{"id":16268,"date":"2012-09-06T07:30:09","date_gmt":"2012-09-06T05:30:09","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16268"},"modified":"2012-09-06T07:30:09","modified_gmt":"2012-09-06T05:30:09","slug":"die-lizenz-zum-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16268","title":{"rendered":"Die Lizenz zum Schreiben"},"content":{"rendered":"<p>Die, die regelm\u00e4\u00dfig meinen Blog lesen, wissen ja, da\u00df ich ein Problem mit meiner &#8220;Erfolglosigkeit&#8221; habe. Da schreibe ich und schreibe und es kommt nicht dabei heraus, als an die drei\u00dfig Selbstpublikationen, ein einsames Bloggen, ein Hoppeln von Veranstaltung zu Veranstaltung und das mehr oder weniger laute Jammern dar\u00fcber. Meine Leser nehmen es kommentarlos hin, meine liebe Psychologiekollegin Irmgard Gelter, die mir einmal ihren Job auf der HNO-Klinik, Sprachambulanz verschaffte, mailte mir im Juli, da\u00df ihr mein Leiden an der mangelnden Resonanz auffalle &#8220;Aber W\u00fcnsche und Hoffnungen haben wohl die meisten Menschen und nicht alle gehen in Erf\u00fcllung!&#8221;, was wohl stimmt, aber sehr schwer zu verstehen und zu akzeptieren ist. F\u00fcr mich jedenfalls und da sich vor ein paar Tagen Viktor Frankls Todes- oder Geburtstag j\u00e4hrte, h\u00f6rte ich im Radio eine Logotherapeutin sagen, da\u00df der gro\u00dfe Arzt und Psychologe oder Neurologe, denn Psychologie hat er wahrscheinlich nicht studiert, uns in den KZs vorlebte, da\u00df man aus jeder Situation einen Sinn ziehen kann. Das genau ist mein Dilemma, denn was ist der Sinn, wenn man schreibt und schreibt und es kommt nicht das dabei heraus, was bei den anderen selbstverst\u00e4ndlich scheint.<br \/>\nDa gibt es <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/28\/letzte-sommerfrischenwoche-und-neue-osterreichische-literaturtalente\/\">junge Frauen,<\/a> die sind 1988 der 1989 geboren, bringen ihren ersten Roman bei Kiepenheuer und Witsch heraus und stehen auf der ORF-Bestenliste auf Platz eins und ich schreibe und schreibe, mache ein Buch nach dem anderen und blogge dann dar\u00fcber, wer heuer auf die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/20\/deutscher-buchpreis-und-andere-listen\/\">Longlist des dBP gekommen<\/a> ist und wer bei Rund um die Burg lesen darf.<br \/>\nNicht gerade lustig diese Hoffnunglosigkeit und wahrscheinlich schwer einen Sinn darin zu sehen, zumindestens ist mir das noch nicht gelungen. Denn die Alternative, die ich sehe, ist aufzuh\u00f6ren und das will ich nicht. Dagegen wehre ich mich mit H\u00e4nden und mit F\u00fc\u00dfen uns so schreibe ich und schreibe und bin wegen dem ausbleibenden Erfolg  schon ein bi\u00dferl depressiv.<br \/>\nIch wei\u00df schon, ich mu\u00df  es nicht, will es aber und habe wahrscheinlich viel mehr geschrieben, als die meisten, die auf der Longlist des dBp stehen und wenn ich das blogge, ist ein Schweigen die Folge, was auch nicht gerade lustig ist.<br \/>\nIch sollte nicht soviel jammern, denke ich dann manchmal und tue es trotzdem immer und immer wieder, denn es str\u00f6mt aus mir heraus und ist auch das, was ich mir denke.<br \/>\nDie Lizenz zum Schreiben, Anni B\u00fcrkl hatte diesen Satz auf ihren letzten Blog und bietet auch  Schreibseminare und Coachings an, die offenbar auch angenommen werden.<br \/>\nIch denke mir manchmal, da\u00df mir die Lizenz zum Schreiben fehlt, da\u00df ich, als die vergeben wurde, gerade nicht anwesend war, weil ich mich zuf\u00e4lligerweise immer zur falschen Zeit am falschen Platz aufzuhalten scheine, auch nicht sehr lustig.<br \/>\nMeine Freundin und Autorenkollegin Ruth Asp\u00f6ck, der es wahrscheinlich auch nicht viel besser, als mir geht und die ihre &#8220;Edition die Donau hinunter&#8221;, h\u00f6chstwahrscheinlich auch deshalb gegr\u00fcndet hat, damit sie ihre eigenen B\u00fccher verlegen kann, hat meine Anfragen, meine B\u00fccher bei ihr zu machen, immer abgewiesen und in sich in ihrem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/09\/nichts-als-eine-langweilige-blindschleiche\/\">&#8220;Blindschleichenbuch&#8221;<\/a> auch gefragt, was die Maria, mein Alter Ego, zum Schreiben animiert?<br \/>\nDas wei\u00df ich auch nicht so genau, es ist mir jedenfalls sehr, sehr wichtig, wahrscheinlich, weil es das Einzige in meinen Leben ist, was ich nicht so erreicht habe, wie ich es wollte und es gab einmal einen GAV-Kollegen, der wahrscheinlich auch nicht so besonders gut schrieb, dann hat die Feministin ihn verlegt und als ich ihn fragte, ob er sich bei ihr beworben hat, sagte er etwas \u00fcberheblich &#8220;Ich doch nicht, das habe ich nicht n\u00f6tig!&#8221;, sp\u00e4ter hat er ihr dann eine Klage angedroht, weil sie ihm ein Honorar f\u00fcr eine Lesung nicht zahlen konnte, weil sie das Geld nicht hatte.<br \/>\nDas ist wahrscheinlich der Unterschied zwischen den M\u00e4nnern und den Frauen, die M\u00e4nner sind von sich \u00fcberzeugt, die Frauen fragen nach und zweifeln und es ist nicht gerade lustig, sich beispielsweise am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/02\/zum-volksstimmefest\/\">Volksstimmefest<\/a> mit Julya Rabinowich \u00fcber den Alpha Preis, f\u00fcr den sie ja nominiert ist, zu unterhalten und zu wissen, da hast du mit deinen B\u00fcchern keine Chance und wenn du zu der Veranstaltung gehen willst, um dar\u00fcber zu schreiben, wirst du auch noch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/04\/sv-cocktail-krilit-alpha-literaturpreis\/\">hinausgeschmissen<\/a>, obwohl sie \u00f6ffentlich ausgeschrieben war.<br \/>\nWas ist die L\u00f6sung aus diesem Dilemma? Ich habe keine, wie meine Leser ebenfalls wissen werden. Denn ich will nicht aufgeben und das Selbstbewu\u00dfterwerden, wie ich es inzwischen praktiziere, hilft auch nicht wirklich weiter, wenn ich jemanden meinen B\u00fccher zeige und der sie mit gespreizten Fingern nimmt und gedehnt &#8220;Sehr sch\u00f6n!&#8221;, sagt und sich nach dem Verlag erkundigt.<br \/>\nDenn was macht man, wenn man schreibt und schreibt und kein Verlag will eine, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, vielleicht habe ich es ein bi\u00dferl patschert angestellt, bin nicht sehr selbstsicher, habe kein Charisma, etc, was macht man da, wenn man nicht aufh\u00f6ren will? Darf man da weiterschreiben und sich selber verlegen.<br \/>\nNein, habe ich bisher immer geh\u00f6rt und erfahren. Das darfst du nicht! Da hast du keine Chance! Inzwischen hat sich das ein wenig <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/30\/kehrtwende\/\">ge\u00e4ndert<\/a>, weil es ja die E-Books gibt, die jeder bei Amazon verkaufen kann, aber ob mich da wer kaufen w\u00fcrde, bin ich eigentlich skeptisch, bin ich ja schon einmal <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/18\/solo-lesung\/\">alleine bei einer Lesung<\/a> gewesen. Das Danebenstehen mit seinen B\u00fcchern ist aber nicht so leicht und das Bloggen ohne Resonanz auch nicht, obwohl ich sehr froh \u00fcber diese M\u00f6glichkeit bin und sie auch sehr intensiv n\u00fctze und wenn auch nur um zu jammern, denn das ist ehrlich und wird mit Herzblut praktiziert!<br \/>\nThomas Wollinger ver\u00f6ffentlichte auf seinen Blog <a href=\"http:\/\/thomaswollinger.com\/15800\">Schreiben<\/a>, das Mail einer Sechzehnj\u00e4hrigen, die  auch die Frage nach dem Sinn stellte und er hat ihr sehr lang, sehr intensiv und sehr wertsch\u00e4tzend darauf geantwortet.<br \/>\n&#8220;Weitermachen, denn es ist alles schon in dir!&#8221;<br \/>\nDas w\u00fcrde ich auch so sagen und ist auch das, was ich selber so gerne h\u00f6ren w\u00fcrde und offenbar immer \u00fcberh\u00f6re.<br \/>\nDu darfst schreiben und auch Schreibseminare besuchen, mu\u00dft aber nicht unbedingt ver\u00f6ffentlichen, w\u00e4re eine Antwort.<br \/>\nAber dann bist du weg vom Fenster und die Eigenintitative hat bis vor kurzem ja nicht viel gegolten. Ich habe keine Antwort auf diese Frage und sie besch\u00e4ftigt mich immer noch und immer wieder, auch in Zeiten des E-Books, weil ich ja meine B\u00fccher nicht bei Amazon einstelle, sondern immer noch f\u00fcnzig St\u00fcck bei digiataldruck.at drucken lasse, da schon meine Nachahmer habe, die dann irgendeinen Verlagsnamen draufschreiben oder auch nicht, zwei immer in meiner Handtasche trage,  im Augenblick schon vier B\u00fccher  habe, die aufs Fertigwerden warten und gespannt bin, wie meine Lesung am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\">29. 10. in der Alten Schmiede<\/a> werden wird und da habe ich auch schon Horrorvisionen, da\u00df ich da vielleicht ganz alleine lesen werde.<br \/>\nGanz so schlimm ist es nicht, nach der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/23\/nachrichten-aus-dem-sommerloch\/\">Tiefe der Sommerl\u00f6cher<\/a>, gibt es kleine Lichtblicke, so hat mich Stefan Schmitzer am Samstag beim Volkstimmefest auf meinen Text angesprochen und Nadine Kegele hat mir gemailt und gemeint, da\u00df ihr mein Text gefallen hat.<br \/>\nDas gibt es auch und das hat mir gut getan, noch dazu, da ich an diesem Tag wieder zweihundert Besucher im Literaturgefl\u00fcster hatte und der Wieser Verlag meine Rezension \u00fcber <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/01\/der-rosarote-balkon\/\">Axel Karners<\/a> neues Buch schon am Abend auf seiner Seite angef\u00fchrt hatte, obwohl ich ihn nicht verlinkt habe.<br \/>\nManchmal werde ich und das Literaturgefl\u00fcster also schon bemerkt und dann wieder \u00f6fter \u00fcbersehen und ich schreibe nat\u00fcrlich weiter, solange mir etwas einf\u00e4llt und das tut es noch und denke mir nur, da\u00df das so schwer ist, h\u00e4tte ich im Jahre 1973, als ich damit angefangen habe, nicht gedacht und besonders viel Gl\u00fcck habe ich wohl nicht auch dabei gehabt. Ich tue es trotzdem, beharrlich und verbissen und ein bi\u00dfchen, habe ich es wahrscheinlich inzwischen auch  gelernt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die, die regelm\u00e4\u00dfig meinen Blog lesen, wissen ja, da\u00df ich ein Problem mit meiner &#8220;Erfolglosigkeit&#8221; habe. 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