{"id":15967,"date":"2012-08-24T00:13:45","date_gmt":"2012-08-23T22:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=15967"},"modified":"2012-08-24T00:13:45","modified_gmt":"2012-08-23T22:13:45","slug":"semmering","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15967","title":{"rendered":"Semmering"},"content":{"rendered":"<p>Mit Alfred Komarek kann man jetzt den Semmering entdecken, gibt doch der 1945 in Bad Aussee geborene Autor, bei <a href=\"http:\/\/www.haymonverlag.at\/page.cfm?vpath=buecher\/buch&amp;titnr=7001\">Haymon<\/a>, eine neue Reihe &#8220;\u00d6sterreich von innen&#8221;, heraus. Der erste Band ist dieser bekannten Gegend gewidmet und das passt  sehr gut zu meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/12\/sommerfrische-und-korrigerarbeit\/\">Sommerfrische<\/a>, die ich zwar in keinem Grandhotel, sondern im ersten Stockwerk eines Hauses mit gro\u00dfen Garten in Harland bei St. P\u00f6lten verbringe und mit dem Semmering habe ich  auch meine Erfahrungen.<br \/>\nHabe ich doch in dem kleinen \u00d6rtchen K\u00fcb, von dem dich durch Alfred Komarek jetzt wei\u00df, da\u00df es ein Post Museum behergt, 1969, drei Wochen ein Ferialpraktikum in der Pension Wei\u00df gemacht, war ich ja nach der Hauptschule in der h\u00f6heren Lehranstalt f\u00fcr wirtschaftliche Frauenberufe und da haben die Lehrer einer das vermittelt. Ich war damals noch sehr jung und unsicher und bin sozusagen vom Ferienheim der Wiener Kinderfreunde in mein erstes Arbeitsverh\u00e4ltnis aufgebrochen und weil mir aufgetragen wurde, dort eine der Lehrerinnen zu besuchen, bin ich in einer meiner Freistunden nach Payerbach-Reichenau gewandert und das ist auch ein sehr ber\u00fchmter Ort, aber das habe ich damals nicht gewu\u00dft.<br \/>\nSp\u00e4ter bin ich ein paar Mal mit der Bahn \u00fcber den Semmering gefahren, wenn ich zum Beispiel zu den von der GAV organisierten Festen f\u00fcr Ernst Jandl, Friederike Mayr\u00f6cker oder Gerhard R\u00fchm nach M\u00fcrzzuschlag wollte und einmal vor ca f\u00fcnfzehn Jahren habe ich auch so eine Werbefahrt auf den Semmerring gemacht. es war glaube ich in Maria Schutz und es war Winter, so bin ich durch den Schnee gewandert, habe in dem Gasthaus, in dem die Veranstaltung stattfand, einen Krapfen gegessen und eine Blumenvase mit einer Kunstblume geschenkt bekommen.<br \/>\nAber zur\u00fcck zum Buch bzw. zum Semmering, denn der ist ein wahrhaft literischer Oret und birgt auch den ganzen Duft der vergangenen Monarchie immer noch in sich und da lese ich parallel ja zuf\u00e4llig auch ein paar passende B\u00fccher und der viel sp\u00e4ter geborene Autor scheint auch seine pers\u00f6nlichen Erfahrungen mit dem Semmering zu haben und sein pers\u00f6nliches Fotoalbum.<br \/>\nDenn in dem Buch sind immer wieder Fotografien enthalten. Beginnen tut es aber mit einem Z\u00fcndholzschachtelhalter mit der Aufschrift &#8220;Erzherzog Johann, Semmering&#8221; und das ist eines der Grandhotels, die es dort gibt bzw. gegeben hat, vielleicht nicht ganz so ber\u00fchmt, wie das Panhans oder das S\u00fcdbahnhotel, es wurde aber 1899 er\u00f6ffnet und ist 1945 abgebrannt.<br \/>\nVielleicht habe ich deshalb nie etwas von ihm geh\u00f6rt. W\u00e4hrend das Panhans ja einmal sehns\u00fcchtige Gel\u00fcste dort ein Wochenende zu verbringen, in mir erweckte und ich vom S\u00fcdbahnhotel immer wieder im Radio h\u00f6re, weil es dort ja Schnitzler Auff\u00fchrungen gibt.<br \/>\nAlfred Komarek beginnt also in seiner ein wenig nostalgischen Sprache von diesem Hotel zu erz\u00e4hlen und schwenkt dann zu den anderen \u00fcber, um zu der 1899 stattgefundenen Wettfahrt des \u00f6sterreichischen Automobil-Clubs zu kommen.<br \/>\nJa, das hat es dort gegeben, genauso, wie den Wintersport und darauf verweist gleich das zweite Foto. Das erste ist dem legend\u00e4ren Rennen gewidmeten, im zweiten sitzen drei altmodisch gekleidete Herren und eine Dame auf einem Bob.<br \/>\n&#8220;Resa Hansy, die Frau des vielgepriesenen Kurdirektors gibt Unterricht im Bobfahren&#8221;, lautet der dazugeh\u00f6rende Kommentar.<br \/>\n&#8220;Ihr Sch\u00fcler ist Erzherzog Karl Franz Josef, der sp\u00e4tere Kaiser&#8221;<br \/>\nDer Semmering war ein sehr elit\u00e4rer Ort, das ist kein Geheimnis. Adolf Loos war dort und hat auch einiges gebaut, was es heute noch oder nicht mehr gibt, Gustav Klimt, &#8220;aber auch die \u00f6sterreichische Literatur des ersten Jahrzehnts des zwanzigsten Jahrhunderts, setzte ihre Akzente&#8221;, schreibt Alfred Komarek weiter. Anton Kuh, Peter Altenbertg, Alfred Polgar etc,  waren da und da kommen wir gleich zu einem weiteren wichtigen Ort der Literatur, der noch heute seine Bedeutung hat, n\u00e4mlich der &#8220;Villa Wartholz&#8221;, wo ja heute ein<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/08\/preisgeschehen-2\/\"> Literaturpreis<\/a> vergeben wird, den zum Beispiel Andrea Winkler, Christan Steinbacher etc. gewonnen haben. Aber damals hat Erzherzog Karl dort seine Sommerfrische gemacht, w\u00e4hrend der Kaiser in Bad Ischl war und beide haben da von den Sch\u00fc\u00dfen in Sarajevo erfahren.<br \/>\nNeben dem Erzherzog Johann Z\u00fcndholzschachtelhalter, gibt es auch die Panhans-Anstecknadel, derer sich Alfred Komarek in seinen Beschreibungen bedient. Dann kam der erste Weltkrieg und der Zerfall der Monarchie. In den zwanziger Jahren wurde es etwas stiller am Semmering. Die noblen G\u00e4ste blieben aus und kamen erst in den drei\u00dfiger Jahren wieder und 1945 ist das nobele Hotel Erzherzog Johann abgebrannt.<br \/>\nDann kam Helmut Qualtinger und schrieb den bedeutungsschweren Satz &#8220;Wer nicht mit der Fritzi Kircheck an einem Sonntagnachmittag im Oktober mit einem Austro Daimler durch die Neunkirchner Allee gefahren ist, der wei\u00df nicht was \u00d6sterreich einmal war!&#8221;<br \/>\nNun dann wei\u00df ich es nicht, kann es mir aber dank Alfred Komarek ein bi\u00dfchen vorstellen, denn es geht gleich weiter mit den Abbildungen von ein paar Kaiser-Denkm\u00e4lern und den Ratschl\u00e4gen, wo man sie am besten sehen kann.<br \/>\nTheodor Herzl war am Semmering und ist, glaube ich, auch dort begraben und dann widmet sich Komarek nat\u00fcrlich ausf\u00fchrlich dem Semmeringbahnbau. Der junge Kaiser hat da ja mit seiner Sissi eine Probefahrt gemacht und wurde ru\u00dfgeschw\u00e4rzt.<br \/>\nKomarek f\u00fchrt dann alle wichtigen Orten an, die zum Semmering dazugeh\u00f6ren, bevor er wieder zu den ber\u00fchmten Sommerfrischlern kommt und ein Bild zeigt, wo Loos neben dem Ehepaar Schwarzwald steht, w\u00e4hrend Peter Altenberg vorne sitzt. Loos sollte der Frau Doktor ja eine ber\u00fchmte Erziehungsanstalt am Semmering bauen, der Kriegs hat verhindert. Ein Loos-Haus gibts dort aber, glaube ich, schon. Komarek macht noch Werbung f\u00fcr das beste Gasthaus der Umgebung &#8220;Wers nicht glaubt, solls ausprobieren!&#8221;, kommt dann zu den Sehnsuchtsorten und interwievt den alten Herrn Stix, der seit 1913 in Schottwien eine Gemischtwarenhandlung hat, bzw. 1915 geboren wurde, aber eigentlich K\u00fcnstler werden wollte. Dann gibt es noch das Kurhaus, 1909 wurde es erbaut, seit 1988 steht es leer und da gibt es eine alte Dame, die Tochter des Gr\u00fcnders, selbst \u00c4rztin und schon lang in Pension, die Alfred Komarek, die Dankesschreiben der Patienten zeigt und erz\u00e4hlte, wie es war, als Gerhard Hauptmann Gast war. ein Gedicht hatte sie auch einmal aufzusagen, das mit den Worten &#8220;Gr\u00fc\u00dfgott am Berg!&#8221;, endete.<br \/>\nThomas Mann soll sich in diesem Sanatorium aufgehalten und an seinen &#8220;Zauberberg&#8221; geschrieben haben und dann es noch die Geschichten um die Familie Wai\u00dfnix, die ja auch ihre ber\u00fchmte Rolle spielt. Von der Mutter der Mary Vetsera wird erz\u00e4hlt und am Schlu\u00df dankt Alfred Komarek allen, die ihm bei der Entstehung des Buches geholfen haben und man kommt in das heutige \u00d6sterreich mit seiner heutigen Sommerfrischetradition zur\u00fcck und hat wieder etwas gelernt.<br \/>\nEin interessantes Buch \u00fcber einen bekannten Ort, das ich wirklich nur empfehlen kann, obwohl es nat\u00fcrlich nicht das einzige  Semmering-Buch ist, das geschrieben wurde. Hat doch bei der ersten offenen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/21\/offene-lesung-beim-offenen-bucherschrank\/\">B\u00fccherschrank Lesung am 20. Juni<\/a> Gregor Ulrich im Kost\u00fcm von Peter Altenberg aus seinem Semmering Buch gelesen und wenn ich mich nicht irre, behandelt es die gleichen Themen, ist der Semmering mit seinen Mythen, ja ein Ort, der viele inspirieren kann. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Alfred Komarek kann man jetzt den Semmering entdecken, gibt doch der 1945 in Bad Aussee geborene Autor, bei Haymon, eine neue Reihe &#8220;\u00d6sterreich von innen&#8221;, heraus. 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