{"id":17722,"date":"2012-11-11T22:22:32","date_gmt":"2012-11-11T21:22:32","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17722"},"modified":"2012-11-11T22:22:32","modified_gmt":"2012-11-11T21:22:32","slug":"mare-nostrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17722","title":{"rendered":"Mare Nostrum?"},"content":{"rendered":"<p>Da\u00df sich die heurige Literatur im Herbst  mit dem Mittelmeer besch\u00e4ftigt, war schon am Freitag in \u00d61 zu erfahren, war da ja Walter Famler mit dem Fotografen Andreas Fischer bei &#8220;Von Tag zu Tag&#8221; und diskutierte \u00fcber das &#8220;Mare Nostrum&#8221;, die Er\u00f6ffnung habe ich zwar durch mein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/10\/geburtstagslesung\/\">Geburtstagsfest<\/a> vers\u00e4umt, konnte aber im Morgenmjournal ein bi\u00dfchen was dar\u00fcber h\u00f6ren und dann gings zum Werkstattgespr\u00e4ch in die Alte Schmiede &#8220;Wem geh\u00f6rt das Mittelmeer&#8221; mit Andreas Fischer, Jurica Paviciv aus Kroatien und Kaouther Tabal aus Tunesien, die seit 1983 in Deutschland lebt.<br \/>\nJurica Pavicic hatte f\u00fcr das Symposium  einen Essay &#8220;Das Mittelmeer: Zimmer ohne Aussicht&#8221; geschrieben, mit dem  die Diskussion begann, die von dem Fotografen Andreas Fischer wieder sehr politisch und engagiert gef\u00fchrt wurde und bald in der Frage f\u00fchrte, ob Split oder Dubrovnic tote St\u00e4dte seien, am Meer die Kreuzschiffe, in der Altstadt die Gucci-Filialen und acht Monate ist die Stadt leer und ob man sie nicht \u00fcberhaupt zu Museen machen soll, was heftigen Protest erregte und Walter Famler erz\u00e4hlte, da\u00df das Haus, in dem die Alte Schmiede ist, der st\u00e4dtischen Versicherung geh\u00f6rt und es da auch hei\u00dfe Grabenk\u00e4mpfe mit den Politikern g\u00e4be, mit denen er einmal im selben Studentenheim wohnte und die Diskussion hatte sich weit vom Mittelmeer entfernt.<br \/>\nEs gab aber noch eine Fotoausstellung und ich entfernte mich in die mediteranen Gefilde des Naschmarkts ins Fischrestaurant Umar, um mich dort mit Alfred, der Anna und dem Andi zum Geburtstagsmittagessen zu treffen, Calamari und Panna Cotta, bis es um vier ins Odeon ging, wo es mit einem Italiener weiterging, denn das Mittelmeer ist ja ein weites Thema, das h\u00fcben und dr\u00fcben eine Reihe von L\u00e4ndern, mit vielen Problemen und Revolutionen umspannt.<br \/>\nEin bi\u00dfchen konnte man sich das auch im Odeontheater mittels einer Diabildershow ansehen und der 1971 bei Turin geborene Davide Longo hat einen interessantes Roman geschrieben &#8220;Der aufrechte Mann&#8221;, wo ein Universit\u00e4tsprofessor in Schwierigkeiten wegen einer Affaire mit einer Studentin kommt, er zieht sich zur\u00fcck, wird von seiner Frau verlassen, dann eskaliert aber das ganze System, es gibt kein Geld, keinen Strom, nichts zu essen und Jugendbanden, alle versuchen in die Schweiz zu fl\u00fcchten und \u00fcber Thomas Bernhard wird auch noch diskutiert.<br \/>\nDann ging es in den Libanon, n\u00e4mlich zu Abbas Beydoun, der mit &#8220;Bilderbuch des Verlustes&#8221; eine Art Autobiografie schrieb und eine sehr deutlich akzentuierte Aussprache hatte.<br \/>\nNach der Pause stellte Hartmuth F\u00e4hndrich, der auch das Beydoun Kapitel, das noch nicht auf Deutsch erschienen ist, \u00fcbersetzt hat, Ibrahim Adbd al-Magid aus \u00c4gypten vor, der sich in einer Trilogie mit dem &#8220;Weltkrieg in Alexandria&#8221; besch\u00e4ftige und Ibrahim al Koni, der mit &#8220;Das Herrscherkleid&#8221; einen der politischsten Romane, um die Macht geschrieben hat, wie der Moderator betonte.<br \/>\nDann gabs wieder eine Pause und danach eine Diskussion zum Thema &#8220;Zukunft des S\u00fcdens? Das Mittelmeer als Krisenzone und Hoffnungsraum mit Mathias Enard aus Frankreich, der jetzt in Barcelona lebt, der Islamwissenschaftlerin  Lamya Kaddor, die in Deutschland lebt und die Tochter syrischer Einwanderer ist, Eyal Megged aus Jerusalem, den in der Schweiz lebenden Perikles  Monioudis, griechischer Herkunft und dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/17\/buchmessen-surfing\/\">Frankfurter Friedenpreistr\u00e4ger von 2011  Boualem Sansal<\/a>, der am Freitag auch die Er\u00f6ffnungsrede hielt und ganz am Schlu\u00df gabs noch eine Lyrik Lesung mit zwei kroatischen Dichterinnen, die die Hafenst\u00e4dte und das Meer besagen, Abbas Beydoun, der seltsamerweise sein Berliner Tagebuch mit Gedichten an Brecht, Immre Kertez und den Potsdamerplatz vorstellte und einem sehr sprachgewaltigen, mich an Celan erinnernden Gedicht &#8220;Liliths Widerkehr&#8221;  der libanesischen Feministin Joumana Haddad, die nicht pers\u00f6nlich anwesend war.<br \/>\nAm Sonntag gings dann weiter mit zwei Filmen \u00fcber die tunesische sowie zur \u00e4gyptischen Revolution, vor allem der \u00fcber die tunesische &#8220;Hello Democracy Menschen in Zeiten des Umbruchs&#8221; war sehr interessant, die beiden Filmer J\u00f6rg Oschmann und Heikel Ben Bouzid waren da, und erz\u00e4hlten, da\u00df sie im vorigen Jahr in dem die Wahlen waren f\u00fcr ein Monat hingefahren sind und nach Protagonisten suchten, die sie filmen konnten.<br \/>\nEs beginnt mit einem R\u00fcckblick \u00fcber die Diktatur, dann sieht man schon eine junge Wahlhelferin, mit einer Brille, das Zeichen ihrer Partei und einem Rucksack durch die Stra\u00dfen gehen und Wahlzetteln verteilen. Sie erz\u00e4hlt, sie hat Jus studiert und wollte Anw\u00e4ltin werden, was sie aber nicht konnte, weil sie damals ein Kopftuch trug, denn das war damals auf der Uni und den Lehrern verboten. Dann sieht man sie zur Wahl gehen und erlebt ihre Freude, da\u00df sie das jetzt darf. Der zweite Protagonist ist ein Kellner, der nicht w\u00e4hlte, aber erz\u00e4hlte, da\u00df es seine Kinder besser haben und studieren sollen und man sieht seine Frau mit ihren lernen. Ein gewisser Widerspruch tat sich da zu der Samstagsdiskussion auf, denn da erz\u00e4hlte Kaouther Tabai, da\u00df sie Bedenken wegen einer m\u00f6glichen Islamisierung hat und man ihr riet, derzeit nicht allein in Tunis mit dem Taxi zu fahren.<br \/>\nNach dem zweiten Film am Nachmittag gabs eine Pause und als ich  aufs Klo wollte, traf ich Trude Kloiber beim  Foyer, die sich bei meinem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/10\/geburtstagslesung\/\">Geburtstagsfest<\/a> entschuldigt hat und konnte sie dann \u00fcberreden bis zum Schlu\u00df zu bleiben und man kann auch sagen, am Sonntag gabs das beste Programm bzw. die bekanntesten Autoren, n\u00e4mlich um f\u00fcnf die Lesung von Boulaem Sansal, der von Ilya Trojanow moderiert wurde und der  eine Unmenge B\u00fccher am B\u00fcchertisch liegen hatte. Eines davon &#8220;Rue Darwin&#8221; hat er vorgestellt und da geht es um eine algerische Familie, wo die Gro\u00dfmutter ein Bordellimperium oder etwas Derartiges aufgebaut hat und das St\u00fcck das Robert Reinagl las, handelt davon, da\u00df ein Sohn mit der Leiche seiner Mutter, die vorher in einem franz\u00f6sischen Krankenhaus an Krebs gestorben ist, zur\u00fcck nach Algier fliegt.<br \/>\nDann kam eine j\u00fcngere T\u00fcrkin n\u00e4mlich Ash Erdogan, die ihr Buch &#8220;Die Stadt mit der roten Pelerine&#8221; vorstellte, dann wurde noch ein M\u00e4rchen \u00fcber einen Istanbuler Stadtteil gelesen und die Rolle der t\u00fcrkischen Autorinnen der Gegenwart diskutiert.<br \/>\nDann kam eine Pause und dann der in Barcelona lebende  Mathias Enard, den ich schon von der Diskussion kannte, mit seinem Roman &#8220;Zone&#8221; der auch sehr interessant sein d\u00fcrfte. Da f\u00e4hrt ein Mann von Mailand nach Rom und erlebt im Zug offenbar ein Odyssee bzw. die ganze Weltgeschichte, bzw. durchf\u00e4hrt er das ganze Mittelmeer und erlebt dabei Geschichten, wie zum Beispiel, die von Juden, die in der NS Zeit von oder nach Mauthausen und durch die ganze Gegend gekarrt wurden.<br \/>\nInteressant habe ich mir da gedacht, Marianne Gruber d\u00fcrfte mit ihren <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/04\/erinnerungen-eines-narren\/\">&#8220;Erinnerungen eines Narrens&#8221;<\/a>, wenn ich es richtig verstanden habe, etwas \u00c4hnliches gemacht haben und vielleicht k\u00f6nnte ich so einmal die Geschichte von der alten Frau, die alle ihre B\u00fccher auflesen will, schreiben, aber da h\u00e4tte ich wahrscheinlich Schwierigkeiten mit dem Copyright, weil ich da ja viel zitieren m\u00fc\u00dfte.<br \/>\nEs ging dann gleich weiter mit den alten Frauen, bzw. mit Zeruya Shalevs neuen Roman &#8220;F\u00fcr den Rest des Lebens&#8221;, die ich, glaube ich heuer schon in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/18\/zuruck-aus-leipzig\/\">Leizpig<\/a> sah und die ja sehr bekannt ist. Ich habe bei einem Geburtstagsfest einmal ein Buch von ihr bekommen und eines wenn ich mich nicht irre, einmal im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">B\u00fccherschrank<\/a> gefunden.<br \/>\nSie machte einen sehr sympathischen und offenen Eindruck und erz\u00e4hlte, da\u00df es in ihrem Roman um eine sterbende alte Frau geht, die ihr Leben, die Geschichte Israels, das Aufwachsen im Kibbuz und die Schwierigkeiten mit ihren Kinder dabei reflektiert. Alles mir sehr bekannte Themen, schreibe ich ja auch sehr oft \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_paulanebel.html\">sterbende<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">alte Frauen<\/a> und interessant auch die Frage Walter Famlers &#8220;Warum?&#8221; und die Antwort der Autorin, wahrscheinlich weil ich auch \u00e4lter werde und mich daher vorbereite und das ist wahrscheinlich auch die Antwort, die ich geben sollte, wenn mich meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/26\/jurysitzung-und-nanowrimoplane\/#comments\">Leser fragen, warum ich das soviel tue<\/a>.<br \/>\nWalter Famler h\u00e4tte \u00fcbrigens auch mich zu der Veranstaltung einladen k\u00f6nnen, lernt in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_wiedergeborene.html\">&#8220;Wiedergeborenen&#8221;<\/a> doch Theresa Brunner zu Beginn einen koptischen Christen aus \u00c4gypten auf einer Demo kennen und einen Ari aus Jerusalem, der im Wiener Literaturhaus die Biografie \u00fcber seine Mutter vorstellt, gibt es auch.<br \/>\nNachher bin ich mit der Trude nach Hause gegangen und habe mit ihr \u00fcber Literatur geplaudert und jetzt werde ich kurz nach Basel gehen und schauen, ob es schon Nachrichten von der Schweizer Buchpreisfront gibt und kann gleich bloggen, da\u00df den Peter von Matt mit seinem Essayband &#8220;Das Kalb vor der Gotthardpost&#8221; gewonnen hat, den ich am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/06\/schweizer-buchpreislesung-und-funfter-nanowrimotag\/\">Montag<\/a> ja nicht h\u00f6rte.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da\u00df sich die heurige Literatur im Herbst mit dem Mittelmeer besch\u00e4ftigt, war schon am Freitag in \u00d61 zu erfahren, war da ja Walter Famler mit dem Fotografen Andreas Fischer bei &#8220;Von Tag zu Tag&#8221; und diskutierte \u00fcber das &#8220;Mare Nostrum&#8221;, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17722\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-17722","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17722","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17722"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17722\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17722"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17722"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17722"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}