{"id":16036,"date":"2012-08-26T20:02:32","date_gmt":"2012-08-26T18:02:32","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=16036"},"modified":"2012-08-26T20:02:32","modified_gmt":"2012-08-26T18:02:32","slug":"die-nacht-von-olmutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=16036","title":{"rendered":"Die Nacht von Olm\u00fctz"},"content":{"rendered":"<p>Gustav K. Bieneks Roman &#8220;Die Nacht von Olm\u00fctz, 1946 erschienen, ist, in der Ausgabe von 1951, eines der B\u00fcchergilde-Gutenberg B\u00fccher, die ich von meinem Vater erbte und das ich schon immer lesen wollte.<br \/>\nJetzt habe ich mir ja einen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/13\/bucher-lesen\/\">Anlauf <\/a>gegeben und aus den B\u00fcchern ein paar f\u00fcr meine Leselisten herausgeholt und an Olm\u00fctz sind wir ja auch bei unserer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/19\/sechs-landerreise\/\">Sechs L\u00e4nderreise<\/a> durchgefahren und dann war das Buch auch ganz zuf\u00e4llig an der Reihe, so da\u00df ich es vorige Woche zu lesen begonnen und auch auf unser Slakdy Wanderwoche, das uns vom Gleinkersee ins Linzer Haus f\u00fchrte, mitgenommen habe und da wir uns am Samstag doch nicht auf den Warschenek, sondern nur auf den Stubwieswipfel trauten, wo wir schon nach zw\u00f6lf wieder auf der H\u00fctte waren, habe ich es auf den Rundwanderweg mitgenommen und  es Kaptitelweise von einer Bank zur anderen und dann noch ein paar Kapitel vor dem kleinen See gelesen, den es gleich bei der H\u00fctte gab.<br \/>\nEin interessanter Lesenachmittag, obwohl es thematisch weder in die Zeit noch in die Landschaft passt, denn &#8220;Die Nacht von Olm\u00fctz&#8221;, spielt in der Nacht vom 30. November 1948 zum 1. November in dem Olm\u00fctzer Schlo\u00df in das sich die Habsburger Kaiserfamilie nach der Revolution von 1948 zur\u00fcckgezogen hat und schildert in sechzehn Kapiteln, das, was in dieser Nacht passiert sein k\u00f6nnte, um den achtzehnj\u00e4hrigen Erzherzog Franzi am 2. Dezember 1948 zum Kaiser Franz Joseph zu machen, was er da dann ja sehr lange war.<br \/>\nDie Kaiserfamilie, Kaiser Ferdinand I, sein Bruder Erzherzog Franz Karl, seine Frau Erzherzogin Sophie, Erzherzog Franzi etc sind mit dem Gefolge in eines der kaiserlichen Schl\u00f6\u00dfer ins Olm\u00fctz geflohen und der 1920 geborene Schriftsteller und Journalist Gustav Karl Bienek, der auch Kulturredakteur der Arbeiterzeitung war, beschreibt das Ganze sehr ausf\u00fchrlich und gibt auch ein bi\u00dfchen Geschichtsunterreicht.<br \/>\nDie Revolution von 1948 ist gescheitert, das Volk, die ehrgeizige Erzherzogin Sophie und die Hokamarilla,  F\u00fcrst Windischgr\u00e4tz, F\u00fcrst Schwarzenberg, Baron Jellacic etc, wollen Ver\u00e4nderungen, denn der Kaiser ist schwach und g\u00fctig, so war, glaube ich, sein Beiname, &#8220;pascht&#8221; am liebsten von seinen Regierungsaufgaben ab und der ganze Hof mu\u00df ihn dann suchen und findet ihn auch meist am Kohlmarkt wieder, sein Bruder Franz Karl, der der n\u00e4chste Thronanw\u00e4rter ist, ist auch irgendwie eigenartig, denn er schnitzt am liebsten Holzpferde und Schiffe und beschenkt damit seine Kinder zu Weihnachten, ist aber eher liberal und die ehrgeizige Erzherzogin will mit ihrer Kamarilla im Bund ihren Sohn zum Kaiser machen.<br \/>\nDer Kaiser ist auch bereit abzudanken und so rennt Sophie mit dem Verzichtsdekret in der Kleidertasche jede Nacht zu ihrem Mann, offenbar hatten sie kein gemeinsames Schlafzimmer, um ihn zur Abdankung zu \u00fcberreden.<br \/>\nDer will aber nicht, sagt, das regelt sich von selbst, empf\u00e4ngt auch den Innenminister, einen ehemaligen Revolution\u00e4r und so passiert in der Nacht zum ersten Dezember in Olm\u00fctz angeblich sehr viel.<br \/>\nOb sich das wirklich so zugetragen hat, wei\u00df ich nat\u00fcrlich nicht, der Journalist und Schriftsteller hat es aber sehr spannend erz\u00e4hlt.<br \/>\nEs gibt den Kammerdiener Klapka und den Leibkoch Schandera, der den kaiserlichen Hoheiten Essigzwetschken bringt, der Kaiser entfleucht ein bi\u00dfchen und der junge Franzi geht zu seiner Geliebten Bozena, einem m\u00e4hrischen Bauernm\u00e4dchen, das ihn in die Liebe einf\u00fchrte und die Erzherzogin, geht zu ihren Mann, \u00fcberredet ihn das Dekret zu unterschreiben, er sch\u00fcttelt den Kopf, so geht es zuerst zum kaiserlichen Abendessen Sch\u00f6berl-oder Frittatensuppe, Wiener Schnitzel oder Beinfleisch und dann die gute Sachertorte, von der sich die kaiserlichen Hoheiten gleich ein paar St\u00fcck einverleiben, w\u00e4hrend der junge Franzi am liebsten Obst hat und das hat Bozena f\u00fcr ihn vorbereitet..<br \/>\nDann mu\u00df der Kaiser zu Franz Karl, um ihn zum Verzicht zu bewegen, der sagt, &#8220;Das macht schon der liebe Gott und ich w\u00fcnsche dir noch ein paar Jahre&#8221;, dann mu\u00df der Kammerdiener Klapka her, denn der war fr\u00fcher Schauspieler und der Erzherzog liest gerne Gespensterromane und scheint auch an Geister zu glauben. So erscheint ihm eines in einem wei\u00dfen Leintuch und sagt &#8220;Ich bins, dein Vater, der Kaiser Franz, danke endlich ab!&#8221;<br \/>\nDer Erzherzog erkennt nat\u00fcrlich den Kammerdiener, nennt ihn einen schlechten Schauspieler, was diesen fast zum Herzinfarkt bringt, dann geht er zu seiner Frau, erz\u00e4hlt ihr die Geschichte und verzichtet endlich und am 1. oder besser am 2. Dezember kann der junge Franzi, Kaiser Franz Joseph werden, da wird dieser Name auf der letzten Seite des Buches endlich erw\u00e4hnt, aber die Leserin hat sichs ohnehin schon ausgerechnet, da\u00df es Franz Joseph sein mu\u00df, denn, da\u00df der mit Achtzehn den Thron bestiegen hat, wei\u00df sie  aus der Schule.<br \/>\nDas Vaterland  also gerettet, bis 1916, bzw. 1918, denn im ersten Jahr ist Franz Joseph hochbetagt gestorben, im zweiten ging die Monarchie zu Ende und was das bedeutete, hat ja Joseph Roth in seinem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/25\/radetzkymarsch\/\">&#8220;Radeztkymarsch&#8221;<\/a> sehr eindringlich beschrieben, 1932, war das, dann kam der zweite Weltkrieg, den hat Roth nicht mehr erlebt und als der zu Ende war, sind sehr viele Romane entstanden, die Kaiser Franz Joseph und die Monarchie zum Inhalt hatten, die Sissi-Filme wurden gedreht und ich denke, das wird kein Zufall sein, da\u00df sich die F\u00fcnzigerjahre mit dieser Zeit besch\u00e4ftigten und diese B\u00fccher hat auch die B\u00fcchergilde Gutenberg herausgebracht.<br \/>\nEin paar habe von meinem Vater geerbt. Ernst Lothars &#8220;Engel mit der Posaune&#8221;, das sich auch mit dem Zerfall der Monarchie besch\u00e4ftigt und das ich gerade in Wien lese, habe ich im B\u00fccherschrank gefunden und einmal als Film mit der Paula Wessely als Henriette im Fernsehen gesehen.<br \/>\nJetzt besch\u00e4ftigt man sich ja weniger mit dem Zerfall der Monarchie. Unsere Zeit der Globalisierung und der Wirtschaftskrise verlangt andere Themen, wenn man aber die alten B\u00fccher hat und den Ehrgeiz sie alle aufzulesen, kann es schon sein, da\u00df man sich in einem Sommer viel mit der Monarchie besch\u00e4ftigt und es ist auch sehr interessant.<br \/>\nVon Gustav Karl Bienek, habe ich &#8220;Die Rabengasse&#8221; auf meiner Leseliste und &#8220;Das Wasserzeichen&#8221;, glaube ich, auch einmal bekommen. Schade, da\u00df der Autor inzwischen so vergessen ist und man im Internet nur sehr wenig \u00fcber ihn findet. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gustav K. 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