{"id":16819,"date":"2012-10-03T00:00:15","date_gmt":"2012-10-02T22:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16819"},"modified":"2012-10-03T00:00:15","modified_gmt":"2012-10-02T22:00:15","slug":"erzahltes-und-reflektiertes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16819","title":{"rendered":"Erz\u00e4hltes und Reflektiertes"},"content":{"rendered":"<p>Ludwig Laher hat bei Haymon ein neues Buch herausgebracht, nach der sogenannten Sozialtrilogie &#8220;Und nehmen was kommt&#8221;, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/04\/einleben\/\">&#8220;Einleben&#8221;<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/26\/verfahren\/\">&#8220;Verfahren&#8221;<\/a> jetzt wieder Sprachkritischeres, n\u00e4mlich  &#8220;Kein Schlu\u00df geht nicht &#8211; Erz\u00e4hltes und Reflektiertes&#8221;, sechsunddrei\u00dfig Texte, in denen sich der Essay mit dem Erz\u00e4hlten verbindet, vermischt und \u00fcberschneidet, etc und das  wurde am Dienstag in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur vorgestellt. Ich habe Ludwig Laher ja, als ich ihm beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/30\/sprachkunstabschluss-und-fest-fur-robert-schindel\/\">Saisonabschlu\u00dffest im Literaturhaus<\/a> traf, versprochen, mir sein Buch zu besorgen. Dann kamen aber die Vorableseexemplare von Haymon und da war es nicht dabei und da ich ohnehin schon eine lange <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> habe und au\u00dferdem K\u00fcrzesttexte  nicht so gerne lese &#8211; stimmt nicht mehr, inzwischen lese ich Erz\u00e4hlb\u00e4nde und die Form, die der gr\u00fcndliche Recherchierer, wie ihn Marianne Gruber einleitete, w\u00e4hlte, entspricht  wahrscheinlich dem, was das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/22\/zwei-jahre-in-zwei-tagen\/\">Writersstudio als Personal Essay<\/a> anbietet, eine Gattung die in Amerika bekannt ist, bei uns noch nicht und da hat sie wohl Ludwig Laher f\u00fcr sich selbst erfunden, der ja sehr dokumentarisch schreibt und auch mit der Sprache spielt, in den sechsunddrei\u00dfig Geschichten, die sich alle oder viele auf Schl\u00fc\u00dfe beziehen, wohl besonders. Die Titelgeschichte hat er aber nicht gelesen, nur Marianne Gruber best\u00e4tigt, da\u00df der Titel neugierig macht, da m\u00f6chte man gern mehr wissen und in dem Buch gibt es eine Einleitung, in der sich Ludwig Laher quasi f\u00fcr seinen Essaystil zu entschuldigen scheint.<br \/>\nDas hat er nicht n\u00f6tig, meinte Marianne Gruber in der Diskussion oder hat das der Verlag so vorgeschrieben? Der Verlag schreibt Ludwig Laher nichts vor, er hat es selber so gemacht und mit der Geschichte &#8220;Bergschlu\u00df und Rapfl&#8221; begonnen. Da geht ein altkluges Kind mit seinen Eltern wandern und macht Rast in einem Gasthaus, das seine Eltern &#8220;H\u00fctte&#8221; nennen, weil auf dem Berg hei\u00dft das so, aber da ist ja kein Berg, sondern nur ein Tal, meint das Kind und beginnt mit seinen Eltern zu diskutieren, wieso das Talschlu\u00df aber Gipfel hei\u00dft.<br \/>\nMit &#8220;Weiche&#8221; ging es weiter, diese Geschichte hat Marianne Gruber schon in ihrer Einleitung erw\u00e4hnt. Da ist einer, jetzt f\u00fcnfzig, als Kind war er oft bei seinen Gro\u00dfeltern und hat versucht die Weichen zu stellen. Mit f\u00fcnf ist es noch nicht gegangen, aber mit acht oder neun, sp\u00e4ter dann nicht mehr Eisenbahn gefahren, sondern mit dem bequemen Mittelklassewagen. Dann wird er Gro\u00dfvater und h\u00f6rt die Gro\u00dfmutter das Neugeborene &#8220;Du bist aber eine ganz Weiche!&#8221;, liebevoll nennen, interessant interessant, wo die Sprachspiele hinf\u00fchren k\u00f6nnen und vielleicht ist auch ein bi\u00dferl Autobiographie dabei.<br \/>\nDer dritte Text ging \u00fcbers Sterben und das Verlieren einer Mutter. Der Sohn will einen Text \u00fcber sie schreiben und kommt \u00fcber den dritten Satz nicht hinaus. Die Mutter war eine Eigenbr\u00f6dlerin und sehr vereinsamt, bzw. hat sie selber die Besucher nicht ins Wohnzimmer und ihren Krebs nicht behandeln lassen, daf\u00fcr ist sie aber noch mit f\u00fcnfundachtzig mit einem Boot namens Ilse auf dem Traunsee gefahren und nach dem Schlaganfall fast in der Badewanne ertrunken.<br \/>\n&#8220;Entwerter&#8221; f\u00fchrt wieder mehr in die Sprachasurdit\u00e4t hinein. Da kauft man sich einen Fahrschein und entwertet ihn, damit er g\u00fcltig wird. \u00dcber diese Paradoxie kann Ludwig Laher eine Geschichte schreiben und die Protagonistin, Ruth Gehringer, die in der U-Bahn ein paar Schwarzkappler beim Amtshandeln erlebt, zu einem Schw\u00e4cheanfall bringen.<br \/>\n&#8220;Redende Briefanlagen&#8221; f\u00fchrt in die Welt des Adalbert Stifters, der sich dar\u00fcber freute, da\u00df in Wien Briefk\u00e4sten aufgestellt wurden, so da\u00df man sich seine Briefe nicht mehr selber zustellen mu\u00dfte und sich dabei vorstellte, wie es sein w\u00fcrde, wenn man seine Nachrichten redend versendet, f\u00fcr Stifter eine Phantasie,  in der heutigen Welt der Mobiltelefonie aber l\u00e4ngst verwirklicht ist.<br \/>\nDann kam ein schon im Standard ver\u00f6ffentlichter Text zur Bundeshymne, in dem sich Laher seine Gedanken zu der inzwischen eingef\u00fchrten Genderver\u00e4nderung macht, die der Herr Molden, wie ich immer h\u00f6ren, ja beklagen will. Ich bin eine Frau und ich stehe dazu, im Gegensatz zu Ludwig Laher, der meint, da\u00df man es lassen h\u00e4tte sollen oder eine neue machen, denn die Jubelch\u00f6re gefallen ihn nicht und kann daher nur viel realistischer wiederholen, da\u00df ich die Bundeshymne ohnehin nicht singe, weil ich nicht singen kann, wenn ich es aber t\u00e4te, w\u00fcrde ich selbstverst\u00e4ndlich &#8220;T\u00f6chter, S\u00f6hne&#8221; singen und das verhaspelnde &#8220;und&#8221; weglassen, dann k\u00f6nnte mich der Herr Molden, wenn er will verklagen und ich w\u00e4re gespannt, wer den Proze\u00df gewinnt?<br \/>\nDer Schlu\u00dftext, nicht der letzte, wie Ludwig Laher betonte, f\u00fchrte zu einem Ingeborg Bachmann Zitat und zu Grantscherben, die damit nichts anfangen k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8220;Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar&#8221; wird immer zitiert und von den Sch\u00fclern verlangt, da\u00df sie dar\u00fcber Aufs\u00e4tze schreiben.<br \/>\n&#8220;Aufh\u00f6ren k\u00f6nnen ist nicht eine Schw\u00e4che, sondern eine St\u00e4rke&#8221;, hat sie aber auch gesagt, vielleicht, als sie keine Gedichte mehr schreiben wollte und Ludwig Laher erz\u00e4hlte in der Diskussion noch einiges \u00fcber sein Schreiben und davon, da\u00df er in und f\u00fcr die Literatur leben w\u00fcrde.<br \/>\nDie Veranstaltung war wieder nicht besonders gut besucht, was Marianne Gruber damit entschuldigte, da\u00df irgend ein bedeutendes Rapid Matsch stattfinden w\u00fcrde, was mich \u00e4rgern k\u00f6nnte, immer diese Fu\u00dfballvergleiche, als ob sich die Frauen, die zu literarischen Veranstaltungen gehen, wirklich daf\u00fcr interessieren und die M\u00e4nner, die vorm Fernseher sitzen, sonst in die Gesellschaft f\u00fcr Literatur gingen? Dar\u00fcber k\u00f6nnte ich, wenn ich das wollte, einen Personal Essay schreiben, ich habe es jetzt aber gefl\u00fcstert und mich wieder an dem B\u00fcchertisch, freie Entnahme gegen eine kleine Spende, den es immer noch gibt, bedient und habe jetzt Manfred Bauers &#8220;Gamma Lex&#8221; und Helga Glantschnigs bei Droschl erschienenes Schlittschuhbuch &#8220;Meine Dreier&#8221;, nach Hause mitgenommen.<br \/>\nGustav Ernst und Karin Fleischanderl habe ich gesehen und Marianne Gruber nach der Figur des &#8220;Anderen&#8221; in ihrem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/04\/erinnerungen-eines-narren\/\">Buch<\/a> gefragt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Laher hat bei Haymon ein neues Buch herausgebracht, nach der sogenannten Sozialtrilogie &#8220;Und nehmen was kommt&#8221;, &#8220;Einleben&#8221; und &#8220;Verfahren&#8221; jetzt wieder Sprachkritischeres, n\u00e4mlich &#8220;Kein Schlu\u00df geht nicht &#8211; Erz\u00e4hltes und Reflektiertes&#8221;, sechsunddrei\u00dfig Texte, in denen sich der Essay mit &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16819\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-16819","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16819"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16819\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16819"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}