{"id":15154,"date":"2012-07-11T01:31:13","date_gmt":"2012-07-10T23:31:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=15154"},"modified":"2012-07-11T01:31:13","modified_gmt":"2012-07-10T23:31:13","slug":"sie-sprechen-mit-jean-amery-was-kann-ich-fur-sie-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15154","title":{"rendered":"Sie sprechen mit Jean Amery, was kann ich f\u00fcr Sie tun?"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Die Wiener Ausgabe des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/01\/herr-lehmann\/\">Frank Lehmann<\/a> ist Frank Smutny. Sie ist zwar weniger trinkfreudig, daf\u00fcr aber recht politsch!&#8221;, steht auf der R\u00fcckseite des 2011 bei Milena erschienenen Romans mit dem langen Titel, des 1965 in Neufelden O\u00d6 geborenen Kurto Wendt, der mit El Awadalla die Wiederstandslesungen am Ballhausplatz organisierte.<br \/>\nAlfred hat das Buch am letzten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/04\/linke-worter\/\">Volksstimmefest<\/a> gekauft, zuerst wollte ich es nicht lesen, dann habe ich aber die Lesung bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/04\/sv-cocktail-krilit-alpha-literaturpreis\/\">KritLit<\/a> geh\u00f6rt, war begeistert, denn es ist ein so realistisches Buch, wie es mir immer vorschwebt, wenn auch, wenn man den R\u00fcckschlagtext weiterliest, ein wenig reisserisch angehaucht. Es enth\u00e4lt aber sehr realistische Stellen und um bei Milena erscheinen zu k\u00f6nnen, wird es auch gen\u00fcgend abgehoben, bis zum Kitsch, politisch korrekt und ein bi\u00dfchen widerspr\u00fcchig ist es auch.<br \/>\nEs beginnt mit einem Brief an eine Magda. Frank schickt ihr seine Papiere und bittet sie, ihn seine Schulden zu zahlen, denn er ist ausgestiegen. Der n\u00e4chste Brief geht an den Bundespr\u00e4sidenten, wo er sich von diesem Staat abmeldet und im n\u00e4chsten Kapitel finden wir ihn beim Fr\u00fchst\u00fcck in der T\u00fcrkei.<br \/>\nDann geht es los mit der Geschichte des zweiunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen Frankie Boys, des ewigen Arbeitslosen, seit er nach seiner Buchh\u00e4ndlerlehre gek\u00fcndigt hat.<br \/>\nSeine AMS-Betreuerin vermittelt ihn an ein Callcenter, einige Wochen soll er vom Arbeitsamt bezahlt, dort arbeiten und hat die Chance \u00fcbernommen zu werden. Einen diesbez\u00fcglichen Alptraum gibt es auch im Buch. So f\u00e4hrt Frank schwarz mit der U3 von Ottakring, wo er eine Gemeindewohnung hat, zur Arbeit und ritzt immer einen Buchstaben seines Namens in den Wagon. Das Callcenter wird ganz, wie man es in den Medien immer findet, beschrieben, bis hin zu den Schulungen, wo der Guru vortanzt und alle m\u00fcssen &#8220;Ich bin der Gr\u00f6\u00dfte!&#8221;, schreien.<br \/>\nMan kann auch einen falschen Namen w\u00e4hlen. So nennt sich Frank &#8220;Jean Amery&#8221;, ohne wirklich viel von dem 1978 durch Freitod verstorbenen Schriftsteller zu wissen und bekommt seltsame Anrufe von einer Calla, die mit ihm diskutiert und ihn zu politischen Aktivit\u00e4ten verf\u00fchren will. Sie gibt ihn auch einen Kriminalfall aufzukl\u00e4ren. In Favoriten brannte es in einem Asylantenheim und ein Neo-Nazi wird tot aufgefunden. Frank kl\u00e4rt, umzirzt seine Vorgesetzte Magda, lernt den Schwulen Bo kennen, verliebt sich in ihn, feiert Geburtstag, besucht seine Tante und macht seine ungeliebte Arbeit so gut, da\u00df er in den &#8220;Platin Sektor&#8221; aufsteigen darf. Soll er annehmen oder nicht? Er tut es nicht und bekommt dann noch einen Koffer Geld, eine Kellneruniform und den Auftrag einem Minister eine vergiftete Suppe zu servieren. Obwohl politisch auf der anderen Seite, bleibt Frank korrekt, sch\u00fcttet dem Minister die Suppe vor die F\u00fc\u00dfe und haut mit dem Geld in die T\u00fcrkei ab.<br \/>\nSo weit die Mischung zwischen Arbeitsamtsatire und Politthriller, die ich, da ich mich ja schon lange mit dem Schreiben von realistischen Romanen besch\u00e4ftige, als noch nicht ganz ausgereift bezeichnen w\u00fcrde. Oder am Schlu\u00df ist der Stift mit dem Autor, der, wie ich seinem Blog entnahm, schon am zweiten Buch schreibt, durchgegangen.<br \/>\nDie realistischen Szenen gefallen mir aber und manches ist mir zuwenig politisch korrekt, so bin ich zum Beispiel gegen das Schwarzfahren, das Sachbesch\u00e4digen und gegen die Langzeitarbeitslosigkeit. Trotzdem war es sehr spannend einmal einen sehr aktuell politischen Roman zu lesen und einen Nachsatz habe ich noch, den sich meine Stammleser schon denken k\u00f6nnen, obwohl Kurto Wendt ja so politisch korrekt ist, da\u00df er immer &#8220;FreundInnen&#8221; etc, schreibt, also mit gro\u00dfen I f\u00fcr eine geschlechtsneutrale Welt und sein Vorgehen im Nachwort begr\u00fcndet und dem Verlag daf\u00fcr dankt, da\u00df ers ihm erlaubte. Also es war eine vergn\u00fcgliche Lekt\u00fcre, ich bin aber immer noch der Meinung, da\u00df der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/09\/betrachtungen-zum-muttertag\/\">Wiener Frauenverlag<\/a> keine M\u00e4nner verlegen sollte! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die Wiener Ausgabe des Frank Lehmann ist Frank Smutny. 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