{"id":18450,"date":"2012-12-22T00:56:28","date_gmt":"2012-12-21T23:56:28","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=18450"},"modified":"2012-12-22T00:56:28","modified_gmt":"2012-12-21T23:56:28","slug":"tango-kontinuum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=18450","title":{"rendered":"Tango-Kontinuum"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt geht es weiter mit meinen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Geburtstagsb\u00fcchern<\/a> und ich komme zu denen, die mir die Leser mitgebracht haben und da kommen als Erstes die vierzehn Kurzgeschichten &#8220;Tango-Kontinuum&#8221; von &#8220;Machos, Malevos und Vermaledeiten&#8221; des 1947 in Argientinien geborenen Arztes Lidio Mosca-Bustamante, den ich vor einigen Jahren bei einer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/01\/06\/ruckblick-und-vorschau\/\">Silvesterfeier <\/a>bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/01\/jahresanfangsflusterei\/\">Hilde Schm\u00f6lzer<\/a> kennengelernt habe und von dem ich schon &#8220;Blumen f\u00fcr Augustina&#8221; gelesen hatte, noch ehe ich ihn kannte, weil es das einmal in einer Gratisb\u00fccherkiste der Zentralbuchhandlung, als die noch existierte, auf dem Volksstimmefest gab.<br \/>\nSeither habe ich mich mit dem Autor einige Male getroffen, war auf seinen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/23\/en-espanol-por-favour\/\">Lesungen<\/a>, er hat, glaube ich, auch einmal am &#8220;Tag der Freiheit des Wortes&#8221; und am Volksstimmefest gelesen, liest bei den von Herrn Blaha organisierten Veranstaltungen und auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/13\/geburtstag-feiern\/\">meinen<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/10\/geburtstagslesung\/\">Geburtstagsfesten<\/a>. Den Erz\u00e4hlband &#8220;Die magische Vihuela&#8221; geschrieben im magischen Realismus, wie in den lateinamerikanischen L\u00e4ndern \u00fcblich, hat er mir auch einmal mitgebracht und jetzt seine Tango-Geschichten und daraus hat er auch beim letzten Fest gelesen.<br \/>\nDas Buch besteht aus einigen Einleitungen. Zuerst kommt unter dem Titel &#8220;\u00dcber mich&#8221; eine vorgeburtliche Erfahrung des Autors, die er seiner Enkelin Valentina Alicia gewidmet hat. Dann einige Erkl\u00e4rungen zur argentinischen Sprache, da gibt es  auch ein Glossar mit den wichtigsten Ausdr\u00fccken und interessant, das Buch wurde in Spanisch geschrieben, von Gerhard Giesa \u00fcbersetzt und ist im Autorenverlag Gergruben mit Verlagsadresse Neusiedl am See erschienen.<br \/>\nAlso ganz international. Lidio Mosca Bustamante lebt seit 1975 in \u00d6sterreich und arbeitet als Schriftsteller, Maler und Filmkritiker. Das Buch handelt aber von Argenitinien. Ist wahrscheinlich eine Liebeserkl\u00e4rung, an das Land und seine Typen und das wird auch in der n\u00e4chsten Einleitung erkl\u00e4rt, wo man erf\u00e4hrt was Malevos sind, das, was man im \u00f6sterreichischen als Strizzis bezeichnen w\u00fcrde und Lidio Mosca zieht auch einen weiten Bogen, erkl\u00e4rt die Sozialstruktur Arginetinien von gestern und heute und erz\u00e4hlt  etwas \u00fcber Sozialbauten und wohin die Jugendarbeitslosigkeit f\u00fchren kann.<br \/>\nDas Vorwort, das sich daran schlie\u00dft, stammt von Juan Navidad und dann geht es in die vierzehn  Geschichten, von denen zehn der Abteilung &#8220;Fegefeuer&#8221; und vier der &#8220;H\u00f6lle&#8221; zugeordnet sind.<br \/>\nLidio Mosca Bustamante hat dazu auch was in seiner Einleitung geschrieben, ich springe aber gleich zu der Geschichte eins, wo die Malevos Cipriano Lopez und Teofilo Hierro bzw. deren Kampfh\u00e4hne vorgestellt werden. Denn die beiden Strizzis haben zwei Ber\u00fchmte und die k\u00e4mpfen gegeneinander, der Kampf endet unentschieden oder doch nicht so ganz, einem fehlt ein Auge, so da\u00df sich die beiden Besitzer duellieren wollen, da bricht sich einer, ach Schande, die Hand und kann nicht das Messer f\u00fchren. Was tut man da? Die kluge Tante r\u00e4t, es noch einmal die H\u00e4hne tun zu lassen und das endet dann so dramatisch, da\u00df sich die  Feinde mit Tr\u00e4nen in den Augen vers\u00f6hnen.<br \/>\nDann gehts in Richtung Tango und zu dem sch\u00f6nen Kinderm\u00e4dchen Argentinia, das, war es der Autor selbst?, den kleinen Anvertrauten aus b\u00fcrgerlicher Familie am Abend in das Theater der Dienstm\u00e4dchen f\u00fchrte, wo sie sich mit ihren Argentino traf, der gerade dabei war zum Tangostar aufzusteigen und das Kinderm\u00e4dchen konnte ihm dann beim Waschen ihrer Haare im Radio singen h\u00f6ren, w\u00e4hrend der kleine Ich-Erz\u00e4hler ihr dabei begierig zusah.<br \/>\nIn der dritten Geschichte &#8220;Lolita&#8221; geht es um einen vierzigj\u00e4hrigen Malevo, der sich in eine sch\u00f6ne Sechzehnj\u00e4hrige verliebt, seinen Rivalen im Zweikampf t\u00f6tet, sich dabei eine Schnittwunde zuf\u00fcgt und sie am Ende doch nicht bekommt.<br \/>\nSo geht es weiter mit den Geschichten der kleinen oder gro\u00dfen Gauner von Buenos Aires zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Erstaunlich welches Detailwissen, der elegante schlanke Arzt vom Gaunerleben seiner Heimatstadt hat. Die meisten der Geschichten tragen irgendwelche Widmungen. So ist die &#8220;Rache von Ruperto Guerro alias &#8220;Der Hartherzige&#8221; Andrea Baier-Lillie und Christian Lillie (El Austriaco) gewidmet, die in Wien im &#8220;Club Tango Argentino&#8221; Tangotanzen lehren.<br \/>\nIn &#8220;Zwanzig Pesos &#8211; Die Liebschaften des Cirilo Hernandez&#8221; wird der mit dem Alfred aus Horvaths &#8220;Geschichten aus dem Wienerwald&#8221; verglichen. Das Argentinische Vorbild kommt aus dem Gef\u00e4ngnis, geht zu seiner Tante  Maria Rosa, die schon wei\u00dfe L\u00f6ckchen hat, als er die dann wegen einer J\u00fcngeren verl\u00e4\u00dft, h\u00e4lt sie ihm das Messer entgegen, mit der er dann stolz die Stube verl\u00e4\u00dft.<br \/>\nDie osteurop\u00e4oischen M\u00e4dchen, die nach Argentinien in dem Glauben auswandern tolle Stellen in den Haushalten reicher Herrschaften zu finden und dann in den Bordellen landen kommen auch vor und dem \u00dcbersetzer Gerhard Giesa ist die Geschichte &#8220;Gefl\u00fcgelte Beine gewidmet&#8221;, die von einem ber\u00fchmten Tangot\u00e4nzer handelt.<br \/>\nIn &#8220;Vom Fenster aus&#8221; kommt der Malevo, der sechs Jahre wegen Mord oder Totschlag an seiner Esther im Gef\u00e4ngnis gesessen hat in das Cafe des Ramiro Cuestas, der ihn endlos beschwatzt und seine Unschuld beteuert, w\u00e4hrenddessen sieht Augusto Remolino aus dem Fenster und versucht sich das Gesicht der Get\u00f6teten vorzustellen um am Ende mit dem Messer auf den Sohn des Cafetiers loszugehen, der offenbar der wahre Schuldige war.<br \/>\n&#8220;Der Schwarze Emidio Taborda aus dem Mondongo-Viertel&#8221; ist auch ein ber\u00fchmter Messerstecher und Spieler, legt sich mit den englischen Kolonialherren an, um am Ende seine Sch\u00f6ne, die die Geliebte des Mister Millers ist, doch nicht zu bekommen und Antenor Perenyra mutiert vom Zuh\u00e4lter zum Leibw\u00e4chter, w\u00e4hrend wir ein St\u00fcck der dunklen Geschichte Argentiniens erfahren. Da verbietet ein Politiker alle Bordelle, nimmt sich einen Leibw\u00e4chter, dessen drei M\u00e4dchen er offenbar vorher verschwinden lie\u00df und am Schlu\u00df der Geschichte, begleitet der Leibw\u00e4chter seinen Chef in das ihm geh\u00f6rende Geheimbordell, um dort seine Geliebte zu finden und sich das Messer, nicht den Revolver mit dem er seinen Chef besch\u00fctzte, in den Bauch zu stechen.<br \/>\nSehr plastisch wenn auch ein wenig umst\u00e4ndlich l\u00e4\u00dft Lidio Mosca Bustamante das Elend des Vorstadtargentinien mit seinen gl\u00e4nzenden Messerstecher und Bandenk\u00f6nigen auferstehen, w\u00e4hrend er, wenn er vom &#8220;Fegefeuer&#8221; in die &#8220;H\u00f6lle&#8221; kommt, vollends blutr\u00fcnstig wird, wird da doch die Geschichte der &#8220;Blutr\u00fcnstigen Gr\u00e4fin Erzsebeth Bathory erz\u00e4lt, die in Transalvanien 1560 schon einmal blutreich von einem Arzt auf die Welt geholt wird, sich dann mit Luzifer verb\u00fcndet und voll Freude Knaben und M\u00e4dchen sch\u00e4ndet, eine Geschichte, die mir naturgem\u00e4\u00df nicht so gef\u00e4llt. In der zweiten H\u00f6llengeschichte geht es dann nach Afrika, wo sich Joao und Jo vor dem &#8220;Tor zum Paradies&#8221; treffen, das wahrscheinlich ein Fl\u00fcchtlingslager ist. Sie wollen nach Europa, der eine um bei der N.B.A zu spielen, der andere um in sein Heimatland die Revolution zu bringen und sie treffen sich dann zwischen vier und halb f\u00fcnf am fr\u00fchen Morgen, wenn die Wachen schlafen, um in den Stacheldraht zu springen, der eine schlitzt sich dabei auf und verblutet dabei. Auch eine Art von der H\u00f6lle zu erz\u00e4hlen und in der dritten Geschichte wird einer der bei den Tschetniks war Sicario, gedungenen M\u00f6rder ausgebildet, f\u00fcr eine Handvoll Dollars mu\u00df er dabei ein paar Aufgaben bestehen, eine davon ist, ein zw\u00f6lfj\u00e4hriges M\u00e4dchen zu zerst\u00fcckeln, er macht es ohne zu ahnen, da\u00df es die Tochter seiner Geliebten Marta ist.<br \/>\nKaum zu glauben, welche Ideen aus der Feder des kleinen eleganten argentinischen Arztes entspringen k\u00f6nnen und er springt auch noch weiter in die Erz\u00e4hlung von den schlechten Erbanlagen, wo die Schweizerin Esther mit dem Argentinier Fredy drei behinderte Kinder hat und w\u00e4hrend der Neurologe kl\u00e4ren soll, ob das wegen des Inzests mit dem Gro\u00dfvater passierte, nimmt die kleine Esperanza schon die Streichh\u00f6lzer, sagt begierig &#8220;Feuer&#8221; und setzt das elterliche Haus in Flammen.<br \/>\nWirklich kaum zu glauben, wie weit Lidio Mosca Bustamantes &#8220;Tango-Kontinuum&#8221; von den Malevos zu den Maledeiten gehen kann.<br \/>\nNicht alle Geschichten haben mir gefallen. Interessant ist dieses argentinische bzw. weltweite Spekrtum des B\u00f6sen aber allemal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt geht es weiter mit meinen Geburtstagsb\u00fcchern und ich komme zu denen, die mir die Leser mitgebracht haben und da kommen als Erstes die vierzehn Kurzgeschichten &#8220;Tango-Kontinuum&#8221; von &#8220;Machos, Malevos und Vermaledeiten&#8221; des 1947 in Argientinien geborenen Arztes Lidio Mosca-Bustamante, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=18450\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-18450","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18450","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18450"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18450\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18450"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18450"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18450"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}