{"id":16353,"date":"2012-09-10T10:12:37","date_gmt":"2012-09-10T08:12:37","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16353"},"modified":"2012-09-10T10:12:37","modified_gmt":"2012-09-10T08:12:37","slug":"emma-oder-die-muhen-der-architektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16353","title":{"rendered":"Emma oder Die M\u00fchen der Architektur"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich vor einem Jahr Ruth Asp\u00f6cks Tagebuchprojekt <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/09\/nichts-als-eine-langweilige-blindschleiche\/\">&#8220;Nichts als eine langweilige Blindschleiche&#8221;<\/a>, gelesen habe, kehre ich zu den Wurzeln zur\u00fcck. Der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">offene B\u00fccherschrank<\/a> machts m\u00f6glich, denn da fand ihre 1987 bei Guthmann Peterson erschienene &#8220;Emma&#8221; und sie hat es, wie sie mir auf meine Frage antwortete, nicht selber hineingestellt. Es ist auch nicht das erste Buch, der 1947 Geborenenen, das erste ist &#8220;Und der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft&#8221;, beim Wiener Frauenverlag erschienen, der damals ja so hie\u00df.<br \/>\n&#8220;Emma oder die M\u00fchen der Architektur&#8221;, von dem ich schon einiges h\u00f6rte, ist ein interessantes Buch. Zum Teil, wie im Nachwort der Autorin steht, in Havanna und mit Hilfe eines Stipendiums unter Palmen in einem kleinen Zimmer geschrieben, die Autorin, hat, steht  in der Klappe, zu der Zeit als freie Wissenschaftlerin in Wien und Havann gelebt und &#8220;Emma oder die M\u00fchen der Architektur-Die Geschichte einer Frau aus Wien oder Wer hat Angst vor Schwarzen Mann&#8221;, wie es  in der l\u00e4ngeren Form hei\u00dft, ist ein  utopischer Roman, geht er ja bis in das Jahr 2000 und hier irrt sich die Autorin zweimal, denn im Jahr 2000 hat es ja kein Jugoslawien mehr gegeben und das AKH war nicht mehr dort, wo es die Autorin noch beschrieb und er ist vers\u00f6hnlich, wie ein M\u00e4rchen, viel sch\u00f6ner wie die Wirklichkeit, die die Autorin, wenn man in ihrer &#8220;Blindschleiche&#8221; nachliest oder sie ein bi\u00dfchen kennt und ich tue das ja sehr, selber nicht erreichte. Obwohl vieles auf dem ersten Blick autobiografisch scheint, der &#8220;Roman beschreibt aber&#8221;, wie sie im September 1987 schreibt &#8220;keineswegs mein Leben, wohl aber viel von dem, was ich beobachtet, geh\u00f6rt, gelesen und erfahren habe.&#8221;<br \/>\nEs beginnt im ersten Kapitel &#8220;Kinderspiele&#8221; mit dem f\u00fcnften Jahr der Besatzung und allgemeinen \u00dcberlegungen \u00fcber Krieg und Frieden, die sich durch das ganze Buch ziehen. Emma w\u00e4chst in dieser Zeit in Wien auf, hat eine \u00e4ltere Schwester, mit der sie sich gut versteht, streitende Eltern, von denen sich die Kinder weit wegw\u00fcnschen und daher im Kinderzimmer Zirkusspiele \u00fcben, um damit zu \u00fcberleben. Zu den Kinderspielen geh\u00f6rt auch das &#8220;Wer f\u00fcrchtet sich vom schwarzen Mann&#8221;, das genau beschrieben wird und auch dieses Thema durchzieht das ganze Buch.<br \/>\nDie kleine Emma w\u00e4chst in diesem Nachkriegs\u00f6sterreich auf, besucht das Gymnasium, beginnt Architektur zu studieren und bekommt von einem Pfarrer einmal einen &#8220;Gast aus Afrika&#8221; zur Betreuung anvertraut, mit dem wird sie sich dem Vater zum Trotz, der ihre Vorliebe f\u00fcr den &#8220;Negajazz&#8221; nicht teilt und lieber Volksmusik h\u00f6rt, liieren, hat er ihr doch auf ihre Frage, was er machen w\u00fcrde, wenn sie einen solchen &#8220;Nega&#8221; steht in dem Buch heiratet w\u00fcrde, lapidar mit dem Umbringen gedroht.<br \/>\nEr tut es nicht, die Beziehung zu dem Gast, der in dem Buch auch so genannt wird, geht auseinander, vorher gibt es eine Abteibung, das w\u00fcnscht der Gast so, bezahlt sie dann aber, wie angek\u00fcndigt, nicht. Das vierte Kapitel hei\u00dft &#8220;Ehefreuden&#8221; und da geht die blonde sommersprossige Emma pl\u00f6tzlich mit einem ebensolchen Kind und Ehemann spazieren. Wie es zu der Beziehung der Beiden kam, erf\u00e4hrt man eigentlich nicht oder nur nebenbei. Es kommt auch zur Scheidung, bei der Emma dann so weint, da\u00df der Richter sie fragt, ob sie es nicht vielleicht doch noch einmal versuchen m\u00f6chte? Sie m\u00f6chte nicht, hat sie der Ehemann, Sohn einer j\u00fcdischen Mutter, der auch gern ostj\u00fcdische Witze erz\u00e4hlt, so sehr geschlagen, da\u00df sie sich von einem Ohrenarzt behandeln lassen mu\u00df, der mit ihr ins Bett will.<br \/>\nMan oder Frau schreibt die Siebzigerjahre und Emma wendet sich dem Feminismus zu, geht in das damalige Frauenzentrum in die &#8220;Tandlergasse&#8221;,  macht als Architektin Karriere und schl\u00e4gt einige Berufungen aus, weil sie sich nicht korrumpieren lassen will.<br \/>\nDer Alltagrassismus ist ein st\u00e4ndiges Thema, so schickt sie ihren Sohn Franz in eine internationale Schule, damit er die Weltoffenheit lernt, als sie aber mit ihrer Schwester, deren Kind und den beiden Kindern, der Lehrerin Regine, die mit einem Chinesen verheiratet ist, zuerst nach K\u00e4rnten und dann nach Italien f\u00e4hrt, geniert sich ihre Mutter f\u00fcr die beiden Asiaten und wird nicht m\u00fcde zu betonen, da\u00df es nicht ihre Enkelkinder sind.<br \/>\nEmma findet ein sp\u00e4tes Gl\u00fcck mit einem Mann, der aus einem Land kommt &#8220;in dem die Farben schillern&#8221;.<br \/>\nWie es hei\u00dft, wird nicht genannt, ich nehme aber an, da\u00df Kuba damit gemeint wird, der will dort ein Friedenszentrum aufbauen und l\u00e4dt Emma ein, mitzukommen. Viel zahlen k\u00f6nnen sie ihr nicht, nur Kost und Quartier, sie kann dort aber architektonisch t\u00e4tig sein.<br \/>\nIm Jahr 2000 ist Emma mit ihm verheiratet, hat die Architektur, wenn ich es recht verstanden habe, aufgegeben, will aber ein Kinderbuch schreiben und die deutsche Sprache so reformieren, da\u00df nur mehr die Friedensw\u00f6rter in ihr enthalten sind.<br \/>\nSie trifft  ihre Jugendliebe, den &#8220;Gast aus Afrika&#8221; wieder, ihr Sohn ist Arzt geworden und die Alltagsrassismen h\u00f6ren nicht auf, denn  der Bankdirektor, den Emma auf einem Empfang trifft, spricht den letzten Satz des Buches &#8220;Asiaten und Nega, das sind ja wohl das Letzte.&#8221;<br \/>\nInzwischen schreiben wir 2012 und haben Ruth Asp\u00f6cks <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/08\/geburtstage\/\">f\u00fcnfundsechzigsten Geburtstag<\/a> im Februar gefeiert. Sie ist aus Havanna zur\u00fcckgekommen, einen eigenen Verlag gegr\u00fcndet und ihn wieder aufgegeben. Inzwischen verlegt sie ja bei L\u00f6cker, reist, schreibt, liebt und ist, wie ich glaube, sehr aktiv.<br \/>\nAn dem Buch, das mich, obwohl ich es ja erst jetzt gelesen habe, schon seit seiner Erscheinung beeindruckt hat, k\u00f6nnte ich wieder kritisieren, da\u00df es sehr theoretisch und zu wenig erz\u00e4hlend ist.<br \/>\n&#8220;Show an not tell!&#8221;, aber das war 1987  noch genausowenig das &#8220;must do&#8221;, wie 1938, denn da hat Sigrid Undset ihren Roman &#8220;Das getreue Eheweib&#8221; geschrieben, den ich gerade in Harland lese und bei dem ich das auch bem\u00e4ngle, obwohl sie 1928 den Nobelpreis bekommen hat.<br \/>\nWas mir noch auff\u00e4llt, ist, da\u00df es um Architektur in dem Buch, nicht oder nur sehr wenig geht, das ist die Kulisse zu Emma, k\u00f6nnte man sagen, Ruth Asp\u00f6ck hat ja Theaterwissenschaft studiert und der rote Faden mit den Alltagsrassismen am Beispiel des schwarzen Mannes. Und da hat sich, f\u00fcrchte ich, nicht sehr viel ge\u00e4ndert, au\u00dfer, da\u00df wir nicht mehr Neger sagen.<br \/>\nDie politische Situation hat sich ge\u00e4ndert, man kann heute nicht mehr so leicht, wie unter Kreisky studieren, die Migration hat auch heute sicher einen anderen Stellenwert, als sie es 1970 hatte und mit dem Feminismus ist es leider auch nicht so <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/09\/betrachtungen-zum-muttertag\/\">bergauf<\/a> gegangen, wie Ruth Asp\u00f6ck und auch ich wir es uns w\u00fcnschten.<br \/>\nTrotzdem gibt es einige B\u00fccher von Frauen, die Afrikaner geheiratet haben und ihre Sicht der Dinge <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/25\/etwas-wichtiges-fehlt\/\"> sehr energisch schildern<\/a> und das ist sehr interessant.<br \/>\nRuth Asp\u00f6cks pers\u00f6nlicher Traum hat ja, glaube ich, nicht so geklappt, wie man in ihren anderen B\u00fcchern nachlesen kann. In &#8220;tremendo swing&#8221; hat sie  ihre Zeit in Kuba beschrieben, in &#8220;Ausnahmezustand f\u00fcr Anna&#8221; ihre Zeit, in der sie in Spanien w\u00e4hrend der Franco Diktatur, studierte.<br \/>\nIch habe ja die meisten B\u00fccher Ruth Asp\u00f6cks und sehr viele von ihren auch gelesen. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/20\/kannitverstan\/\">&#8220;Kannitverstan&#8221;<\/a> habe ich hier besprochen.<br \/>\n&#8220;Konjunkurs-Erfahrungen zu Alfred Stern&#8221;,1998 erschienen, habe ich mit ihr w\u00e4hrend einer xxx-small Kleinmesse im Amerlinghaus tauschen wollen und bin da auf Widerstand gesto\u00dfen, obwohl sie jetzt  ihre B\u00fccher zur freien Entnahme in den B\u00fccherkasten legt. Sie hat es mir dann doch gegeben und es hat mich auch zu den &#8220;Wiener Verh\u00e4ltnissen&#8221; angeregt, wahrscheinlich, weil mir das &#8220;mangelnde Erz\u00e4hlen&#8221; auch damals aufgefallen ist. Ich habe es dann selber probiert. Es ist mir offenbar auch nicht recht gelungen, hat ja Diana Voigt, deren Agentur ich es damals anbot, gemeint, es w\u00e4re keine richtiger Roman und sie wisse nicht, wo man den verlegen k\u00f6nne?<br \/>\nInteressant ist es wahrscheinlich trotzdem, sowohl Ruth Asp\u00f6ck, als auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/12\/cover-fragen\/\">mich zu lesen<\/a>, in diesem Sinne freue ich mich auf die &#8220;Reisen Grillparzers&#8221;, Ruth Asp\u00f6cks n\u00e4chstes Buch, das bald erscheinen wird oder vielleicht schon ist, das vielleicht auch zu mir kommen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich vor einem Jahr Ruth Asp\u00f6cks Tagebuchprojekt &#8220;Nichts als eine langweilige Blindschleiche&#8221;, gelesen habe, kehre ich zu den Wurzeln zur\u00fcck. Der offene B\u00fccherschrank machts m\u00f6glich, denn da fand ihre 1987 bei Guthmann Peterson erschienene &#8220;Emma&#8221; und sie hat es, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16353\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-16353","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16353"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16353\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}