{"id":16751,"date":"2012-10-01T00:47:19","date_gmt":"2012-09-30T22:47:19","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16751"},"modified":"2012-10-01T00:47:19","modified_gmt":"2012-09-30T22:47:19","slug":"die-schmerzmacherin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16751","title":{"rendered":"Die Schmerzmacherin"},"content":{"rendered":"<p>Marlene Streeruwitzs letzter Roman &#8220;Die Schmerzmacherin&#8221; mit dem sie letztes Jahr nicht nur auf die Shortlist des dBps gekommen, sondern auch den Bremer Literaturpreis gewonnen hat, ist nicht leicht zu verstehen. Zumindest mir, die ich ja die Struktur des realistischen Inhalts und die Chronologie brauche, ist es schwer gefallen, mit den vielschichtigen Handlungsstr\u00e4ngen und den Aussparungen der Geschichte zurechtzukommen, obwohl ja eigentlich sehr bed\u00e4chtig und passiv erz\u00e4hlt wird.<br \/>\nDa gibt es Amy Schreiber, die einerseits einen ber\u00fchmten Urgro\u00dfvater, eine reiche Tante in England, aber auch eine drogens\u00fcchtige Mutter hat, die sie als Kind zu den Schottolas nach Stockerau in Pflege gegeben hat oder geben mu\u00dfte, vierundzwanzig Jahre ist sie alt und hat ihr BWL-Studium abgebrochen. Jetzt soll sie eine Ausbildung zur Sicherheitsfachfrau in einer Firma die Allsecura hei\u00dft und an der deutsch tschechischen Grenze ihren Standort hat, machen. Ihre in England lebende Tante Marina hat sie dorthin vermittelt und Gregory, einer der Mitarbeiter, hat sie dort eingeschleust.<br \/>\nEs beginnt im Dezember, Amy f\u00e4hrt durch den Schnee dorthin, Raubv\u00f6gel tauchen auf, Amy krallt sich an die Whiskeyflasche und agiert einerseit sowohl paranoid als auch sehr passiv. Andererseits l\u00e4uft sie wieder sehr viel und \u00fcberlegt, ob sie es sich leisten kann ihre Ausbildung grinsend oder l\u00e4chelnd zu absolvieren.<br \/>\nSie rennt im ersten Kapitel durch den Ausbildungsort, eine ehemalige Schule, f\u00fcrchtet sich vor Cindy, die sie in der Rezeption trifft und die sowohl sehr schlank ist, als auch einen gro\u00dfen Busen hat. Dann trifft sie noch einen gefesselten Mann im Schnee und um einen ehemaligen DDR Agenten soll sie sich in dem Ausbildungsseminar auch k\u00fcmmern.<br \/>\n\u00c4hnlich geheimnisvoll geht es weiter. Im zweiten Kapitel geht es um einen Ged\u00e4chtnisverlust, der Freund Gino erleidet einen Unfall und als Amy nach England zu der Tante f\u00e4hrt, weil es auch noch einen Restitutionsanspruch gibt, erleidet sie eine Fehlgeburt, obwohl sie gar keinen sexuellen Kontakt hatte. Sehr minuti\u00f6s wird das alles erz\u00e4hlt. Dazwischen fallen die Ausdr\u00fccke, die man wohl in den Sicherheits- und NLP-Seminaren so lernt, von  Kommunikationstrainings und Verh\u00f6rmethoden wird erz\u00e4hlt. Marlene Streeruwitz hat auf ihrer Website eine ganze Linksammlung \u00fcber Sicherheitsfirmen und ihre Ausbildungsmethoden aufgelistet. Es gibt auch einige Szenen wo Amy foltern oder sich ihrer Folterer erwehren mu\u00df. Das das Rollenspiele sind, bekommt man erst sp\u00e4ter mit. Sie macht auch eine Ausbildung in einem Privatgef\u00e4ngnis in Nottingham, denn ihre Firma mit dem Heinz, dem Gregory, der Cindy und der Gertraud, ist inzwischen an die Engl\u00e4nder verkauft worden und hat den Namen gewechselt.<br \/>\nDazwischen zieht Amy wieder nach Stockerau zu ihren Pflegeeltern, die Pflegemutter ist  inzwischen an Krebs erkrankt und trifft in einer Konditorei einen Jugendfreund wieder und am Schlu\u00df rast sie durch die inzwischen leerger\u00e4umte Firma, um ihre Windstopperjacke zu suchen, findet Gregory, der sie wahrscheinlich vergewaltigt hat, tot am Konferenztisch liegen und telefoniert mit Gino, der eigentlich am Operationstisch liegt und man ist mit Marlene Streeruwitz durch die Welt der Sicherheitssysteme gerast und bleibt, ob der vielen Widerspr\u00fcche und der Themenvielfalt sprachlos zur\u00fcck.<br \/>\nHat einen ausgezeichneten und sehr gelobten Roman gelesen, der viel \u00fcber den Wahnsinn unserer Welt, ihrer Gewalt und ihrer Willk\u00fcr zu sagen hat und ihn trotzdem nicht ganz verstanden, aber das ist mir bei Marlene Streeruwitz schon \u00f6fter passiert.<br \/>\nZu dem Buch, das ich  bei einer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/16\/literatur-ist-der-rede-wert\/\">literarischen Soiree<\/a> gewonnen habe, weil das Publikum nicht wu\u00dfte, mit welchen ORF Redakteur sie befreundet war, gibt es auch eine eigene Geschichte. War ich ja bei der Lesung im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/09\/aktuelle-literarische-gesellschaftsbefunde\/\">J\u00e4nner in der Alten Schmiede<\/a> und bin dorthin mit einer Tasche voll Ausverkaufsb\u00fccher gekommen, die ich vorher beim Morawa kaufte und sie Angelika Kaufmann zeigte und ihr erkl\u00e4rte, da\u00df ich vermute, dieses Buch in einem Jahr, um ein paar Euro kaufen zu k\u00f6nnen. Dann habe ich es schon fr\u00fcher bekommen und jetzt, wo es inzwischen eine neue Shortlist des dBPs gibt, endlich gelesen. Inzwischen war ich sehr gespannt darauf, bin aber ein bi\u00dfchen an der Vielschichtigkeit der Streeruwitzschen Abgehobenheit gescheitert, da ich es ja gerne einfacher habe.<br \/>\nDie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/26\/verfuhrungen\/\">&#8220;Verf\u00fchrungen&#8221;<\/a> habe ich schon zu Pfingsten gelesen und habe mir da ein bi\u00dfchen leichter getan, obwohl das Milieu in beiden B\u00fcchern gleich ist. Au\u00dferdem habe ich in den offenen B\u00fccherschr\u00e4nken bzw. im Wortschatz in den letzten Monaten einige Streeruwitz B\u00fccher gefunden, die mich im n\u00e4chsten und \u00fcbern\u00e4chsten Jahr begleiten werden. Man darf gespannt sein, wie es mir beim Lesen geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marlene Streeruwitzs letzter Roman &#8220;Die Schmerzmacherin&#8221; mit dem sie letztes Jahr nicht nur auf die Shortlist des dBps gekommen, sondern auch den Bremer Literaturpreis gewonnen hat, ist nicht leicht zu verstehen. 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