{"id":16839,"date":"2012-10-04T00:02:38","date_gmt":"2012-10-03T22:02:38","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16839"},"modified":"2012-10-04T00:02:38","modified_gmt":"2012-10-03T22:02:38","slug":"gesellschaftliches-volksstuck-von-franzobel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16839","title":{"rendered":"Volksst\u00fcck \u00fcber den jungen Hitler"},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwochprogramm waren zwei Termine eingetragen, Franzobels &#8220;Der junge Hitler. Eine Therapie&#8221;, in der Alten Schmiede, w\u00e4hrend im Literaturhaus Daniel Wisser seinen Text &#8220;Unterm Fu\u00dfboden&#8221; vorstellte und dann gabs auch wieder eine offene B\u00fccherschranklesung mit dem lieben <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/28\/willi-wo-bist-du\/\">Rudi<\/a> in der Grundsteingasse. Die Qual der Wahl, denn eigentlich wollte ich nicht wirklich in die Alte Schmiede gehen, bin ich erstens ja kein richtiger Franzobel Fan und auch kein Fan von Theaterst\u00fccken, also doch zu Daniel Wisser, der  vor zwei Jahren beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/07\/donnerstag-in-harland-und-in-klagenfurt\/\">Bachmannpreis<\/a> gelesen hat, dann dachte ich aber, das Thema ist interessant und als ich dann noch herausbekommen habe, da\u00df der Wisser erst um acht Uhr liest und das Ganze eine theoretische Textcollage zu sein schien, hatte ich mich entschieden und war nur in Sorge vielleicht keinen Platz zu bekommen. Beim Bachmannpreistr\u00e4ger von 1995 war dann aber doch kein so gro\u00dfer Antrag, zumindestes scheint er nicht die Fangemeinde der heimischen Autorenschaft zu haben, wie sie etwa <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/20\/scardanelli\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a> und auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/18\/saisoneroffnung-mit-barbara-frischmuth\/\">Barbara Frischmuth<\/a> hat. Denn au\u00dfer Lydia Mischkulnig w\u00e4re mir kein Prominenter aufgefallen, bei den nicht so Prominenten war  Chrstl Greller da, aber die geht ja oft zu Literaturveranstaltungen und dann war es sehr interessant und ich habe mein Franzobel Vorurteil ein wenig revidiert, denn er ist ohne jeden Zweifel ein gro\u00dfer Sprachgewaltiger und wirft Anspielungen und Wortsch\u00f6pfungen wirklich gekonnt her und hin, er hat auch immer provokante Themen. Vielleicht kommt daher mein Voruteil und die Geschichte des jungen oder auch alten Hitlers interessiert mich ja sehr.<br \/>\nKurt Neumann hat wieder eingeleitet und die beiden Theatertexte vorgestellt, die vor kurzem von Franzobel  im Kyrene Verlag erschienen sind und davon gesprochen, da\u00df Franzobel an die Nestroytradition ankn\u00fcpft und &#8220;Der junge Hitler&#8221; etwas von Raimunds Zauberwelt an sich hat. Das St\u00fcck wurde schon in Villach aufgef\u00fchrt, lebt von seinen Kunstgriffen und Rollenspielen und zeigt Hitler als jungen Mann, 1907 in Linz, beziehungsweise spielt es in der Psychiatrie, respektive Irrenhaus in der Jetztzeit, denn da f\u00fchren drei Patienten und drei Pfleger bzw. Sozialdiener ein Rollenspiel auf, um die Geschichte um, bzw. wieder zur\u00fcckzuschreiben, die ersteren drei entpuppen sich dann als Anstalts\u00e4rzte und brechen das Experiment ab.<br \/>\nSo weit so gut. Franzobel und seine Partnerin, die Schauspielerin Maxi Blaha haben gelesen und zuerst einmal die Protagonisten vorgestellt. Da gibt es einen Kevin, einen Niki, eine Michi, die glaube ich, auch noch sprechende Namen tragen, dann die Weiningerin, das ewige Opfer Schlomo und den Dr. Bloch, Hitlers j\u00fcdischen Hausarzt und es beginnt mit einem Monolog in Hitler Worten und der Hitler Sprache und noch mit einigen grotz brr, etc, der Weiningerin. Dann kam die Warnung, &#8220;Dieses St\u00fcck kann Ihre Gesundheit gef\u00e4hrden und ist den Schwangeren, den Stillenden, sowie den Wankelm\u00fctigen nicht zu empfehlen!&#8221;<br \/>\nDann ging es los, in der Klinik, wo die Weiningerin, eine Hitler-Forscherin, dar\u00fcber in Wahnsinn verfallen ist und von den drei Sozialhelfer bzw. Pfleger, die auch Revolution\u00e4re sind, niedergespritzt wird, dann stellt ihnen die Weiningerin ihr Theaterst\u00fcck \u00fcber den jungen Hitler vor, mit dem sie die Geschichte zur\u00fcckdrehen will, wahrscheinlich um wieder normal zu werden und es beginnt. Die Pfleger schl\u00fcpfen in ihre Rollen, einer ist der achtzehnj\u00e4hrige Adolf, ein Maturant im schwarzen Anzug, der andere sein Freund Gustl Kubizek, ein Tapeziererlehrling und sp\u00e4terer Musiker, die beiden kommen von einer Rienzi Auff\u00fchung, der junge Adolf entbrennt im Idealismus, der Gustl will nur in sein Bett, weil er  wieder arbeiten mu\u00df und versteht den anderen nicht, der K\u00fcnstler werden will. Die kranke Mutter, der schlagende Vater werden erw\u00e4hnt, der Hausarzt kommt und will der Mutter helfen, sp\u00e4ter sagt er, da\u00df sie gestorben ist, weil die Dr. Weininger ihm von Adolfs sp\u00e4teren Lebensweg erz\u00e4hlte, die taucht auch auf und l\u00e4\u00dft ihn seine sp\u00e4teren Reden h\u00f6ren, der hat Angst, um seine Mutter, wird von seiner Freundin, die die Menschheit retten sollte, verlassen und zuletzt auch noch von der Kunstakademie in Wien abgelehnt, so da\u00df der Weg frei ist, sich die Macht zu holen, an dieser Stelle verwandeln sich die Patienten in \u00c4rzte und brechen das St\u00fcck ab.<br \/>\nDann gabs noch ein Gespr\u00e4ch mit dem Sozialhistoriker Kurt Bauer, der erl\u00e4uterte, da\u00df Hitler nicht in Wien, wie es in &#8220;Mein Kampf&#8221; steht, Antisemit geworden ist, sondern erst nach dem ersten Weltkrieg in M\u00fcnchen. Es wurde dann noch \u00fcber den Idealismus diskutiert und dar\u00fcber, da\u00df sich die Nazis alle als fehlgeleitete Idealisten deklarierten und Lydia Mischkulnig fragte nach dem Unterschied zwischen Idealismus und Gr\u00f6\u00dfenwahn? Die Grenze ist sicher flie\u00dfend und irgendwann kippt es und dazwischen merkte offenbar ein anderer Historiker an, gibt es noch den Fanatismus und die Gruppe, denn Nazi wird man nicht allein und dann wurde noch erkl\u00e4rt, da\u00df Hitler offenbar gar kein so schlechter Maler war.<br \/>\nInteressant, interessant, obwohl mir in der Handlung gar nicht so viel Neues zu liegen scheint. Vielleicht ist es 1907 so gewesen oder auch anders.<br \/>\nDieser August Kubizek scheint seine Lebenserinnerungen hinterlassen zu haben, an der sich Franzobel orientierte. Die Verlegung in die Gegenwart erscheint mir auch sehr interessant und vor allem faszinierte mich die Franzobelsche Sprachgewalt. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/10\/buchaussendung-und-romane-vom-nationalsozialismus\/\">Uwe Bolius<\/a> hat ja vor einigen Jahren auch ein Buch \u00fcber Hitler geschrieben und in der Diskussion wurde noch erw\u00e4hnt, da\u00df es sehr viele B\u00fccher zu diesem Thema gibt, weil man offenbar die Geschichte und, wie es dazu kam oder kommen konnte, begreifen will und das ja nicht sehr einfach ist.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwochprogramm waren zwei Termine eingetragen, Franzobels &#8220;Der junge Hitler. 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