{"id":18740,"date":"2012-12-28T10:55:45","date_gmt":"2012-12-28T09:55:45","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=18740"},"modified":"2012-12-28T10:55:45","modified_gmt":"2012-12-28T09:55:45","slug":"ins-hotel-konnte-ich-ihn-nicht-mitnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=18740","title":{"rendered":"Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen"},"content":{"rendered":"<p>Sechs Reisegeschichten und ein pubert\u00e4rer Jugendtraum namens &#8220;Berggasse&#8221; von Anna Maria Dusl, &#8220;sieben skurrile Oysseen rund um den Globus&#8221;, steht am Buchr\u00fccken, hat der Schreiber da nicht aufgepasst und falsch gez\u00e4hlt? Aber die Berggasse liegt ja auch am Globus und das Freudmuseum kommt darin ohnehin nicht vor, lagen unterm <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/27\/weihnachtsferien\/\">Weihnachtsbaum<\/a>.<br \/>\nDabei habe ich mir das, ich glaube, dritte oder vierte Buch der Kultautorin, Falterzeichnerin, Bloggerin und Filmemacherin nicht gew\u00fcnscht, ist mir die Kultautorin doch vielleicht ein wenig zu abgehoben und ihre schlodderige Sprache mit den skurrilen Neudeutungen m\u00f6glicherweise zu wenig ernsthaft, aber Alfreds Geschmack ist ein bi\u00dfchen anders, so passen seine Buchgeschenke manchmal nicht so ganz, hat er mir doch schon ein &#8220;Computerbuch f\u00fcr Frauen&#8221;, eines f\u00fcr &#8220;Nichtreiser&#8221;, ein &#8220;Tennishasserbuch&#8221; etc unterm Christbaum gelegt.<br \/>\nWenn ich, die ich doch einen sehr breiten Lesegeschmack habe, keine Entt\u00e4uschung eingehen will, sage ich was ich haben m\u00f6chte, meistens ist das zum <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/10\/geburtstagslesung\/\">Geburtstag im November<\/a>, zu Weihnachten lasse ich es meistens laufen, habe mich aber schon in der Adventzeit heimlich gefragt, was vielleicht noch auf die Leseliste kommen k\u00f6nnte? Da g\u00e4be es ja soviel, Cornelia Travnices &#8220;Chucks&#8221; Hilde Spiels &#8220;Kati auf der Br\u00fccke&#8221;, Marjana Gaponekos &#8220;Wer ist Martha&#8221;, Julija Rabinwitschs  &#8220;Erdfresserin&#8221; Anna Kims &#8220;Anatomie einer Nacht&#8221; und und und&#8230;<br \/>\nAndrea Maria Dusl &#8220;Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen&#8221;  und John Jermiah Sullivans &#8220;Pulp Head&#8221;, von dem ich noch viel weniger Ahnung, als von der Dusl hatte, ist es 2012 geworden, denn vom Dusl-Buch habe ich ja schon einen Teil gekannt. Hat sie doch die Geschichte vom &#8220;Russen meines Vaters&#8221; im Kellertheater beim letzten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/06\/rund-um-die-burg-neu\/\">&#8220;Rund um die Burg&#8221;- Festival<\/a> gelesen, da gibt es auch ein Bild am Blog und eine Unterschrift im Buch, denn bei der Dusl ist Alfred dabei gewesen und scheint \u00fcberhaupt ein besonderer Fan zu sein, hat er mir doch zu <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/12\/29\/weihnachtsbucher\/\">Weihnachten 2008 das damalige Kultbuch &#8220;Boboville&#8221;<\/a>, mit dem Anna Jeller ihr ganzes Schaufenster schm\u00fcckte, geschenkt, von dem es, glaube ich, noch keine richtige Besprechung gibt und die Dusl hat auch schon am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/05\/zweimal-volksstimmefest\/\">Volksstimmefest<\/a> gelesen. Einen Text \u00fcber Hebenstreit, dann lag das dazu passende Buch unterm <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/24\/24-dezember\/\">Christbaum<\/a>, das noch nicht gelesen ist.<br \/>\nDie Dusl aber schon, f\u00fcr 2012 ist es sich noch ausgegangen und steht auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Platz 154 auf der Leseliste<\/a>. Ich bin eben eine flei\u00dfige Lesung und aus Buch zwei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/26\/literatur-in-st-polten\/\">&#8220;Channel 8&#8221;<\/a> habe ich einmal an einem verregneten Samstag beim St. P\u00f6ltner H\u00f6fefest geh\u00f6rt.<br \/>\nReisegeschichten von Andrea Maria Dusl also und sie spiegeln das Lebensgef\u00fchl der jungen st\u00e4dtischen Fadisierten, der Bobos und Mittelschichtintelligenzia, bevor die Generation Praktika kam, der die Kultzeichnerin noch nicht angeh\u00f6rt.<br \/>\nAlso reisen die Fadisierten nach New York, treffen dort im Loft ihre Maler, Architektenfreunde, die in der Grand City schon wohnen, haschen, jointen, fahren nachts mit dem letzten Lift auf das Empire State Building und die Dusl erz\u00e4hlt das alles in ihrer flapsigen Duslsprache, wo es von &#8220;Gr\u00fcnkappen&#8221;, etc so wimmelt und die mir manchmal zu  wenig ernsthaft ist.<br \/>\nAu\u00dfer nach New York geht es auch viel in den sowetischen Raum, nach Lemberg auch Lviv oder Lwow, je nach den Besetzungsdaten, genannt, denn da reist die junge Filmerin aus der Leopoldstadt mit ihrem Team an, um einen Film zu drehen und wird nat\u00fcrlich vom \u00dcbersetzer Alexander Aleksandrowitsch \u00fcberall hinbegleitet, der nicht viel von sich erz\u00e4hlt und das Geld, das sie ihm f\u00fcr das Taxifahren geben, f\u00fcr andere Zwecke ben\u00fctzt.<br \/>\nDie dritte Geschichte, hei\u00dft, wie schon geschrieben &#8220;Berggasse&#8221; und da erz\u00e4hlt die Dusl, die in dem Buch ja viel von sich erz\u00e4hlt, von der schulischen Sozilisierung der kleinen Andrea maria aus der Leopoldstadt, deren Eltern das Gymnasium in der Wasagasse imponierte, in das alle Mittelschichtkinder gegen sollen, um sich von den bl\u00f6den Prolokinder der Sozis abzuheben. Nur leider kam der b\u00f6se Bruno Kreisky daher und schaffte die Aufnahmspr\u00fcfung f\u00fcrs Gymnasium ab. Andrea Maria Dusl hat sie noch abgelegt. Das sind nat\u00fcrlich Stellen, die mir imponieren und die Zeiten haben sich inzwischen ohnehin ge\u00e4ndert, zwar wei\u00df ich nicht, ob es schon wieder eine Aufnahmspr\u00fcfung f\u00fcr das Gymnasium gibt, aber ohne Einser und Zweier kommt man dort nicht hin. Die \u00d6VP wettert gegen die Gesamtschule, als sei sie so b\u00f6se, wie das die Russen waren, als die kleine Andrea Maria ins Gymnasium ging und dort mit ihren Freunden die Initialriten ausprobierte, die Pfeife des Vaters des Schulfreundes rauchte und von der Polizei erwischt wurde, in Keller einstieg, etc.<br \/>\nDie Berggasse 19 mit ihrem ber\u00fchmten Bewohner, kommt, wie erw\u00e4hnt in der Geschichte nicht vor und das ist vielleicht auch eine Spezialit\u00e4t der Dusl, das sie das, woran man bei Berggasse denkt, nicht beschreibt und wenn die Altachtunsechzigertouristen ins gelobte Kuba reisen und sich von den kubanischen Privattaxis in die hei\u00dfesten Diskos kutschieren lassen und die Touristin stapft dann mit dem glut\u00e4ugigen &#8220;Guttomutschumann&#8221; liebestrunken durch das n\u00e4chtliche Havanna, denn &#8220;ins Hotel konnte sie ihn nicht mitnehmen&#8221;, das hat Papa Castro verboten, denken wir alle und auch die Protagonistin selbst, an das Ausgeraubt- und Ermordetwerden und nichts passiert. Das Paar liebt sich ein paar wilde Stunden f\u00fcr ein paar Dollars und sieht sich niemals wieder.<br \/>\nIm &#8220;Suezkanal&#8221; erz\u00e4hlt die Dusl wieder von ihrer Kindheit. Von den ersten Italienreisen mit dem Vater in den Sechzigerjahren, wie sie schwimmen lernte oder diese Gelegenheit vers\u00e4umte, denn das Wasser war sehr kalt in Schottland, wo das B\u00fcrgerm\u00e4dchen Sprachferien machte und dann wollte sie es unbedingt in der W\u00fcste versuchen, wo sie f\u00fcr einen \u00c4gypter, die Firmengeschichte neu schreiben sollte.<br \/>\nIm &#8220;Der Russe meines Vaters&#8221; wird zuerst von der Wiener Russenangst geschrieben &#8220;Tats\u00e4chlich war der Russe aber nur einmal gekommen. Und nie wieder. Hatte die Wiener vom Faschisten befreit. Das haben die Wiener dem Russen nie verziehen. Die Wiener haben die Faschisten eigentlich ganz gern gehabt. Den Russen nicht&#8221;, um ein Gustost\u00fcckerl der typischen Dusel-Sprache zu zitieren.<br \/>\nDann geht es nach dem Fall der Mauer nach Moskau, um den Russen zu besuchen, mit dem sich der Vater damals im World war II, statt ihn zu bewachen, befreundet hatte.<br \/>\nEigentlich eine sehr eindringliche Geschichte, vor allem wenn man sich ein zweites Mal mit ihr besch\u00e4ftigt. Dann gehts noch nach Odessa, um dort einen Film zu drehen und von dem erf\u00e4hrt man eigentlich genausowenig, wie in meiner <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_odessa.html\">&#8220;Reise nach Odessa&#8221;<\/a>, die ich geschrieben habe, ohne je dort gewesen zu sein und das Cover und die Eindr\u00fccke von der Reise verwendete, die ich einmal mit dem Bus des akademischen Reiseb\u00fcros in vier Tagen nach Lwew oder Lviv und zur\u00fcck gemacht habe und dabei Professor Spiel im Reisebus hatte, der sich noch einmal ansehen wollte, wo er im Worl war II im Stra\u00dfengraben lag und mich beim Abendessen in Ungarn lautstark unterbrach, als ich ihm erz\u00e4hlte, da\u00df ich Verhaltenstherapeutin sei. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sechs Reisegeschichten und ein pubert\u00e4rer Jugendtraum namens &#8220;Berggasse&#8221; von Anna Maria Dusl, &#8220;sieben skurrile Oysseen rund um den Globus&#8221;, steht am Buchr\u00fccken, hat der Schreiber da nicht aufgepasst und falsch gez\u00e4hlt? Aber die Berggasse liegt ja auch am Globus und &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=18740\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-18740","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18740","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18740"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18740\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}