{"id":15566,"date":"2012-07-28T00:50:30","date_gmt":"2012-07-27T22:50:30","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=15566"},"modified":"2012-07-28T00:50:30","modified_gmt":"2012-07-27T22:50:30","slug":"sommer-am-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15566","title":{"rendered":"Sommer am Wasser"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Ja!&#8221;, dachte sie und hatte sich aufs Rad gesetzt. Sommer und Wasser das kann sch\u00f6n sein. Liebe, Waschtrog, Sommerfrische und das M\u00e4dchen im knappen Bikini, das dabei ist, in den See zu springen, kennen wir aus dem Werbeprospekt. Im Fremdenverkehrsmuseum gibt es eine Ausstellung der alten Plakate.<br \/>\n&#8220;Ich hab das Fr\u00e4ulein Helen, baden sehen, das war sch\u00f6n, da kann man Waden sehen, beim Badegehen, knapp und sch\u00f6n!&#8221;, haben damals doch die alten Herren im gestreiften Tricot gesungen. Theo Lingen und Konsorten. Mit verdrehten Augen auf die Waden und den Busen starren. Das ist vorbei, das Freibad l\u00e4ngst in Mode, die Herren d\u00fcrfen mit den Damen baden und brauchen nicht mit dem Feldstecher durch das Loch im Zaun hindurchblinzeln und sie ist mit dem Rad zum See unterwegs. Im Korb liegen  Badetuch,  Buch und Wasserflasche. Ein V\u00f6slauer Mineralwasser ist es nicht, stattdessen ein Soda Zitrone, der Haustrunk der fr\u00fcheren Zeiten und das Wetter ist auch nicht so besonders sch\u00f6n. Zum Gl\u00fcck hat es aber zu regnen aufgeh\u00f6rt, so kann sie ihre t\u00e4gliche Radfahrt machen. Aber sie ist sowieso nicht so empfindlich und hat als Kind in der Schule gelernt, da\u00df man bei jeden Wind und Wetter hinausgehen soll. Also das Rad genommen, so wie sie das t\u00e4glich in ihrer Sommerfrische, auch so ein altmodisches Wort von vorgestern, praktiziert und ein St\u00fcck die Traisen entlangfahren. Wenn man von Harland kommend nach St. P\u00f6lten f\u00e4hrt, hat man gar keine andere Chance als an den Seen vorbeizukommen. Freizeitpark hat es eine Freundlin einmal genannt. Das Erholungsgebiet zwischem den Ratzersdorfer und den Viehofner Seen, die seit einigen Jahren durch eine Br\u00fccke verbunden sind, die \u00fcberdacht und im dunklen Braun gehalten, ein bi\u00dfchen an die japanische Gartenwelt erinnert. An den Ratzersdorfer See ist sie schon fr\u00fcher gern gefahren, damals als sie noch t\u00e4glich von St. P\u00f6lten nach Wien pendelte, um ihren Vater zu betreuen. Da hat sie sich manchmal in der B\u00e4ckerei ein Baguette gekauft und ist mit ihrer Wasserflasche direkt an den See gefahren. Ein Buch und einen Block zum Schreiben hatte sie auch in der Handtasche. Selber nur die Zehen in den See gesteckt, ist sie doch bi\u00dfchen wasserscheu, den anderen aber beim Schwimmen zugeschaut, den Gespr\u00e4chen der Badenden gelauscht, sich inspirieren lassen. Manchmal war die kleine Tochter dabei und als einmal der Frans aus Holland auf Besuch gekommen ist, sind sie an den Erlaufsee gefahren und er ist durch den ganzen See geschwommen. An der Traisen kann man auch das Wasser genie\u00dfen und manchmal sogar ein Paddelboot bewundern. Ansonsten baden dort die Hunde und sie f\u00e4hrt am See entlang, wo gerade die B\u00fchne f\u00fcr das gro\u00dfe Event am Abend aufgebaut wird. Leider ist das Wetter doch nicht ganz so sch\u00f6n geworden, da\u00df sie ihr Badetuch am Wasser ausbreiten kann. Also am FKK Gel\u00e4nde vorbei \u00fcber die Br\u00fccke an die andere Seite gefahren, wo inzwischen zwei sch\u00f6ne Seen die Bev\u00f6lkerung zur Erholung lockt. Fr\u00fcher gabs dort ein NS-Zwangslager, wie der Historiker Manfred Wieninger zu enth\u00fcllen wu\u00dfte und man jetzt auf Tafeln nachlesen kann. Auf der einen Seite gibts die &#8220;Seedose&#8221;, die die Zeitschrift &#8220;News&#8221; schon einmal zum besten Restaurant der Gegend k\u00fcrte. Kann man da ja auf der Terrasse sitzen und bei einem Gl\u00e4schen Prosecco aufs Wasser schauen. Ein kleines K\u00fc\u00dfchen darf zur Steigerung der Gef\u00fchle auch dabei sein oder eine Tasse Schokolade mit oder ohne Schlagobers trinken, wie sie es gerne mag. Sie ist aber  weitergefahren. Am Parkplatz, wo man in Richtung Traisenpark, dem Einkaufscenter, wo sie sich manchmal in der Schokothek  Katzenzungen kauft, abbiegen kann, vorbei, das Weglein neben der Bahn eingeschlagen und bis zur Abzweigung entlanggestrampelt, wo man an den anderen See gelangt. Dort gibt es eine Aussichtswarte. Hundert oder so Stufen hinaufgelaufen, das Fahrrad an den gro\u00dfen Abfallsk\u00fcbel gelehnt und von oben die Wasserwelt betrachten. Ein \u00e4lterer Herr hat das schon vor ihr getan und l\u00e4uft mit seiner kleinen Enkeltochter um die Wette am Plateau herum. Die Kleine quietscht vor Vergn\u00fcgen. Die Oma liegt unten im Bikini auf dem Badetuch und schaut ehrfurchtsvoll hinauf. Ein wenig schwankt die Aussichtswarte von den schnellen Schritten, auf die beiden Seen,  Dom und  Klangturm, die Sehensw\u00fcrdigkeiten von St. P\u00f6lten l\u00e4\u00dft es sich trotzdem schauen und zu regnen hat es auch angefangen. Also  Badetuch,  Buch und Wasser ganz umsonst eingepackt. Die Regenpelerine w\u00e4re passender gewesen.<br \/>\n&#8220;Husch, husch!&#8221;, kreischt die Oma unten und kommt mit der langen Hose und der Regenjacke hinaufgest\u00fcrmt. Der Opa hat die Kleine aber schon auf die Schulter genommen, um hinabzusteigen.<br \/>\n&#8220;Sommer im Regen, Sommer am Wasser ist sch\u00f6n!&#8221;, denkt sie noch einmal, als sie langsamer die hundert oder so Stufen hinuntergestiegen ist und sich auf ihr Rad setzt, um die R\u00fcckfahrt nach Harland an der Traisen anzutreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ja!&#8221;, dachte sie und hatte sich aufs Rad gesetzt. Sommer und Wasser das kann sch\u00f6n sein. Liebe, Waschtrog, Sommerfrische und das M\u00e4dchen im knappen Bikini, das dabei ist, in den See zu springen, kennen wir aus dem Werbeprospekt. 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