{"id":15488,"date":"2012-07-25T00:59:51","date_gmt":"2012-07-24T22:59:51","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=15488"},"modified":"2012-07-25T00:59:51","modified_gmt":"2012-07-24T22:59:51","slug":"radetzkymarsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15488","title":{"rendered":"Radetzkymarsch"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich also auch den &#8220;Radetzkymarsch&#8221; gelesen, jenen 1932 erschienenen Roman, Joseph Roth mit dem er ber\u00fchmt geworden ist. Ich habe es ja schon \u00f6fter gefl\u00fcstert, meine Geschichte zu dem Buch, das es  im B\u00fccherkasten meiner Eltern, eine B\u00fcchergilde-Gutenbergausgabe mit den Initialen meiner Mutter R. J., Rudolf Prack auf der Umschlageseite auf der R\u00fcckseide ist Romy Schneider als Sissy mit dem jungen Karl Heinz B\u00f6hm zu sehen, gegeben hat, ist ein sehr ambivalentes.<br \/>\nIch habe es, als ich meinen Vater betreute, sehr oft in der Hand gehabt, aber nicht gelesen, denn f\u00fcr Joseph Roth habe ich mich sehr interessiert, aber nicht f\u00fcr einen Roman, in dem es \u00fcber die Monarichie und M\u00e4nner geht und die Frauen nur als Liebhaberinnen, Haush\u00e4lterinnen oder in Bordellen aufscheinen. In den fr\u00fchen Siebzigerjahren im Gartenh\u00e4uschen meiner Eltern, in dem ich damals meine Sommerfrischen machten, gab es  den Film von Michael Kehlmann, dem Vater des Daniel, mit Helmut Lohner in der Hauptrolle, an Guido Wieland kann ich mich noch erinnern und Gertraud Jesserer spielte, glaube ich, eine Hure, eine der wenigen Frauenrollen, an denen ich mich erinnern kann und war entt\u00e4uscht, lauter Uniformen und ein endlos Geschwafel \u00fcber die zerfallene Monarchie, was geht die mich an? Dann gab es ein Jubl\u00e4umsjahr,  da habe ich mir noch B\u00fccher gekauft, bzw habe ich mit mir gerungen und bin dann zum Libro auf die Mariahilferstra\u00dfe marschiert und  &#8220;Rechts und Links&#8221;, &#8220;Hotel Savoy&#8221;,  &#8220;Das Spinnennetz&#8221; erworben und die &#8220;Kapuzinergruft&#8221; glaube ich, bewu\u00dft ausgelassen. Dann habe ich mir noch 1994 die Lunzer Biographie und &#8220;Unterm B\u00fclowbogen&#8221; mit Texten des Journalisten gekauft und den Film &#8220;Tafelspitz&#8221; habe ich  auch einige Male gesehen und war hingerissen von seiner Sentimentalit\u00e4t und da zitiert Otto Schenk ja die Stelle mit dem &#8220;Tafelspitz&#8221;.<br \/>\nOtto Lembauer ist auch ein Joseph Roth Fan und hat den Vorsatz alle seine Werken zu lesen und im Literaturhaus gibt es  die Joseph Roth Gesellschaft und eine Reise nach Lemberg auf Roths Spuren, die ich dann noch nicht machte, daf\u00fcr die gro\u00dfe Ausstellung 2007, die irgendwie in die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_radiosonate.html\">&#8220;Radiosonate&#8221; <\/a>eingeflossen ist und noch ein paar Roth Veranstaltungen im Literaturhaus und da haben mich die alten M\u00e4nner sehr beeindruckt, die mit Tr\u00e4nen in den Augen von den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/23\/essays-reportagen-feuilletons-von-joseph-roth\/\">sch\u00f6nen Stellen schw\u00e4rmen<\/a>, die, wo der Kadettensch\u00fcler zum Wachmeister Slama geht und die Briefe von seiner verstorbenen Frau abholt.<br \/>\nJa und der Name &#8220;Trotta&#8221; hat die nicht Germanistin auch etwas verwirrt, denn in den &#8220;Drei Wegen zum See&#8221; kommt ja auch ein &#8220;Trotta&#8221; vor und die gab es 1977 oder so im Fernsehen. Inzwischen habe ich sehr viel gelesen, sammle alte B\u00fccher, wo ich sie bekommen und Thomas Wollinger hat pl\u00f6tzlich auch angefangen den &#8220;Radetzkymarsch&#8221; zu zitieren und immer wieder sch\u00f6ne Stellen gezeigt, an denen man das Schreiben lernen kann und ich will ja die B\u00fccher meiner Eltern auflesen, die in Harland stehen, also ist der &#8220;Radetzkymarsch&#8221; zu mir gekommen und ich war begeistert, denn <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/06\/die-flucht-ohne-ende\/\">&#8220;Flucht ohne Ende&#8221;<\/a> habe ich  vor kurzem gelesen und war  \u00fcber den &#8220;modernen Ton&#8221;, des 1939 elendig in Paris Verstorbenen besgeistert.<br \/>\nZufall, da\u00df ich in Wien gerade Ernst Lothars &#8220;Engel mit der Posaune&#8221; ein Fund aus dem B\u00fccherschrank lese, den ich einmal in der Paula Wessely Verfilmung gesehen habe, aber an diesem Ton kommt der Roman, der  wahrscheinlich auch vom Zerfall der Monarchie handelt nicht heran.<br \/>\nDer Untergang der Monarchie, mir als 1953 geborene ganz egal, Joseph Roth ist aber h\u00f6chstwahrscheinlich daran zerbrochen und hat sich wahrscheinlich auch \u00fcber die Offiziere ein wenig lustig gemacht, so w\u00fcrde ich es zumindestens interpretieren und,  um die Frauenfeindlichkeit, die Frauen kommen ja wirklich nur als Haush\u00e4lterinnen, Ehebrecherinnen, Prostituerte oder als die edlen Wesen vor, die die Kadettensch\u00fcler in die Welt der Liebe einf\u00fchren, kommt man nat\u00fcrlich nicht herum, es ist aber eine eigene Welt, die da geschildert wird und sie beginnt mit dem Helden von Solferino, dem Gro\u00dfvater, der den Kaiser das Leben rettet und dieser Franz Joseph ist ein Superheld und der Vater seiner Untertanen, wenn man Sorgen hat, geht man zu ihm zur Audienz und Franz Joseph richtet und als der Kaiser stirbt ist die ganze Epoche zugrunde gegangen und mit ihr auch das Geschlecht der Trotta, was jetzt, glaube ich, gar nicht so stimmt, denn es gibt ja einen Fortsetzungsroman, die &#8220;Kapuzinergruft&#8221; und die h\u00e4tte es auf dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/28\/bucherflohmarkt\/\">Stattersdorfer Flohmarkt<\/a> gegeben, da habe ich das Buch aber liegen lassen, weil ich dachte, ich h\u00e4tte es schon. Jetzt mu\u00df ich  warten bis ichs im B\u00fccherschrank finde und ich schreibe es gleich dazu, der &#8220;Radetzkymarsch&#8221; ist eines der besten B\u00fccher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und das meine ich, wie meine Stammleser wahrscheinlich wissen, nicht sehr oft. Bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/23\/im-westen-nichts-neues\/\">&#8220;Im Westen nichts Neues&#8221; <\/a>w\u00fcrde ich etwas \u00c4hnliches sagen, aber sonst eigentlich kaum und weil es so ein tolles Buch ist und nat\u00fcrlich auch sehr bekannt, weiche ich auch von meinem gew\u00f6hlichen Hineinlesen und den Inhalt wiedergeben ab und beschr\u00e4nke mich aufs Bonmonts. Leutnant Joseph Trotta rettet also dem Kaiser das Leben und bekommt allle Auszeichnungen, den Maria Theresia Orden,  wird Hauptmann und geadelt. Er heiratet dann auch bald und entdeckt eines Tages im Schulbuch seines Sohnes eine ganz falsche Darstellung der Szene, die ihn sehr erz\u00fcrnt, denn so war es ja nicht.<br \/>\n&#8220;Es ist ein Buch f\u00fcr Kinder!&#8221;, sagt seine Frau, die auch eine untergeordnete Rolle spielt und bald stirbt, das sagen auch seine Vorgesetzte und der Kaiser zu dem er sich deshalb in Audienz begibt, trotzdem quittiert er den Dienst, das Gedicht wird auch aus dem Schulbuch entfernt und der Sohn des Helden von Solferino wird Berzirkshauptmann und f\u00fchrt, bald Witwer geworden auch ein autorit\u00e4res Regime, obwohl er zu seiner Haush\u00e4lterin &#8220;Gn\u00e4digste&#8221; sagt, die kocht den sonnt\u00e4glichen Tafelspitz oder l\u00e4\u00dft ihn kochen und alle am Tisch essen sehr schnell, wie der Bezirkshauptmann, die Gn\u00e4dige l\u00e4\u00dft sich vom Diener Jaques, der eigentlich Franz Xafer Joseph hei\u00dft, in ihrem Zimmer nachservieren und der Kadettensch\u00fcler Carl Joseph Trotta, der immer am Sonntag in den Ferien nach Hause kommt, mu\u00df sich beeilen nachzukommen, dann darf er zwei Kirschkn\u00f6del essen und geht zuerst mit dem Vater, dann allein spazieren, das hei\u00dft in die Wohnung des Wachmeister Slamas, wo ihn die sch\u00f6ne Gattin sanft entjungfert. Als er mit der Ausbildung fertig ist, ist sie gestorben, der Vater schickt ihm zum Kondoloeren hin und der Wachmeister gibt ihm die Briefe seiner Frau, worauf er dann ins Cafehaus geht sich einen Kognac bestellt und den Vater trifft.<br \/>\nDas sind, glaube ich,  sehr beeindruckende Stellen und auch die, wo der alte Diener Jaques stirbt, mit ihm stirbt die Monarchie oder k\u00fcndigt ihren Verfall an. Er bekommt auch ein Begr\u00e4bnis erster Klasse, der alte Vater f\u00e4hrt darauf zum Sohn, der sich nach einem Duell an die russische Grenze versetzen lie\u00df und dort bekommt man vom Verfall der Monarchie noch viel mehr mit. Es gibt n\u00e4mlich Aufst\u00e4nde und Streks der unzufriedenen Arbeiter und als der Bezirkshauptmann einen neuen Diener einstellen will, scheitert er daran, denn die wollen sich nicht mehr Jaques nennen lassen und sind auch, ach Schande, bei der sozialdemokratischen Partei.<br \/>\nCarl Joseph beginnt aber zu spielen, ger\u00e4t in die F\u00e4nge einer Frau Taussig, verschuldet sich und der Vater mu\u00df ihn ausl\u00f6sen, in dem er sich wieder zum alten Kaiser in Audienz begibt, der wei\u00df nicht recht, ist das jetzt der Enkel, der Sohn oder der Vater, hilft aber, wie es von seinen Untertanen erwartet wird und w\u00e4hrend man in der Garnison ein Fest feiert, wird der Thronfolger in Sarajewo erschossen. Carl Joseph verl\u00e4\u00dft zuerst die Armee, f\u00e4llt aber, nachdem der Krieg ausbricht und der Vater stirbt, nachdem der Kaiser gestorben ist, denn das Geschlecht der Trottas kann ihn nicht \u00fcberleben.<br \/>\nEines der beeindruckensten B\u00fccher, die ich seit langem gelesen habe und der Otto und die alten M\u00e4mmer im Literaturhaus haben recht, Joseph Roth ist ein gro\u00dfer Dichter und man erf\u00e4hrt viel \u00fcber die ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhundert und, um die Monarchie in dem Sinn, wie man sie in den F\u00fcnfzigerjahren in den Sissy Filmen gesehen hat, geht es, glaube ich, dabei \u00fcberhaupt nicht, aber da war Joseph Roth schon lange tot, ist er an seinem Alkoholkonsum um Schreiben zu k\u00f6nnen und wahrscheinlich an der damaligen politischen Situation 1939 ja elendiglich in Paris zugrunde gegangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich also auch den &#8220;Radetzkymarsch&#8221; gelesen, jenen 1932 erschienenen Roman, Joseph Roth mit dem er ber\u00fchmt geworden ist. 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