{"id":17743,"date":"2012-11-13T00:54:23","date_gmt":"2012-11-12T23:54:23","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17743"},"modified":"2012-11-13T00:54:23","modified_gmt":"2012-11-12T23:54:23","slug":"privatroman-und-abschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17743","title":{"rendered":"Privatroman und Abschiednehmen"},"content":{"rendered":"<p>Wieder einmal Doppelpack in der Alten Schmiede.<br \/>\nDa gabs zuerst eine &#8220;literarische Erleuchtung&#8221; mit Herbert J. Wimmer, der Elfriede Jelineks zwischen 2007 und 2008 entstandener Privatroman &#8220;Neid&#8221;, der nur auf dem Netz zug\u00e4nglich ist, beziehungsweise gibt es jetzt eine H\u00f6rbuchfassung, die man sich auf der Jelinekseite herunterladen kann, vorstellte und das ist sehr interessant, habe ich mir das neunhundert Seiten Werk ja 2008 noch ausgedruckt in ein paar Mappen getan, gelesen, auch ein bi\u00dfchen dar\u00fcber<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/07\/28\/elfriede-jelinek\/\"> gebloggt<\/a> und in den letzten Wochen zwei Netzb\u00fccher besprochen, wovon das eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/09\/klick-mich\/\">&#8220;Klick mich&#8221;<\/a>, das ja gar nicht ist, sondern nur das Leben einer Internetaffinen jungen Frau beschreibt, das andere <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/15\/incommunicado\/?preview=true\">&#8220;Incommunicado&#8221;<\/a>, erscheint im Netz, weil der Autor keinen Verlag gefunden hat und als Elfriede Jelinek sehr fr\u00fch ihr Netztexperiment startete, hat es das alles noch nicht gegeben und sich das Internet  sehr rasant weiterentwickelt. Inzwischen gibt es E-Books, Selfpublischer, aber immer noch sehr viele Vorurteile, habe ich da ja vor kurzem eine Blogumfrage gelesen, ob die Blogger Selbstgemachtes besprechen w\u00fcrden? Sie tun es nicht und Elfriede Jelinek hat 2008 ihren Lesern eine Anleitung zum Lesen von &#8220;Neid&#8221; gegeben, wie &#8220;Nur nicht ausdrucken oder machen Sie damit was Sie wollen!&#8221; und hat von der Fl\u00fcchtigkeit eines Leberk\u00e4sesemmerls gesprochen, w\u00e4hrend sich die Leser beklagten, da\u00df sie die ausgedruckten Seiten nicht am Balkon lesen konnten.<br \/>\n&#8220;Neid&#8221; also in der Alten Schmiede und Herbert J. Wimmer projezierte die Jelinek Homepage auf die Wand, erz\u00e4hlte was zum Projekt, las ein Kapitel vor, in dem es um eine Klavierlehrerin namens Brigitte und das Sterben der Stadt Eisenerz, aber auch um sehr viele politische Anspielungen geht. Dann folgte die schon beschriebene Gebrauchsanweisung, eine H\u00f6rbuchprobe und ein St\u00fcck, wo sich das Thema &#8220;Neid&#8221;, auf den Preis und die, die der Autorin darum neidig sein k\u00f6nnten,beziehen.<br \/>\nEin interessantes Projekt, vor allem wenn man es in  Beziehung mit der Internetentwicklung setzt. Elfriede Jelinek war ja so etwas wie eine Netzpionierin, inzwischen bin ich nur mehr selten auf ihrer Seite und so war es ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit. Kurt Neumann deutete auch so etwas an, wie, da\u00df der Text im Netz nicht sehr viel Aufmerksamkeit gefunden h\u00e4tte, wo ich mir aber gar nicht einmal so sicher bin, gibt es ja das Jelinetz der Jelinek Forschungsgesellschaft.<br \/>\nDann gabs eine Pause, wo ich ein bi\u00dfchen herumspazierte und haupts\u00e4chlich die Auslagen der umliegenden Buchhandlungen studierte und dann stellte Reinhard Kaiser M\u00fchlecker Wolfgang Hermann vor und Reinhard Kaiser M\u00fchlecker ist ja so etwas wie ein Senkrechtstarter.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/01\/wiedersehen-in-fiumcino\/\">&#8220;Wiedersehen in Fiumcino&#8221;<\/a> habe ich gelesen, den Erstling &#8220;Der lange Gang durch die Stationen&#8221; habe ich noch auf meiner Leseliste und Wolfgang Hermanns literarisches Werk verfolge <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/19\/drei-bucher\/\">ich<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/17\/zwanzig-jahre-rund-um-die-burg\/\">auch<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/28\/alte-schmiede-und-mehr\/\">sehr<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/08\/lese-auslese-statt-angriff-auf-die-freiheit\/\">intensiv<\/a>, seit der den Siemens Literaturpreis mit einer Vorform des Herrn Faustini gewonnen hat.<br \/>\nReinhard Kaiser M\u00fchleckers Einleitung bestand aus einem literarischen Text, in dem er das Haus im vierten Bezirk schilderte, in dem er einmal wohnte, den Freund, der ihm mit einem Doppelliter Wein besuchte und Wolfgang Hermanns &#8220;Fliehende Landschaften&#8221;, das er sich aus der st\u00e4dtischen B\u00fccherei besorgte und dann dieses und andere Hermann B\u00fccher immer wieder las.<br \/>\n&#8220;Abschied ohne Ende&#8221; ist das letzte und es ist literarisch schwer einzuordnen, leitete Kurt Neumann ein. Eine Mischung zwischen Protokoll und Erz\u00e4hlung, ein Mann entdeckt seinen sechszehnj\u00e4hrigen Sohn tot im Bett und Wolfgang Hermann n\u00e4herte sich dem Thema behutsam an, spricht von grauen schweren Novembertagen, schildert dann die Katastrophe, durchwandert einige Krisen und einen Spitalsaufenthalt bevor er durch Begegnungen mit den Freundinnen Fabius, wieder in das Leben zur\u00fcckfindet.<br \/>\nSo wetwas ist wahrscheinlich schwer ohne Pathos zu erz\u00e4hlen und es ist Wolfgang Hermann, glaube ich, auch nicht gelungen und inzwischen stolpere ich ja schon selber \u00fcber S\u00e4tze, wo einer sich ein Handy kauft, um es in den Spaziergang in den Wald mitzunehmen, um die Rettung anrufen zu k\u00f6nnen, wenn er gestorben ist.<br \/>\nKann man so schreiben? Nat\u00fcrlich kann man und die Trauer und der Schmerz ist auch pathetisch und bei den Fragen, die Reinhard Kaiser M\u00fchlecker anschlie\u00dfend stellte, war nicht die, wie weit das autobiographisch ist? Wolfgang Hermann hat sie aber beantwortet. Autobiographisch nicht, dennoch zehn Jahre gebraucht, bis der dar\u00fcber schreiben konnte, er meinte auch, da\u00df ihm sein Philosophiestudium das Erz\u00e4hlen zerst\u00f6rt hat, vorher konnte er es, nachher war es minimalistisch. \u00dcber den Verlust und die Trauer wollte er schon 1999 schreiben, konnte es nicht und hat daher den &#8220;Herrn Faustini&#8221; geschaffen, so da\u00df er \u00fcber den Humor wieder in das Schreiben zur\u00fcckfand.<br \/>\nBei der Diskussion wurde Wolfgang Hermann sehr gelobt und sein Buch als gro\u00dfe Kunst bezeichnet, vorher hat Wolfgang Hermann noch von den vielen amerikanischen B\u00fccher erz\u00e4hlt, wo Schriftsteller \u00fcber den Verlust ihrer Kinder, Frauen, etc schreiben, da gibt es sehr viel, er hat es aber nur auf seine Weise schreiben k\u00f6nnen.<br \/>\nErich Hackl war im Publikum und Evelyn Holloway und Wolfgang dankte am Beginn allen, die zu der Pr\u00e4sentation seines schweren Buches gekommen seien, w\u00e4hrend Herbert J.  Wimmer zwei Stunden vorher das Publikum von Elfriede Jelinek gr\u00fc\u00dfen lie\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal Doppelpack in der Alten Schmiede. Da gabs zuerst eine &#8220;literarische Erleuchtung&#8221; mit Herbert J. 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