{"id":15026,"date":"2012-07-04T10:21:58","date_gmt":"2012-07-04T08:21:58","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=15026"},"modified":"2012-07-04T10:21:58","modified_gmt":"2012-07-04T08:21:58","slug":"nachricht-an-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15026","title":{"rendered":"Nachricht an alle"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Ein dichtes Portrait gesellschaftlicher Stimmungslagen und politischer Abl\u00e4ufe&#8221; schreibt Wolfgang Thierse, von der neuen Gesellschaft \u00fcber Michaels Kumpfm\u00fcllers 2008 erschienenen Roman &#8220;Nachricht f\u00fcr alle&#8221; f\u00fcr den er 2009 den Alfred-D\u00f6blin-Preis bekommen hat, der die Rezensenten, wie man bei Perlentaucher.de lesen kann, teilweise entt\u00e4uschte bzw. nicht befriedigt hat.<br \/>\n&#8220;Wir st\u00fcrzen ab &#8211; betet f\u00fcr mich!&#8221;, lautet das SMS, da\u00df Minister Selden in der Nacht in einem klimatisierten Hotel in Amerika von seiner Tochter bekommt und wir sind mitten drin in den &#8220;Nachtrichten f\u00fcr alle&#8221; leben wir ja in einer mediendominierten Zeit, wo man alles hautnah im Fernsehen \u00fcbertragen bekommt und so lesen wir in dem Roman von  Zust\u00e4nden in denen wir 2008, nat\u00fcrlich sehr von nine elefen gepr\u00e4gt, lebten.<br \/>\nWahrscheinlich ist es das, was die Kritiker nicht so \u00fcberzeugte, denn der spannende Thriller, den man man heute schreiben mu\u00df, um die Leser zu befriedigen, ist es eigentlich nicht. Eher eine solche Gegenwartsbeschreibung, wie ich sie auch gern liefere und damit ebenfalls meine Kritiker, wie ich beispielsweise in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/07\/augustin-schreibwerkstatt\/\">Augustin Schreibwerkstatt<\/a> erlebte, nicht wirklich \u00fcberzeugte, obwohl man damit, was mich wieder \u00fcberzeugt, beispielsweise den D\u00f6blin-Preis gewinnen kann.<br \/>\n&#8220;Denn da passiert ja nichts!&#8221; oder &#8220;Das kennen wir schon aus unserem Alltag, wir wollen das Abgehobene haben!&#8221;, wie man immer h\u00f6ren kann und es passiert auch viel auf den dreihunderteinundachtzig Seiten. Alltag, Realit\u00e4t aus der Politikersicht eines Sicherheitsstaates, ist es Deutschland oder Frankreich, so genau hat sich Kumpfm\u00fcller hier nicht festgelegt, ein europ\u00e4isches Land ist es jedenfalls und sehr vieles erscheint uns sehr bekannt.<br \/>\nDer Roman ist sehr kunstvoll aufgebaut, beginnt er doch mit einem Vorteil &#8220;At the bottom of everything&#8221;, hat ein Nachkapitel &#8220;Linger on&#8221; und dazwischen drei Teile und drei Ch\u00f6re bzw. zw\u00f6lf Kapitel und ist ein bi\u00dfchen vage geschrieben, so da\u00df mir nicht wirklich klar wurde, ob der Flugzeugabsturz Anishas jetzt ein Unfall oder ein Terrorakt war?<br \/>\nSie ist jedenfalls die Tochter des Innenministers eines, wie im Buchtext steht &#8220;mitteleurop\u00e4ischen Landes, das gerade in eine schwere Krise st\u00fcrzt.&#8221;<br \/>\nDie Streiks, sozialen Unruhen und diffusen terroristischen Bedrohungen, die er Text weiter angibt, werden in den folgenden Kaptieln genausso vage ausgef\u00fchrt. Der erste Teil ist aber sehr genau, das Begreifen oder Nichtbegreifen der Katastrophe, die einzelnen Schockphasen, die so eine Nachricht mit sich bringt wird genau beschrieben. Wir erfahren auch ein bi\u00dfchen \u00fcber den Minister. Mitte F\u00fcnfzig ist er, die Tochter Anisha stammt offenbar aus der fr\u00fcheren Beziehung mit Ruth. Die jetzige Gattin hei\u00dft Britta und ist Malerin, berufsbedingt sehen sich die beiden kaum. Selden wird von seinem Sekret\u00e4r Per begleitet, der alles f\u00fcr ihn checkt, der hat eine Frau namens Annie, die gerade schwanger ist. Der Premier hei\u00dft Nick. So weit, so gut. Dann geht es in den ersten Teil. Da lernen wir die anderen Personen kennen. Es gibt eine Journalistin namens Hannah, die mit ihrem Fotografen Erik zu den sozialen Unruhen geht, wo Firmen geschlossen werden, Aktionisten sich anketten etc. Tick, Trick, Track und ein M\u00e4dchen namens Mania gibt es auch und einen Schriftsteller? namens Rubber, der ein bi\u00dfchen in dem angedeuteten terroristischen Geschehen mitzumischen scheint. Es gibt auch die Stimme eines Sicherheitsmannes, der ein bi\u00dfchen vom Leben der Security und der Bodyguards erz\u00e4hlt und die der Selbstmordattent\u00e4ter des Islams und die Ch\u00f6re, die so etwas, wie gesellschaftliche Analysen  betreiben und das Leben mit Ritanil, Massen\u00fcberflutungen, den &#8220;Nachrichten an alle&#8221; sozusagen, das wir f\u00fchren, ein bi\u00dfen durchleuchtet.<br \/>\nEine Handlung gibt es ebenfalls, auch wenn sie, wie beschrieben, ein bi\u00dfchen vage ist und dem nicht sehr aufmerksamen Leser in dieser Flut an Informationen leicht entgleiten kann, was aber auch symptomatisch f\u00fcr die Zeit in der wir leben und daher beabsichtigt sein kann.<br \/>\nSelden wird also durch den Tod seiner Tochter ersch\u00fcttert, trotzdem gehen die Unruhen und die Wahlk\u00e4mpfe weiter, er hat sich mit seiner Frau auseinandergelebt, lernt die Journalistin Hannah kennen, wird gemobbt, sein Privatleben und das einer fr\u00fcheren Geliebten wird an die \u00d6ffentlichkeit gezerrt. F\u00e4hrt  mit Hannah an einen kleinen Ort, dort sind schon die Terroristen, es kommt zu einem Anschlag und einer  lebensgef\u00e4hrlichen Verletzung. Er hat aber Gl\u00fcck, wird sogar Premier und im Schlu\u00dfteil, Jahrzehnte sp\u00e4ter, wo die meisten der handelnden Personen schon gestorben sind, f\u00e4hrt der drei\u00dfigj\u00e4hrige Staranwalt Mattis mit einem M\u00e4dchen namens Anisha durch den Wald, um seinen Vater in einen dieser Seniorenparks f\u00fcr Prominente, wo diese abgeschirmt und abgesichert von der inzwischen kaputt gegangegen \u00d6ffentlichkeit, ihre B\u00fccher schreiben oder in den Tod gepflegt werden, zu besuchen. Er ist der Sohn Hannahs, die inzwischen in Amerika Karriere machte und, da\u00df das M\u00e4dchen Anisha, wie die Tochter aus einer anderen Beziehung hei\u00dft, ist Zufall weiter nichts und fast alle, die um Selden waren, Per, Britta etc, sind gestorben, nur er ist vorl\u00e4ufig \u00fcbergeblieben, schreibt an einem Buch, st\u00fctzt sich schwer an einem Stock und hat am Morgen Schwierigkeiten mit dem Aufstehen&#8230;<br \/>\nJa und, da\u00df er in seiner Jugend ein begeisteter Anwalt war, der, bevor er in die Politik eingestiegen ist, die Welt retten wollte, habe ich noch vergessen.<br \/>\nMicchael Kumpfm\u00fcller ist 1961 geboren, der Roman mit dem er ber\u00fchmt wurde hei\u00dft &#8220;Hampels Fluchten&#8221;, im vorigen Jahr hat er mit &#8220;Die Herrlichkeit des Lebens&#8221;, dem Roman \u00fcber Kafkas Liebe zu Dora Diamant mediales Aufsehen erregt und war damit, glaube ich, sowohl in Frankfurt als auch auf der Buch-Wien. Verheiratet  mit Eva Menasse, lebt in Berlin, steht in Wikipedia.<br \/>\nDas Buch stammt aus einem der 3.90 Abverk\u00e4ufe, die es bei Thalia in der Kremsergasse immer wieder gibt und das Lesen war interessant, weil mich das realistische Schreiben ja sehr interessiert.<br \/>\n&#8220;Sehr spannend! Kumpfm\u00fcller wei\u00df, wie Politiker leben!&#8221;, hat Elke Heidenreich noch zitiert. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ein dichtes Portrait gesellschaftlicher Stimmungslagen und politischer Abl\u00e4ufe&#8221; schreibt Wolfgang Thierse, von der neuen Gesellschaft \u00fcber Michaels Kumpfm\u00fcllers 2008 erschienenen Roman &#8220;Nachricht f\u00fcr alle&#8221; f\u00fcr den er 2009 den Alfred-D\u00f6blin-Preis bekommen hat, der die Rezensenten, wie man bei Perlentaucher.de lesen &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=15026\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-15026","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15026","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15026"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15026\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}