{"id":17279,"date":"2012-10-28T00:19:34","date_gmt":"2012-10-27T22:19:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17279"},"modified":"2012-10-28T00:19:34","modified_gmt":"2012-10-27T22:19:34","slug":"damals-und-dort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17279","title":{"rendered":"Damals und dort"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Die spannenden Jahre 1970 bis 2000&#8221;, vielstimmig erz\u00e4hlt, der 1950 geborene Reinhardt Wegerth, Redakteur und Verlagsmitarbeiter, der jetzt in der Alten Schmiede mit anderen die Textvorstellungen macht, machts in seinem, 2010 bei Sisyphus erschienenen Stimmenroman &#8220;Damals und dort&#8221;, den ich schon einmal im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/15\/alte-schmiede-im-beisl\/\">&#8220;Beisl&#8221;<\/a> h\u00f6rte, m\u00f6glich und l\u00e4\u00dft seine Geschichte von scheinbar unspekul\u00e4ren Dingen, wie &#8220;Pyramide wieder entdeckt&#8221;, &#8220;K\u00fcchent\u00fcr, mit Sprung&#8221;, &#8220;Kanzleramt bewacht&#8221;,  aber auch von Personen, wie &#8220;Wahlstratege, im Bezirk&#8221; oder &#8221; Polizist, gesetzlich gedeckt, in drei\u00dfig Abschnitten, denen immer diese, wie ich sie gerne nennen, E.T.A. Hoffmanschen Kapitel\u00fcberschriften, wie &#8220;Wie der Autor im Jahr 1970 auf einer griechischen Insel ein hygienischen Problem hat, ein verbotenes Musikst\u00fcck h\u00f6ren darf und sich \u00fcber historisch begr\u00fcndete Aversionen einer Amerikanerin hinwegsetzt&#8221;, vorangestellt sind, erz\u00e4hlen.<br \/>\nIm Klappentext steht &#8220;Lebt als Schriftsteller in Wien und m\u00f6glichst oft auf klimatisch beg\u00fcnstigten Inseln&#8221;, und so f\u00e4ngt es auch 1970 auf einer griechischen Insel an und wir lernen den Strandschl\u00e4fer kennen, der mit weiter kn\u00f6chellanger Robe und einer Rolle Klopapier, den schweigenden Dornbusch frequentiert und begleiten diesen dann nach Wien, wo er als Student wegen verbotenen Frauenbesuchs, aus dem katholischen Heim fliegt, sich bei einem Kollegen einquartiert und sp\u00e4ter eine eigene Basenawohnung mit Gangklo bezieht und mit dem Mitben\u00fctzer Schwierigkeiten bekommt, weil er nicht wu\u00dfte, da\u00df er sein Klopapier und die Klob\u00fcrste, selber mitbringen mu\u00df.<br \/>\nMan sieht, das Klo scheint eine gro\u00dfe Rolle zu spielen, sonst studiert der Student, der ein ernsthafter Mensch zu sein scheint, Jus, macht sein Rechtspraktikum und verwirrt einmal auch das Leiberl der Druckerin, weil ein Altachtundsechziger, ja seine Augen auf Frauen werfen mu\u00df, der Flattersatz   spielt nat\u00fcrlich  eine Rolle und die alternative Literaturzeitschrift, die inzwischen herausgegeben wird, wird im Schlafsack zum Postamt transportiert, weil der Redakteur kein Auto hat. Da die Siebziger und Achtzigerjahre sehr politisch waren, wird vom Besuch beim &#8220;Alten&#8221;, sprich Bruno Kreisky, erz\u00e4hlt, den sieht man  auch auf der Titelseite, der f\u00fcr das Literaturmagazin interviewt wird und am Ende kommt eine Volksabstimmung gegen Zwentendorf heraus, und der Mediensektret\u00e4r, der das erz\u00e4hlt, sinniert verzweifelt &#8220;Dass sich der Alte das antut!&#8221; und wiederholt diesen Satz ein paar Mal, wie auch in den anderen Abschnitten diese litaneiartigen Schleifen den Texten einen klaren Ton geben.<br \/>\nHainburg kommt vor und Tschernobyl \u00fcber das ich erst vor kurzem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/21\/planet-wermut\/?preview=true\">anderswo<\/a> gelesen habe und ein Friedensmarsch, da ist schon eine Frau und ein Kind an seiner Seite und ein Luftballon spielt eine Rolle, der in den Himmel losgelassen wird.<br \/>\nSo geht es durch die Jahrzehnte, der Jusstudent wechselt in einen Schulbuchverlag, f\u00e4hrt immer wieder nach Griechenland, in die T\u00fcrkei nach Mexiko, l\u00e4\u00dft sich von einem Souvenierh\u00e4ndler ums Ohr hauen und verweigert den Gr\u00fcnen, w\u00e4hrend des EU-Beitritt, die Zahlung, obwohl er sich doch sonst so sehr f\u00fcr sie engagiert und als Schwarz-Blau die Regierung \u00fcbernommen hat, geht er zum bewachten Kanzleramt und fragt,  ob er hineindarf, um den unterirdischen Gang, wo die Regierung, ja an jenem vierten Februar zur Hofburg hin\u00fcberging, um nicht mit Tomaten und Eiern beworfen zu werden, zu besichtigen. Die Wache l\u00e4\u00dft ihn nicht und so sind wir durch drei Jahrzehnte gerast und wenn man, wie ich in dieser Zeit in Wien lebte, l\u00e4\u00dft sich auch dar\u00fcber nachdenken, was man selbst zu dieser Zeit gemacht hat?<br \/>\nDie Idee das Ganze von Gegenst\u00e4nden erz\u00e4hlen zu lassen, macht die Geschichte gut lesbar, die klare Distanz der Sprache f\u00e4llt auf, an der man beobachten kann, wie der Strandschl\u00e4fer, zum Studenten, zum Rechtspraktikanten,  zum Redakteur und schlie\u00dflich zum Werbetr\u00e4ger wird.<br \/>\nSpannend auf diese Art und Weise die das Vergangene wiederzuerleben und, da\u00df ich in den Siebzigerjahren einmal mit B\u00e4rbl Danneberg, Sigrid Farber und einigen anderen Frauen bei &#8220;Frischfleisch und L\u00f6wenmaul&#8221; war, um dort unsere Arbeitskreisanthologie &#8220;Gewalt gegen Frauen, Frauen gegen Gewalt&#8221;, herauszubringen  und sich erst im Lauf des Gespr\u00e4chs herausstellte, da\u00df es nichts mit der Ver\u00f6ffentlichung wurde und ich das Manuskript daher immer noch irgendwo liegen habe, habe ich nicht vergessen, wohl aber, da\u00df ich Reinhard Wegerth wegen dieses Buches an den Bundesverlag schrieb. Der Autor konnte sich aber erinnern und hat mich 2007 mit meinem <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_schokolade.html\">&#8220;Wiener Stadtroman&#8221;<\/a>, in die Alte Schmiede eingeladen, am Montag werde ich die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_bank.html\">&#8220;Frau auf der Bank&#8221;<\/a> dort vorstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die spannenden Jahre 1970 bis 2000&#8221;, vielstimmig erz\u00e4hlt, der 1950 geborene Reinhardt Wegerth, Redakteur und Verlagsmitarbeiter, der jetzt in der Alten Schmiede mit anderen die Textvorstellungen macht, machts in seinem, 2010 bei Sisyphus erschienenen Stimmenroman &#8220;Damals und dort&#8221;, den ich &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17279\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-17279","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17279","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17279"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17279\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}