{"id":17263,"date":"2012-10-27T01:10:08","date_gmt":"2012-10-26T23:10:08","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=17263"},"modified":"2012-10-27T01:10:08","modified_gmt":"2012-10-26T23:10:08","slug":"ein-besonderer-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17263","title":{"rendered":"Ein besonderer Mensch"},"content":{"rendered":"<p>Die Erinnerungen an den 1987 verstorbenen Lynkeus-Herausgeber Hermann Hakel, die ich im April in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur bekommen habe, wurden 1988 von der Hermann Hakel Gesellschaft herausgegeben und &#8220;setzen sich aus Beitr\u00e4gen von zwei Dutzend Zeitgenossen unterschiedlichen Alters, Standes, Berufs und Wohnorts, sowie biographischen und bibliographischen Zeittafeln, Fotos und Abbildungen von Briefen und Karten bekannter Schriftstellerkollegen zusammen.&#8221;<br \/>\nBeginnen tut es  mit einem Bild und einem Zitat Hakels: &#8220;Ich bin als Schriftsteller kein gro\u00dfes Talent, ja noch nicht einmal ein mittelm\u00e4\u00dfiges, aber ich bin ein besonderer Mensch!&#8221;<br \/>\nUnd das stimmt h\u00f6chstwahrscheinlich, denn ich habe von dem 1911 in Wien geborenen, schon sehr viel geh\u00f6rt und in den Siebziger oder Achtzigerjahren wahrscheinlich auch meine Texte an den &#8220;Lynkeus&#8221; geschickt und wenn ich mich nicht irre, sie mit einem nicht einmal so unnetten Brief zur\u00fcckbekommen.<br \/>\nWar Hermann Hakel ja einer der literarischen Entdecker, der mit Hans Weigel unter anderen Herta Kr\u00e4ftner, Ingeborg Bachman etc, f\u00f6rderte und er hatte nicht nur viele Freunde, die in den Buch ihre Nachrufe abdruckten, sondern auch eine Menge Feinde und so kann ich mich erinnern, da\u00df <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/18\/hertha-kraftners-wirklichkeit\/\">Dine Petrik<\/a>, als sie im J\u00e4nner ihr Herta Kr\u00e4ftner Buch vorstellte, sich durchaus kritisch ihm gegen\u00fcber \u00e4u\u00dferte und genauso negativ war wohl auch Erika Danneberg, die ich durch den Arbeitskreis schreibender Frauen kenne, eingestellt, die von 1949 bis 1958 mit ihm verheiratet war. War ich ja vor einigen Jahre bei der Pr\u00e4sentation einer Werkausgabe, die nach ihrem Tod von ihrem Nachla\u00dfverwalter Raimund Bahr, in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur vorgestellt wurde und da hat, glaube ich, Emmerich Kolovic oder Richard Kovacecic, die mit Gerhard Amanshauser diesen Nachla\u00dfband herausgegeben haben, von den Schwierigkeiten erz\u00e4hlt.<br \/>\nEin schwieriger Mensch also und das Buch beginnt auch mit einer autobiographischen Skizze Hakels, in der er erz\u00e4hlt, da\u00df er ein kr\u00e4nkliches Kind war, das durch eine Diphterie und einen Sturz, im ersten Weltkrieg ein Auge verlor und einen verk\u00fcrzten Fu\u00df hatte, so da\u00df er sich durchs Leben humpelte.<br \/>\nEr hat viel gelesen, sich mit Dichtern angefreundet, schon 1935 eine Anthologie herausgebracht und die Volkshochschule Zirkusgasse besucht. 1939 emigrierte er nach Italien und kam 1947 nach Wien zur\u00fcck, wo er Vorstandsmitglied des PEN-Clubs wurde, eine Literaturzeitschrift gr\u00fcndete und die jungen Dichter zu f\u00f6rdern begann.<br \/>\nDie zwei Dutzend Zeitzeugen erz\u00e4hlen dann von ihrer Begegnung mit Hermann Hakel, der in Wien verschiedene Wohnungen hatte und, als er schon alt und krank war, seine Besucher im Pyjama und Schlafanzug empfing. Einige der Zeitzeugen, von denen ich viele nicht kannte und von denen einige auch schon verstorben sind, \u00e4u\u00dfern sich auch kritisch, da\u00df Hakel, der sehr viel gesprochen haben d\u00fcrfte, sich durch seine Kritik viele Feinde machte, wird  in dem Buch auch erw\u00e4hnt, andererseits scheint er f\u00fcr die Literatur gelebt zu haben, auch sehr freigiebig und ein gro\u00dfer F\u00f6rderer gewesen zu sein.<br \/>\nSein Nachla\u00dfverwalter Emmerich Kolovic, den ich von der Gesellschaft f\u00fcr Literatur und vom Literaturhaus kenne,  beginnt die Erinnerungen  mit den Aufz\u00e4hlungen der Tr\u00e4ume, irgendwo wird auch erw\u00e4hnt, da\u00df Hakel einige Tage vor seinem Tod tr\u00e4umte von seiner Mutter  angerufen worden zu sein, die ihn fragte, wann er denn endlich zu ihr k\u00e4me?<br \/>\nAndreas Okopenko hat einen Artikel, der schon 1975 in den Protokollen abgedruckt war, in dem er sich auf die literarische Lage nach dem zweiten Weltkrieg bezieht und die Namen derjenigen aufz\u00e4hlt, die Hakel gef\u00f6rdert hat, Aichinger, Busta, Celan, Dor, Eisenreich, Federmann, Ferra, Fried, Lebert, Mayr\u00f6cker und Toman, waren dabei.<br \/>\nDer zweite der Hakel-&#8220;Buam&#8221;, wie es an anderer Stelle hei\u00dft, der 1930 geborene  Richard Kovacevic beschreibt auch seine lange Beziehung zu Hakel, dem er 1953 einige Kurzgeschichten schickte.<br \/>\nDer AZ Redaktuer und Schriftsteller Hans Heinz Hahnl scheint ein besonderer Hakel Verehrer gewesen zu sein, der es sehr bedauerte, da\u00df der Staat keine Ehrungen und Preise f\u00fcr ihn hatte und er hat auch in der AZ zu seinem siebzigsten Geburtstag und seinen Nachruf geschrieben.<br \/>\nHans Raimund beschreibt beschreibt ebenfalls ausf\u00fchrlich, wie er Hermann Hakel einmal im Monat besuchte und von seinem &#8220;Witz  und seiner Menschenkenntnis&#8221; beeindruckt war. Er beschreibt einen &#8220;Salon&#8221; bei ihm, wo er von den beiden Baam, die Redakteure Kolovic und Kovacevic,  die er nicht auseinanderhalten konnte,  aufgefordert wurde, Klavier zu spielen, damit sich der Meister beim Reden nicht \u00fcberanstrengte, was aber nicht geholfen hatte.<br \/>\nEinige Lynkeus-Ausgaben werden erw\u00e4hnt und einen Vortrag 1984 in der Alten Schmiede \u00fcber die Zeitschrift, zu dem Kurt Neumann Hakel eingeladen hat. Raimund erw\u00e4hnt auch, da\u00df Hakel  Kreisky f\u00fcr einen Erzfeind und auch von Jandl und von Thomas Bernhard nicht sehr viel gehalten hat, daf\u00fcr war er aber von der Lyrikerin Ulla Hahn sehr begeistert und hat sie in seinen Salon eingeladen.<br \/>\nVon den j\u00fcngeren Zeitzeugen ist der 1968 in Salzburg geborene Sohn Gerhard Ammanshauser Martin zu erw\u00e4hnen, der von den Besuchen Hakels und der Schachtel Ildefonso schreibt, die er ihm regelm\u00e4\u00dfg schenkte. Evelyn Adunka hat auch ihre Hakel Erinnerungen und ganz besonders interessant sind f\u00fcr mich die Nachrufe, wo Hakels Beziehung zu Jean Amery erw\u00e4hnt wurden, da ich da ja erst vor kurzem bei einem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/16\/grundbuch-jean-amery\/\">Grundbuch in der alten Schmiede <\/a>war.<br \/>\nAm Schlu\u00df des Buches gibt es Briefe von Hermann Hesse, Ernst J\u00fcnger, Max Mell, Albert Paris G\u00fctersloh, etc und ich fand den Erinnerungsband, da ich mich ja sehr f\u00fcr die Literatur der letzten Jahrzehnte interessiere, \u00e4u\u00dferst spannend und denke, da\u00df Hermann Hakel wohl wirklich ein widerspr\u00fcchlicher Mensch gewesen sein mu\u00df, der sowohl Anh\u00e4nger, als auch Feinde hatte, etwas konservativ gewesen sein d\u00fcrfte, aber wenn man seine Ansichten \u00fcber das Schreiben betrachtet, wieder \u00e4u\u00dferst modern war, so hat er doch vom Schreiben mit allen Sinnen gesprochen und seine Sch\u00fcler auch auf die Stra\u00dfe zum Beobachten geschickt.<br \/>\nEr scheint auch ein gro\u00dfer Lyriker gewesen zu sein und als ich in meiner Leseliste nachgeschaut habe, habe ich eine Anthologie &#8220;Jiddischer Gedichte&#8221; gefunden, die er \u00fcbertragen hat, die ich auf meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste <\/a>setzte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erinnerungen an den 1987 verstorbenen Lynkeus-Herausgeber Hermann Hakel, die ich im April in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur bekommen habe, wurden 1988 von der Hermann Hakel Gesellschaft herausgegeben und &#8220;setzen sich aus Beitr\u00e4gen von zwei Dutzend Zeitgenossen unterschiedlichen Alters, Standes, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=17263\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-17263","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17263","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17263"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17263\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17263"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17263"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17263"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}