{"id":14643,"date":"2012-06-13T23:19:06","date_gmt":"2012-06-13T21:19:06","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14643"},"modified":"2012-06-13T23:19:06","modified_gmt":"2012-06-13T21:19:06","slug":"wer-ist-denn-schon-zu-hause-bei-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14643","title":{"rendered":"Wer ist denn schon zu hause  bei sich"},"content":{"rendered":"<p>Am sechzehnten Juni w\u00e4re Elfriede Gerstl achtzig Jahre alt geworden. Wer das nicht wei\u00df, kann das dieser Tage \u00fcberall h\u00f6ren oder lesen, vorvoriges Wochenende in der Beilage von &#8220;Presse&#8221; und &#8220;Standard&#8221;, diese Woche beginnt Cornelius Hell damit die &#8220;Gedanken f\u00fcr den Tag&#8221; und in den &#8220;Tonspuren&#8221; gabs und gibts  ein Gerstl Portrait. Eine ganz besondere \u00dcberraschung, die Pr\u00e4senz der kleinen zarten Dichterin, deren angebliche Beil\u00e4ufigkeit jetzt \u00fcberall gelobt wir, jetzt \u00fcberall zu erleben. Denn in den F\u00fcnfziger, Sechziger, Siebzigerjahren war es ja sehr still in Wien um sie und als sie einmal um eine Wohnung ansuchte, soll ihr der Beamte gesagt haben, sie k\u00f6nne ja \u00fcberall, also auch im Park und im Cafehaus dichten und als ich Hilde Schm\u00f6lzer einmal fragte, wieso bei ihrem in den Siebzigerjahren erschienen Frauen und Schreiben Buch das Gerstl Portrait fehlt, sagte sie mir, sie war damals noch nicht so bekannt. Mir war sie das aber schon lang, obwohl ich mich auch nicht ganz genau erinnern kann, wo und wann die erste Begegnung stattfand. Aber als der erste Wiener Schriftstellerkongre\u00df stattfand, den ich gerade vers\u00e4umte, gab es in den Stra\u00dfenbahnen eine den Schriftstellern gewidmetete Sondernummer, die habe ich, glaube ich mich zu erinnern, mitgehen lassen und da stand das von der Not der Schriftsteller in den F\u00fcnfzigerjahren und in einer der fr\u00fchen Emma-Nummern gab es ihren Bericht \u00fcber ihre Kindheit, sie war ja die Tochter eines j\u00fcdischen Zahnarztes und hat die Nazizeit im Versteck \u00fcberlebt. Dann kann ich mich einmal erinnern, sie in der Konditorei Aida in der Wollzeile mit ihren Hut gesehen zu haben, wahrscheinlich habe ich da noch studiert und als ich 1883 in der Klinik zu arbeiten angefangen habe, hab ich mir die &#8220;Wiener Mischung&#8221; gekauft. Dann kam die pers\u00f6nlichke Bekanntschaft durch die GAV und da eine Anekdote, wie wir bei einem Fest f\u00fcr Jandl, Mayr\u00f6cker oder R\u00fchm, zu der die GAV geladen hat, vor dem Kunsthaus in M\u00fcrzzuschlag standen,  das Programm besprachen und Elfriede Gerstl sagte, da\u00df sie nicht spazierengehen k\u00f6nne, weil nicht zeckengeimpft, denn in Wien braucht man das nicht.<br \/>\nIn Wien ist sie das aber viel gegangen, immer durch die Seitenstra\u00dfen des ersten Bezirks, hat Cornelius Hell seine Gedanken am Montag auch begonnen. Eine stadtbekannte Person und eine, die immer nett und freundlich war, die Anekdote, da\u00df ich zu dem Wespennestfest wollte, Walter Famler mir sagte, ich w\u00e4re nicht unter den hundert geladenen Autoren und mich Kurt Neumann, den ich auch deshalb anrief, mir in der Alten Schmiede, als ich zuf\u00e4llig neben Elfriede Gerstl sa\u00df, darauf ansprach, da hat mich die kleine alte Dame mitgenommen.<br \/>\n1999 kam der Erfolg, der Erich Fried und der Georg Trakl Preis gleich hintereinander, in diesem Jahr war sie auch bei meinem literarischen Geburtstagsfest und dann wurde sie von den Lesetheaterfrauen und anderen immer wieder eingeladen, wenn man Publikum bei seinen Veranstaltungen wollte und die kleine alte Dame wird schlecht nein sagen haben k\u00f6nnen. Deshalb habe ich auch B\u00fccher mit ihr getauscht, einmal die &#8220;Wiener Verh\u00e4ltnisse&#8221;,  wo sie mir sagte, da\u00df sie keine Romane schreibt, nat\u00fcrlich nicht galt sie ja als experimentelle Dichterin und war Mitglied der Wiener Gruppe, wo sie sich nicht sehr wohl gef\u00fchlt hat.<br \/>\nSie ist auch \u00f6fter auf das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/08\/31\/volksstimmefest\/\">Volksstimmefest<\/a> gegangen, war sie ja eine Wiener Stadtfaneurin und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/09\/osterferien-und-gerstl-nachruf\/\">2009 im April<\/a> gestorben. Ich war auf ihren <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/21\/gerstl-begrabnis\/\">Begr\u00e4bnis<\/a>, es gab dann einige Veranstaltungen, die ich vers\u00e4umte und die FrauenlesenFrauengruppe f\u00fchrte ihr H\u00f6rspiel <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/28\/alle-tage-gedichte-und-auch-prosa\/\">&#8220;Berechtigte Fragen&#8221;<\/a> auf, das ist in den Siebzigerjahren in der Edition Literaturproduzenten bei Jugend und Volk erschienen und wurde vor einiger Zeit von mir im offenen B\u00fccherschrank gefunden, so da\u00df ich Frank Gassner gestern mailte, da\u00df ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\"> bei der Lesung am 16. Juni <\/a>eine kleine Zugabe daraus geben werden. Das Heftchen ist lang vergriffen, wurde aber inzwischen neuaufgelegt, gibt es ja inzwischen den Plan einer vierb\u00e4ndigen Droschl-Werkausgabe, wo jedes Jahr im Juni ein Band herausgegeben von Helga Mitterbauer und Christa G\u00fcrtler erscheinen wird und das \u00f6sterreichische Literaturarchiv, das sowohl den Vorla\u00df als den Nachla\u00df kaufte, hat ebenfalls herausgegeben von Christa G\u00fcrtler und Martin Wedl ein Gerstl-Profil herausgebracht und beide B\u00e4nde wurden in der Alten Schmiede vorgestellt.<br \/>\nEs gibt ja auch die von Elfriede Gerstl und  Herbert J. Wimmer herausgebrachten Erinnerungs bzw. Transzendenz- etc- Postkarten und eine solche lag auf den Pl\u00e4tzen auf und als ich suchend fragte, ob  frei sei, fuhr mich eine Dame an &#8220;Nein, das sieht man doch?&#8221;, was mich verwirrte, weil ja etwas kurzsichtig und als ich es weiter hinten noch einmal versuchte, kam \u00fcberhaupt keine Antwort und auf jeden Sitz eine solche Karte, nur ganz hinten neben Manfred Chobot fehlte die und es ist auch immer voller und voller geworden. Viele bekannte Gesicher Konstanze Fliedl, Daniela Strigl, Dine Petrik, Franz Schuh, Elisabeth Reichart, Marie Therese Kerschbaumer u.u.u. Einen Platz ganz vorne, wo ich eigentlich hinwollte, habe ich dann nach der Pause durch Vermittlung einer lieben Dame auch gefunden.<br \/>\nDer Abend war auch lang, Kurt Neumann begr\u00fc\u00dfte und wies darauf hin, da\u00df Elfriede Gerstl schon sehr fr\u00fch und sehr oft in der Alten Schmiede mitwirkte, da\u00df sie auch sehr oft bei den Stammg\u00e4sten war und auf den Sessel in der letzten Reihe gesessen ist, hat er nicht erw\u00e4hnt, aber das Programm des Autorenmonats Oktober 1982 aufgelegt, den Elfriede Gerstl in der Alten Schmiede gestaltete.<br \/>\nKlaus Kastberger vom Literaturarchiv moderierte und stellte mit Christa G\u00fcrtler, die Beitr\u00e4ge aus dem Archivband vor. Viele bekannte Namen geben  ihre Eindr\u00fccke \u00fcber die gro\u00dfe alte Dame kund. Doron Rabinovichi beispielsweise, aber auch Elfriede Jelinek, die mit ihr ja sehr befreundet war. Die Kleidersammlung kam vor und dann auch H\u00f6rspielproben aus den &#8220;Berechtigten Fragen&#8221;. Zwei der H\u00f6rspiele wurden ja vom ORF gesendet, das ORF kritische aber bis heute nicht. Herbert J. Wimmer las  Textkartenbeispiele vor &#8220;mehr als da ist gibt es nicht&#8221;, beispielsweise oder &#8220;pflanzenessen nicht vergessen&#8221;, eine Elfriede Gerstl Erinnerungskarte.<br \/>\nNach der Pause wurde der erste Drosch-Band pr\u00e4sentiert &#8220;Mittellange Minis&#8221; in dem die fr\u00fchen Gerstl Texte enthalten sind, die H\u00f6rspiele, &#8220;Gesellschaftsspiele mit mir&#8221;, den sogenannten Roman &#8220;Spielr\u00e4ume&#8221;, der zuerst in der Edition neue Texte erschienen ist, etc.<br \/>\nKlaus Kastberger forderte zum Kaufen auf, der Archivband war aber glaube ich schon ausverkauft und ich habe ja mein kleines eigenes Archiv im Literaturgefl\u00fcster und eine intensive Erinnerung an die kleine alte Dame mit den H\u00fcten und den sch\u00f6nen alten Kleidern. Da\u00df ich einmal bei einer Veranstaltung war, wo ich auch nicht hineingekommen bin und dann Elfriede Gerstl in die Kettenbr\u00fcckengasse begleitete, wo sie mir ihr Kleiderlager zeigte, habe ich, glaube ich, auch schon gefl\u00fcstert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am sechzehnten Juni w\u00e4re Elfriede Gerstl achtzig Jahre alt geworden. 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