{"id":17497,"date":"2012-11-04T00:32:32","date_gmt":"2012-11-03T23:32:32","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17497"},"modified":"2012-11-04T00:32:32","modified_gmt":"2012-11-03T23:32:32","slug":"die-villen-der-frau-hursch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17497","title":{"rendered":"Die Villen der Frau H\u00fcrsch"},"content":{"rendered":"<p>Bei den 2004 von Alfred Komarek geschriebenen &#8220;Die Villen der Frau H\u00fcrsch&#8221;, einen ein Euro Kauf aus der Wilhelmsburger Flohmarktkiste, h\u00e4tte ich gedacht, da\u00df es um die Arisierung der Villen des Ausseerlands gehen k\u00f6nnte, habe ich mich in dieser Zeit in meiner <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_glueck_in_der_nische.html\">Globalisierungssovelle<\/a> ja mit etwas \u00c4hnlichen besch\u00e4ftigt. Eva Rossmann hat das Thema in &#8220;Freudschen Versprechen&#8221; aufgearbeitet und ich habe die Besprechungen des hochgelobten Buches auch so verstanden.<br \/>\nWeit gefehlt k\u00f6nnte man sagen, der erste K\u00e4fer-Roman, der nach der beliebten Polt-Serie, des, glaube ich, ehemaligen Kurier-Journalisten entstanden ist, scheint etwas anderes zu behandeln.<br \/>\nDas was ist gar nicht so einfach zu eruieren, denn es f\u00e4ngt sehr langsam und bed\u00e4chtig in dem bekannten lockeren Komarekschen Plauderton an.<br \/>\nDaniel K\u00e4fer, ein etwa vierzigj\u00e4hriger Chefredakteur einer Zeitschrift namens IQ wird von seinem Chef wegrationalisiert, bzw. nimmt er die Umstrukturierung des Verlags als Chance, sich neu zu orientieren und f\u00e4hrt mit seinem alten Auto in das Ausseerland, weil er da als Kind mit seinen Eltern und seinem \u00e4lteren Bruder immer Urlaub machte.<br \/>\nEin Medaillon seiner Gro\u00dfmutter, das ihm irgendwie in die H\u00e4nde f\u00e4llt, nimmt er mit und seine Freundin Sabine, eine M\u00fcnchner Fotografin, zu der er eine etwas seltsame Beziehung zu haben scheint, besucht er auch. Dann f\u00e4hrt er los, frischt dabei Erinnerungen auf und fragt im Gasthaus Ech nach einem Quartier, die alte Gro\u00dfmutter dort, beginnt Gespenster zu sehen, als sie seinen Namen h\u00f6rt, kocht ihm aber hausgemachte Blutwurst mit ger\u00f6steten Erd\u00e4pfeln und der Wirt vermittelt ihn ein Zimmer bei der Schl\u00f6mmer Mierz. Die bewirtet ihn mit Schnaps, da\u00df ihm noch am Morgen, als er zum Wirten fr\u00fchst\u00fccken geht, der Kopf brummt. Das Fr\u00fchst\u00fcck serviert ihm Anna, die zwanzigj\u00e4hrige Tochter des Wirtes, mit dem j\u00fcngeren Sohn zieht K\u00e4fer durch die Gegend. Von einem Stein in dem M. K\u00e4fer eingraviert ist, wird erz\u00e4hlt und als sie die Schule, in der Daniel K\u00e4fers Bruder ging, besuchen, treffen sie auf die Villen der Frau H\u00fcrsch, die Schule war in einer solchen und auf einen seltsamen Tennisspieler namens Eustach Schiller, das ist ein Name, der bei Adalbert Stifter vorkommt, der Daniel viel von der Gegend erz\u00e4hlt.<br \/>\nNach und nach stellt sich heraus, da\u00df Mizzi K\u00e4fer eine Dienstbotin, die 1933, in Wasser ging oder sonstwie verschwand, die K\u00e4fersche Gro\u00dftante war. Der Bruder, der ein Grazer Anwalt ist und Daniels Abfertigungsanspr\u00fcche durchfechten will, findet das heraus und bei einem neuerlichen Besuch in einer der Villen gibt ihm Wanda H\u00fcrsch einen Koffer der Mizzi, in dem ist ein altes Dirndl, das er Anna schenkt, K\u00e4fer hat sich auch gleich eine Tracht gekauft und eine Lederhose anmessen lassen und in der Tasche war das Dienstbotenbuch, das man damals haben mu\u00dfte. Da fehlen ein paar Seiten und so forscht Daniel weiter, geht zu dem lokalen Zeitungsredakteur, trifft Eustach Schiller stockbesoffen an und als er mit dem kleinen Peter in einer anderen Villa recherchieren will, ger\u00e4t der in eine Fuchsfalle.<br \/>\nAm Ende wei\u00df man nicht recht, hat die alte Dienstbotin etwas geerbt und wurde sie um ihr Erbe betrogen oder hat sie sich das nur ausgedacht, ist sie ja die Urgro\u00dftante eines Journalisten. Daniel, der ein bi\u00dfchen mit der viel j\u00fcngeren Anna lieb\u00e4ugelte, findet aber zu seiner Sabine zur\u00fcck und die hat auch gleich eine Verwendung f\u00fcr den alten Koffer.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, ob ich ein bi\u00dfchen entt\u00e4uscht zur\u00fcckgeblieben bin, auf jeden Fall habe ich mir gedacht, da\u00df ich mich eine solchen Handlung nicht schreiben trauen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich da ja sofort Stimmen h\u00f6ren, die &#8220;Das ist viel zu wenig erh\u00f6ht!&#8221;, schreien. Aber mein Verdacht hat sich best\u00e4tigt, wenn man nur bekannt genug ist, kann man auch mit einem lockeren Plauderton und einer vielleicht ein wenig fadenscheinigen Handlung bei Haymon erscheinen.<br \/>\nManches ist mir vielleicht sogar ein bi\u00dfchen zu seicht, so der typische Komareksche Plauderton, in dem die Protagonisten miteinander scherzen.<br \/>\n&#8220;Anna, jetzt ist mir klar wie es weitergeht.&#8221;<br \/>\n&#8220;Magst nicht lieber doch einen Tee.&#8221;<br \/>\n&#8220;Nein, endlich habe ich mich an den Kaffee vom Ech gewohnt und jetzt bleibe ich dabei.&#8221;<br \/>\n&#8220;Selber schuld. Und wie gehts weiter?&#8221;, beispielsweise.<br \/>\nAnderseits erf\u00e4hrt man wieder viel \u00fcber das Ausseerland und k\u00f6nnte das Buch so, als einen diesbez\u00fcglichen F\u00fchrer in die Sommerfrische mitnehmen. Leicht zu lesen ist es wahrscheinlich auch, obwohl ich mir gar nicht so leicht getan habe, in die Handlung hineinzukommen, weil es am Anfang von Nebens\u00e4chlichkeit zu Nebens\u00e4chlichkeit geht und man schon bei Seite hundert ist, ohne recht zu wissen, wie das nun mit den Villen der Frau H\u00fcrsch ist?<br \/>\nDa\u00df Alfred Komarek aber ein charmanter Autor ist, der viel von seinem Sujet versteht, ist zu merken und da habe ich ja neulich einen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/24\/semmering\/\">Semmering-F\u00fchrer<\/a> von ihm gelesen, wo man viel \u00fcber den Semmering, ohne eine vieleicht zu d\u00fcnnfl\u00fc\u00dfige Handlung erfahren kann.<br \/>\nAlfred Komarek wurde jedenfalls 1945 in Bad Aussee geboren und hat da vielleicht seine Kindheitserinnerungen mitverarbeitet, lebt als Schriftsteller in Wien und hat au\u00dfer den Polt Krimis, von denen ich einen gelesen habe und dem Semmering-Buch auch noch einige andere Reisef\u00fchrer geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den 2004 von Alfred Komarek geschriebenen &#8220;Die Villen der Frau H\u00fcrsch&#8221;, einen ein Euro Kauf aus der Wilhelmsburger Flohmarktkiste, h\u00e4tte ich gedacht, da\u00df es um die Arisierung der Villen des Ausseerlands gehen k\u00f6nnte, habe ich mich in dieser Zeit &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17497\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-17497","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17497"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17497\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}