{"id":14653,"date":"2012-06-15T01:31:00","date_gmt":"2012-06-14T23:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14653"},"modified":"2012-06-15T01:31:00","modified_gmt":"2012-06-14T23:31:00","slug":"das-recht-auf-ruckkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14653","title":{"rendered":"Das Recht auf R\u00fcckkehr"},"content":{"rendered":"<p>Von Leon de Winter hatte ich bisher zwei Romane in meinen Regalen stehen, &#8220;Der Himmel \u00fcber Hollywood&#8221;, das in den sp\u00e4ten Neunzehnneunzigerjahren bei Libro auf der Bestsellerliste stand, als es diese Bestselleraktion gegeben hat und &#8220;Leo Kaplan&#8221;, da habe ich keine Ahnung, wie ich dazu gekommen bin und ob ich es gelesen habe.<br \/>\n&#8220;Vom Recht auf R\u00fcckkehr&#8221; habe ich beim Buchmessensurfing 2010 geh\u00f6rt, wahrscheinlich war der Autor auf dem blauen Sofa und habe gedacht, das ist ein interessantes Buch, weil es den Israel-Pal\u00e4stinakonkflikt in Thrillerform beschreibt, dann habe ich es im B\u00fccherschrank gefunden und gedacht &#8220;Wow, so was Aktueles, toll!&#8221;, jetzt habe ich es gelesen und bin etwas weniger begeistert, denn der 1954 in Hertogenbusch als Sohn niederl\u00e4ndischer Juden geborene Leon de Winter, schreibt darin \u00fcber sehr sehr viel. Beinhahe  die gesamten Probleme unserer Welt werden in dem im Jahr 2024 in Tel Aviv beginnenden Buch, in einer, wie die Leser ja immer fordern, spannenden Krimihandlung dargestellt.<br \/>\nLeon de Winters Israel von 2024 ist ein heruntergekommener Staat der Alten, Labilen und Vorbestraften, sehr geschrumpft, denn die Araber haben sich schon sehr breitgemachtt und alle, die irgendwie ein Visum bekommen, sind ausgewandert, meist nach Polen oder Russland, denn Putin hat sich seine abtr\u00fcnnigen Staaten fast alle zur\u00fcckerobert und das Land ist reich und prosperierend geworden. Die \u00dcberwachungstechnologie hat auch schon das gesamte Leben in Kontrolle, beinahe alles kann man an den Genen erkennen und so wird man auch gescannt, wenn man nach Jaffa will, ob man das j\u00fcdische Y Gen besitzt, denn bis 2024 hat es soviele Attentate und Anschl\u00e4ge, gegeben, da\u00df Bram Mannheim, einst ein bekannter Historiker mit einem Freund Ikky, der zur H\u00e4lfte aus Titan besteht, eine Agentur gegr\u00fcndet hat, die nach verschwundenen Kindern sucht.<br \/>\nSo beginnt das Buch, das hei\u00dft eigentlich beginnts mit dem Hund Hendrikus, der auch eine wichtige Rolle spielt, dann fahren Bram und Ikky nach Jaffa, um nach der verschwundenen Sara zu suchen, sie hoffen sie zur\u00fcckkaufen zu k\u00f6nnen und langsam kommt man in die Geschichte hinein, denn es geht zur\u00fcck ins Jahr 2004, wo alles noch halbwegs normal war und wir erfahren, da\u00df Bram, in den Niederlanden aufgewachsen und der Sohn eines Nobelpreistr\u00e4gers ist, der nach Tel Aviv auswanderte, so hat auch Bram dort studiert, ist jetzt Experte f\u00fcr Nahostfragen, hat eine indische \u00c4rztin, die auch Filme dreht, geheiratet, bekommt einen kleinen Sohn und \u00fcberlegt in die USA zu gehen. Dort wird der vierj\u00e4hrige Benny entf\u00fchrt, sein Vater wird verr\u00fcckt dar\u00fcber und verbringt die n\u00e4chsten Jahre als Sandler in Santa Monica, rettet ein Kind vor einem Anschlag, wird von einem Million\u00e4r wieder ins Leben zur\u00fcckgeholt und ermordet schlie\u00dflich den Mann, den er f\u00fcr den Entf\u00fchrer seines Sohnes h\u00e4lt.<br \/>\nDa Leon de Winter offenbar auch einer ist, der die \u00dcberh\u00f6hung auf die Spitze treibt, passierend in dem Roman die unglaublichsten Dinge, so stellt sich die Mutter der kleinen Sara, der Bram die Todesnachricht \u00fcberbringen mu\u00df, als die angebliche Prostituierte Eva heraus, der er nach jeden Treffen Geld gegeben hat, sie wird bald von Bram schwanger und will mit ihm nach Russland auswandern, er wird aber, weil psychisch labil, vermutlich kein Visum bekommen.<br \/>\nTrotzdem bet\u00e4tigt er sich als Rettungsfahrer, bringt die Alten nach den Schlaganf\u00e4llen in das heruntergekommene Krankenhaus und die erz\u00e4hlen, bevor sie sterben Witze und seinen Vater, der inzwischen an Alzheimer erkrankt ist, betreut er auch.<br \/>\nKurz nachdem Bram und Ikky aus Jaffa zur\u00fcckgekommen sind, gibt es einen weiteren Anschlag, bei dem viele Menschen sterben und der Soldat, der Bram noch von den Zeiten in denen er Professor war, kennt, hat gesehen, da\u00df der Anschlag durch ein Selbstmordattentat eines fanatisierten Arabers passierte, der war aber Jude, hat er ihn doch selber  durchgecheckt. Das bringt den Geheimdienst ins Spiel und der findet heraus, da\u00df vor sechzehn Jahren noch ein anderes Kind eines Kollegen von Brams Vater entf\u00fchrt wurde, das war der Attent\u00e4ter und der Verdacht liegt nahe, da\u00df Benny doch nicht von einem P\u00e4dophilen ermordet wurde, sondern in Kasachstan als Selbstmordattent\u00e4ter ausgebildet wurde und Bram macht sich auf die Mission seinen Sohn zu suchen. Dort findet er zuerst ein blindes Kind, dann kommt er seinem Sohn auf die Spur, der sich inzwischen in Amsterdam befindet, um seine Mission zu erf\u00fcllen. So reist Bram dorthin und geht in den t\u00fcrkischen Supermarkt in dessen Hinterzimmer der Sohn, der auf Arabisch Thaquib Israilow hei\u00dft, wohnt, l\u00e4\u00dft sich von ihm erkennen und vom Geheimdienst abf\u00fchren, um dann in sein neues Leben zu seiner neuen Familie und dem alten Hund, den er von seinem Vater bekommen hat, aufzubrechen.<br \/>\nSehr viel wird da in einem einzigen Buch erz\u00e4hlt, vom Holocaust, der Vater wurde in die KZs deportiert, ist vor lauter Hunger geizig geworden,  von der Utopie eines total heruntergekommenen Israels, wo nur mehr die an Alzheimer erkranken, die Vorbestraften und die Labilen leben und man st\u00e4ndig \u00fcberwacht, aber auch st\u00e4ndig \u00fcberfallen wird und dann noch die eindrucksvollen Begegnungen des Sohnes mit dem alten Vater, der dem Nobelpreistr\u00e4ger die Windeln wechselt, ihn im Rollstuhl in die Ambulanzen f\u00e4hrt, wo er von einem achtzigj\u00e4hrigen Arzt, der nicht mehr gerade gehen kann, betreut wird und sich dann noch akribisch  die Worte vorspielen l\u00e4\u00dft, die der alte Vater vor sich hinbrabbelt.<br \/>\nWitze und Geschichten kommen vor, der Goldschmied Janucz Goldfarb erz\u00e4hlt bevor er an seinem Schlaganfall verstirbt, den Sanit\u00e4tern, den von den Astronauten die herausbekommen wollen, ob es am Mars Sauerstoff gibt, die Marsmenschen schauen sie entsetzt an und schreien &#8220;heute Schabbes, Idiot, heute nix Feuer!&#8221; und die von der Enkeltochter, die \u00fcber den Tod der Oma so begeistert ist, da\u00df sie es mit dem Sanit\u00e4ter in der K\u00fcche treibt.<br \/>\nIch denke wieder, da h\u00e4tte man zehn Romane aus einem machen k\u00f6nnen und ein bi\u00dfchen sehr ausgeufert, phantastisch und \u00fcbertrieben ist die Handlung allemal und es wird eigentlich nichts ausgelassen. Brams Vater ist Nobelpreistr\u00e4ger, als er in Amerika ist, kauft er sich ein Riesenhaus, als sein Sohn verschwindet, wird er zum Sandler, dann kommt der Million\u00e4r und rettet ihm, etc.<br \/>\nTrotzdem habe ich es mit Spannung gelesen und Leon de Winter hat in seiner ausufernden Phantasie auch sehr heikle Fragen behandelt &#8220;Wir h\u00e4tten nicht herkommen sollen, Bram!&#8221;, sagt der Geheimdiestchef.<br \/>\n&#8220;Wir sind in die falsche Gegend mit rachs\u00fcchtigen Menschen gekommen. Sie haben eine rachs\u00fcchtige Religion, waren fr\u00fcher rachs\u00fcchtige W\u00fcstenst\u00e4mme und haben einen Tempel in Mekka.&#8221;<br \/>\nLeon de Winter wurde von den Kritikern auch sehr gelobt und hat 2002 den WELT-Literaturpreis bekommen.<br \/>\nEr ist mit der Schriftstellerin Jessica Durlacher  verheiratet und die beginnt mit ihren Romanen auch oft beim Holocaust und macht daraus spannende Thriller.<br \/>\nInteressant wird sicher sein, das Buch 2024 zu lesen und es mit der dann existierenden Realit\u00e4t zu vergleichen, die die Wirtschaftskrise und die arabische Revolution, die sich ja auch weiterentwickeln werden, in dem Buch ja nicht so beschrieben werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Leon de Winter hatte ich bisher zwei Romane in meinen Regalen stehen, &#8220;Der Himmel \u00fcber Hollywood&#8221;, das in den sp\u00e4ten Neunzehnneunzigerjahren bei Libro auf der Bestsellerliste stand, als es diese Bestselleraktion gegeben hat und &#8220;Leo Kaplan&#8221;, da habe ich &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14653\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14653","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14653","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14653"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14653\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}