe.<br \/>\nRennie, der am Beginn des Buches siebzehn ist, wird erwachsen und verliebt sich in das erstbeste M\u00e4dchen, in Allegra, die Elisabeth und dem Baba nicht gefallen, so da\u00df er auf Chinesisch &#8220;Wer ist denn diese Weibsperson?&#8221;, beim Vorstellungsgespr\u00e4ch fragt und Elsabeth ihr Rennies chniesisches Viertelblut erkl\u00e4rt, was der gemein findet, weil er mit seinen chinesischen Vorfahren ohnehin seine Schwierigkeiten hat. Verst\u00e4ndlich, denn in China sind die Amerikaner verha\u00dft und in Amerika waren das in der Mc Carthy \u00c4ra, die Kommunisten. So hat man es mit einem halbchinesischen Vater und viertelchinesischen Augen wahrscheinlich nicht leicht und Elisabeth geht auch noch zu Allegras Eltern und erz\u00e4hlt ihnen das br\u00fchwarm, um &#8220;Allegra und Rennie&#8221; zu retten, was ich auch nicht verstehe und eine &#8220;Mutter soll sich da nicht einmischen!&#8221;, sagen w\u00fcrde.<br \/>\nAllegras Eltern packen ihre Tochter und verschwinden. Rennie geht zu Sam, das ist der Mann, der den Baba versorgte und hilft auf seiner Farm, um sp\u00e4ter Physik zu studieren, Elisabeth schreibt weiter, pflegt den Baba und fragt den Hausarzt, warum er nicht geheriatet hat, worauf sie von ihm einen Antrag bekommt.<br \/>\nZu Weihnachten kommt Rennie, diesmal mit der richtigen Frau zur\u00fcck, Baba stirbt und Elisabeth hat eine Vision, sie sieht Gerald im Zimmer stehen, mit traurigen Blick und dem chinesischen blauen &#8220;Str\u00e4flingsanzug&#8221;, den er, der Intellektuelle und Rektor, so ha\u00dfte. Er verschwindet und Elisabeth wei\u00df schon vor Meil-Lans Brief, da\u00df er gestorben ist, bzw. wird ihr das von der einf\u00e4ltigen Frau ihres Erntehelfers gedeutet wird.<br \/>\nTrotz des &#8220;Kitsches&#8221; und der etwas \u00fcberheblichen Besserwisserei der weiblichen Stimme, ein sehr interessantes Buch, das mich China, das mir ja ein bi\u00dfchen unverst\u00e4ndlich ist, n\u00e4her brachte und interessant noch eines, nicht nur, da\u00df es ein Viertelchinese im Amerika der MC Carthy \u00c4ra schwer hatte und, da\u00df die Liebe der Beiden, an den Regierungen und der unterschiedlichen Herkunft zerbrach, bei der Hochzeit, Rennie heiratet mit Zwanzig eine Maria, die angeblich besser zu ihm passt, raucht er eine Pfeife, &#8220;denn er ist ein Mann geworden&#8221; und der Hausarzt, den Elisabeth vielleicht doch heiraten wird, tut das auch.<br \/>\nWenn das Buch jetzt in Amerika aufgelegt werden w\u00fcrde, w\u00fcrde das wahrscheinlich herauszensuriert werden oder doch nicht?<br \/>\nPearl S. Buck lesen, nehme ich mir also vor und in den B\u00fccherk\u00e4sten in Zukunft ein wenig aufmerksamer danach schauen. Aber ich habe doch schon soviele B\u00fccher und kann <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/07\/lesegewohnheiten\/?preview=true\">auch nicht alle lesen<\/a>, es war aber sehr interessiert und wegen mir w\u00fcrde es keinen Lex-Buck brauchen, denn wenn die Leute die eindringlichen Liebesromane gerne lesen und dabei etwas von China und der Politik der F\u00fcnfzigerjahre erfahren ist das doch  besser, als wenn sie Proust, Dostojewski, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/#comments\">Arno Schmidt<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/28\/priessnitz-preistrager-richard-obermayr\/\">Obermayr<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/02\/priessnitzpreis-an-andrea-winkler\/\">Winkler <\/a>oder Musil, die angeblich bessere Literatur, als unverst\u00e4ndlich weglegen oder gar nicht lesen? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt h\u00e4tte hier das &#8220;Geteilte Haus&#8221; stehen sollen, denn das hatte ich als n\u00e4chstes auf meiner Leseliste, am vorigen Freitagabend aber, als ich nach Harland kam, das erstbeste Buck-Buch genommen, das \u00fcber dem Bett lag und so die Neunzehnf\u00fcnfundsiebziger-Lizenzausgabe der &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19370\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-19370","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19370"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19370\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}