{"id":16479,"date":"2012-09-16T11:01:13","date_gmt":"2012-09-16T09:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16479"},"modified":"2012-09-16T11:01:13","modified_gmt":"2012-09-16T09:01:13","slug":"die-letzte-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16479","title":{"rendered":"Die letzte Welt"},"content":{"rendered":"<p>Christoph Ransmayr beschreibt in seiner 1988 erschienen &#8220;Letzten Welt&#8221;, k\u00f6nnte man sagen,  Ovids &#8220;Metamorphosen&#8221; neu oder versetzt sie in die schwarz wei\u00df Szenerie der italienischen Filme der F\u00fcnfzigerjahre, denn in dem Tomi, in das der R\u00f6mer Cotta kommt, um nach dem aus Rom verbannten Dichter Naso zu suchen, er torkelt dabei aus dem Schiff, das ihn hinbringt, bleibt dann in der eisernen Stadt bewegungslos liegen, bevor er sich in das von dem Seiler Lyacon gemietete Zimmer zur\u00fcckzieht, gibt es Busse, einen Kr\u00e4mer mit Konservendosen, einen Brandtweinladen, Gl\u00fchbirnen und jedes Jahr im August erscheint auch ein Filmvorf\u00fchrer, der im oder vor dem Schlachthaus, einen anderen Ort f\u00fcr Filmvorf\u00fchrungen gibt es in der verfallenen Stadt nicht, die Trag\u00f6dien der Weltgeschichte vorf\u00fchrt und in dieser Stadt am schwarzen Meer, in die der Dichter, der &#8220;Metamorphosen&#8221;, verbannt wurde, tauchen auch die Figuren, auf die dort vorkommen. Der Schlachter, der Totengr\u00e4ber, die Seherin und nat\u00fcrlich auch Pytagoras, der Grieche, bei Ransmayer, Nasos Knecht, den er in Nasos Haus auch findet und ihn zuerst f\u00fcr den Verbannten h\u00e4lt, aber der ist auch aus der eisernen Stadt verschwundenen und nach und nach kommt man in die Geschichte, in den Roman hinein, mit dem Ransmayer ber\u00fchmt geworden ist und der, glaube ich, nicht nur durch seine sehr genaue bildreiche Sprache, sondern auch durch die Art, wie er die FIction mit der Historie zu verweben wei\u00df, besticht.<br \/>\nVon dem 1954 in Wels Geborenen, habe ich wahrscheinlich in den sp\u00e4ten Achtzigerjahren etwas geh\u00f6rt, als ich in dier Gumpendorferstra\u00dfe gesessen bin und mich an der Martha, &#8220;Zwischen H\u00fctteldorf und Heiligenstadt&#8221; und an den &#8220;Hierarchien&#8221; versuchte, habe von den Ruhm des fast Gleichaltrigen geh\u00f6rt und das, was ich als Textproben mitbekommen habe, f\u00fcr eher langweilig gehalten, so da\u00df ich das Buch, das ich schon vor l\u00e4ngerer Zeit im offenen B\u00fccherschrank gefunden habe, zwar ins Badezimmer zum Lesen legte, als ich meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/hundert-bucher\/\">&#8220;Hundert B\u00fccher Liste&#8221;<\/a> machte, es wieder zur\u00fccklegte und dann doch auf die von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">2012<\/a> setzte. Inzwischen habe ich nicht nur im Radio Textproben aus der &#8220;Letzten Welt&#8221; geh\u00f6rt, sondern auch den Dichter <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/26\/short-cuts-i\/\">mehrmals<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/29\/literatur-im-flus\/\">lesen<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/10\/abschied-vom-literaturprofessor\/\">geh\u00f6rt<\/a>,  habe nun mit der &#8220;Letzten Welt&#8221; begonnen und bin, was mir ja nicht sehr oft passiert, von dem Buch und der Art, wie hier Geschichte neu geschrieben wird, fasziniert. Ich kenne mich ja in den r\u00f6mischen und griechischen Mythologien nicht sehr aus, sie interessieren mich auch nicht besonders, da ich eher eine Sozialkritische bin, die die Welt und ihr Elend im Hier und jetzt begreifen will. Trotzdem kommt man, wenn man sich gleichzeitig auch f\u00fcr Literatur interessiert nicht darum herum, hat ja auch einmal Marie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/30\/reise-in-die-vergangenheit\/\">Therese Kerschbaumer in der Alten Schmiede von Naso Publius Ovidius sehr geschw\u00e4rmt<\/a>. Also vor ein paar Tagen pflichtbewu\u00dft zu lesen begonnen und dann in den Sog hineingezogen worden, obwohl es anf\u00e4nglich ein wenig m\u00fchsam war, sich in der Geschichte auszukennen. Ransmayer, der das Buch mit einem Elias Canetti Stipendium geschrieben hat, erleichtert es aber dem Leser durch einen Anhang, in dem er die Gestalten der &#8220;Letzten&#8221;, denen der &#8220;Alten Welt&#8221; gegen\u00fcberstellt und so komme ich nicht umhin, seine Neudeutung phaszinierend zufinden, obwohl er in den f\u00fcnfzehn Kapiteln nicht sehr viel erz\u00e4hlt und dann doch wieder und das vor allem, ich wiederhole es, in einer sehr genauen Sprache und da werden 1988 ganz erstaunlicherweise auch die Schlepper beschrieben, die den armen Gestalten in Rom die Sch\u00f6nheiten Odessas beschreiben, ihnen ihr letztes Geld abnehmen, um sie ins Zwischendeck zu zerren und sie in die Elendsst\u00e4dte zu schiffen, wo sie dann in die W\u00e4lder fl\u00fcchten und verslumen.<br \/>\nWar man 1988 schon so hellsichtig, ich, die Realistin wahrscheinlich nicht, Ransmayer hat beschrieben, was bei<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/26\/2-bachmann-lesetag\/\"> Linda Stift beim Bachmannlesen angeprangert<\/a> wurde und wenn der Sohn der Kr\u00e4merin versteinerte, nachdem sich der Epileptiker so in ihr Episkop verliebte, da\u00df er sich weigerte, den Vorf\u00fchrraum zu verlassen, so da\u00df ihm die Mutter sogar das Essen in die Stube bringt, habe ich an die Schulverweigerer und an Milena Michikos <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/12\/milena-michiko-flasar-und-festwocheneroffnung\/\">Flasars Roman<\/a> gedacht, der jetzt auf mehreren Listen steht.<br \/>\nAber Ransmayer wollte uns vielleicht nur die &#8220;Metamorphosen&#8221; n\u00e4her bringen und davon erz\u00e4hlen, da\u00df der Dichter Naso von Kaiser Augustus ans schwarze Meer verbannt wurde. Der R\u00f6mer Cotta geht ihn suchen, trifft dort seine Figuren wieder, so zum Beispiel die sch\u00f6ne Echo, die Magd des Seilers, die sich auch als Dorfhure verdingt, sie hat einen Hautausschlag, sonst ist sie sehr sch\u00f6n und sie erz\u00e4hlt ihre Geschichte, in dem sie die Worte der anderen wiederholt. Naso, der seine Werke, bevor er in die Verbannung ging, in Rom verbrannte, hat sie ihr aus dem Feuer wiedererz\u00e4hlt und auch eine Verwandlung der Menschen in Steine angek\u00fcndigt. So beginnt Cotta das Buch der Steine zu schreiben, Echo verschwindet aber, wie auch der Seiler, den Cotta schon einmal in einem Wolfskost\u00fcm trifft. Cotta, der f\u00fcrchtet verr\u00fcckt zu werden folgt Nasos Spuren bis Trachila. Dort erscheinen ihm auch Naso und Pytagoras als Visonen und einen Wolfskadaver findet er auch. Er kehrt in die Stadt zur\u00fcck und bringt Nasos Worte, die Pytagoras aufgeschrieben hat, mit, um sie im Seilerhaus, das ihm jetzt allein geh\u00f6rt, aufzuh\u00e4ngen. Die Kr\u00e4merin erz\u00e4hlt ihm manche Geschichte, der Asylanten, die sich in Tomi niedergelassen haben, die des Totengr\u00e4ber und des Schlachters beispielsweise, der hat die Schwester seiner Frau verst\u00fcmmelt und als die aus Rache den gemeinsamen Sohn t\u00f6tet, will er das auch bei den beiden Frauen versuchen, aber die verwandeln sich in V\u00f6geln und fliegen aus dem Haus.<br \/>\nEine perfektere Vermengung der Fiction mit der Geschichte habe ich noch nicht gefunden. Die Buch wirkt sehr lebendig und trotz dem F\u00fcnfzigerjahrecharms, in die Ransmyer, die r\u00f6mischen Ruinen versetzt, erstaunlich modern, wie ich schon an den obigen Beispielen zu beschreiben versucht habe.<br \/>\nBei Wikipedia kann man etwas finden, da\u00df die Rum\u00e4nen ihren Diktator in Augustus oder Nero wiederfanden, wor\u00fcber sich Ransmayer gefreut haben soll und, da\u00df Hans Magnus Enzensberger das Buch buschte und ein Hinweis, der f\u00fcr Interessierte vielleicht zu sp\u00e4t kommt, beim gestrigen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/15\/vom-funften-in-den-vierten\/\">Augustin B\u00fccherflohmarkt<\/a> in der Reinprechtsdorferstra\u00dfe gab es die Hardcover Ausgabe, ich habe ein Fischer TB gelesen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Ransmayr beschreibt in seiner 1988 erschienen &#8220;Letzten Welt&#8221;, k\u00f6nnte man sagen, Ovids &#8220;Metamorphosen&#8221; neu oder versetzt sie in die schwarz wei\u00df Szenerie der italienischen Filme der F\u00fcnfzigerjahre, denn in dem Tomi, in das der R\u00f6mer Cotta kommt, um nach &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16479\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-16479","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16479"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16479\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}