{"id":15074,"date":"2012-07-07T15:54:03","date_gmt":"2012-07-07T13:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=15074"},"modified":"2012-07-07T15:54:03","modified_gmt":"2012-07-07T13:54:03","slug":"zweiter-lesetag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15074","title":{"rendered":"Zweiter und dritter Lesetag"},"content":{"rendered":"<p>Und Freitag ein wahrhaft fulminanter Reigen von lauter starken Stimmen, vier weibliche, die letzte kam von einem Mann und zeitweise wu\u00dfte man nicht, hat man jetzt die Preistr\u00e4gerin, wird sie Mahlke oder Martynova hei\u00dfen und geht es sich f\u00fcr einen Preis f\u00fcr Cornelia Travnicek aus, was ich eigentlich nicht bezweifelte.<br \/>\nAber wieder Geduld, liebe Eva, denn morgen ist auch ein Tag, wo noch vier Autoren lesen werden. Trotzdem war es heute interessant. Zur Einstimmung kam ein Video aus dem <a href=\"http:\/\/www.literaturcafe.de\/bachmann-preis-podcast-folge-3-gelesen-und-lesen-werden\/\">Literaturcafe<\/a>, wo man gleich einmal Cornelia Travnicek sehen konnte und von dem Fest in Maria Loretto erfuhr, das ich in Harland ja vers\u00e4umte und nach meiner Radfahrt nach Wilhelmsburg gestern mich eher niedergeschlagen an die Korrektur <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/01\/rohtextrapport\/\">meines Textes<\/a> machte und wieder dachte, so vielschichtig bin ich doch nicht und mich gerne ablenken lie\u00df, als mich der Alfred aufforderte, ihm bei der Gartenarbeit zu helfen.<br \/>\nDas erste Video wurde im Saal und im 3-Sat gezeigt und die 1977 in Hamburg geborene Inger-Maria Mahlke ist die, die in ihrem Portrait, Farben vermischte.<br \/>\n&#8220;Endlich mal ein originelles Portrait!&#8221;, schrieb man, glaube ich, im Literaturcafe und ihr namenloser Text, vorgeschlagen von Burkhard Spinnen, ist der, dem ich bis jetzt den Preis w\u00fcnsche, auch wenn in der Jurydiskussion, \u00fcber die &#8220;Du-Perspektive&#8221; diskutiert wurde und Maike Fe\u00dfmann gegen ihn war. Mir hats gefallen, die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die, wie gesagt wurde, im gnadenlosen &#8220;Du&#8221; erz\u00e4hlt, wie das \u00dcberleben mit Hartz IV passiert. Das Wegr\u00e4umen der Legosteine des Sohns Lucas, die Arbeit im Backshop, das Gek\u00fcndigtwerden und dann das Anlegen der Maske, um als Domina in einem Sado-Maso-Schuppen &#8220;Karriere&#8221;, zu machen. Ich habe den Text sowohl sehr sch\u00f6n erz\u00e4hlt, als auch sehr realistisch gefunden und dachte dann, Cornelia Travnicek hat gleich zweimal Pech. Erst einmal, nach einer m\u00f6glichen Preistr\u00e4gerin zu lesen, es k\u00f6nnte auch sein, sie hat davor gelesen und dann mit einem Text, wo das Erwachsenenwerden  mit dem Begraben, nicht mit dem Bi\u00df, eines Hundes passiert, also  sehr \u00e4hnlich, wie der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/05\/vom-36-bachmannlesen-eroffnung\/\">Moster-Text<\/a>, wof\u00fcr sie sich, wie man in ihren Tweeds bzw. Interview h\u00f6ren konnte, auch entschuldigt hat.<br \/>\nIch kenne die 1987 in Traismauer geborene Cornelia Travnicek schon sehr lange, n\u00e4mlich seit sie einmal beim Exil-Preis, der Christa Stippinger gewonnen hat, dann kam ihr Roman <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/04\/die-asche-meiner-schwester\/\">&#8220;Die Asche meiner Schwester&#8221;<\/a> 2008 und die Buch-Wien in diesem Jahr,  dar\u00fcber hat sie, glaube ich, im Literaturcafe berichtet, so bin ich mit ihr im November in pers\u00f6nlichen Kontakt gekommen, habe <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/12\/textvorstellungen\/\">2009  in der Alten Schmiede<\/a> mit ihr gelesen und verfolge ihre Tweets, facebook und Blogeintragungen, weil man,  dadurch sehr viel vom Leben einer Jungautorin erfahren kann, die lange auf die Einladung zum Bachmannpreis gewartet, bzw. schon vor Jahren f\u00fcr das literaturcafe eine Serie  <a href=\"http:\/\/www.literaturcafe.de\/rubrik\/praxisbericht\/page\/2\/\">&#8220;Bis Klagenfurt anruft&#8221;,<\/a> geschrieben hat.<br \/>\nDanach kam Olga Martynova, 1962 in Russland geboren, in Leningrad aufgewachsen, in Frankfurt lebend und, wie ich inzwischen ergooglet habe, mit Oleg Jurjew verheiratet,  dessen &#8220;Von Orten &#8211; ein Poem&#8221;, ich bei Fix-Poetry gewonnen habe und das auf meiner Leseliste steht.<br \/>\n&#8220;Ich werde sagen &#8220;Hi&#8221;, hei\u00dft ihr Text, den ich, weil ich, w\u00e4hrenddessen mein Mittagessen machte, nicht so aufmerksam verfolgte. Er wurde von der Jury aber sehr gelobt und nur ein bi\u00dfchen angemerkt, da\u00df &#8220;sagte&#8221; sehr oft vork\u00e4me, was einem in der Schule von den Lehrern hinausgestrichen  werden w\u00fcrde.<br \/>\nIn der Mittagspause gabs ein Portrait von Margret Atwood und eine Diskussion, die ich verschlafen habe. Mit dem lieben Otto habe ich auch gemailt und ihm meine Eindr\u00fccke wiedergegeben. Am Nachmittag ging es mit Lisa Kr\u00e4nzler weiter, 1983 geboren, die auch eine neue starke Stimme ist und von der Sexualit\u00e4t im Kindergarten, den Mi\u00dfbrauch und den sozialen Unterschieden erz\u00e4hlte und zuletzt wurde nochmals E.T.A Hoffmann, den  schon Olga Martynova zitierte, erw\u00e4hnt, denn da wurde es in Simon Froehlings Text, einem  1978 geborenen Schweizer, \u00fcbersinnlich und auch ein wenig kitschig.<br \/>\nBeginnt es doch mit &#8220;Mein Name ist Regina Maria Dietschi, gestorben am letzten Julitag dieses Jahres&#8221; und man erf\u00e4hrt von einem Studenten namens Max, der im H\u00f6rsaal zusammenbricht, auf der Intesivstation erwacht und nach und nach erf\u00e4hrt man, es geht um eine Nierentransplantation.<br \/>\n&#8220;Ich werde dich finden&#8221;, hei\u00dft der Text und die Jury war ein bi\u00dfchen ratlos, beziehungsweise \u00fcberbot sie sich mit Beispielen, wo das in der  schon besser gel\u00f6st wurde. Bei Sabine Gruber  beispielsweise und was h\u00e4tte E.T.Hofmann f\u00fcr eine Gespenstergeschichte daraus gemacht?&#8221;, fragte, glaube ich, Burkhard Spinnen.<br \/>\nDann ging es vor das ORF-Theater und da wurde diskutiert, wie sich der Preis in den sechsunddrei\u00dfig Jahren, den es ihn schon gibt, ver\u00e4nderte, bzw. welche Skandale es gegeben hat.<br \/>\nRainer Goetz, hat sich in den Hals geschnitten und Marcel Reich-Ranicki diskutierte, bis einer im Publikum, als das Blut schon zu ihm tropfte, rief, er halte das nicht aus und dann gab es auch den Text &#8220;Baby ficken&#8221;, der eigentlich einen strafrechtlichen Bestand schilderte, so da\u00df einer der Juroren nach dem &#8216;Richter rief, etc.<br \/>\nDas wars, das Wetter hier sieht ein wenig nach Gewitter aus, trotzdem werde ich mich wieder auf das Rad schwingen, denn vieleicht gibts in St. P\u00f6lten ein Hauptstadtfest.<br \/>\nUnd weil ich nachher noch eine gro\u00dfe Stimme des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/06\/die-flucht-ohne-ende\/http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/06\/die-flucht-ohne-ende\/http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/06\/die-flucht-ohne-ende\/http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/06\/die-flucht-ohne-ende\/\">alt\u00f6sterreichischen Literaturbetriebs<\/a> besprechen wollte, schlie\u00dfe ich gleich mit dem Samstag an, wo als erster  Matthias Nawrat, 1979 in Polen geboren, in Biel und Bamberg lebend und am Bieler Literaturinstitut studiernd, gelesen hat.<br \/>\nIn seinem Filmchen sitzt er auf der Stra\u00dfe, grinst spitzb\u00fcbisch in die Kamera, sagt, da\u00df er Bier liebt und beim Essen nicht beobachtet werden will und las, wie die Jury befand, von einer sehr merkw\u00fcrdigen Familie. So merkw\u00fcrdig fand ich den &#8220;Unternehmer genannten&#8221; Text, nicht einmal, gut er war ein wenig abgehoben und r\u00e4tselhaft, aber das m\u00fcssen Bachmanntexte ja sein, mir aber sehr sympathisch und eine Fortf\u00fchrung des Mahlke Textes. Hier ist es die Familie, erz\u00e4hlt von der menstruierenden Tochter, die ihr Hartz IV Gl\u00fcck im Schwarzwald versucht. Sie schlachten Computer aus und tr\u00e4umen von einem Haus in Neuseeland.<br \/>\n&#8220;Sie werden nie hinkommen!&#8221;, sagte sp\u00e4ter die Jury, was die alles wei\u00df? Und verglich es mit H\u00e4nsel und Gretel. Der Sohn hat dabei seinen Arm verloren, die Mutter kocht Karottenlasagne und die Tochter verliebt sich in einen Arbeitslosen und wird die Familienidylle wohl verlassen.<br \/>\nSo weit, so waht und gut gemacht w\u00fcrde ich sagen. Dann kam Matthias Senkel, das ist der, der sich bei seinem Portrait zeichnen lie\u00df, 1977 geboren, in Leipzig lebend und der machte etwas, was sich von der Familien-Tier-Idylle, die wir diesmal hatten, deutlich abhob. Er portraitierte den Literaturbetrieb, das darf man nicht, habe ich schon gelernt und er wird daher den Preis wahrscheinlich nicht gewinnen. Mir gef\u00e4llt soetwas aber sehr und es war noch sehr bed\u00e4chtig, fast altmodisch gemacht. Das Erholungsheim f\u00fcr Schriftsteller mit Schreibblockaden, die dort ihre Romane schreiben, verfolgt, \u00fcberwacht oder was immer werden und die Jury nat\u00fcrlich spaltete. Wer hat ihn vorgeschlagen?, fragte sich das Literaturcafe. Mich hats ganz ehrlich auch gewundert, da\u00df das Herr Jandl war, der seinen Sch\u00fctzling dann auch einsam und vehemt verteidigte. Dann kam Leopold Federmair, der ja schon vor <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/02\/ubwersetzt-von\/\">einer Woche einen Preis<\/a> bekam und ging wieder zur\u00fcck in die erste Jugendliebe, erz\u00e4hlt von einer Kellnerin, die es mit einem Pubertierenden namens Aki treibt, der Akne hat, der traut sich auch was, sp\u00e4ter Banker wird und so trifft sie ihn wieder, in einer Bank und denkt an die Stunden damals, als es Aki mit seinem Erdbeerpenis schlafwandelnd durch das Gasthaus trieb.<br \/>\n&#8220;\u00c4ltere M\u00e4nner sollten nicht \u00fcber Sex schreiben!&#8221;, twitterte das Literaturcafe und Leopold Federmair traute sich noch etwas von dem es mich eigentlich wundert, da\u00df es so bewertet wird. Er war n\u00e4mlich der Aktionist des Wettbewerbs und zog, w\u00e4hrend die Jury \u00fcber ihn herzog sein Handy, nicht sein Messer, hervor und fotografierte die Jury. Interessant, da\u00df das schon als Aktionismus gilt! Inzwischen begleitete Cornelia Travnicek, wie ich durch Twitter wei\u00df, die letzte, die 1976 geborene Isabella Feimer, in die &#8220;Maske&#8221; und die setzte dann gleich fort mit den Kindheits-und Tiererinnerungen. Sehr sch\u00f6n erz\u00e4hlt, aber nach sovielen Vortexten vielleicht ein wenig abgelutscht, w\u00fcrde ich mal flapsen. Eine Frau will einen Mann verlassen, weil sie der mit seinen Kindheitserinnerungen, wie die Oma die H\u00fchner k\u00f6pfte und die Burschen, die vorher besoffen machten, was man um die Jury zu erg\u00e4nzen, schon bei Wilhelm Busch gelesen hat, nervte. Sie will selbstst\u00e4ndig werden und sich die Str\u00fcmpfe endlich mal so, wie sie es will, anziehen und kann es dann doch vielleicht nicht und die Kritiker beklagten drau\u00dfen  im Garten die mangelnde Originalit\u00e4t des Jahrgangs.<br \/>\nAber wenn man die hat und eine tote Frau die Geschichte erz\u00e4hlen l\u00e4\u00dft, ist es auch nicht recht. Dann schon lieber den ersten Sex, die Hunde und die H\u00fchner, da geht man auf Nummer sicher und wer wird nun gewinnen?<br \/>\nIm Literaturcafe spekuliert man schon dar\u00fcber und ich schlie\u00dfe mich der Meinung an. Martynova bekommt den Bachmannpreis w\u00fcrde ich mal sch\u00e4tzen. Dann Mahlke, Stichmann, da w\u00e4re noch Platz f\u00fcr Travnicek und Kr\u00e4nzler auf der Shortlist.<br \/>\nBei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/05\/vom-36-bachmannlesen-eroffnung\/\">Sabine Hassinger<\/a> wei\u00df ich es nicht. Da k\u00f6nnte es sein, da\u00df sie einen Preis bekommt, weil diese Art zu schreiben als sehr literarisch gilt, auch wenn die Twitterer st\u00f6hnen. Nawrat habe ich gelesen, hat auch noch eine Chance und soll den Preis der Riesenmaschine bekommen. Aber da ist Cornelia Travnicek auch recht gut gereiht und der w\u00fcrde ich auch den Publikumspreis zutrauen, weil man ja von drei bis acht abstimmen kann. Dazu hat sie schon gestern aufgefordert. Ich werde, wenn ich die Passworth\u00fcrde schaffe, das auch tun, allerdings wahrscheinlich Andreas Stichmann meine Stimme geben. Aber eigentlich w\u00fcrde ich mehrere solcher ben\u00f6tigen, denn der erste Text hat mir sehr gut gefallen und dann der \u00fcber die Schriftstellerreha und und und<br \/>\nMorgen Mittag werden wir es wissen und Sara Wipauer war gestern live dabei und hat auf ihren Blog dar\u00fcber berichtet. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und Freitag ein wahrhaft fulminanter Reigen von lauter starken Stimmen, vier weibliche, die letzte kam von einem Mann und zeitweise wu\u00dfte man nicht, hat man jetzt die Preistr\u00e4gerin, wird sie Mahlke oder Martynova hei\u00dfen und geht es sich f\u00fcr einen &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15074\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-15074","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15074"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15074\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15074"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}