{"id":17776,"date":"2012-11-19T00:00:41","date_gmt":"2012-11-18T23:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17776"},"modified":"2012-11-19T00:00:41","modified_gmt":"2012-11-18T23:00:41","slug":"von-furzenden-pferden-ausland-und-inlandern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17776","title":{"rendered":"Von furzenden Pferden, Ausland und Inl\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Von furzenden Pferden, Ausland und Inl\u00e4ndern&#8221; ist ein kleines bei Aarachne 1993 erschienenes B\u00fcchlein, des am 14. Mai verstorbenen und uns allen durch seinen &#8220;Mundl&#8221; und seinen &#8220;Kaiserm\u00fchlen Blues&#8221; bekannten Ernst Hinterbergers, das ich wahrscheinlich auch im Mai oder war es schon im April, bei dem &#8220;B\u00fccher gegen Spende Tisch&#8221; in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur fand, das zwei Geschichten, die in viele Unterkapiteln aufgeteilt sind, enth\u00e4lt.<br \/>\nZu Beginn gibt es ein paar Zeitungsartikelabdrucke aus der Presse, dem Standard, der Kronenzeitung etc, die \u00dcberschriften wie &#8220;Kriegserkl\u00e4rung an die FP\u00d6&#8221; tragen und wir erinnern uns, 1993 war die Zeit der unaufh\u00f6rlichen Wahlsiege der FP\u00d6 und der starken Spr\u00fcche von J\u00f6rg Haider bez\u00fcglich einer ordentlichen Besch\u00e4ftigungspolitik oder der Inseratkampagne &#8220;Wollen Sie Peymann, Turrini, Jelinek oder Kunst und Kultur?&#8221;<br \/>\nEtwas sp\u00e4ter sind dann die Bombenattentate und die Briefbomben gekommen, die B\u00fcrgermeister Zilk einige Finger kosteten.<br \/>\nWenn wir das nicht mehr tun, werden wir durch &#8220;Hansi V., Inl\u00e4nderfreund&#8221;, dem ersten Text daran erinnert und das ist Mundl in Rohkultur und zeigt auch sch\u00f6n, wie es mit dem Anspruch, da\u00df Literatur alles \u00fcberh\u00f6hen, also noch ein bi\u00dfchen brutaler, derber, kr\u00e4ftiger sein mu\u00df, geht und wohin das eventuell f\u00fchren kann.<br \/>\nNun glaube ich zwar nicht, da\u00df die Ausl\u00e4nderfeinde so viele B\u00fccher aus dem Aarachneverlag lesen, den &#8220;Kaiserm\u00fchlen Blues&#8221; aber sehen sie und f\u00fchlen sich von den starken T\u00f6nen vielleicht angesprochen und dann passiert es, wie mir am letzten Weltspartag, da\u00df ich auf die Bank gehe, mich anstelle, vor mir steht ein \u00e4lterer Mann, dann kommt seine Frau dazu, ich dachte schon, dr\u00e4ngt sich die jetzt vor, aber nein, sie geh\u00f6rte zu ihm, nur war dann noch eine Frau mit Kopftuch da und schon kam die Bemerkung &#8220;Hinten anstellen!&#8221;, was ja noch in Ordnung ist, aber die, da\u00df Kopftuchtr\u00e4gerinnen gef\u00e4hrlich seien, war es schon nicht mehr, denn eine Kopftuch ist ein St\u00fcck Stoff, ein St\u00fcck Stoff&#8230; und sonst nichts oder was?<br \/>\nAber zur\u00fcck ins Jahr 1993 oder noch davor und da gibt es den Hans Vrba, das ist so ein Mundl Typ, arbeitslos und will gar nicht hackeln, denn die Ausl\u00e4nder sollen die Drecksarbeit selber machen, so bezahlt er auch keine Steuer, sitzt am Fenster trinkt Bier und schimpft \u00fcber Gott und die Welt, als w\u00fcrde er dem Herrn Karl Konkurrenz machen wollen.<br \/>\nWir bekommen gleich Geschichtsunterricht, Zilk ist B\u00fcrgermeister, Vranitzky wahrscheinlich Bundeskanzler, Peter Pilz war auch schon da und die Hoffnung liegt auf einen gewissen Herr mit H. oder wahrscheinlich auf beiden und so wird ordentlich auf die Tschuschn und das andere Gesindel geschimpft. Seine Frau die Hermi stimmt ihm manchmal zu, will aber lieber auf den Christkindlmarkt gehen, richtig, das habe ich jetzt fast vergessen, die Geschichte spielt vor Weihnachten, ist also heuer das erste Weihnachtsbuch, das ich lese und \u00fcber den Konsumwahn wird auch einige Male geschimpft. Am Christkindlmarkt gibt eine W\u00fcrstlbude und die geh\u00f6rt einer guten Freundin der zwei, einer Manuela Rendulic und da wurde vorhin eine Ha\u00dfe von einem Kind, einem Tschuschnbankert oder Zigo gestohlen und so eine dumme Gr\u00fcne, hat sich noch eingemischt und sie bezahlt. Der Hansi tut das aber nicht, der l\u00e4\u00dft seine W\u00fcrstln und seine Biere anschreiben und vorher wollte noch ein Tiroler in die Filigradergasse, kam durch den Weihnachtsstre\u00df fast nicht \u00fcber die Mariahilferstra\u00dfe und als er dort war, schlagen gerade ein paar Skinheads ein paar Tschuschn oder T\u00fcrkn zusammen und der Taxler weigert sich die Polizei zu rufen, daf\u00fcr steigt dann der Herr Doktor in das Taxi ein, das ist offenbar ein F-Reporter, immer dicht am Geschehen und l\u00e4\u00dft sich zur Rendnulic fahren, dort tauchen auch die Skins auf, bzw. bezahlt er ihnen ein Bier und als die einen t\u00fcrkischen Weihnachtsmann zusammenschlagen und die Polizei erscheint, fotografiert er, so da\u00df die die Skins dann nur mehr in der Wachstube, wenn sie allein sind, zusammenschlagen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs kommt aber noch viel besser. Hansi und seine Hermi werden in der Nacht aufgeweckt, es ist die Manuela Rendulic, denn der ihr W\u00fcrstlstand wurde inzwischen auch verw\u00fcstet. Aber nicht von den Ausl\u00e4ndern, wie Hansi glaubte, sondern von den Skins, warum tun die das, weil ja &#8220;Rendulic&#8221; droben steht, selber schuld, wennst so hei\u00dft, auch wennst ein echter Inl\u00e4nder bist, weil es in der Monarchie ja noch keine Ausl\u00e4nder gab!<br \/>\nAnmerkung am Rande, Vrba ist ein tschechischer Name, der Hausarzt meines Vaters, der, wie ich, auch einen solchen hat, obwohl ihn die meisten meinen f\u00fcr slowenisch halten, hat so gehei\u00dfen und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\">heute<\/a> wird im Schlo\u00dfquadrat die 5 er Edition mit Texten aller Margaretner Autoren vorgestellt, wo es auch einen von Ernst Hinterberger gibt, der ja in einem Margaretner Gemeindebau gewohnt hat, der von seiner Witwe Karla gelesen werden wird.<br \/>\nIm zweiten Teil geht auf Reisen mit Ernst und Gerti oder Grete Hinterberger, seiner ersten Ehefrau, mit der ich ihn \u00f6fter bei Veranstaltungen, wie beispiesweise dem Volksstimmefest gesehen habe und es beginnt, den politischen Anspr\u00fcchen des Autors entsprechend mit einem Besuch des KZs Mauthausen. Dann geht es weiter in die DDR, wo die Hinterbergers sich auf die Spuren des Bildhauers Barlachs hefteten und dann in Prag mit einem Engl\u00e4nder die Schlachtfelder von K\u00f6nigsggr\u00e4tz besuchte, hier kommt es fast zum Streit der handelnden Parteien, bis sich ein Sachse einmischt und  &#8220;Schei\u00df drauf Mann! La\u00df uns noch ein Bier trinken. Was ist denn schon ein Sieg?&#8221;, sagt.<br \/>\nDas Buch l\u00e4\u00dft ahnen, da\u00df der echte Wiener Hinterberger viel auf Reisen gegangen und sich so seine Gedanken, \u00fcber Gott und die Welt machte und von der allegemeinen Konsumierflut auch nicht viel gehalten hat. Daf\u00fcr beschreibt er sehr poetisch, die Regenstimmungen und das schlechte Wetter, das ihn auf seinen Reisen traf und mit dem &#8220;furzenden Pferd&#8221; das dem Buch den Titel gibt, ist er in Irland an einem Regentag gefahren und wurde dabei von den anderen schnelleren Kutschen \u00fcberholt.<br \/>\nDublin und den Ulysses hat er nat\u00fcrlich auch besucht, den Leopold Bloom aber nicht mehr gefunden und in Holland kam die Entt\u00e4uschung, als er die menschenleere Stadt Goes besuchte, die ihn an Kafkas Visionen erinnerte. Dann gehts nach Skandinavien und er findet Kopenhagen eine sch\u00f6ne Stadt, obwohl ihn das Tivoli nicht gef\u00e4llt, besucht in Norwegen die Fjorde und den &#8220;Toten vom Moor&#8221;, dessen Sterben etwa in der Zeit von Christi Geburt passiert sein mu\u00df und nimmt im Aoastatal an einem Weintraubenfest teil, wo er mitten unter den Einheimischen sitzt und es keine Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten gibt.<br \/>\nDer Mont Ventoux erinnert ihn an seine Zeit, wo er aktiver Radrennfahrer war, aber auch Petrarca den Berg bestieg und Van Gogh, der ungl\u00fcckliche Maler, der erst ber\u00fchmt wurde, als er von seinem Ruhm nichts mehr hatte, hat einige Jahre in der Provence gelebt. Die Hinterberger besuchen das Hospital in dem der Ungl\u00fcckliche einige Jahre interniert war und finden nur eine kleine B\u00fcste, die an ihn erinnern, seine Bilder h\u00e4ngen aber nicht im Museum von Arles.<br \/>\nUnd im Elsa\u00df lernen die Hinterberger einen Franzosen kennen, der in der Zeit der Besatzung einer von den &#8220;Vier im Jeep&#8221; gewesen ist.<br \/>\nVon Marseille ist Hinterberger wieder entt\u00e4uscht und findet die Stadt seiner Vorstellungen nicht, in Venedig besuchen sie das Guggenheimmuseum und eine Synagoge und in einer Art Nachwort macht sich Hinterberger Gedanken, um eine lebenswert Welt und w\u00fcnscht sich ein Leben mit &#8220;humaner Vernuft&#8221;, ist aber ein bi\u00dfchen skeptisch, ob die Menschen das zusammenbringen.<br \/>\nDann gibts noch eine Biografie, die bis ins Jahr 1991 reicht, also Ernst Hinterberger wurde 1931 in einen Arbeiterhaushalt geboren, war Hilfsarbeiter, machte die Polizeischule, war wegen schlechter Augen f\u00fcr den Polizeidienst aber untauglich, so wurde er B\u00fcchereileiter der Volkshochschulen, solange es solche dort noch gab, schrieb einige sozialkritische Romane, bevor er mit seinen &#8220;Mundl&#8221;, dem &#8220;Kaiserm\u00fchlen Blues&#8221; und seinen Tatortkrimis ber\u00fchmt wurde.<br \/>\nEinige Kriminalromane gibt es von ihm auch. Er war praktizierender Buddhist und ist, wie schon erw\u00e4hnt 2012 gestorben und hat, wie ich Wikipedia entnehme am Zentralfriedhof ein Ehrengrab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Von furzenden Pferden, Ausland und Inl\u00e4ndern&#8221; ist ein kleines bei Aarachne 1993 erschienenes B\u00fcchlein, des am 14. 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