{"id":16795,"date":"2012-10-05T00:00:25","date_gmt":"2012-10-04T22:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16795"},"modified":"2012-10-05T00:00:25","modified_gmt":"2012-10-04T22:00:25","slug":"von-orten-ein-poem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16795","title":{"rendered":"Von Orten. Ein Poem"},"content":{"rendered":"<p>Das kleine graue Heftchen mit einem Schuh, grauen Socken und ebensolchen Schn\u00fcrrlsamt am Titelbild, Oleg Jurews zwischen 2006 und 2009 geschriebene Gedichte, die im Gutleut Verlag Frankfurt am Main und Weimar, erschienen sind, habe ich im Februar beim Fix Poetry Gewinnspiel, das es jetzt nicht mehr zu geben scheint, gewonnen und hatte keine Ahnung, wer Oleg Jurjew ist. Die Ahnung ist mir dann im Juli gekommen, als <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/08\/den-bachmannpreis-gewinnen\/\">Olga Martynova beim Bachmannpreis gelesen und gewonnen<\/a> hat. Er ist ihr Ehemann, 1959 geboren aus Russland emigriert, seit 1991 in Deutschland lebend. Am 23. Oktober werden die Beiden in der Alten Schmiede lesen, er aus seinem neueren, bei Jung und Jung erschienenen Gedichtband &#8220;In zwei Spiegeln&#8221;, sie aus den bei Droschl erschienenen Gedichten &#8220;Von Tschwirik und Tschwirka&#8221; und im Programm kann man \u00fcber Oleg Jurjew &#8220;von einem dreifachen Exil, als Lyriker in der Alltagssprache, als Jude in der Sowetunion, als russischer Dichter, der seit 1991 in Deutschland lebt, lesen.<br \/>\nElke Erb hat bei beiden B\u00e4nden \u00fcbersetzt oder beraten und das Poem besteht eigentlich aus Prosatexten in sechs Ges\u00e4nge, die sich tats\u00e4chlich von Ort zu Ort bewegen.<br \/>\nIn der &#8220;Kurpfalz&#8221; f\u00e4ngt es an &#8220;Weinberge im Schnee. Eine Katze geht vor\u00fcber&#8221;, lautete die \u00dcberschrift. Dann geht es &#8220;Eine Bergstra\u00dfe&#8221; weiter \u00fcber &#8220;Die Liebe zum Vaterland&#8221; nach \u00d6sterreich. Da tr\u00e4gt eine &#8220;Empfangsdame ein L\u00e4cheln, das mit einer gewissen Verz\u00f6gerung ihr Gesicht einholt.&#8221;<br \/>\nMit &#8220;Eine Rastst\u00e4tte am H\u00fcgel. Kyrillisch und lateinisch, Vokale und Konsonanten&#8221; geht es weiter in den &#8220;Sonnenwinter in Florenz. Fr\u00fcher Morgen (blau und golden und die scewarze florentinische Luft ist bereits aus der Stadt abgezogen.) zu den &#8220;Stra\u00dfen Chicagogs -Urbana\/Champaign, il \u00fcber Leben und Tod.<br \/>\nDer zweite Gesang f\u00fchrt zuerst in Z\u00fcrcher Oberland &#8220;Auf der Alm  lagen K\u00fche mit den Gesichtern betagter russischer Schriftstellerinnen liberaler Gesinnung des ausgehenden 19. Jahrhunderts.) von Z\u00fcrich nach Berlin und dann noch an den Nordseestrand &#8220;In den gestreiften H\u00fcttchen lesen die bem\u00e4ntelten und grestiefelten Kurg\u00e4ste B\u00fccher deren Umschl\u00e4ge schnattern.&#8221;<br \/>\nDann gibts &#8220;Neues aus der Baumkunde, die Schilerh\u00f6he oberhalb von Stuttgart, erstmals Herzogpark, heute Wildwuchs mit numerierten Baumst\u00e4mmen und biologischen Windbruch, anscheinend Mitte M\u00e4rz.&#8221;<br \/>\n&#8220;Warum riecht der Faulbaum nach billigen Parfum, der Flieder aber nach teurem?&#8221; fragt Jurjew weiter, um sich im dritten und vierten Gesang nach Frankfurt zu begeben, wo er zu leben scheint.<br \/>\nIm f\u00fcnften Gesang geht es nach  Leningrad zur &#8220;Tram Nummer neun&#8221; in die &#8220;sechziger Jahre&#8221; zum &#8220;Winter&#8221; und der &#8220;Nacht&#8221;.<br \/>\n&#8220;Puschkinberge. Fr\u00fcherbst 1977. Die Studentengruppe der Leningrader Hochschule f\u00fcr Binnenschiffahrt, an der ich damals studierte, hatte den &#8220;sozialistischen Studenten Leistungswettbewerb&#8221; gewonnen und wurde mit einem Gruppenausflug in die Puschkinberge belohnt, in die zu einem Museumspark erhobene Gegend im  Pskower Gebiet, in der Puschkins Gut lag. Hier ist es wirklich sehr sch\u00f6n.&#8221;<br \/>\nDanach gehts nach &#8220;Gantiadi, Abchasische Schwarzmeek\u00fcste, August 1985, Schwarzsiedlung am Eisenbahndamm, hinter ihr ein wilder Strand&#8221; um im Gesang sechs das &#8220;Verschwinden Marseilles&#8221; zu beschreiben .<br \/>\n&#8220;In den dunklen Gesichtern der Araber gl\u00fchten kleine Zigarettenkreise auf. Dann verschwanden auch sie. Seitdem hat Maseille niemand mehr gesehen.&#8221;<br \/>\nUm \u00fcber Elsa\u00df in die Pfalz zur\u00fcckzukommen.<br \/>\nEs gibt dann noch einen Epilog &#8220;\u00dcber die Geometrie der Substanzen und Wesen&#8221;, der Oleg Pafil gewidmet ist, sowie eine Danksagung an Elke Erb und etwas habe ich vergessen. Um die biografischen Angaben machen zu k\u00f6nnen, habe ich mir vorhin das Alte Schmiede Programm hergeholt. Das B\u00fcchlein ist aber in graues Packpapier eingewickelt, wenn man es heraussch\u00e4lt, kommt man zu einem weiteren Gedicht \u00fcber die Pfalz, einer Seite Text den Lebenslauf und einem gro\u00dfen Bild des Autors.<br \/>\nWieder etwas gelernt und vorhin in der Badewanne, eine interessante literarische Kurzreise durch das halbe Europa gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das kleine graue Heftchen mit einem Schuh, grauen Socken und ebensolchen Schn\u00fcrrlsamt am Titelbild, Oleg Jurews zwischen 2006 und 2009 geschriebene Gedichte, die im Gutleut Verlag Frankfurt am Main und Weimar, erschienen sind, habe ich im Februar beim Fix Poetry &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16795\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-16795","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16795"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16795\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}