{"id":14724,"date":"2012-06-18T00:47:13","date_gmt":"2012-06-17T22:47:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14724"},"modified":"2012-06-18T00:47:13","modified_gmt":"2012-06-17T22:47:13","slug":"der-verdacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14724","title":{"rendered":"Der Verdacht"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Krimi des ber\u00fchmten Schweizer Schriftstellers und Dramatikers Friecdrich D\u00fcrrenmatt, 1921 bis 1990, der auch Krimi geschrieben hat, der &#8220;Verdacht&#8221;, ist zwischen 1951 und 1952 als Fortsetzungsroman erschienen und ich bin in der Gewerkschaftsschreibwerkstatt auf ihn gesto\u00dfen, als dort einmal das Thema Krimi war. Da hat Evelyn Haas, glaube ich, ein St\u00fcck zur Einstimmung vorlesen lassen und die Geschichte mit dem Nazi Arzt der von einem alten Kriminalkommissar im Krankenhaus erkannt wird, hat mich so sehr fasziniert, da\u00df ich dem Buch nachforschte.<br \/>\nDamals in der Schreibwerkstatt, habe ich &#8220;Mein ist die Rache geschrieben&#8221;, da ist mir die Idee nach der wahren Begebenheit des Motorradfahrers gekommen, der von der Polizei erschossen wurde, weil er zuf\u00e4llig neben ein Bankr\u00e4uberauto gekommen ist, auch eine faszinierende Geschichte. Ich habe dem einen Freund gegeben, der Arzt ist und einmal den bewu\u00dften Gendarmen am Blinddarm operieren mu\u00df und er operiert nicht falsch, denn meine Helden tun das nicht, ist aber eine andere Geschichte, im &#8220;Best of Eva Jancak Geschichten Buch&#8221; erschienen und die Schreibwerkstatt ist lange her.<br \/>\nIrgendwann einmal, vielleicht von diesen Buch Gutschein, den ich in der Pannaschgasse gewonnen habe, habe ich mir einen D\u00fcrenmatt Krimi, Band f\u00fcnf aus der S\u00fcddeutschen Kriminalbibliothek gekauft, es war aber der falsche, deshalb habe ich ihn noch nicht gelesen und setzte &#8220;Das Versprechen&#8221; jetzt erst auf meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste von 2014<\/a> und den &#8220;Verdacht&#8221; gabs dann auch im B\u00fccherschrank. Ich sage ja, da\u00df ich die f\u00fcr eine fantastische Einrichtung halte und ein bi\u00dfchen habe ich \u00fcber D\u00fcrenmatt, den ich aus der Schule kenne und &#8220;Der Besuch der alten Dame&#8221; wahrscheinlich eine Theater der Jugend Auff\u00fchrung hat mich auch sehr fasziniert, jetzt nachgegoogelt.<br \/>\n&#8220;Der Verdacht&#8221;, ist also die Fortsetzung von &#8220;Der Richter und der Henker&#8221;, ob ich das auch habe, mu\u00df ich nachschauen, auch da gibt es den Kommiss\u00e4r B\u00e4rlach, genannt, der Alte, der Krebskrank ist und im &#8220;Verdacht&#8221;, liegt er im Krankenhaus, nach der Operation, hat nicht mehr lang zu leben und liest ein paar alte Zeitschriften aus dem Jahr 1945. Da ist ein KZ-Arzt abgebildet, der ohne Narkose operierte.<br \/>\n&#8220;Schau dir das an!&#8221;, sagt der Kommiss\u00e4r zu seinem Freund Dr. Hungertobel, der ihn auch operierte. Der erbleicht und erkennt einen Studienkollegen, aber der hei\u00dft nicht Nehle, wie der Naziarzt, sondern  Emmenberger und war 1945 auch in Chile. Jetzt ist er wieder in die Schweiz zur\u00fcckgekommen und leitet irgendso ein Nobelsanatorium, wo reiche alte Menschen sterben und ihm vorher alles vererben und einmal, 1908, als sie noch junge Studenten waren, stiegen sie auf eine Bergh\u00fctte, da gab es einen Unfall, da hat Emmenberger auch ohne Narkose operiert.<br \/>\nDer Alte gibt nicht nach, obwohl der von seinem Chef besucht wird, der ihm die Nachricht bringt, da\u00df er krankheitsbedingt entlassen oder pensioniert wurde, schickt ihm aber doch den Akt von Dr. Nehle, denn der lebt nicht mehr, hat sich umgebracht mit Zyankali. Der Verdacht liegt nahe, da\u00df es um eine Verwechslung geht, so l\u00e4\u00dft sich der alte Kommiss\u00e4r unter falschen Namen in das Sanatorium \u00fcberstellen. Vorher empf\u00e4ngt er aber zwei Besucher, einen alten Juden, der im Kaftan, nachts in das Spitalszimmer hineingeklettert gekommt und ihm einiges \u00fcber Dr. Nehle erz\u00e4hlt, war er ja im KZ-Stutthof sein Opfer. Er gibt ihm auch Schnaps zu trinken, so da\u00df die Krankenschwestern am n\u00e4chsten Morgen b\u00f6se schauen, weil der Kommiss\u00e4r besoffen ist, er raucht aber auch und Dr. Hungertobel z\u00fcndet sich in seiner Gegenwart ebenfalls ein Zigarettchen an.<br \/>\nNun ja, das war 1948 und damals vielleicht m\u00f6glich, das Buch lebt aber auch von seinen sehr bizarr anmutenden Einf\u00e4llen und Personen, so ist der zweite Besucher ein heruntergekommener Schriftsteller, dem der Kommiss\u00e4r den Auftrag gibt, in seiner Literaturzeitschrift einen entsprechenden Enth\u00fcllungsartikel zu schreiben und dann zu seiner Sicherheit zehn Tage nach Paris zu verschwinden. Dann l\u00e4\u00dft er sich von Dr. Hungertobel in das Sanatorium bringen, um dort Dr. Emminger zu verh\u00f6ren. Vorher sieht er noch einen Zwerg, wie erw\u00e4hnt D\u00fcrenmatt versteht sehr bizarr zu schreiben und philosophische Gedanken flicht er in seinem Krimi auch immer ein.<br \/>\nAus dem Verh\u00f6r wird nicht viel, stehen dem Gott in Wei\u00df doch alle Spritzen zur Verf\u00fcgung, er empf\u00e4ngt ihn auch gleich im Operationssaal und nach der Spritze, einer Insulinkur, wie sich sp\u00e4ter herausstellen soll, wacht B\u00e4rach zum Skelett verwandelt erst f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter auf. Unterh\u00e4lt sich mit der Krankenschwester Kl\u00e4ri, bewundert die Bilder an den W\u00e4nden, die sich nach Belieben austauschen lassen, denn nichts ist f\u00fcr die Kranken zu teuer, aber aus dieser Station, kommt keiner lebend heraus, sagt die Schwester unger\u00fchrt. Es erscheint dann auch noch eine morphiums\u00fcchtige \u00c4rztin, ehemalige Kommunistin mit eingravierter KZ-Nummer und erz\u00e4hlt, da\u00df sie von Stalins H\u00f6llen in die von Hiltler bzw. Emmingers kam, dann kommt der Arzt selbst und sagt er wird um sieben operieren und Dr. Hungertobel wird er auch umbringen. Der Schriftsteller ist schon tot, die Uhr tickt unerbittlich, trotzdem f\u00fchren sie noch philosophische Gespr\u00e4che, der Kommiss\u00e4r erkennt seine Schw\u00e4che. Dann kommt aber der fassadenkletternde Jude mit dem Zwerg, eigentlich ein Vasall Emmingers, aber doch dem Fassadenkletterer zugetan. Emminger hat er schon eine Zyankalikapsel zwischen die Lippen gepresst, so da\u00df Dr. Hungertobel den Alten in sein Spital zur\u00fcckbringen kann.<br \/>\nEine sehr beeindruckende Geschichte, so bald nach dem Krieg geschrieben und beeindruckend auch, ob der Form, die D\u00fcrenmatt f\u00fcr seinen Krimi w\u00e4hlte, vieles ganz anders als gewohnt und in einem Schreibseminar w\u00fcrde er den Test f\u00fcr den richtigen Krimiplot wohl  nicht bestehen. Ist aber trotzdem ein Meisterwerk, das auch verfilmt wurde und eine wieder, ob all der Widerw\u00e4rtigkeiten, die dieses Leben ausmachen und auch real geschehen sind, hilflos zur\u00fcckl\u00e4\u00dft.<br \/>\nDazu passt sehr gut das zuletzt gelesene <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/14\/abschied-von-sidonie\/\">Buch<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Krimi des ber\u00fchmten Schweizer Schriftstellers und Dramatikers Friecdrich D\u00fcrrenmatt, 1921 bis 1990, der auch Krimi geschrieben hat, der &#8220;Verdacht&#8221;, ist zwischen 1951 und 1952 als Fortsetzungsroman erschienen und ich bin in der Gewerkschaftsschreibwerkstatt auf ihn gesto\u00dfen, als &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14724\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14724","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14724\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}