{"id":18882,"date":"2013-01-06T11:41:29","date_gmt":"2013-01-06T10:41:29","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=18882"},"modified":"2013-01-06T11:41:29","modified_gmt":"2013-01-06T10:41:29","slug":"brot-und-wein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=18882","title":{"rendered":"Brot und Wein"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt ein Buch aus dem B\u00fccherkasten meiner Eltern, n\u00e4mlich das 1936 bei der B\u00fcchergilde Gutenberg erschienene &#8220;Brot und Wein&#8221; von Ignazio Silone, was insofern wichtig ist, da das Buch 1955 unter dem Titel &#8220;Wein und Bort&#8221;, &#8220;Vino e pane&#8221; wiederaufgelegt und offenbar auch inhaltlich ver\u00e4ndert wurde und so auch heute noch erh\u00e4ltlich ist.<br \/>\nVon dem 1900 in einem kleinen Ort der Abruzzen Geborenen und 1878 in Genf Gestorbenen, der eigentlich Secondini Tranquilli hie\u00df, gab es noch &#8220;Eine Handvoll Brombeeren&#8221; im elterlichen B\u00fccherschrank, das habe ich auf eine unserer Italienreisen mitgenommen und dort gelesen und war auch sehr erstaunt, in den Superm\u00e4rkten, wo wir einkauften, Silones B\u00fccher zu finden und es ist, zumindest in der Urform kann ich es beurteilen, ein sehr gutes Buch, das viel von der Armut Italiens in den Drei\u00dfigerjahren des vorigen Jahrhunderts und den Kampf der Sozialisten gegen die Faschisten, aber eigentlich auch allgemeine Lebensweisheiten enth\u00e4lt und vor allem soll der Pietro Spina, der sich da in Priesterkleidung in zwei der kleinen D\u00f6rfchen versteckt, viel von Silones Leben erz\u00e4hlen, der fr\u00fch seine Eltern und seine Geschwister verlor, ohne viel Schulbildung zum Revolution\u00f6r und Journalisten wurden, sich eine Zeitlang als Polizeispitzel, wie auch in den Buch sch\u00f6n beschrieben, um zu \u00fcberleben, verdingte, dann ins Ausland floh, seine B\u00fccher \u00fcberarbeitete etc.<br \/>\nBei Wikipedia kann man, da &#8220;Wein und Brot&#8221; noch erh\u00e4ltlich ist, einige Rezensionen finden, die sowohl fundiert Auskunft geben, als auch einiges \u00fcber die Amazonrezensenten berichten, wie &#8220;Das  Buch ist Abenteuerroman und politischer Thriller in einem&#8221; oder &#8220;Wein und Brot &#8211; beides konsumieren die Figuren zwar regelm\u00e4\u00dfig, aber auf den eigentlichen Inhalt l\u00e4\u00dft der Titel nicht schlie\u00dfen. Scheint das Buch eine Priesterklamotte zu sein, ist es gegen Ende auch zunehmend politisch und spannend. Lesen!&#8221;, r\u00e4t der Rezensent und ich dachte, nicht jeder hat seinen Silone aus dem B\u00fcchergilde Gutenberschrank, einer sozilisten Arbeiterbibliothek entnommen und so wird jeder etwas anderes damit anfangen, ich nehme die Lust auch einmal, &#8220;Don Camillo und Peppone&#8221;, B\u00fccher die sich in meinen Regalen befinden, zu lesen mit, beziehe das Titel darauf, das das auch die Priester in den Messen verteilen und sich die armen Leute, die landlosen Bauern die &#8220;Cafoni&#8221;, wie sie Silone nennt, die Tagl\u00f6hner etc, damals haupts\u00e4chlich von Brot und Wein ern\u00e4hrten, sie nahmen, glaube ich, auch Zwiebel und Tomaten dazu und das Buch, das ich gelesen habe, beginnt mit dem f\u00fcnfundsiebzigsten Geburtstag des Don Benedetto, einem sehr revolution\u00e4ren Priester, der mit seiner Schwester in einem der D\u00f6rfchen lebt und seine ehemaligen Sch\u00fclern zu seinem Fest erwartet. Zwei kommen, ein Arzt und ein Offizier, der Taubstumme, der in dem anderen Buch eine Rolle zu spielen scheint, tritt hier eher als Statist auf, aber er weist den Offizier tapfer in die falsche Richtung, bis ihm der Priester erkl\u00e4rt, da\u00df er ihn durchlassen soll, dann kann er auch wieder reden.<br \/>\nSie sprechen von den anderen Sch\u00fclern des ehemaligen Latein und Griechischlehrers,  andere \u00c4mter hat die Kirche dem Rebellen verweigert und man erf\u00e4hrt, da\u00df die meisten Beamten geworden sind oder als Revolution\u00e4re hungern oder in Konkurs gingen. An einen Sch\u00fcler kann sich der Priester gut erinnern, das ist Pietro Spina, der Revolution\u00e4r wurde, von der Polizei gesucht wird und ins Ausland ging. Nun ist er, wir schreiben das Jahr 1935 lungenkrank zur\u00fcckgekommen, der Arzt Nunzio Sacca mu\u00df ihn widerwillig behandeln und r\u00e4t ihm sich als Priester zu verkleiden und sich in einem der D\u00f6rfchen auszukurieren. So kommt Don Paolo mit den armen Leuten in Kontakt, die ihn gleich f\u00fcr einen Heiligen halten und von ihm die Beichte wollen und mit zwei Frauen, der leichtfertigen Bianchina, der er nach einer Abtreibung helfen soll und die sich sp\u00e4ter in Rom in einem Bordell verdingt und der frommen Cristina, die eigentlich Nonne werden will, aber ihre Gro\u00dfmutter, Tante und Mutter nicht verlassen kann.<br \/>\nSehr eindringlich wird das Leben der landlosen Bauern geschildert. Mussolini wird nur &#8220;Dingsda&#8221; genannt, man kann sehen, da\u00df die Leute eigentlich keine Wahl hatten, als sich den Faschisten anzuschlie\u00dfen, bekamen sie doch von der Lehrerin immer die Nachrichten interpretiert, wenn sie Suppe wollten, mu\u00dften sie Aufrufe unterschreiben und wenn sie sich freiwillig meldeten, bekamen die M\u00fctter eine Unterst\u00fctzung etc. F\u00fcr eine Stelle als Beamter, Lehrer, Gemeindearzt mu\u00dfte man seine Seele verkaufen und die armen Studenten bekamen Geld f\u00fcr ihre Suppe, wenn sie sich als Polizeispitzel verdingten, so kommte es auch, da\u00df die Pfarrer den Fragenden antworten, da\u00df ein Landpfarrer so viel zu tun habe, da\u00df er nicht zum Denken k\u00e4me und die Beamten die Situation sehr wohl durchschauten, w\u00e4hrend die Bauern ihre Wunder wollen und sich ansonsten mit den ihnen m\u00f6glichen kleinen Betr\u00fcgereien begn\u00fcgten.<br \/>\nSpina f\u00e4hrt nach Rom, um seine Kontakte wiederaufzufrischen, h\u00f6rt dort von einem Studenten, der verschwunden ist, weil sich seine Freundin, um ihn zu retten, von den Polizisten vergewaltigen lie\u00df, sp\u00e4ter soll er ihn in dem D\u00f6rfchen wiedertreffen, er erz\u00e4hlt ihm, wie er zum Polizeispitzel wurde und gr\u00fcndet auch eine sozialistische Dichtergruppe. Es bricht aber der Abessininenkrieg aus und Spina ist entsetzt, wie begeistert sich alle freiwillig melden, besucht nach f\u00fcnfzehn Jahren den alten Priester wieder, der ihm auch den jungen Murcia schickt und weil sich der alte Mann trotz Mahnungen kein Blatt vorm Munde nimmt, wird er aufgefordert eine Messe zu halten und f\u00e4llt, nachdem er vom Messwein getrunken hat, tot um, Spina mu\u00df in die Berge fliehen. Die fromme Cristina l\u00e4uft ihn mit warmen Sachen Brot und Wein nach und kommt offenbar im Schnee und von den W\u00f6lfen \u00fcberfallen, dabei um.<br \/>\nEin beeindruckendes Buch, das mich den italienischen Sozialismus und seine Entwicklung noch besser verstehen l\u00e4\u00dft ich habe ja <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/02\/erica-und-ihre-geschwister\/\">einige<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/19\/mein-italien\/\">Wagenbach-B\u00fcchlein<\/a> gelesen und im Wochenend-Standard gibt es einen interessanten Artikel von Karin Fleischanderl \u00fcber den Niedergang der italienischen Literatur.<br \/>\nSolange es die Wagenbach-Bibiliothek, die ja vor einigen Jahren bei &#8220;Buchlandung&#8221;, um einen Euro abverkauft wurde&#8221;, noch gibt, ist es nicht so schlimm, denke ich, obwohl es jetzt ja wieder eine andere Politik, sowie die Krise gibt und an Kunst und Kultur sehr eingepart wird und rate, wie der Amazon-Resensent zum Lesen von Ignazio Silone.<br \/>\n&#8220;Brot und Wein&#8221;, scheint es, wenn man auf die Angebotsseite geht, nicht mehr oft zu geben.<br \/>\n&#8220;Wein und Brot&#8221; habe ich nicht gelesen. Vielleicht aber einer meiner Leser, der ein bi\u00dfchen den Unterschied erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Eine <a href=\"http:\/\/www.faschismus.org\/\">Seminararbeit<\/a> zum Buch, gibt es im Internet auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt ein Buch aus dem B\u00fccherkasten meiner Eltern, n\u00e4mlich das 1936 bei der B\u00fcchergilde Gutenberg erschienene &#8220;Brot und Wein&#8221; von Ignazio Silone, was insofern wichtig ist, da das Buch 1955 unter dem Titel &#8220;Wein und Bort&#8221;, &#8220;Vino e pane&#8221; &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=18882\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-18882","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18882\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}