{"id":18699,"date":"2012-12-29T00:44:31","date_gmt":"2012-12-28T23:44:31","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=18699"},"modified":"2012-12-29T00:44:31","modified_gmt":"2012-12-28T23:44:31","slug":"finstere-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=18699","title":{"rendered":"Finstere Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>Petrus Markaris &#8220;Zur Krise in Griechenland&#8221;, das B\u00fcchlein, das ich ein paar Tage nach meinem Geburtstag im Wortschatz gefunden habe. 2012 erschienen, neu ist es auch gewesen. Fein, denn die Krise in Griechenland interessiert mich ja sehr, so da\u00df ich den V\u00f6llereien der Weihnachtstage, dem Gansel und dem Kalbsbraten, sowie den Weihnachtskeksen, ein bi\u00dfchen was Unerfreulicheres entgegensetzen kann.<br \/>\nIch wei\u00df ja nicht, wie es den anderen geht, wenn ich in den Nachrichten von der Krise in Griechenland, Spanien, etc, der Jugendarbeitslosigkeit dort und, da\u00df sich die Leute umbringen, weil ihnen die Banken ihre Wohnung weggenommen haben, w\u00e4hrend die EU von den griechischen Politikern eiserne Sparpakete fordern, die Renten und die L\u00f6hne gek\u00fcrzt werden, die Leute deshalb auf die Stra\u00dfe gehen, vielleicht Steine werfen, w\u00e4hrend die Polizei mit Tr\u00e4nengas aufmarschiert, kann man nur den Kopf sch\u00fctteln, verdr\u00e4ngen, das Weihnachtsgansel essen , sagen &#8220;Na uns geht es noch gut!&#8221;<br \/>\nDa kommt so ein Buch gerade richtig und mit der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/30\/krisenstimmung\/\">Krise<\/a> nicht nur Griechenland habe ich mich auch schon besch\u00e4ftigt und mit Petrus Markaris sowieso.<br \/>\nDas erste Mal bin ich mit ihm, behziehungsweise einem seiner B\u00fccher &#8220;Der Gro\u00dfaktion\u00e4r&#8221; in Leipzig, wahrscheinlich beim Diogenes Stand in Ber\u00fchrung gekommen, da dr\u00e4ngten sich eine Gruppe Buchh\u00e4ndler oder so, um ihre Leseexemplare, ich bin dazu gegangen und habe mit der freundlichen Dame ausgehandelt, da\u00df sie mir auch ein Buch gegeben hat.<br \/>\nDamals gab es, glaube ich, noch nicht das Literaturgefl\u00fcster und das Buch hat mir gar nicht so besonders gut gefallen. Ich habe es aber gelesen und f\u00fcr den Thalia oder Amadeus besprochen, die ja damals einen zehn Eurogutschein f\u00fcr eine Leserrezension ausgaben, wenn sie sie in ihrer Zeitschrift ver\u00f6ffentlichten. Sie haben die Besprechung nicht genommen, ein paar andere  schon, so da\u00df ich zum Beispiel, die Lily Brett, den Andrej Kurkow und den  Jonathan Safran Foer f\u00fcr die Gutscheine eingel\u00f6st habe, aber zur\u00fcck zu dem 1937 in Istanbul geborenen Markaris, der das St. Georg College besuchte und in Wien Wirtschaft studierte, deshalb so gut Deutsch spricht, da\u00df er sogar den &#8220;Faust&#8221; \u00fcbersetzte und auch einiges andere. So habe ich ihn bei der Literatur im Herbst geh\u00f6rt, als dort Griechenland das Gastland war und bei Rund um die Burg hat er in der Kriminacht glaube ich den Erz\u00e4hlband &#8220;Balkan Blues&#8221; vorgestellt.<br \/>\nDas war noch alles vor der Krise. Die kam zwischen 2008 und 2009, solange gibt es auch das Literaturgefl\u00fcster und 2011 <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/09\/buch-wien-eroffnung-2011\/\">Petrus Markaris der Er\u00f6ffnungsredner bei der Buch Wien<\/a> da hat er zur &#8220;Krise ohne Perspektive&#8221; gesprochen.Der Text ist auch in den &#8220;Finsteren Zeiten&#8221;, zusammen mit elf anderen enthalten, die zwischen 2009 und 2012 geschrieben wurden.<br \/>\nBei der Buch Wien damals war Petrus Makaris auch prominent vertreten, am 3 Sat Stand lief ein Portrait von ihm und da ist auch sein erster Kostas Charitas Krisenkrimi <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/27\/faule-kredite\/?preview=true\">&#8220;Faule Kredite&#8221;<\/a> erschienen, den ich mir voriges Jahr zu Weihnachten w\u00fcnschte und auch gleich gelesen habe. Inzwischen gibt es einen zweiten &#8220;Zahltag&#8221; und Petrus Markaris, der zumindestens in Deutschland als der Experte zur Griechenlandkrise gehandelt wird, schreibt auch in dem Vorwort, das mit Athen, Juni 2012 signiert wurde, da\u00df er eine Trilogie zur Krise angelegt hat und von einer jungen Journalistin gefragt wurde, warum er soviel \u00fcber die Krise schreiben w\u00fcrde, sie w\u00e4re dann doch schon l\u00e4ngst vorbei, worauf der Pessimist in dem Vorwort &#8220;Eine lange Reise in die Nacht&#8221; anf\u00fchrt, da\u00df er wahrscheinlich noch einen zweiten Dreiteiler dazu schreiben mu\u00df.<br \/>\n&#8220;Zahltag&#8221; habe ich nicht gelesen, ob es den dritten Krimi schon gibt, wei\u00df ich nicht und die zw\u00f6lf Krisentexte mit einem Interview statt eines Nachwortes, waren auch sehr interessant, geht Makaris ja  weit in die griechische Geschichte zur\u00fcck, widerlegt das Vorurteil, da\u00df die Griechen faul w\u00e4ren und meint, da\u00df es gar keine Finanzkrise, sondern eher eine politische Krise w\u00e4re, denn als er von in den Sechzigerjahren nach Athen gekommen ist, hatten die H\u00e4user in den \u00e4rmeren Gegengen alle nur ein Stockwerk und die Leute sparten es sich vom Mund ab, einen zweiten Stock f\u00fcr ihre Kinder darauf zu bauen und sie  h\u00e4tten, wie die Regierung zu lange auf Pump gelebt. Weiters meinte er, da\u00df Griechenland von drei Politikerfamilien jahrzehntelang regiert worden w\u00e4re und die Griechen mit der Schuldenpolitik jetzt \u00fcberfordert w\u00e4ren.<br \/>\nMarkaris war auch ein Gegner der olympischen Spiele von 2004 und meint schon da w\u00e4re das Geld in die falschen Kan\u00e4le geflossen. Er schreibt von einer &#8220;Kultur der Armut&#8221;, die durch diese Schuldenpolitik zerst\u00f6rt worden w\u00e4re, meint mit Schiller, da\u00df &#8220;Die sch\u00f6nen Tage vorbei w\u00e4ren&#8221; und zitiert \u00f6fter Brecht und da w\u00e4ren wir schon bei seiner Wiener Er\u00f6ffnungsrede, wo es um die &#8220;Finsteren Zeiten&#8221;, geht.<br \/>\n&#8220;Wahrlich ich lebe  in finsteren Zeiten!&#8221;, Verse, die nicht von einem griechischen Lyriker zur Krise, sondern von B.B, &#8220;An die Nachgeborenen&#8221; geschrieben wurden.<br \/>\n&#8220;Was sind das f\u00fcr Zeiten, wo Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber B\u00e4ume fast ein Verbrechen ist&#8221;, dann kommt er dazu, da\u00df die Krise f\u00fcr die Literatur gut w\u00e4re, weil die Leute mehr B\u00fccher lesen w\u00fcrden, in Griechenland aber nicht, da sitzen sie vor dem Fernseher &#8220;weil sie immer noch hoffen, von den Fernsehnachrichten und -programmen mehr \u00fcer die Krise zu erfahren, als von den B\u00fcchern.&#8221;<br \/>\nIm n\u00e4chsten Text &#8220;In Athen gehen die Lichter aus&#8221;, gibt er Einblick in das griechische Krisenleben, wo die Leute, die nichts zu essen haben, in den Morgenstunden in den Mistk\u00fcbeln w\u00fchlen und die \u00c4rzte ohne Grenzen belagert werden, weil sich die Diabetiker ihr Insulin nicht leisten k\u00f6nnen.<br \/>\nJeder zweite junge Grieche, die meist studiert haben, ist arbeitslos und einige davon habe aus Protest im Mai, die Partei der Neonazis &#8220;Goldene Morgenr\u00f6te&#8221; gew\u00e4hlt, nicht weil sie Nazis w\u00e4ren, sondern weil sie der Regierung eines auswischen wollten. Viele junge Griechen, wie auch Markaris Tochter gehen nach Istanbul arbeiten und die Albaner gehen nach Albanien zur\u00fcck.<br \/>\nEin paar Texte beleuchten die Wahl und da war ja auch bei der letzten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/01\/mai-feiern\/\">Maikundgebung<\/a> einiges zu h\u00f6ren. Am Schlu\u00df gibt es das Interview, das f\u00fcr das Diogenes Magazin im Herbst 2011 gef\u00fchrt wurde, wo Makaris ein bi\u00dfchen seinen Werdegang schildert und erz\u00e4hlt, da\u00df er jetzt  st\u00e4ndig von Reportern zur Krise befragt wird, obwohl er eigentlich seine Ruhe haben m\u00f6chte und ich wei\u00df am Ende des Buches zwar auch nicht, wie wir die Krise \u00fcberwinden k\u00f6nnen, ich bin da eigentlich sehr pessimistisch und sehe Vergleiche zu den Drei\u00dfigerjahren des vorigen Jahrhunderts, habe aber einiges \u00fcber die Geschichte erfahren, was ich noch nicht wu\u00dfte und da da Buch vor einem halben Jahr erschienen ist, hat es die Wirklichkeit wahrscheinlich auch schon eingeholt und vielleicht hat es der Buchh\u00e4ndler in der Margaretenstra\u00dfe deshalb in den Wortschatz gelegt, aber das ist nur eine Vermutung von mir und als ich im Mai zu meinen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/29\/pfingsten-ii-bucherkastenlesetour\/\">Pfingsmarathon<\/a> aufgebrochen bin, bin ich auch am Wortschatz vorbeigekommen und habe ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/28\/mit-leichtem-gepack\/\">Jugendbuch<\/a> aus den Sechzigerjahren aus dem Schrank genommen, wo Griechenland als die Idylle und das Sehnsuchtsparadies der Deutschen geschildert wurde und ich kann mich auch an die Siebzigerjahre erinnern, wo es schick war nach Griechenland zu fahren und dort auf den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/28\/damals-und-dort\/?preview=true\">Inseln den Sommer zu verbringen <\/a> und ich war einmal in den Neunzigerjahren mit dem Alfred und der Anna auf Kreta.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petrus Markaris &#8220;Zur Krise in Griechenland&#8221;, das B\u00fcchlein, das ich ein paar Tage nach meinem Geburtstag im Wortschatz gefunden habe. 2012 erschienen, neu ist es auch gewesen. 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