{"id":17670,"date":"2012-11-12T00:54:55","date_gmt":"2012-11-11T23:54:55","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17670"},"modified":"2012-11-12T00:54:55","modified_gmt":"2012-11-11T23:54:55","slug":"reisen-mit-franz-grillparzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17670","title":{"rendered":"Reisen mit Franz Grillparzer"},"content":{"rendered":"<p>So hei\u00dft das neue Buch meiner Freundin Ruth Asp\u00f6ck, bei L\u00f6cker erschienen, das sie nach ihrem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/09\/nichts-als-eine-langweilige-blindschleiche\/\">Tagebuchprojekt<\/a> begonnen hat und deshalb zum Teil mit Robert Eglhofer auf den Spuren Franz Grillparzers durch halb Europa reiste.<br \/>\nEine sehr interessante Vorstellung seine Pension zu genie\u00dfen und auch eine tolle Idee, einem vor zweihundert Jahren lebenden Hofdichters und K. und K. Beamten nachzureisen, den ich wahrscheinlich durch die Klischees meiner Schulbildung, als sehr verkn\u00f6chert, grantig und verbittert, im Ged\u00e4chtnis habe und mich auch erinnern kann, als ich w\u00e4hrend meiner Hauptschulzeit, was ich ja nur sehr kurz machte, die st\u00e4dtische B\u00fcchereifiliale am Kalvarienbergplatz aufsuchte, da\u00df mir die meiner Erinnerung nach ebenfalls sehr verkn\u00f6cherte Bibliothekarin erkl\u00e4rte, da\u00df man einer Zw\u00f6lf- oder Dreizehnj\u00e4hrigen nur einen Krimi pro Woche gestatten w\u00fcrde, so landete eine etwas verstaubte Grillparzer Werkausgabe bei mir, die ich ein wenig angelesen habe und wahrscheinlich ebenso verstaubt wieder retournierte und als mich Ruth Asp\u00f6ck 2002 zu ihrem <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/poesie_und_brotberuf.html\">&#8220;Poesie und Brotberuf&#8221;-Projekt<\/a> eingeladen hat, habe ich den Direktor des K-u.K Hofkammerarchivs als Beispiel daf\u00fcr angegeben, wie sich beides verbinden l\u00e4\u00dft und dann gibt es noch das Klischee vom ewigen Junggesellen, der Kathi Fr\u00f6hlich, den vielen faden Dramen und dem Josef Meinrad, der die Ballade an \u00d6sterreich aus dem &#8220;K\u00f6nig Ottokar&#8221; aufsagt.<br \/>\nViel mehr, ich gebe es zu und die Grillparzer Experten m\u00f6gen es mir verzeihen, wei\u00df ich zu dem \u00f6sterreichichen Hof- und Staatsdichter nicht, gehe ich ja eher selten in Theater und bin das auch als Studentin nicht oder doch, jetzt f\u00e4llts mir ein &#8220;Weh dem der l\u00fcgt&#8221;, bzw. die Rolle des K\u00fcchenjungen Leon, das wir in der Stra\u00dfergasse bei der Frau Professor Friedl, die ja meine Liebe zur Literatur nicht weckte, wohl aber verst\u00e4rkte, gelesen haben, hat mich fasziniert und das spielte es damals im Burgtheater und ich hatte auch ein Theater der Jugend Abo, aber nur Karten f\u00fcr &#8220;Egmont&#8221;, was ich sehr bedauerte.<br \/>\nReisen mit Franz Grillparzer also, von dem ich vor Ruth Asp\u00f6ck keine Ahnung hatte, da\u00df er viel herumreiste, was im neunzehnten Jahrhundert ja viel beschwerlicher war, als heute, wo es noch die Postkutsche gab, aber auch viel elit\u00e4rer, denn das war der Oberschicht vorbehalten und die adeligen und anderen Familien reichten sich offenbar auch weiter und sprachen Empfehlungen aus.<br \/>\nWie Ruth Asp\u00f6ck auf den Grillparzer gekommen ist, wei\u00df ich nicht und k\u00f6nnte sie es fragen, sie hat aber Theaterwissenschaft studiert und ist 2007 mit ihrem Verlag &#8220;Die Donau hinunter&#8221; in Pension gegangen, was sie mit einer Dichterradkarawane die Donau hinauf von Wien nach Bamberg feierte, wo es jeden Tag an einem anderen Ort eine Lesung eines ihrer Verlagsautoren gab und wir ein St\u00fcck mitgefahren sind. Man sieht die Ruth hat immer originelle Ideen, damals arbeitete sie gerade an ihrem Tagebuchprojekt und dann ist sie mit Brigitte Schramm in die andere Richtung auf eine Schiffsreise gegangen und da schon dem Herrn K und K Hofdichter nachgefahren, weil der im Alter, ich glaube, da war er f\u00fcnfzig, das ebenso machte. Es gibt ja ein St\u00fcck von Erwin Riess &#8220;Herr Grillparzer fasst sich ein Herz und f\u00e4hrt mit einem Donaudampfer ans schwarze Meer&#8221;, auf das ich sie, als sie mir von ihrem Projekt erz\u00e4hlte, aufmerksam machte, damals wu\u00dfte ich noch nicht, wie umfangreich das war und wieviel der Herr Grillparzer durch die Welt gefahren ist. Sp\u00e4ter habe ich dann mitbekommen, da\u00df die Ruth \u00fcber Silvester in Instanbul war, einmal sagte sie mir in der Alten Schmiede, sie k\u00e4me gerade aus Stuttgart und da waren ja gerade diese Bahnhofsproteste und bei ihrer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/02\/reisen-auf-eigene-faust\/\">Lesung in Krems <\/a>vor einem Jahr waren auch schon einige ihrer Grillparzertexte zu h\u00f6ren.<br \/>\nJetzt ist das Buch also erschienen und ich kann es allen nur empfehlen, denn es ist wirklich eine spannende Idee durch Europa zu fahren, zu erz\u00e4hlen, was da los ist, was frau gegessen hat und zwischendurch immer wieder die Tageb\u00fccher und die Autobiografie des Meisters zu erw\u00e4hnen und ihm auch bei seinen geistigen H\u00f6henfl\u00fcgen und kleinen Schwindeleien vielleicht auf die Schliche zu kommen.<br \/>\nChronologisch, liebe Eva, sonst kennt man sich nicht aus. Es beginnt also die Donau hinunter von Wien ans schwarze Meer und geht dann nach Italien, da war Grillparzer, als er diese Reise machte, viel j\u00fcnger, ein lebenslustiger junger Dichter, der weil er offenbar nicht soviel Geld hatte, sich einigen Aristokraten anschlo\u00df und bei ihnen Sekret\u00e4r und sogar Krankenpflegerdienste \u00fcbernahm.<br \/>\nRuth Asp\u00f6ck hat bei ihren Reisen meist in \u00f6sterreichischen Kulturinstituten \u00fcbernachtet oder wie beispielsweise in Paliano in der dortigen \u00f6sterreichischen Schriftstellerwohnung ein einmonatiges Stipendium gehabt, das war im Juli 2010, im August war Cornelia Travnicek dort.<br \/>\nGrillparzer ist aber auch nach Rom gefahren, nach Neapel und Venedig, in Venedig schreibt er von Theaterbesuchen und erw\u00e4hnt den Namen eines solchen und die Detektivin Ruth weist ihm nach, da\u00df er gar nicht dort gewesen sein kann, weil es dieses Theater nicht mehr gab.<br \/>\nGrillparzer hat auch den Vesuv besichtigt und Robert Eglhofer, Ruths Begleiter, der dem Buch zwei Kapitel beigesteuert hat, schreibt in einem, von einer engagierten Autorin, die ihn als Reisemarschall mi\u00dfbrauchte und ihn auf den Vesuv schleppte.<br \/>\nDann gehts nach Istanbul, Ruth und Robert, glaube ich, waren um den Jahreswechsel dort. Istanbul war gerade Kulturhauptstadt und Grillparzer schreibt, die Ruth war gar nicht der erste \u00d6sterreicher, der Konstantinopel bereiste, Hammer Purgstall war schon fr\u00fcher dort und unser Dichter ist wiedermal zu sp\u00e4t gekommen.<br \/>\nIn dem Buch sind auch einige Grillparzer Gedichte und einige Zitate eingef\u00fcgt und nach Istanbul gings nach Weimar, auch eine Kulturhauptstadt und dort gibts ein Goethe Haus, das heute ein Museum ist, der \u00f6sterreichische Dichterf\u00fcrst hat nat\u00fcrlich den deutschen besucht und im Hotel Elephant gewohnt, das gibt es noch, schreibt Ruth Asp\u00f6ck, ist aber trotzdem ein anderes, den Adolf Hiltler hat das alte abrei\u00dfen und sich ein neues Protzigeres bauen lassen, was ein Grund war, wie sie schreibt, dort nicht Mittag zu essen, was aber ohnehin nicht gegangen w\u00e4re, weil zu teuer und das Restaurant nur den Hotelg\u00e4sten vorbehalten.<br \/>\nDann fuhr Grillparzer nach London, der vorher in Paris war, wo er, der nicht gut Englisch sprach, sich ein bi\u00dfchen auf die Sprache vorbereitete und zu Metternichs Zeiten mu\u00dfte man offenbar auch \u00fcberall aufpassen, nicht irgendwelchen Spitzeln in die H\u00e4nde zu fallen und von ihnen ausgehorcht zu werden. Die Ruth hatte in London wieder ihren Reisemarschall und pensionierten Englischlehrer mit, der die Stadt wie seine Westentasche kennt und sie daher Grillparzer nachf\u00fchren konnte und interessant war auch, da\u00df man, wenn man den Damen in den Kulturinstituten den Namen Grillparzer nannte, oftmals &#8220;Grill wer?&#8221; zur Antwort bekam.<br \/>\nGrillparzer mu\u00df aber ein sehr politisch interessierter Mensch gewesen sein, hat er doch fast \u00fcberall Parlamentssitzungen besucht und er ist auch viel ins Theater gegangen und hat sich mit den deutschsprachigen Intellektuellen und Dichtern, die dort lebten, getroffen. In Paris war das Heinrich Heine, in Stuttgart, wo es auch hinging Ludwig Uhland.<br \/>\nGrillparzer der ja damals K und K Beamter war, mu\u00dfte, wie Ruth weiterschreibt, um seine Reisen zu erm\u00f6glichen, um Urlaub betteln, was oft schwer genug war. Die Ruth hat ihre Reisen in der Pension gemacht und auch eine besondere Beziehung zu Stuttgart, weil dort ihre Schwester lebt.<br \/>\nAm Schlu\u00df gibts noch ein besonderes Kapitel, n\u00e4mlich Grillparzer und das Essen, was hat der auf seinen Reisen zu sich genommen? Kurt Palm hat das ja einmal bei Mozart versucht und in den Grillparzerschen Tageb\u00fcchern scheint es die diesbez\u00fcglichen Hinweise gegeben zu haben, also &#8220;Kalbsbraten in Ferrara, der mit Rosmarien gespickt war und in Rovigo zum Fr\u00fchst\u00fcck eine in \u00d6l gebackenene Frittata,&#8221;, was dem Dichter offenbar beides nicht schmeckte.<br \/>\nIn Konstantinopel wird viel Kaffee serviert, der grantige Hofbeamte schw\u00e4rmt aber von seinem Wiener Kaffee und das Fleisch im Orient taugte offenbar ebenfalls nichts.<br \/>\nInteressant, interessant und so sind wir mit Grillparzer und Ruth Asp\u00f6ck durch Europa und mir ist der alte Herr ein bi\u00dfchen n\u00e4her gekommen, da\u00df ich jetzt gleich ins Burgtheater gehe, glaube ich nicht und wahrscheinlich g\u00e4be es ihn dort auch nicht zu sehen, aber, als ich unl\u00e4ngst bei den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">B\u00fccherk\u00e4sten<\/a> war, ist mir eine Grillparzerbiografie &#8220;Sein Leben ein Traum&#8221; von Friedrich Schreyvogel in die H\u00e4nde gefallen, eine alte und, da\u00df Friedrich Schreyvogel ein &#8220;Nazidichter&#8221; war, habe ich auch ergooglet, h\u00f6re die Ruth also aufschreien, da\u00df man immer solche alten Schinken in den K\u00e4sten findet, wei\u00df auch gar nicht, ob und wann ich sie lesen werde, meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">B\u00fccherliste<\/a> ist ja schon sehr voll, aber in Paris hat die Ruth aufgejubelt, als ihr die Beamtin dort erz\u00e4hlte, Grillparzers Reiseagebuch g\u00e4be es auf Franz\u00f6sisch, es wurde im Jahr 1942 von einem Literaturwissenschaftler namens Paul Bastier herausgegeben.<br \/>\nSo weit also Ruth Asp\u00f6cks neues Buch, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/10\/emma-oder-die-muhen-der-architektur\/\">eines ihrer ersten<\/a>, habe ich ja vor kurzem erst gelesen und das, was sie jetzt schreibt, hat sie mir noch nicht verraten.<br \/>\nTagebuchtag war \u00fcbrigens vor kurzem auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So hei\u00dft das neue Buch meiner Freundin Ruth Asp\u00f6ck, bei L\u00f6cker erschienen, das sie nach ihrem Tagebuchprojekt begonnen hat und deshalb zum Teil mit Robert Eglhofer auf den Spuren Franz Grillparzers durch halb Europa reiste. 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