{"id":19301,"date":"2013-02-09T00:00:26","date_gmt":"2013-02-08T23:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=19301"},"modified":"2013-02-09T00:00:26","modified_gmt":"2013-02-08T23:00:26","slug":"tag-und-nacht-und-auch-im-sommer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19301","title":{"rendered":"Tag und Nacht und auch im Sommer"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt zu einem anderen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/31\/der-geschichtenerzahler\/\">Geschichtenerz\u00e4hler<\/a>, n\u00e4mlich Frank Mc Courts drittes Buch aus seinem Leben, das erste habe ich ja 2011 <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/14\/die-asche-meiner-mutter\/\">zweisprachig<\/a> gelesen und es wird vom <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/22\/zwei-jahre-in-zwei-tagen\/\">Writers Studio<\/a> auch immer als besonders gelungenes Beispiel f\u00fcr die amerikanische Literaturgattung des&#8221;Memoirs&#8221; angef\u00fchrt.<br \/>\nDer kleine irische Junge, dessen Buch \u00fcber seine entbehrungsreiche irische Jugend mit der st\u00e4ndig geb\u00e4renden Mutter und dem trinkenden Vater, der betrunken seine Jungs auf Irland schw\u00f6ren l\u00e4\u00dft, ist erwachsen geworden, bzw. zuerst mit Neunzehn und einem Koffer alter Kleider und einem Band Sheakespeare noch einmal nach Amerika und nach ein paar Jahren Arbeit an den Docks Lehrer geworden.<br \/>\nDann geht er in Pension, beginnt zu schreiben, denkt sich, ist das sch\u00f6n mein Buch im Buchladen stehen zu sehen und es wird ein Welterfolg, die K\u00f6nigin l\u00e4dt ihn ein, der Papst und die Herzogin von York meint, er sei ihr erster Dichter. Da schreibt er nat\u00fcrlich weiter.<br \/>\n&#8220;Ein rundherum tolles Land&#8221;, Band zwei seiner Memoiren, das ich leider noch nicht im Schrank gefunden habe, daf\u00fcr aber den dritten Band und der berichtet von seinen Erfahrungen als Lehrer und McCourth tut das wieder in seinen brillanten Stil, der eine Mischung zwischen Komik und Sarkasmus ist.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/07\/ich-ein-tag-sprechen-hubsch\/\">David Sedaris<\/a> scheint mit seinen B\u00fcchern auch so etwas zu probieren.<br \/>\nDie Geschichte, wie da einer schreibt, wie er mit den von seiner Mutter beim Antiquar heruntergehandelten Kleidern, die immer den Traum von einem sch\u00f6nen Leben in Amerika hatte und den &#8220;noch unerf\u00fcllt tr\u00e4umen w\u00fcrde, wenn sie nicht gestorben w\u00e4re&#8221;, nach Amerika kommt, bzw. beginnt es nach der Einleitung mit dem Tag, wie er das erste Mal in einer Klasse steht, in einer Schule mit Kindern von italienischen oder irischen Einwanderern, in den F\u00fcnfzigerjahren, die sp\u00e4ter die Handwerker oder Sekret\u00e4rinnen Amerikas werden d\u00fcrften und fast entlassen worden w\u00e4re, weil er das Jausenbrot eines Sch\u00fclers i\u00dft.<br \/>\n&#8220;Hey Mister, nicht um neun vor den Sch\u00fclern Mittagessen, das senkt die Schulmoral!&#8221;.<br \/>\nEs war aber ganz anders, das Brot wurde durch den Raum geworfen, es w\u00e4re zu einer Keilerei gekommen, h\u00e4tte sich Frankie nicht mit dieser Einlage eingemischt und die Aufmerksamkeit der Sch\u00fcler auf sich gezogen und so geht es weiter. Der irische Einwanderer, der selber Jahre am Hafen gearbeitet hat &#8220;Hey Mister, haben Sie schon mal was gearbeitet!&#8221; und wegen seines irischen Akzents fast keine Anstellung bekommen h\u00e4tte, behauptet locker, er h\u00e4tte in seinem drei\u00dfig Jahren Lehrerleben mit seinen ca zw\u00f6lftausend Sch\u00fclern nichts anderes getan, als ihnen die Geschichte seiner Kindheit und von Irland zu erz\u00e4hlen.<br \/>\n&#8220;Angelas Ashes!&#8221;, war da noch nicht geschrieben. Er erz\u00e4hlte es vorher offenbar seinen Sch\u00fclern und schrieb das Jahrzehnte sp\u00e4ter nochmals auf, wiederholt &#8220;Angelas Ashes&#8221;, vor dem Lehrerpult und lehrt den Sch\u00fclern die Grammatik in dem er sie r\u00e4tseln l\u00e4\u00dft, was passiert, wenn &#8220;John in einen Laden geht&#8221;.<br \/>\nDie amerikanischen Sch\u00fcler der F\u00fcnfzigerjahre waren offenbar genauso keine Waserln, wie die irischen Kinder in McCourths Schulzeit von ihren Lehrern gepr\u00fcgelt wurden. Sie schrieben sich ihre Entschuldigungen selbst. McCourth hat schon einen ganzen Stapel auf seinem Schreibtisch. Da f\u00e4llt ihm auf, da\u00df die Entschuldigungen viel phantasievoller sind, als das, was die Sch\u00fcler sonst so schreiben. So kommt ihm die Idee, sie Entschuldigungsbriefe schreiben zu lassen  &#8220;Eva an Adam&#8221; beispiesweise. Hitler kann man nicht entschuldigen, aber sonst geht viel. Das macht Spa\u00df, aber leider kommt gerade die Inspektion in die Klase. Frankie glaubt schon, er w\u00fcrde gefeuert, aber der Inspektor sagt ihm nur  &#8220;Wir brauchen Lehrer, wie Sie!&#8221;.<br \/>\nEtwas was f\u00fcr die F\u00fcnfzigerjahre im Mc Carthy Amerika ganz sch\u00f6n unglaublich klingt und man sich sowas in den heutigen Schlulen wahrscheinlich vergeblich w\u00fcnscht und so geht es weiter in dem typischen McCourth-Charme.<br \/>\nVorher kommt noch die Geschichte von dem Professor, der den Studenten vorschwafelte, was sie als Lehrer alles theoretisch beachten m\u00fc\u00dfen, aber nie in einer Schule stand. Ein Studentin fragt ihn das und geht dann nicht nur mit dem Professor, sondern auch mit s\u00e4mtlichen Studenten ins Bett, um den Professor nachher br\u00fchwarm von ihrem Verhalten zu erz\u00e4hlen.<br \/>\nAuch recht unglaubhaft in Zeiten, wo die Lehramtskanditaten unterschreiben mu\u00dften, da\u00df sie niemals Kommunisten waren und das auch nicht werden w\u00fcrden, aber Frank McCourth ist ein begnadeter Erz\u00e4hler und schafft es offenbar nicht nur seinen Sch\u00fclern die richtige Mischung zwischen Grammatik und Psychologie beizubringen.<br \/>\nIm zweiten Teil der Erinnerungen wirds dann depressiver, McCourth verl\u00e4\u00dft die High school, um Lehrbeauftragter f\u00fcr Literatur und kreatives Schreiben zu werden, seine Sch\u00fcler sind  Feuerwehrleute, die hart arbeiten und statt Englisch zu lernen oder eine Facharbeit zu schreiben, von der sie gar nicht wissen, was das ist, lieber zu einem Footballspiel gehen, so probiert er es an einer Modeschule, unterrichtet neundundzwanzig fr\u00fchreife schwarze M\u00e4dchen mit gro\u00dfen Klappen, die nur \u00fcber Sex reden und zwei puertoricanische Jungs, die sich vor ihnen f\u00fcrchten, K\u00fcchengehilfen soll er englische Worte beibringen und er hat auch eine Frau, namens Alberta, die unzufrieden mit ihm ist, ihm zuerst zu einem Analytiker und ihn dann zum Schreiben einer Doktorarbeit nach Dublin in das ber\u00fchmte Trinity College schickt, woran der Protestant  j\u00e4mmerlich scheitert und einige so gar nicht ethisch korrekte Sachen \u00fcber sich erz\u00e4hlt.<br \/>\nDann geht er an eine der Eliteschulen des Landes, dort, wo die sp\u00e4teren Nobel- oder Pulitzerpreistr\u00e4ger herkommen und bringt den Sch\u00fclern, obwohl er das nicht gelernt und auch keine Ahnung von Satzdiagrammen hat, das kreative Schreiben bei, das hei\u00dft, er l\u00e4\u00dft sich von ihnen zuerst tr\u00f6sten, weil sie nichts \u00fcber das Elend der franz\u00f6sischen Revolution h\u00f6ren haben wollen, weil sie schon mit der \u00dcberforderung ihrer koreanischen oder schwarzen Eltern, denen es gelungen ist, ihren Kindern die Aufnahmspr\u00fcfung zu erm\u00f6glichen, zu tun haben. L\u00e4\u00dft sie Kochrezepte vorlesen, veranstaltet mit ihnen ein Picknick auf der Stra\u00dfe und bringt ihnen das Gedichtelesen und wahrscheinlich auch das Schreiben auf h\u00f6chst ungew\u00f6hnliche und unterhaltsame Art und Weise bei, bis eben seit letzter Schultag gekommen ist und die Sch\u00fcler ihm raten, selbst ein Buch zu schreiben.<br \/>\n&#8220;Ich probiers!&#8221;, ist der einzige Satz von Kapitiel achtzehn. Das Resultat habe ich schon gelesen und oben beschrieben.<br \/>\n&#8220;Tag und Nacht und auch im Sommer&#8221;, der Titel ist offenbar eine Anspielung, da\u00df ein Lehrer st\u00e4ndig in Bereitschaft ist, kann wahrscheinlich an &#8220;Angelas Ashes&#8221; nicht ankn\u00fcpfen, das Buch ist auch von Rudolf  Hermstein und nicht von Harry <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/24\/harry-rowohlt-in-st-polten\/\">Rohwolt<\/a> \u00fcbersetzt, einen sehr realistischen Einblick in den Lehreralltag bis zur Jetztzeit kann man trotzdem daraus zu bekommen.<br \/>\nInteressant, da\u00df McCourth keine Angst vor Mi\u00dferfolgen und den negativen Dingen hat. Frei heraus plaudert er \u00fcber Sex und Alkohol und das, was nicht so gut gelingt und wird auch gelobt daf\u00fcr &#8220;Es lebe, verdammt noch mal und wieder und noch lange, Frank Mc Courth&#8221;, schreibt so die &#8220;WElt&#8221;, am Buchr\u00fccken.<br \/>\n2009 ist der US-amerikanische Dicher irischer Abstammung gestorben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt zu einem anderen Geschichtenerz\u00e4hler, n\u00e4mlich Frank Mc Courts drittes Buch aus seinem Leben, das erste habe ich ja 2011 zweisprachig gelesen und es wird vom Writers Studio auch immer als besonders gelungenes Beispiel f\u00fcr die amerikanische Literaturgattung des&#8221;Memoirs&#8221; angef\u00fchrt. &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=19301\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-19301","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19301","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19301"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19301\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19301"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19301"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}