{"id":17326,"date":"2012-10-29T00:07:59","date_gmt":"2012-10-28T22:07:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17326"},"modified":"2012-10-29T00:07:59","modified_gmt":"2012-10-28T22:07:59","slug":"durfen-ist-pflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17326","title":{"rendered":"d\u00fcrfen ist pflicht"},"content":{"rendered":"<p>Die 1975 in Bremen geborene, in Berlin und in Wien studiert habende, Petra Lehmkuhl hat einen Berlin-Roman geschrieben und ihn 2011 in der Edition exil herausgebracht, wo sie 2005 den Preis gewonnen und in verschiedenen Anthologien ver\u00f6ffentlicht hat.<br \/>\nShort-Cuts k\u00f6nnte man die kurzen Textchen \u00fcber Irene und Frau Eber, Thomas, Mama, etc nennen, in der Beschreibung wird es als &#8220;krise in berlin-kreuzberg&#8221; bezeichnet und da gibt es die &#8220;Frollein Monika&#8221; genannte  Ich-Erz\u00e4hlerin, schon etwas \u00e4lter, K\u00fcnstlerin und Mitglied des Prekariats, das schon mal die Augen schlie\u00dft, wenn eine Zahlungsaufforderung kommt und die Rechnung liegen l\u00e4\u00dft, ansonsten von Vernissage zu Vernissage zieht, Genazino-Lesungen besucht, von den in Aussicht gestellten Jobs als Assistentin bei einem K\u00fcnstler den Freundinnen spricht und diese sind Frau Eber und Irene, sowie Marlene, die Frollein Monika &#8220;Mama&#8221; nennt.<br \/>\nDie Freundinnen treffen sich in Cafes und Kneipen und auch bei Frau Eber, zumindest kommt der Satz &#8220;Frau Eber packt den Kuchen aus, den ich mitbrachte, und arrangiert die einzelnen St\u00fccke auf einen Teller&#8221;, \u00f6fter am Kapitelbeginn vor und dann gibt es nat\u00fcrlich die Beziehungen, seltsamerweise sind das, in dem hippen Prekariats-Berlin haupts\u00e4chlich M\u00e4nner, mit denen die Protagonisten ihre &#8220;drei,vier- und f\u00fcnf-ecksgeschichten&#8221; haben, ist Frollein Monika ja mit Thomas liiert und dann trifft sie in einer Kneipe Andreas, der schon etwas \u00e4lter und bei dem alles anders ist. Dann geht es rum und die Freundinnen erz\u00e4hlen sich am Stammtisch, wie es Frollein Monika so geht und was sie alles macht, \u00e4hnlich wie die Lemuren in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/18\/saisoneroffnung-mit-barbara-frischmuth\/\">Barbara Frischmuths neuen Roman<\/a>.<br \/>\nEs gibt auch einen Nachbar, der mit &#8220;Hey&#8221;, gr\u00fc\u00dft von von dem Frollein Monika nicht genau wei\u00df, welchen Beruf er  nachgeht, sie trifft ihn aber einmal auf der Stra\u00dfe umgeben von Polizeigewicht, als &#8220;Schei\u00df SDP&#8221; schreit. \u00c4hnlich politisch wirds, wenn von der ersten Mai Kundgebung erz\u00e4hlt wird, ansonsten bleibts im privanten Freiberuflerbereich, der &#8220;altstudenten, die ohne jede moral auszukommen scheint&#8221;, wie es in dem kleingeschriebenen Buchr\u00fcckentext hei\u00dft.<br \/>\nWas aber gar nicht ganz zu stimmen scheint, weist der Titel doch auf eine \u00dcberforderung der Protagonisten hin, so entzieht sich Frollein Monica auch ihren Dreierschlingen und zieht sich zu &#8220;Mamas&#8221; zur\u00fcck, was die Lemuren wieder betratschen und ganz genau wissen wollen.<br \/>\nAlkohol, Drogen und Depressionen scheinen auch eine Rolle zu spielen, in der Generation f\u00fcr die &#8220;freizeit alles ist, weil sie es verpassten firmen und familien zu gr\u00fcnden und ihnen auch f\u00fcr das h\u00e4userbauen das geld fehlt&#8221;, ein bi\u00dfchen davon scheinen sie aber schon zu haben. Flie\u00dft  doch in den Kneipen der Sekt und sie fahren auch \u00f6fter mit dem Taxi herum, manchmal nur zu einer Vernissage in die n\u00e4chste Stra\u00dfe.<br \/>\nSehr eindringlich, knapp und klar und in kurzen short-cuts St\u00fccken erz\u00e4hlt Petra Lehmkuhl, die Geschichte der Kreuzberger Generation X.<br \/>\nAn Sven Regners <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/01\/herr-lehmann\/\">&#8220;Herr Lehmann&#8221;<\/a> wurde ich dabei zwangsl\u00e4ufig erinnert und auch an Edda Helmkes <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/11\/pepsi-im-waschsalon\/\">&#8220;Pepsi im Waschsalon&#8221;.<\/a> Bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/11\/pepsi-im-waschsalon\/\">Kirsten Fuchs &#8220;Heile, heile&#8221;<\/a>, wei\u00df ich es nicht so genau, das \u00f6sterreichische Pendant dazu, scheint  <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/21\/unter-uns\/\">Angelika Reitzers &#8220;unter uns&#8221;<\/a> zu sein, obwohl die Lehmkuhlschen short cuts knapper und k\u00fcrzer sind und mir das Berliner Prekariat und die Jugend in der sch\u00f6nen neuen Warenwelt, nicht ganz so erbarumungslos geschildert scheint, wie es etwa <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/24\/die-einsamkeit-der-primzahlen\/\">Paulo Giordano in der &#8220;Einsamkeit der Primzahlen&#8221;<\/a> macht.<br \/>\nEtwas ist mir noch aufgefallen, Petra Lehmkuhl sprich von Westdeutschland und der D-Mark, obwohl mir die Handlung in der Jetztzeit angesiedelt scheint, hat es vor zwanzig Jahren ja wahrscheinlich dieses Freiberufler-Prekariat noch nicht gegeben, die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/12\/01\/krankheit-der-jugend\/\">Arbeits- Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit der jungen Leute aber sicher schon.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1975 in Bremen geborene, in Berlin und in Wien studiert habende, Petra Lehmkuhl hat einen Berlin-Roman geschrieben und ihn 2011 in der Edition exil herausgebracht, wo sie 2005 den Preis gewonnen und in verschiedenen Anthologien ver\u00f6ffentlicht hat. 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