{"id":15474,"date":"2012-07-24T00:51:23","date_gmt":"2012-07-23T22:51:23","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=15474"},"modified":"2012-07-24T00:51:23","modified_gmt":"2012-07-23T22:51:23","slug":"lebenslugen-und-nicht-warten-konnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15474","title":{"rendered":"Lebensl\u00fcgen und nicht Warten k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Im Album des Wochenendstandards ist ein Artikel des 1925 geborenen &#8220;Sprachpapstes&#8221; Wolf Schneider \u00fcber die &#8220;Liebe zur L\u00fcge&#8221; erschienen, der ein Buch dar\u00fcber geschrieben hat, das im Juli bei Rowohlt erscheint. Er beginnt bei Nietzsche, der gesagt haben soll &#8220;Die gew\u00f6hnlichste L\u00fcge ist die, mit der man sich selbst bel\u00fcgt!&#8221; und geht zu Ibsen weiter, der in seiner &#8220;Wildente&#8221;, im vorvorigen Jahrhundert, den Ausdruck &#8220;Lebensl\u00fcge&#8221; pr\u00e4gte, da es dort den &#8220;lebensunt\u00fcchtigen&#8221; Hljamar Ekdahl gibt, der immer eine Erfindung machen will, sie aber nicht macht und auch gar nicht beschreiben kann, was er erfinden will. Dann kommt ein Arzt daher und warnt den Sohn, den Vater aus den sch\u00f6nen Tr\u00e4umen zu rei\u00dfen, denn &#8220;Nehmen Sie dem Durchschnittsmenschen seine Lebensl\u00fcge, und Sie nehmen ihm sein Gl\u00fcck!&#8221;<br \/>\nDa habe ich mich, als ich das  Samstag gelesen habe, sofort betroffen gef\u00fchlt und \u00fcberlegt, ob mein erfolgloses Schreiben, mit dieser Art von Lebensl\u00fcge vergleichbar ist?<br \/>\n&#8220;Ja!&#8221;, habe ich vorauseilend gedacht, denn wenn man keinen Verlag findet, seine B\u00fccher selber macht, sieht man ja was passiert, wenn man sie im Literaturhaus oder anderswo jemanden zeigt oder sie im Wikipedia bekanntmachen will und mich unbehaglich gef\u00fchlt.<br \/>\n&#8220;Nein!&#8221;, habe ich gedacht und den Artikel eines sehr alten Mannes, der m\u00f6glicherweise so denkt, genauer gelesen.<br \/>\n&#8220;Nein!&#8221;, denn ich sage ja nicht, da\u00df ich drei\u00dfig B\u00fccher schreiben will, sondern habe sie geschrieben und weil ich sie nicht im stillen K\u00e4mmerlein liegen lassen will, gebe ich sie seit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/20\/indie-bucher\/\">2000 selbst heraus<\/a> und habe mich bisher gedreht und gewunden, wenn mich jemand fragte &#8220;Welcher Verlag?&#8221; oder &#8220;Ist das im Eigenverlag!&#8221;, wenn ich es ihm zeigte.<br \/>\nSeit ca einem Jahr, wo das Selfpublishing modern wird und immer mehr Leute ihre B\u00fccher als E-Books bei Amazon erscheinen lassen und angeblich sehr erfolgreich dabei sind, gilt das zwar nicht mehr so ganz, allerdings ist das, glaube ich, zu den Krtiker, Rezensenten, Literatur- und Sprachp\u00e4psten noch nicht so  durchgedrungen. Die halten eine, die schreibt und keinen Verlag findet, vielleicht immer noch f\u00fcr eine &#8220;lebensunt\u00fcchtige&#8221; Person und ich bin, als ich 2000 mit meinem ersten selbstgemachten Buch, den &#8220;Wiener Verh\u00e4ltnissen&#8221; dagestanden bin, \u00fcber die Reaktionen erstaunt gewesen, die ich bekommen habe.<br \/>\n&#8220;Das k\u00f6nnen wir nicht rezensieren, da kannst du nicht bei uns lesen, denn Eigenverlag wollen wir nicht!&#8221;<br \/>\nEs gibt Ausnahmen und hat sie schon damals gegeben, aber mit einem selbstgemachten Buch ist oder war man weg vom Fenster und keine Chance bemerkt zu werden. Etwas an dem ich  nage und was mich \u00e4rgert, da\u00df ich ein Jahr oder so an einem Buch arbeite, bis es erschienen ist, dann habe ich die f\u00fcnfzig sch\u00f6nen Exemplare, zeige sie her, schicke mein Belegexemplar an die NB, die das auch einfordert und das war es dann.<br \/>\nAlso habe ich eine Weile gebraucht bis ich die Argumente gefunden haben, warum das nicht so ist.<br \/>\nDenn ich w\u00fcrde zwar gerne einen kleineren oder gr\u00f6\u00dferen Preis gewinnen, behaupte aber nicht, da\u00df ich ihn bekommen habe und ich komme, abgesehen, da\u00df ich an meiner Erfolglosigkeit leide, auch ganz gut mit dem Schreiben und dem Leben zurecht.<br \/>\nVerstehe nur nicht recht, warum nur die schreiben d\u00fcrfen, die einen Verlag finden und auch nicht, warum dann alle auf den Gipfel streben, der eng und sehr beschr\u00e4nkt ist, wo nicht alle Platz finden, die schreiben wollen, sondern m\u00f6glicherweise nur die, die die sch\u00e4rfesten Ellbogen haben.<br \/>\nEs ist also keine Lebensl\u00fcge zu schreiben, wenn man keinen Verlag hat, nat\u00fcrlich nicht, lustig ist es trotzdem nicht, wie meine Leser wissen, die an meinen Jammereien teilhaben.<br \/>\nDurch die M\u00f6glichkeiten des Internets und des Selfpublishing aber viel besser geworden und deshalb schreibe ich auch so viel dar\u00fcber. Ich bin ja eine, die mit dem Konsumverzicht an sich gut zurechtkommt. Also eigentlich gar nicht so reich mit meinen B\u00fcchern werden will und auch nicht erpicht darauf, da\u00df sie soviele Leute lesen. Nur die, die es wollen und sich daf\u00fcr interessieren, sollen es tun.<br \/>\nIch will mich aber pr\u00e4sentieren, denn ein Buch ist ein Buch und mit f\u00fcnfzig Exemplaren, die auf meiner <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">Website<\/a> und auf meiner Publikationsliste stehen, habe ich das getan.<br \/>\nDie Schreibberichte finde ich auch sehr gut, die kompensieren vielleicht, das was mir an literarischer \u00d6ffentlichkeit fehlt.<br \/>\nDer Lebensl\u00fcge k\u00f6nnte man nun wieder ein bi\u00dfchen n\u00e4her kommen, wenn man glaubt, da\u00df das Netz wirklich eine \u00d6ffentlichkeit ist. Ist sie nicht, jedenfalls nicht bei mir. Ich habe derzeit, auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/23\/nachrichten-aus-dem-sommerloch\/\">Sommerloch <\/a>bedingt, knapp hundert t\u00e4gliche Leser und eine Handvoll Abonnenten wahrscheinlich, die mich regelm\u00e4\u00dfig konsumieren. Soll so sein. Ein bi\u00dfchen Anerkennung will aber ich f\u00fcr mein Schreiben, da wurde ich ja vor fast vierzig Jahren von meinen zwei Freunden geschockt, die mir so unverbl\u00fcmt ins Gesicht sagten &#8220;Du schreibst nicht gut!&#8221;<br \/>\nIch habe mich aber schon damals gefragt, ob ich das jemanden so sagen k\u00f6nnte, ohne, da\u00df er beleidigt ist. Kann ich nicht, bin ich daraufgekommen. Also mu\u00df es auch bei mir nicht sein. Denn wer sagt denn, da\u00df nur der schreiben darf, der den Nobelpreis bekommt und alle anderen geraten in die Ecke der Lebensl\u00fcge, wenn sie es trotzdem tun? Wenn man das denkt, l\u00fcgt man sich schon was vor, denn die Leute lesen zwar weniger, schreiben aber immer mehr und ich finde gut, da\u00df sie es tun und habe, glaube ich, schon immer, jeden von dort abgeholt, wo er steht und ermutigt weiterzumachen.<br \/>\nDas wird jetzt durch das Internet und die M\u00f6glichkeit des Selfpublishing ein wenig besser, es ist aber trotzdem zu bef\u00fcrchten, da\u00df wir dann das Zwei-Klassenschreiben haben, die einen, die die Preise bekommen und die anderen, die die Schreibseminare besuchen, sozusagen.  Aber das kann ich nicht ver\u00e4ndern, kann nur versuchen mich so selbstbewu\u00dftwie m\u00f6glich zu f\u00fchlen und mir die Anerkennung, die ich brauche, selbst zu geben, dann werde ich auch weniger jammern!<br \/>\nAllerdings habe ich auch schon traumatisierende Dinge erlebt, so glaube ich mich zu erinnern, Andre Heller einmal sagen geh\u00f6rt zu haben, da\u00df man nicht schreiben soll, weil man den gro\u00dfen Goethe damit beleidigt und f\u00fcr die B. war es ein Problem mit mir in der &#8220;Autorensolidarit\u00e4t&#8221; abgebildet zu sein, als dort mein Portrait in der &#8220;Eigenverlag&#8221; &#8211; Serie erschienen ist. Dabei ist sie, als ich ihr die &#8220;Wiener Verh\u00e4ltnisse&#8221; zeigte, sofort zu Digi\/Melzer gegangen und hat es auch so gemacht.<br \/>\nVor zehn f\u00fcnfzehn Jahren habe ich mich noch sehr gewundert, da\u00df alle so erpicht auf einen Verlagsnamen waren. Klar, damit kommt man wenigstens auf die Liste f\u00fcr die Buchpr\u00e4mie, auch wenn man sie dann nicht bekommt. Eigentlich ist das dumm, habe ich mir damals gedacht. Es scheint sich aber jetzt erst in dieser Richtung etwas zu ver\u00e4ndern und ich war meiner Zeit offenbar voraus.<br \/>\nDa sind wir schon beim zweiten Tagesthema der Ungeduld und dem nicht Warten k\u00f6nnen und das ist etwas, was mich sehr betrifft, weil ich es nicht kann und trotzdem ununderbrochen mu\u00df. Paul Jaeg hat mir ja angeboten ihm meine Manuskripte zu schicken, er tut sie in die Mappe f\u00fcr das \u00fcbern\u00e4chste Jahr. Das habe ich bei der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_hunger.html\">&#8220;Sophie Hungers&#8221;<\/a> nicht zusammenbgebracht, bzw. das Manuskript sowohl an ihn, als auch den Digitaldruck geschickt und der hat den Vorteil, da\u00df es sehr sehr schnell geht. Nach ein paar Tagen hat man das Buch und wenn ich nicht so ehrlich und so sparsam w\u00e4re, w\u00fcrde ich mir auch eine Nummer kaufen und Eva-Verlag daraufschreiben, wie das die etwas geschickten Kollegen tun.<br \/>\nSo habe ich mich selber in die Nesseln gesetzt und wundere mich, da\u00df sie stechen und jetzt jammere ich ein bi\u00dfchen dar\u00fcber, da\u00df ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/15\/produktionsstand\/\">vier Projekte<\/a> habe, die aufs Fertigwerden warten und im Moment nicht viel weiter geht. Obwohl es ja egal ist, denn sobald ich das Buch habe, schicke ich es an die NB, an die Alte Schmiede, an das Literaturhaus und noch an ein paar andere Orte, stecke zwei in die Tasche und bin frustriert, wenn der Erste dem ichs zeige, sagt &#8220;Sch\u00f6n!&#8221; und nicht hineinschaut.<br \/>\nAber es ist, wie es ist, viele Leute schreiben und der Digitalsdruck und das Internet erm\u00f6glichen viel, man kann sich  gut pr\u00e4sentieren und zu meinem &#8220;Gl\u00fcck&#8221;, um wieder zum Themea zur\u00fcckzukommen, fehlt mir ein bi\u00dfchen die Anerkennung, gerade jetzt im Sommerloch ist sie auch auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/12\/sommerfrische-und-korrigerarbeit\/\">Sommerfrische<\/a>, aber vielleicht kommt das noch, habe ich schon <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/poesie_und_brotberuf.html\">2002 f\u00fcr Ruth Asp\u00f6cks Veranstaltung &#8220;Poesie und Brotberuf&#8221;<\/a>, bei der Poldi geschrieben.<br \/>\nMeine Belegexemplare der Volksstime-Anthologie &#8220;Frauen texten Frauen lesen&#8221; sind inzwischen \u00fcbrigens gekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Album des Wochenendstandards ist ein Artikel des 1925 geborenen &#8220;Sprachpapstes&#8221; Wolf Schneider \u00fcber die &#8220;Liebe zur L\u00fcge&#8221; erschienen, der ein Buch dar\u00fcber geschrieben hat, das im Juli bei Rowohlt erscheint. 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